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Newsletter August 2009

EMB Positionen dem Agrarausschuss des EU-Parlaments vorgestellt

Am 14. Juli versammelten sich in Straßburg 1500 Milcherzeuger vor dem frisch gewählten europäischen EU-Parlament, um noch einmal den dringenden Handlungsbedarf der Politik in Bezug auf den Milchmarkt und ihre Lösungsvorschläge zu präsentieren. Französische Milcherzeuger aus dem Westen Frankreichs brachen schon eine Woche vorher, am 6. Juli mit ihren Treckern auf, um zur Zeit in Straßburg anzukommen. Einige von ihnen waren bei den Veranstaltungen mit 1.500 Milcherzeugern in Bretagne und Normandie dabei. Viele haben am Hoftor ein Schild hängen mit der Aufschrift „Hier bald Milchstreik und kostenlose Milchabgabe“. Ein Ergebnis dieser Kundgebung in Straßburg war die Einladung des EMB zu einer Anhörung vor dem Agrarausschuss des neu gewählten EU-Parlaments am 21. Juli in Brüssel.

Hier konnte man  Vertreter aller Parteien sagen hören, dass die Mengenregulierung am Milchmarkt notwendig sei. Hierzu solle die bestehende Quote besser genutzt werden. Ein weiterer Punkt, der bei der Sitzung des Agrarausschusses positiv auffiel, dass viele Stimmen sich wie auch das EMB sehr kritisch in Bezug auf die Politik der EU-Kommission äußerten. Verschiedene Maßnahmen wie die Exporterstattungen und die Intervention müssten rückgängig gemacht werden. Man brauche eine neue Agrarpolitik, die in Zukunft in eine andere Richtung gehe, eine die nachhaltige Landwirtschaft mit kostendeckenden Erzeugerpreisen und Versorgungssicherheit wieder in den Mittelpunkt stelle.

 

Faire Milchpreise immer wieder zum Thema machen

Romuald Schaber hatte als Präsident des European Milk Board bei dieser Sitzung die Position der Milcherzeuger in Europa vorgetragen. Es ist eine EMB-Veranstaltung mit den Mitgliedern des EU-Parlements geplant, um noch mehr Vertretern die Möglichkeit zu geben, unsere Lösungswege aus der Krise, in eine zukunftsorientierte Milcherzeugung in Europa kennenzulernen. Die Erfahrung zeigt: Entscheidend in Bezug auf die Arbeit mit Politikern sind zwei Dinge: Sie müssen immer wieder auf den unterschiedlichsten Ebenen über das Thema faire Milchpreise informiert werden und sie müssen unter Handlungsdruck kommen. Das EU-Parlament wird nach Unterzeichnung des Lissabon-Vertrages an Einfluss auf die Agrarpolitik gewinnen. Es lohnt sich, seine Mitglieder und deren Parteikollegen in allen Ländern und Kreisen anzusprechen.


Zeit des Milchsuppe löffeln ist vorbei

Sollte die Politik am 7.9.2009 keine Maßnahmen ergreifen, die den Milchbetrieben in Europa eine Perspektive bieten, dann gehen die Milcherzeuger auf die Milchbarrikaden. Bereits bei der Mitgliederversammlung des EMB in der Schweiz war diese Bereitschaft sehr deutlich zu spüren. Inzwischen hat sie nicht nur in Frankreich massiv zugenommen. Die Zeiten, in denen die Milcherzeuger Europas die Milchsuppe brav alleine und im verborgenen auslöffeln, in dem sie ihren Betrieb schließen, sind vorbei. Und das ist eine gute Entwicklung für die gesamte Gesellschaft, denn sozial und ökologisch nachhaltig erzeugte Nahrungsmittel sind Lebensgrundlage.

