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07.10.2009

Solidarität aus Mexiko mit den europäischen Milcherzeugern

 

Lieber Romuald:

Wir haben aufmerksam die Ausneinandersetzungen in Europa verfolgt und möchten euch unsere brüderliche Solidarität übermitteln. Obwohl der Brief etwas gedauert hat hoffen wir dennoch dass er hilft den Mut der Milchbauern zu stärken die für ihre gerechtfertigten Forderungen streiten.

Mit einer kräftigen Umarmung,

Aldo Gonzalez

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Solidarität mit den europäischen Milchbauern und -bäuerinnen

Die Situation mit der sich momentan die Milchbauernfamilien in Deutschland und ganz Europa konfrontiert sehen ist derjenigen sehr ähnlich, mit der auch wir indigenen Bauern und Bäuerinnen in den verarmten Ländern des Südens zu kämpfen haben: Die Agrarindustrie will uns zum Verschwinden bringen, um die  weltweite Kontrolle über die Nahrungsmittel zu bekommen.

Wir sehen von Mexiko aus mit Besorgnis, wie die deutsche und europäische Agrarpolitik Bauernfamilien dazu zwingt, sich in Schulden stürzen, um durch ständige Produktionssteigerungen auf dem Milchmarkt mithalten zu können.  Dabei spielte auch die billige Einfuhr von Soja – häufig Gensoja eine wichtige Rolle, während gleichzeitig einheimische Futtermischungen zunehmend verschwanden. Diese Politik hat zwar zu einer höheren Milchproduktion geführt aber die konzentriert sich zunehmend in den großen agroindustriellen Unternehmen die nur Intereesse an ihren Gewinnen haben und die eine Aufhebung der Regulierungsinstrumente  vorantreiben, um  die Märkte im Süden mit subventionierter Milch zu geringen Preisen zu überschwemmen.

Diese „künstliche“ Steigerung des Milchangebots und die Konzentration der verarbeitenden Industrie hat dazu geführt, dass die Preise, die den Produzenten gezahlt werden z.T. unter deren Produktionskosten liegen.  Dies führte bis zur Verzweiflung bei kleineren Familienbetrieben die ihre Höfe schließen müssen, bevor sie von ihren Gläubigerbanken dazu gezwungen werden. Viele andere allerdings haben „den Stier bei den Hörnern gepackt“ und sich dem europäischen Milchstreik angeschlossen um gegen die Abschaffung der Milchquoten bis 2015 zu protestieren und darum zu kämpfen, dass ihnen für ihre Arbeit ein angemessener Preis bezahlt wird.

Jenen Milchbauern und –bäuerinnen, die sich dem Milchstreik angeschlossen haben möchten wir unsere tiefste Solidarität ausdrücken und sie dazu ermutigen weiterzukämpfen, um die bäuerliche Familienlandwirtschaftt zu erhalten, welche die einzige Garantie dafür ist, dass gesunde Lebensmittel nachhaltig produziert werden können.

Wir beobachten, dass Vertreter der Europäischen Union die  Reaktionen auf die Medienbilder von weggeschütteter Milch dafür benutzen zu fordern,  diese Milch in Form von Milchpulver in die armen Länder des Südens zu exportieren, wo Menschen an Hunger und Unterernährung leiden. Wir hier im Süden jedoch sehen ganz klar, dass sowohl die Nahrungsmittelhilfe als auch die Exporte zu Dumpingpreisen in die armen Länder das Problem des Hungers nicht löst und sogar noch zu einer weiteren Verarmung der lokalen Bauern und Bäuerinnen führt.

Im Falle von Mexiko haben wir erlebt  wie die staatliche Agrarpolitik die wirtschaftliche Grundlage von Millionen von Bauernfamilien zerstört hat.  Die Erzeugerpreise wurden mehr und mehr gesenkt und den internationalen Agrarkonzernen wurde Tür und Tor geöffnet, Lebensmittel zu Dumpingpreisen in unser Land  zu exportieren.

