flag de flag gb flag fr
Impressum     European Milk Board ASBL | Rue de la Loi 155 | B-1040 Bruxelles

News Details

PDF-Icon Icon-Druck

12.12.2018

4000 km und 6 Tage im Bus hin und zurück: „Liebe Regierungschefs, es muss endlich Fairness in der Gemeinsamen Agrarpolitik geben!“

Baltische Erzeuger fordern heute in Brüssel Angleichung der Direktzahlungen   Das European Milk Board drängt auf ein effizientes Kriseninstrument für den Milchmarkt

(Brüssel, 13. Dezember 2018): Der Verband der litauischen Milcherzeuger LPGA fordert in seiner heutigen Kundgebung im Brüsseler Europaviertel eine Angleichung der Direktzahlungen innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Gleichbehandlung und eine faire GAP sind das Motto der Allianz der baltischen Landwirte – unterstützt von der Dachorganisation des European Milch Board (EMB). Die Aktion richtet sich an die Staats- und Regierungschefs der EU, die beim heutigen Gipfeltreffen den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU für 2021-2027 und somit die zukünftigen Agrarmittel erörtern.

 

Landwirte aus den baltischen Mitgliedsländern erhalten mit 54-60% des europäischen Durchschnitts die niedrigsten Direktzahlungen in der Europäischen Union. Dies trotz der Tatsache, dass ihre Produktionskosten über dem EU-Durchschnitt liegen. „Ein Minimum von 196 € pro Hektar in allen Mitgliedstaaten wurde bereits 2013 vom Europäischen Rat als Ziel für 2020 zugesagt", weist Jonas Vilionis, der Präsident des litauischen Milcherzeugerverbandes auf die mehrjährigen Bemühungen der baltischen Erzeuger für eine Angleichung der Direktzahlungen hin. „Solange wir über den Milchpreis kein faires Einkommen erwirtschaften können, sind wir Erzeuger auf die Subventionen aus Brüssel angewiesen.“ Nach den von der Europäischen Kommission im Juni 2018 vorgelegten Vorschlägen zur GAP-Reform würden die baltischen Landwirte bis 2027 rund 77% des europäischen Durchschnitts erhalten. Für die litauischen Erzeuger ist das aber nicht ausreichend: „Die baltischen Landwirte müssen genau die gleichen Umweltschutz-, Tierschutz- und Lebensmittelstandards einhalten wie andere EU-Mitgliedstaaten, ohne entsprechende Entschädigung“.

 

„Keine Landwirte zweiter Klasse“

„Es ist höchst an der Zeit, dass wir nicht mehr als Bauern zweiter Klasse behandelt werden!“, fordert Albinas Jusas, Milcherzeuger aus Kaisiadorys, der die letzten 3 Tage bereits knapp 2000 km Busreise auf sich genommen hat, um sein Anliegen nach Brüssel zu tragen. Nachdem auch die Mittel für die zweite GAP-Säule, welche die Investitionen umfassen, gekürzt werden sollen, könnten die Landwirte nicht mehr in ihre Betriebe investieren. „Niedrige Erzeugerpreise und zu geringe Direktzahlungen bedeuten das Ende unserer Höfe!“

 

Kostendeckende Milchpreise statt Subventionen

Schützenhilfe für den litauischen Milcherzeugerverband kommt vom European Milk Board, der Dachorganisation der europäischen Milcherzeuger. „Solange Landwirte auf Direktzahlungen angewiesen sind, ist es wichtig, dass die gleichen Bedingungen für alle gelten“, unterstützt Erwin Schöpges, Präsident des EMB, die Forderungen nach angeglichenen Direktzahlungen innerhalb der GAP. „Unser Ziel ist es aber, mittelfristig landwirtschaftliche Einkommen über den Markt zu erwirtschaften. Also über Milchpreise, die die Produktionskosten abdecken inklusive eines gerechten Einkommens für die Erzeuger.“ Noch seien Europas Landwirte weit davon entfernt. Laut Daten von Eurostat lag hier das Einkommen pro Person 2017 bei nur 46,5% vom EU-Durchschnittseinkommen. „Mittelfristig sollen Erzeuger vom Preis ihrer Produktion leben können und nicht auf Subventionen angewiesen sein“, fordert Schöpges.

 

Stabiler Milchmarkt über Kriseninstrument in der Gemeinsamen Agrarpolitik

Vor allem in Krisenjahren, die in regelmäßigen Abständen Europas Milchviehbetriebe an den Rand der Existenz drängen, sind die Defizite für die Milchbauern besonders hoch. Ein zentrales Element für das EMB ist daher ein funktionierendes Kriseninstrument wie das Marktverantwortungsprogramm (MVP), das den Milchmarkt im Gleichgewicht hält und starke Milchpreiseinbußen verhindert.