Sonja Korspeter, EMB

 

„Hier wird bald gestreikt und Milch verschenkt!“ - Milcherzeuger in Frankreich aktiv für den Milchstreik und die Verständigung mit den Verbrauchern

In den letzten Monaten haben Vertreter der APLI (Association des Producteurs de Lait Indépendants) und der OPL (Organisation des Producteurs de Lait) im Rahmen ihrer Informationsveranstaltungen zu rund 30.000 Milcherzeugern in Frankreich gesprochen. Jedes Mal wurde auch eine Abstimmung gemacht zur Bereitschaft, sich an einem Milchstreik zu beteiligen. Danach sind 85% der jeweils anwesenden Erzeuger bereit, ihren Milchtankhahn zu öffnen. Täglich besuchen 1000 Personen die Internetseite der APLI. Neben den Versammlungen machen die Franzosen etwas ähnliches wie ihre europäischen Kollegen im letzten Jahr. Sie hängen Planen auf auf ihren Feldern und Höfen auf mit der Aufschrift: „Hier wird bald gestreikt und Milch verschenkt!“ (siehe www.youtube.com/watch. Dies zeigt Entschlossenheit und signalisiert zugleich Offenheit gegenüber den Verbrauchern. Auch auf Märkten sind Milcherzeuger der APLI anwesend und geben an Ständen neben Informationen zur Situation der Milchbäuerinnen und -bauern kostenlos Milch ab. Firmen stellen bei sich Schilder auf, auf denen sie ihre Solidarität mit den Milcherzeugern kundtun.

Dies sind alles Schritte auf dem Weg zum Milchstreik, denn die Franzosen sind wild entschlossen, für ihre Zukunft zu kämpfen. Die Situation der französischen Milchbetriebe ist dramatisch. Viele Rechnungen bleiben unbezahlt liegen. Die Banken machen enormen Druck. Die Molkereien haben Angst und deshalb für August und September bereits Preise um die 30 Cent angekündigt, die sie eigentlich gar nicht zahlen können. Danone bietet offenbar Junglandwirten zinsfreie Kredite an, wenn sie unterschreiben, dass sie sich nicht an einem Milchstreik beteiligen. Hinzu kommt die von Politik und Molkereien geforderte Kontraktualisierung, die wie ein Damoklesschwert über den Milcherzeugern hängt. Gemeint sind Direktverträge zwischen Landwirt und Molkerei, bei denen die Liefermenge festgelegt wird ohne einen Preis. „Dies bedeutet moderne Sklaverei, die es  unter allen Umständen zu verhindern gilt“, kommentiert Christian Manauthon, Vizevorsitzender der APLI. Aus Deutschland wird aufgrund der noch niedrigeren Erzeugerpreise viel Käse nach Frankreich exportiert.

Pascal Massol und Jean-Louis Naveau, die beiden Köpfe der französischen Bewegung der Milcherzeuger sind überzeugt: „Dieses Jahr beginnen wir Franzosen und gemeinsam mit unseren Kollegen werden wir einen Systemwechsel in der Milcherzeugung erreichen, über eine marktorientierte Angebotssteuerung zu einem kostendeckenden Milchpreis. Voller Power und Schritt für Schritt.“

Sonja Korspeter, EMB

 

Die Lage in Dänemark

Wie auch in den europäischen Nachbarländern werden die Kosten der dänischen Milcherzeuger durch die Erzeugerpreise nicht annähernd gedeckt. Um die finanziellen Lücken zu schließen und Rechnungen zahlen zu können, haben zahlreiche Milchproduzenten Kredite aufgenommen, deren Begleichung problematisch ist. Für 2009 sind die Zahlungen zwar bei der Mehrheit der Milchhöfe nach zähen Verhandlungen mit den Banken noch gesichert, die zukünftige Zahlungsfähigkeit steht jedoch aufgrund der niedrigen Erzeugerpreise auf dem Spiel. Investitionen sind zur Zeit fast völlig zum  Stillstand gekommen.

Christen Sivertsen, LDM

 

Auch aus Irland keine besseren Neuigkeiten

In Irland lag der durchschnittliche Preis pro Liter Milch (3,3% Fett, 3,6% Eiweiß, inkl. Mwst.) im Juni 2009 bei 20,5 Euro Cent pro Liter. Der Preis von Juni 2008 dagegen lag bei 32,2 Euro Cent inkl. Mwst. (aktuell 21,6 Euro Cent), dies bedeutet, dass er innerhalb eines Jahres um 33% gefallen ist. Das Ergebnis ist, dass der Druck auf die Milcherzeuger wegen zunehmender Schulden und ausstehender Rechnungen immer größer wird. Der Druck ist auch aufgrund der massiven Investitionen im letzten Jahr so hoch; diese waren notwendig, um den Anforderungen der Stickstoffrichtlinie zu genügen und um die höheren Kosten aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse zu decken. Die Stimmung unter den Landwirten ist sehr schlecht und viele fragen sich, ob sie ihre Betriebe zukünftig überhaupt weiterführen können. Viele sehen sich auch nicht in der Lage weitere Schulden aufzunehmen.

