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13.09.2019

10 und 11 Jahre Europäische Milchlieferstreiks

„Ich liefere ab morgen meine Milch nicht mehr ab." (Deutscher Milchbauer, Mai 2008)


Lieber schütte ich mein Milch weg als Sklave der Industrie zu sein" (Französischer  Milchbauer, September 2009)

 

Nüchtern und konsequent das eine, leidenschaftlich und überzeugt das andere Zitat. Die Kombination aus diesen beiden Aspekten war es, die vor 10 und 11 Jahren Milchbäuerinnen und Milchbauern in vielen europäischen Ländern dazu brachte, in den Milchstreik zu treten. 

Die ErzeugerInnen waren nüchtern-konsequent, denn in den letzten Jahren zeigt die Rechnung Preise – Kosten ganz rational: Mit diesem ständigen Minus kann es nicht weitergehen. Es müssen schlicht und einfach Konsequenzen gezogen werden.

Das ständige Minus, die gesellschaftliche und ökonomische Abwertung der Milch, die Untätigkeit der Verantwortlichen in Politik und Industrie erzeugte zudem Emotionen wie Wut und natürlich eine ständig steigende Angst um die eigene wirtschaftliche Existenz. Und das mündete 2008 und 2009 letztlich in Mut und starke Solidarität und in die beiden wichtigen europäischen Milchlieferstopps.

 

Die Milchlieferstreiks

2008 haben sich in den 10 Tagen des Lieferstreiks etwa 85.000 Milcherzeuger in Europa besonders in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Belgien, Luxemburg und der Schweiz beteiligt. Zusätzlich leisteten Mitgliedsorganisationen des European Milk Boards in Dänemark, Schweden, Italien, Irland und Großbritannien eine intensive Pressearbeit, um die Forderungen und die Aktionen der europäischen Kollegen bekannt zu machen.

2009 protestierten 40.000 Bäuerinnen und Bauern insbesondere in Frankreich, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Italien, den Niederlanden und der Schweiz im Rahmen des Milchlieferstopps. Auch sie wurden begleitet von der Öffentlichkeitsarbeit ihrer Kollegen aus anderen Ländern. Das zeigte Wirkung, beeindruckte viele und löste  eine Welle von Solidaritätsbekundungen aus. So erreichte die ErzeugerInnen beispielsweise dieser Brief: The Taiwan Farmers Association and ATOAP (Association of Taiwan Organic Agriculture Promotion) strongly supports your European-wide strike for getting decent prices for European milk producers, prices that must make liveable incomes for you all. Through this message, we bring you our solidarity and our wish that your peaceful strike will gain its legitimate success and bring a better life as well as ensure your future as European milk producers.

Ein Höhepunkt des Milchlieferstopps war 2009 das Ausbringen von mehr als 3 Millionen Litern Milch auf einem Feld im belgischen Ciney. Das war gewaltig.

 

Aber halt! Was hat das Ganze gebracht?

Standen nach Ende der Milchlieferstopps kostendeckende Preise auf der Milchgeldabrechnung? Hatte die Politik die geforderten Rahmenbedingungen für den Milchsektor installiert – gab es also ein Instrument, das die chronischen Marktverwerfungen in Zukunft korrigieren würde? Wurden die Milchbäuerinnen und Milchbauern von der ständigen Existenzangst befreit?

Nein. Im Jahr 2015 wurde der EU-Markt in die Liberalisierung entlassen, ohne dass ein funktionierender Krisenrahmen gesetzt war. Das Ergebnis waren weitere große Milchpreiskrisen und die Einstellung der Milchproduktion auf vielen Höfen in ganz Europa.

 

Also waren die Milchstreiks umsonst?

Auch hier: Nein

Mit den Streiks wurde eine europaweite Bewegung angestoßen, die auch auf politischer Ebene nicht unbemerkt blieb. Die ErzeugerInnen hatten große Entschlossenheit gezeigt, sich für ihren Berufsstand mit starken Mitteln einzusetzen. In der Folge brachten sie ihre Belange und Konzepte in die politische Diskussion viel stärker mit ein – und das auch mit Erfolg. Erst wurde auf ihren Vorschlag hin eine Observationsstelle auf EU-Ebene geschaffen, dann im Krisenjahr 2016 ein freiwilliger Lieferverzicht geschaltet – hier also erstmals im liberalisierten Milchsektor die Krisenmenge am Markt aktiv reduziert.

Und auch die unzähligen starken Aktionen, Demonstrationen, Traktorralleys,... die nach 2008/ 2009 in Europa stattfanden, wären ohne die Milchlieferstopps kaum denkbar. Sie haben mit ihrer Stärke und Solidarität einen Impuls gesetzt, der Europas Milchbäuerinnen und Milchbauern in den vergangenen 10 und 11 Jahren weiter begleitet hat. Der Sektor verdankt den ErzeugerInnen, die sich damals nüchtern und leidenschaftlich-mutig zugleich entschlossen hatten, ihre Milch nicht abzuliefern, sehr viel.

Es sind dieses Engagement und die Entschlossenheit, mit denen sich die Branche der Milcherzeuger behaupten kann. Es ist oft ein harter Weg, der nicht einfach so von Erfolg zu Erfolg führt. Aber bei allen Schwierigkeiten war und ist er nicht sinnlos. Die nächste anvisierte Station der MilcherzeugerInnen auf diesem Weg: Eine Regelung auf EU-Ebene, die den freiwilligen Lieferverzicht (inklusive Deckelung) als festes Kriseninstrument für den Milchsektor installiert.

 

Silvia Däberitz, Geschäftsführung European Milk Board


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