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16.07.2019

Milcherzeugungskosten in Deutschland nur zu 78% gedeckt

(Brüssel, den 16. Juli 2019) Die vierteljährlichen Kostenzahlen für Deutschland liegen vor und zeigen, dass im April 2019 die Produktionskosten nur zu 78% gedeckt waren. Die Kosten der Erzeugung betrugen im April 44,33 Cent, dem gegenüber erhielten die MilcherzeugerInnen für ihr Produkt allerdings nur 34,56 Cent. Den ErzeugerInnen fehlen somit 9,77 Cent zur Kostendeckung. Die Zahlen entstammen der vierteljährlichen deutschen Kostenstudie des Büros für Agrarsoziologie (BAL). Mit den Berechnungen vom April 2019 wurde die Ermittlung der Milcherzeugungskosten turnusmäßig auf die neuesten INLB-Daten von 2017 umgestellt.

Johannes Pfaller, Vorstandsmitglied des EMB und Milcherzeuger aus Süddeutschland berichtet: „Die  anhaltende Spreizung der Schere zwischen den Kosten der Milcherzeugung und den gezahlten Milcherzeugerpreisen zeigt: Die Molkereiwirtschaft lässt uns Milchviehhalter an der ausgestreckten Hand zappeln, zahlen uns immer gerade nur so viel, dass ihnen der Milchfluss erhalten, für uns aber nichts übrig bleibt.“ Eine Ursache dafür ist das vom Bundeskartellamt in der Sektoruntersuchung Milch festgestellte Marktmachtgefälle zu Ungunsten der MilchviehhalterInnen. „Insgesamt erfolgt die Preisfindung derzeit nicht in einem funktionsfähigen Wettbewerbs- und Verhandlungsumfeld“ so das Bundeskartellamt. „Daran müssen wir schleunigst etwas ändern, dazu ist auch die Ausrichtung der EU-Agrarmarkt-Politik auf billige Rohstoffe für die Molkerei- und Ernährungsindustrie zu beenden“ so Pfaller.

 

Entwicklung der Milcherzeugungskosten in Deutschland

Hier finden Sie die Entwicklung der Kostensituation für die Milchproduktion in Deutschland von 2009 bis April 2019.

Preis-Kosten-Ratio (Unterdeckung)

Die Preis-Kosten-Ratio verdeutlicht, inwieweit das Milchgeld die Produktionskosten abdeckt. Im April 2019 haben die ErzeugerInnen nur 78% ihrer Produktionskosten über den Milchpreis erwirtschaftet; die Unterdeckung betrug somit 22%.

Sehen Sie hier die Kostenunterdeckung seit 2009.

 

Milch-Marker-Index (MMI)

Der Milch-Marker-Index zeigt die Entwicklung der Kosten in der Milchproduktion auf. Der MMI hatte im April 2019 einen Wert von 107, d.h. die Produktionskosten für deutsche MilcherzeugerInnen sind im Vergleich zum Basisjahr 2010=100 um 7% gestiegen.

Mehr Infos zum Milch-Marker-Index im zeitlichen Verlauf.

 

Studie Produktionskosten sechs wichtiger Milcherzeugerländer

Nicht nur Deutschland, sondern auch in fünf weiteren Ländern werden regelmäßig Kostenberechnungen durchgeführt. Auch hier wird deutlich, dass MilcherzeugerInnen keine kostendeckenden Milchpreise erhalten.

Die Berechnungen der Milchproduktionskosten in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Niederlande für das Jahr 2017 finden Sie hier.

 

Die Kosten der Milchproduktion sind chronisch unterdeckt – was schafft Abhilfe?

Das European Milk Board schlägt die gesetzliche Verankerung eines Kriseninstruments vor, um der chronischen Unterdeckung entgegen zu wirken. Das Marktverantwortungsprogramm (MVP) beobachtet und reagiert auf Marktsignale durch Anpassung der Produktion.

Sehen Sie hier die eine kurze Beschreibung des Marktverantwortungsprogramms des EMB.

 

Hintergrund: Für die Studie „Was kostet die Erzeugung von Milch?“ hat das Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) 2012 im Auftrag von European Milk Board und MEG Milch Board erstmals die Milcherzeugungskosten in Deutschland flächendeckend berechnet. Die Kalkulation basiert auf Daten des Informationsnetzes Landwirtschaftlicher Buchführungen der EU (INLB) sowie des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und wird seit 2014 vierteljährlich aktualisiert.

 

Datenblatt herunterladen


Kontakt:
EMB-Pressestelle Vanessa Langer (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1935


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