flag de flag gb flag fr
Impressum     European Milk Board ASBL | Rue de la Loi 155 | B-1040 Bruxelles

News Details

PDF-Icon Icon-Druck

02.07.2019

Milcherzeuger sehen Mercosur-Abkommen kritisch

Vereinbarungen bringen Nachteile für Verbraucher und Erzeuger

Brüssel, den 2. Juli 2019: Die Milcherzeuger des European Milk Board (EMB) äußern ernste Bedenken bezüglich des aktuellen Handelsabkommens der EU mit den Mercosur-Ländern. Wie Sieta van Keimpema, die Vizepräsidentin des Verbandes, mitteilt, sei es sowohl für den Milch- als auch den Rindfleischsektor problematisch. 

Durch die nun beschlossene hohe Rindfleischquote von 99.000 Tonnen für Exporte aus den südamerikanischen Ländern in die EU bestehe zum einen die Gefahr, dass die Rindfleischpreise in der EU stark sinken und Teile der einheimischen Fleischproduktionen verdrängt werden. Weitere Vereinbarungen im Mercosur-Abkommen könnten außerdem die bereits bestehende Überproduktion im Milchsektor noch weiter verschärfen. Eine der Ursachen für die schädliche EU-Mehrproduktion ist der hohe Import an Soja. Die vereinbarte Senkung der Mercosur-Exportzölle wird voraussichtlich zu noch höheren Sojaimporten in die EU führen, was die EU-Mehrproduktion noch weiter ankurbeln könnte. „In der EU arbeiten wir Milcherzeuger seit Jahren daran, dass der Milchsektor krisenstabil und wieder zukunftsfähig wird. Das Mercosur-Abkommen konterkariert diese Bemühungen leider“, so van Keimpema.

„Außerdem unterscheiden sich die Agrarprodukte, die nun vermehrt zu uns nach Europa kommen werden, bezüglich der Standards und Produktionsanforderungen von denen, die in der EU produziert werden. Das führt zu einer Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der EU-Erzeuger“, führt van Keimpema die Bedenken der Milchproduzenten weiter aus. „Und es stellt sich zudem die Frage, inwieweit für die EU-Verbraucher garantiert werden kann, dass zumindest die zugesicherten landwirtschaftlichen Standards auch wirklich eingehalten werden.“ 

Aber nicht nur für die Milchproduzenten und Verbraucher in der EU sei das Abkommen bedenklich, wie van Keimpema weiter anmerkt: „Für die südamerikanischen Milcherzeuger sind die Zollverringerungen für EU-Milchprodukte mit der Gefahr sinkender Milchpreise in ihren Ländern verbunden. Auch wenn unser Verband in erster Linie die europäischen Milcherzeuger vertritt, wollen wir auch für die Berufskollegen im Mercosur-Raum keine Verschlechterung der Preislage.“

Hinzu komme, dass aktuell die Entwicklungen in Brasilien, dem Mercosur-Hauptwirtschaftsland, sehr besorgniserregend seien. „Sowohl der Umgang des Staates mit Menschenrechten als auch seine Entscheidungen im Umweltbereich stoßen weltweit auf wichtige Kritik, der wir uns anschließen“, so van Keimpema. So sieht sie beispielsweise die verstärkten Rodungen des Regenwaldes seit Anfang 2019 als äußerst bedenklich an.

Wie das EMB betont, gehe es bei der Beurteilung des Mercosur-Abkommens durch die Milcherzeuger nicht darum, Protektionismus zu fördern. Es sei wichtig, dass Handelsabkommen dazu beitragen,  faire und ausgeglichene Handelsbeziehungen zu erreichen. Und zwar solche, die den landwirtschaftlichen Produzenten sowie den Bürgern hier und dort keine Nachteile bereiten. Das bestehende Mercosur-Abkommen erfülle diese wichtige Anforderung aus den oben angeführten Gründen leider nicht.

 

Kontakte:

EMB-Vizepräsidentin Sieta van Keimpema (DE, NL, EN): +31 (0)612 16 80 00
EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1936
EMB-Pressestelle Nicolas de la Vega (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1934


Weitere aktuelle Meldungen

16.09.2019

Europäische Milchstreiks: Millionen Liter Milch & tausende Traktoren

2008 und 2009 haben MilcherzeugerInnen mutig und schweren Herzens ihre Milchtanks geöffnet & die extreme Unterbezahlung bei der Milch für die Welt öffentlich gemacht

06.09.2019

Newsletter September online!

2008/2009 - 2019! Vor über zehn Jahren haben Milchbäuerinnen und -bauern in großen Milchstreiks einen europaweiten Kampf für faire Milchpreise angestoßen. 2008 und 2009 haben sie mutig und schweren Herzens zugleich ihre Milchtanks geöffnet und aller Welt die extreme Unterbezahlung bei der Milch vor Augen geführt. Weiterlesen

06.09.2019

Einladungen zu Aktionen zu europäischen Milchstreiks im September

Große Aktionen der MilcherzeugerInnen zu 10 und 11 Jahren Milchstreik geplant.

03.09.2019

Hitzewellen und Gewitter: Wie sieht es bei Europas Milcherzeugern aus?

Seit einigen Monaten herrscht in mehreren europäischen Ländern Dürre. Laut Angaben des Copernicus-Dienstes zur Überwachung des Klimawandels war der Juli 2019 der heißeste Monat seit Beginn der regelmäßigen Messungen im Jahr 1880. Besonders in Ländern wie Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden wurden Hitzerekorde...

02.08.2019

Newsletter Juli/August online!

In den letzten Wochen haben wichtige Ereignisse auf europäischer und internationaler Ebene stattgefunden. Die Regierungschefs der EU-Staaten haben wichtige europäische Spitzenposten neu besetzt und auch das Europäische Parlament hat neue Vertreter für seine Schlüsselposten gefunden. Ich wünsche ihnen in den nächsten fünf Jahren...

17.07.2019

Non! zu CETA & Oui! zu einer nachhaltigen und fairen Handelspolitik

Aufruf von LandwirtInnen an Abgeordnete, das CETA-Abkommen nicht zu ratifizieren

16.07.2019

Milcherzeugungskosten in Deutschland nur zu 78% gedeckt

(Brüssel, den 16. Juli 2019) Die vierteljährlichen Kostenzahlen für Deutschland liegen vor und zeigen, dass im April 2019 die Produktionskosten nur zu 78% gedeckt waren. Die Kosten der Erzeugung betrugen im April 44,33 Cent, dem gegenüber erhielten die MilcherzeugerInnen für ihr Produkt allerdings nur 34,56 Cent. Den...

Treffer 1 bis 7 von 603
<< Erste < Vorherige 1-7 8-14 15-21 22-28 29-35 36-42 43-49 Nächste > Letzte >>