Seit 1994, dem Jahr in dem das nordamerikanische Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko in Kraft getreten ist, sind Millionen von unseren Bauern und Bäuerinnen in die USA ausgewandert, die zuvor Nahrungsmittel als Existenzgrundlage ihrer Familien angebaut hatten. Wie heute viele Bauern und Bäuerinnen in Europa, sahen sie sich gezwungen einer anderen Beschäftigung nachzugehen, um ein Einkommen für ihre Familien zu erwirtschaften. Zudem vertritt die mexikanische Regierung die Interessen internationaler Konzerne, die genetisch veränderten Mais herstellen und damit die Wiege des Mais – unserem täglichen Brot verschmutzen, ohne sich darum zu scheren welche Konsequenzen derart „kriminelles“ Handeln für die gesamte Menschheit hat.


Heutzutage verfügen die internationalen Gentechnikkonzerne in Mexico über die legalen Grundlagen, um mit dem Versuchsanbau von Genmais zu beginnen und anschließend kommerziellen Anbau im großen Stil zu betreiben. Wir indigene Bäuerinnen und Bauern  sehen mit großer Sorge wie unsere Regierung eine neoliberale Agrarpolitik betreibt die die Ernährungskultur unserer Völker zerstört und zulässt, dass unsere lokalen Maissorten weiter durch Genmais kontaminiert werden. Wir stehen dafür ein, dass wir weiterhin unsere jahrtausende alten Sorten aussäen werden,  diese sind unsere Nahrungsgrundlage und die Garantie dafür, dass auf der ganzen Welt weiterhin Mais ausgesät werden kann. Deshalb unterstützen wir auch den Kampf den die Milchbauern und –bäuerinnen in Europa gerade führen, weil wir spüren dass der Feind von Bauern und Bäuerinnen auf der ganzen Welt der Gleiche ist, das große Kapital dass die bäuerliche Wirtschaft zerstören und die Kontrolle über unsere Nahrungsmittel erlangen will.

Für die  Verteidigung der bäuerlichen Landwirtschaft und ihren kulturellen Werten überall auf der Welt!

Gegen eine neoliberale Politik die zur Verarmung von Bauern und Bäuerinnen führt!


Oaxaca, Mexiko, 04. Oktober 2009


Unión de Organizaciones de la Sierra Juárez, (UNOSJO) Oaxaca (indigene Organisation für traditionelle Landwirtschaft und gegen Gentechnik)

Servicios para una Educación Alternativa (alternative Bildungsorganisation)

Servicios del Pueblo Mixe (indigene Bauernorganisation)

La Otra Parroquia (kirchliche Organisation)

Flor y Canto, A. C. (Verteidigung des Rechts auf Wasser indigener Gemeinden)

Centro de Derechos Humanos Ñu Ji Kandi (Menschenrechtszentrum)

Centro de Derechos Humanos Bartolomé Carrasco Briceño (Menschenrechtszentrum)

[alle sind Mitglieder des Kollektivs für die Verteidigung der Territorien von Oaxaca (Colectivo Oaxaqueño en Defensa de los Territorios)]

Centro de Estudios para el Cambio en el Campo Mexicano (Studienzentrum für eine Veränderung der mexikanischen Agrarpolitik)

Centro de Análisis Social Información y Formación Popular (Studienzentrum zur gesellschaftlichen Information und Fortbildung)

Ojarasca (Suplemento indígena de La Jornada – Beilage der Tageszeitung La Jornada)

Centro Nacional de Misiones Indígenas (Nationales Zentrum der Indianermission)

UNORCA Veracruz (pequeños ganaderos de vacuno ejidales – Vereinigung der landwirtschaftlichen Organisationen und kleinen Viehzüchter im Bundesstaat Veracruz)

UNORCA Michoacán (Vereinigung der landwirtschaftlichen Organisationen im Bundesstaat Michoacán)

Centro de Investigación y Capacitación Rural A.C. (CEDICAR –Zentrum für Forschung und Fortbildung im ländlichen Raum)

Red de Coordinación de Biodiversidad de Costa Rica (Koordinierungsnetzwerk zur Biodiversität in Costa Rica)

Carta de apoyo a lecheros alemanes y europeos

 


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