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03.09.2019

Hitzewellen und Gewitter: Wie sieht es bei Europas Milcherzeugern aus?

© Astrid Sauvage

Seit einigen Monaten herrscht in mehreren europäischen Ländern Dürre. Laut Angaben des Copernicus-Dienstes zur Überwachung des Klimawandels war der Juli 2019 der heißeste Monat seit Beginn der regelmäßigen Messungen im Jahr 1880. Besonders in Ländern wie Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden wurden Hitzerekorde gebrochen. Die Trockenheit macht Europas Milcherzeugern zu schaffen. Aus diesem Grund hat die Europäische Kommission in einer Pressemitteilung angekündigt, dass Landwirte höhere Vorauszahlungen erhalten können. So können Milchbäuerinnen und -bauern bereits ab Mitte Oktober statt 50% bis zu 70% der Direktzahlungen und 85% der Zahlungen zur Entwicklung des ländlichen Raums in Anspruch nehmen.

 

Sehen Sie im Folgenden, wie sich die Lage in einigen unserer EMB-Mitgliedsländer bezüglich der Trockenheit darstellt.

 

Belgien

Aufgrund der Hitzewelle Ende Juli ist die Milch- und Fleischproduktion in Belgien zurückgegangen. Besonders im Westen und Zentrum der Wallonie ist es sehr trocken. Im Osten hingegen sind aufgrund von etwas mehr Regen grüne Flächen besser erhalten. In einigen Regionen müssen die Milcherzeuger bereits auf Winterreserven zurückgreifen, da das Gras dürrebedingt nicht wächst.

 

Frankreich

In Frankreich kämpfen vor allen Dingen die Regionen im Zentrum und im Osten des Landes mit der Trockenheit. Viehzüchter in Dürregebieten greifen bereits jetzt auf die für den Winter angedachten Futterbestände zurück. Es wird ebenfalls ein Rückgang der Tierbestände beobachtet, da viele Milcherzeuger einen Teil ihrer Tiere aufgrund der Futterknappheit verkaufen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurde in 69 Departements entschieden, dass Brachflächen ausnahmsweise gemäht werden dürfen. Getreide- und Rapserträge sind gut, Maiserträge hingegen sehr gering. Mit der Maissilage hat man schon im August begonnen, obwohl sie normalerweise erst Ende September stattfinden würde.

 

Deutschland

Im Gegensatz zum Jahr 2018 ist in Deutschland die Situation regional und zum Teil auch lokal sehr unterschiedlich. In einigen Regionen hat es hin und wieder geregnet, während in anderen Orten seit April weniger als 60 mm/qm gefallen sind. Von staatlicher Seite gibt es Unterstützung in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen sowie in Teilen Bayerns. Dort können die Landwirte die Brachflächen bzw. die ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) unter bestimmten Voraussetzungen zu Futterzwecken nutzen. 

 

Niederlande

Auch in den Niederlanden haben Landwirte mit der Trockenheit zu kämpfen, vor allem in den östlichen Provinzen. MilcherzeugerInnen müssen bereits Futter zukaufen bzw. auf Winterreserven zurückgreifen. Die hohen Futterpreise, insbesondere der Mais, und der sinkende Milchpreis sorgen für eine angespannte finanzielle Lage. Darüber hinaus breiten sich im nördlichen Teil der Niederlande massenhaft Mäuse weiter aus. Da jene auch die Graswurzeln beschädigen, sorgen sie für Ernteverluste und bereiten zusätzliche Kosten.

 

Luxemburg

Nach einem sehr warmen und trockenen Juni und auch Juli mit einem neuen Hitzerekord von 40,8 Grad ist im August wieder etwas Regen gefallen. Im Süden Luxemburgs wütete überdies am 9. August ein heftiger Tornado, welcher erheblichen Schaden verursacht hat.

Die Erträge bei den geernteten Winterkulturen lagen im Jahresdurchschnitt, bei dem Sommergetreide sieht es jedoch schlechter aus. Denn Roggen und Triticale sind von Mutterkorn befallen. Der erste und zweite Schnitt war durchschnittlich noch gut, der dritte und vierte fiel jedoch sehr gering oder sogar ganz aus. Die Weidehaltung der Milchkühe bleibt weiterhin schwierig. Außerdem haben sich – wie schon in den Niederlanden – Wühlmäuse aufgrund der Trockenheit rasant vermehrt. Aus diesen Gründen kaufen Milcherzeuger Futtermittel zu. In einigen Fällen verkaufen sie Vieh, um die anfallenden Kosten etwas auszugleichen.

 

Schweiz

Auch in der Schweiz war das Wetter je nach Gebiet sehr unterschiedlich: In der Romandie, im Kanton Waadt, hat es sowohl im Juni als auch im darauffolgenden Monat jeweils eine Hitzewelle gegeben. Dies führte zu einem Rückgang in der Gras- und Kulturenproduktion. Die Situation stellt sich allerdings insgesamt nicht so katastrophal wie im letzten Jahr dar, da es zu regelmäßigen Niederschlägen während zahlreicher Gewitter kam. Der Kanton Jura hat jedoch mit einer ziemlich schweren Dürre zu kämpfen. Wegen der Trockenheit haben einige Kantone Sofortmaßnahmen für die Landwirtschaft ergriffen. So dürfen Landwirte beispielweise die Biodiversitätsförderflächen (BFF) mähen bzw. ihre Nutztiere auf diese Flächen weiden lassen. Diese Maßnahme soll verhindern, dass die Reserven für den Winter bereits verfüttert werden. 

 

Litauen

In Litauen hat die Dürre von April bis Juli geherrscht, was sich für viele Milchviehbetriebe negativ auf die Futtermittelproduktion ausgewirkt hat. Der Getreidesektor ist ebenfalls stark betroffen. Die Qualität des Getreides ist deutlich schlechter im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Seit April sinken zudem die Milchpreise. Über 2000 Milchviehbetriebe, hauptsächlich kleine Betriebe, haben ihre Milchproduktion eingestellt, darunter eine beträchtliche Anzahl unserer litauischen Mitgliedsorganisation. Zu erwarten ist ein schwieriger Winter mit erheblichem Futtermangel und die Schließung weiterer Betriebe. Es wird auf Hilfe seitens der Regierung gehofft.


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