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04.05.2012
Milchmarkt aktuell – die Krise ist da
Im Frühjahr 2012 bietet sich auf dem Milchmarkt zahlreicher Länder Europas das gleiche Bild und erinnert damit stark an die Ereignisse in den Jahren 2008 und...
Im Frühjahr 2012 bietet sich auf dem Milchmarkt zahlreicher Länder Europas das gleiche Bild und erinnert damit stark an die Ereignisse in den Jahren 2008 und 2009: Die Milchpreise sinken auf besorgniserregende Werte - allerdings mit dem Unterschied, dass es dieses Mal sogar mit steigenden Kosten verbunden ist. Die Vorhersagen des European Milk Board sind damit leider eingetreten.
In Italien ist zum Beispiel mit dem Auslaufen von Milchverträgen der Markt Ende März 2012 völlig zusammengebrochen und der Milchpreis unter die 30 Cent Marke gefallen. Für Verträge mit der italienischen Milchindustrie für 2012 müssen Bauern derzeit bedeutende Preisabschläge von ungefähr 15 Prozent in Kauf nehmen. Im Jahr 2011 hatte der durchschnittlich ausbezahlte Milchpreis noch bei 40 bis 41 Cent für Konsummilch und Milch zur Frischkäseherstellung gelegen. 42 bis 43 Cent gab es für Traditions- und Qualitätsprodukte wie Grana oder Gorgonzola. Mit der Milch zur Produktion von Parmigiano Reggiano Käse konnten sogar kurzzeitig Spitzenpreise von bis zu 70 Cent erreicht werden.
In den Niederlanden gestaltet sich die Situation auf dem freien Milchmarkt aufgrund von starker Überproduktion am dramatischsten. Hier ist es zurzeit sehr schwer - wenn nicht unmöglich - seine Milch abzusetzen. Die Spotmarktpreise für Milch sind auf 21 bis 24 Cent gefallen. Dies sind zehn bis zwölf Cent weniger als Milchbauern derzeit noch von ihren Genossenschaften erhalten. Der Trend nach unten ist jedoch für alle mehr als deutlich.
In anderen europäischen Ländern sieht es mit einem Absturz auf ein Preisniveau von unter 30 Cent infolge zu großer Produktionsmengen ähnlich aus. So sind die durchschnittlichen Basismilchpreise in Frankreich von 31 bis 32 Cent im März auf 28 Cent im April gefallen. In Belgien auf 28 bis 29 Cent im März und auf 25 Cent im April. In Deutschland lag der durchschnittliche Milchpreis im März mit 31 bis 32 Cent noch knapp darüber.
Auch die aktuelle Lage auf dem Schweizer Milchmarkt ist von einer noch nie dagewesenen Rekordproduktion gezeichnet, die sich in voraussichtlich um 3,5% zurückgehenden Erzeugerpreisen im Mai niederschlagen wird. Die gestiegene Milchmenge kann dabei ausschließlich in Form von Butter und Milchpulver auf dem Weltmarkt entsorgt werden. Für diese Dumpingexporte müssen zurzeit sämtliche Produzenten einen Anteil von rund 0,80 Cent pro Kilogramm bezahlen.
Zum Abwärtstrend bei den Erzeugerpreisen kommt in vielen Ländern eine äußerst schwierige Situation bei den Betriebskosten auf den Höfen hinzu. In Italien sind zum Beispiel die Preise für Treibstoff und elektrische Energie um 20 Prozent gestiegen. Soja ist um 22 Prozent teurer geworden. Die Produktionskosten für einen Liter Milch in Italien betragen damit sage und schreibe über 45 Cent. In Irland sind einer aktuellen Studie zufolge die Produktionskosten zwischen 2006 und 2011 um sechs Cent pro Liter Milch gestiegen. Auch in Deutschland sind die Produktionskosten bei der Milch seit 2009 um ca. fünf Cent gestiegen.
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