John Enright, ICMSA

 

Lagerhaltung an Butter und Magermilchpulver in der EU

Wie die Europäische Kommission in einer Presseerklärung mitteilte, seien bis Juli diesen Jahres ca. 81 900 t Butter aus Interventionsgründen aufgekauft worden. Es handele sich dabei um rund 8 Prozent der Buttererzeugung der Monate Januar bis Juni. Die Kommission ließ weiter verlauten, dass für die Menge, die über die Höchstgrenze für einen festen Preis von 30 000 Tonnen hinausging, Angebote bis zu einem Höchstpreis von 99,2 Prozent des festen Referenzpreises von 2218 EUR/t angenommen worden waren.

Der Anteil von Magermilchpulver, der aufgekauft wurde, belaufe sich auf einem höheren Niveau. Mit 231 000 Tonnen seien ca. 43,5 Prozent der EU-weiten Erzeugung erworben worden.  Dabei seien für Magermilch, die über der Höchstgrenze von 109 000 Tonnen lag und damit nicht mehr zu einem festen Referenzpreis von 1698 EUR/t aufgekauft wurde, Angebote bis zu 98,9 Prozent des Referenzpreises akzeptiert worden.

Der Lagerbestand an Butter entspricht nach Kommissionsaussagen 1,1 Prozent; der Bestand an Magermilchpulver ca. 1,8 Prozent der Milcherzeugung der EU. (Ein Kommentar zum Bericht der EU-Komission zur Lage auf dem europäischen Milchmarkt ist in Kürze auf der Internetseite des EMB verfügbar).

Silvia Däberitz, EMB

 

Spanien: PROLEC kritisiert Realitätsferne von unterzeichnetem INLAC Abkommen

Am 20. Juli wurde innerhalb des spanischen Milchkonsortiums INLAC, bestehend aus Vertretern der Gewerkschaften, Industrie, Verwaltung und des Vertriebs, im Ministerium für Umwelt, Ländlichen Raum und Meeresfragen in Madrid ein Abkommen unterzeichnet. Es enthält die Empfehlung, dass die spanischen Milchbauern bis Dezember einen Preis zwischen 0,30-0,31 Euros/Liter erhalten sollen.

Die Erzeugerorganisation PROLEC spricht sich gegen das Abkommen aus, da sich die Industrie voraussichtlich nicht an Empfehlungen halten werde und auch die derzeitigen Produktionskosten mit 0,37 Euro/ Liter weit über dem ausgehandelten Preis liegen. Ihre Forderung ist, dass Milch nicht unter den Gestehungskosten verkauft werden darf.

Die deutsche Agrarministerin Ilse Aigner möchte derweilen überprüfen lassen, ob eine Preisempfehlung auch für Deutschland möglich ist. Es ist aber zweifelhaft, dass die Molkereiverbände in Deutschland eine solche Empfehlung befürworten.

Esther Lopera, PROLEC/ EMB

 

Milcherzeuger des EMB zu allem entschlossen

Bei der Mitgliederversammlung des EMB im Juli in der Schweiz diskutierten die Mitgliedsverbände aus 14 Ländern die Strategie gegen den Milchpreisverfall, der durch die politischen Liberalisierungsbestrebungen vorangetrieben wird.  Auch Gäste aus Polen und Tschechien waren anwesend. Es bestand Einigkeit darin, dass es einen rechtlichen Rahmen für die Steuerung der Menge durch die Milcherzeuger braucht. Am historischen Milchsuppenstein in Kappel wurde einhellig verkündet, dass das EMB für dieses Ziel in den kommenden Wochen und Monaten mit aller erdenklicher Kraft  und allen zur Verfügung stehenden Mitteln  kämpfen wird. Wie weit diese Mittel gehen können, wurde ebenso deutlich gemacht. Sollte sich die Politik den notwendigen Reformen verweigern, so sei ein neuerlicher, europaweiter Lieferstreik unausweichlich.