Kjartan Poulsen, Milchproduzent aus Dänemark und Vorstandsmitglied des EMB möchte die zukünftige Gemeinsame Agrarpolitik mit einem effizienten Kriseninstrument ausgestattet sehen. „Die Politik muss endlich die gesetzlichen Grundlagen schaffen, um schnell auf Marktstörungen reagieren zu können.“ So könnten die Milchbauern mit einem freiwilligen Lieferverzicht bei Überproduktion schnell wieder eine Marktbalance erreichen.

Für das European Milk Board ist außerdem wichtig, dass die EU mit dem MVP über ein geostrategisches Instrument verfügt. „Angesichts der großen Unsicherheit, die bezüglich der Konsequenzen des Brexit herrscht, brauchen wir das Marktverantwortungsprogramm, um rasch auf geopolitische Krisen reagieren zu können“, so Poulsen. Ohne dieses Instrument wäre der europäische Milchmarkt den zu erwartenden Turbulenzen regelrecht ausgeliefert.

Im Schulterschluss mit den baltischen Kollegen ruft Poulsen die Staats- und Regierungschefs auf, eine gut ausgestaltete und faire Agrarpolitik bereit zu stellen – und dies für alle Landwirte Europas.

 

Entdecken Sie hier Bilder der Aktion

 

 

Kontakte:

 

EMB-Präsident Erwin Schöpges (DE, FR, NL): +32 497 90 45 47
EMB-Vorstandsmitglied Kjartan Poulsen (DK, EN, DE): +45 21 28 88 99
Geschäftsführer des litauischen Milcherzeugerverbandes (LPGA) Eimantas Bicius (LT, EN): +370 615 85255
EMB-Pressestelle Regina Reiterer (DE, EN, FR): +32 2 808 1934

 

 


Weitere aktuelle Meldungen

07.09.2018

Irische Milchbauern stecken in der Finanzklemme

Auf irischen Milchviehbetrieben ist der September normalerweise eine Zeit, in der wir die Früchte unseres Sommers genießen und uns auf den bevorstehenden Herbst und Winter vorbereiten. Die Rechnungen aus dem Frühjahr sind dann bezahlt und die Landwirte schauen mit Stolz und einem Gefühl der Sicherheit auf hohe Ballenreihen und...

22.08.2018

EU-Milchproduktion: Dürrefolgen für den Krisensektor problematisch

EMB fordert reguläres Instrument zum Krisenmanagement

16.08.2018

Newsletter August online!

Mit großer Sorge beobachte ich, dass Europa derzeit massiv unter Druck steht – mit Fliehkräften von innen und Spaltungswillen von außen. Ich bin überzeugt, dass es nur Verlierer geben wird, wenn sich diese sehr gefährliche Situation weiter zuspitzen sollte. Weiterlesen...

19.07.2018

Studie zeigt Erfolge des EU-Mengenreduktionsprogramms, das vor 2 Jahren angekündigt wurde

(Brüssel, 19.07.2018) Vor 2 Jahren – am 18. Juli 2016 – hat Agrarkommissar Phil Hogan das EU-Mengenreduktionsprogramm für den Milchmarkt angekündigt. Die Maßnahme war ein großer Erfolg und hat gezeigt, dass bereits geringe Reduktionsmengen einen großen Effekt auf die Erzeugerpreise haben. Eine Studie von A. Fink-Keßler und...

16.07.2018

Aktuelle Zahlen aus Deutschland zeigen: Schere zwischen Produktionskosten und Milchpreis wird immer größer

(Brüssel, 16.07.2018) Die vierteljährlichen Kostenzahlen für Deutschland liegen vor und zeigen, dass im April 2018 die Produktionskosten nur zu 78% gedeckt waren, während die Kostendeckung im Januar noch bei 88% gelegen hatte. Die Kosten der Erzeugung betrugen im April 42,70 Cent, dem gegenüber erhielten die Erzeuger allerdings...

13.07.2018

Newsletter Juli online!

Als neugewähltes Vorstandsmitglied des European Milk Board möchte ich in meinem Leitartikel auf die aktuellen Probleme in Irland aufmerksam machen. Die Milcherzeuger sind wütend, weil der Milchpreis der größten irischen Genossenschaft für Mai unter dem Schnitt liegt. Weiterlesen...

11.07.2018

Dürre macht Europas Milcherzeugern zu schaffen

In weiten Teilen Europas zeichnen sich extreme Ausfälle aufgrund der anhaltenden Hitzeperiode aus. Nach einem nassen Frühling in Ländern wie Irland, Großbritannien und Frankreich beeinträchtigt nun die Trockenheit das Weideland, die Heu- und Siloproduktion sowie die Getreide- und Stroherzeugung. Durch die Folgen der Dürre...