Die Lage der Milcherzeuger in Europa ist katastrophal; in nahezu allen Ländern sind die Preise auf 18-22 Cent gefallen, ein Preisniveau, das für viele Milchbetriebe akut existenzbedrohend ist. Die von der Politik vorgebrachten Maßnahmen wie die Vergabe verbilligter Kredite oder die frühere Auszahlung der Direktzahlungen sowie Exporterstattungen und Intervention sind nicht geeignet, eine Trendwende am Markt herbeizuführen. Um kostendeckende Milcherzeugerpreise und damit eine nachhaltige Milcherzeugung wieder zu ermöglichen, müssen politische Rahmenbedingungen gesetzt werden, die die Milchproduktion entsprechend der Nachfrage steuert.

Dass eine funktionierende Mengenregulierung keine Utopie ist, zeigten Vertreter der kanadischen Milcherzeuger (Dairy Farmers of Canada - DFC), die als Gäste zur EMB-Versammlung geladen waren. In ihrem Land garantiert ein Mengensteuerungssystem den Milcherzeugern ein faires Einkommen. Mitgetragen wird es von Politik, Industrie und Konsumentenverbänden. (siehe auch Interview mit Marcel Groleau, Präsident der Milcherzeuger Québec, Internetseite des EMB)

 

Marktorientierte Angebotssteuerung

In diese Richtung müssen wir auch in Europa gehen. Nicht dasselbe System natürlich. Aber es braucht drei Grundelemente, die ein Gleichgewicht der Kräfte am Milchmarkt ermöglichen. Erstens braucht es eine Monitoringstelle, die nicht nur Angebot und Nachfrage am Milchmarkt genau im Blick behält, sondern auch die Kosten der Milcherzeugung in regelmäßigen Abständen ermitteln läßt. Der entsprechende kostendeckende Erzeugerpreis muss Maßstab sein für den Einsatz verschiedener Instrumente zur Angebotssteuerung. Zweitens braucht es eine rechtliche Grundlage, die es den Milcherzeugern erlaubt, sich auf der Ebene der Mitgliedsstaaten und EU-weit zusammenzuschließen. Damit  eine bedarfsorientierte Mengensteuerung erfolgreich sein kann, ist drittens eine rechtlich abgesicherte Mengenbegrenzung notwendig, die bis zum einzelnen Milcherzeuger wirksam ist.

Sonja Korspeter, EMB

 

Aufruf: Grosse Bauernkundgebung in Sempach

„Dieser Grossanlass trägt den Titel "Bauernaufstand", so beginnt der Aufruf zu einer Großveranstaltung am 29. August 2009 in der Schweiz:

„BIG-M, die SVP Schweiz und das BZS, rufen die Bauernfamilien auf, an diesem Tag mit ihrer Anwesenheit in Sempach zu zeigen, dass sie den agrarpolitischen Kurs des Landwirtschaftsministeriums  nicht mehr weiter mittragen. Milchpreise weit unter den Kosten bringen keine Lösungen! Der freie Handel mit Agrargütern zerstört weltweit die nachhaltige Produktion!

Gemeinsam fordern wir Spielregeln für ein faires Funktionieren der lokalen Märkte. Um das Angebot bei der Milch an die Nachfrage anpassen zu können, brauchen wir eine gesetzliche Allgemeinverbindlichkeit der Mengensteuerung. Es darf nicht mehr länger sein, dass einzelne Produzenten sich an gar nichts halten, und so die Anstrengungen all derer, welche ihre Produktion drosseln, um die Überschüsse abzubauen, wieder zunichte machen! Diesen Willen tun  wir mit unserer Teilnahme kund!

In vielen Kantonen sind auch die regionalen Bauernverbände mit der Organisation von Sammeltransporten beauftragt worden. Nehmt die ganze Familie mit, dazu eure Nachbarn. Denn auch die Konsumenten sind dazu aufgefordert, Stellung für eine nachhaltige, innländische Nahrungsmittelproduktion, zu beziehen. Bringt eure Forderungen auf Transparenten mit. Mit kämpferischen Grüssen“ BIG-M

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