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11.07.2018

Dürre macht Europas Milcherzeugern zu schaffen

Foto: A. Sauvage

In weiten Teilen Europas zeichnen sich extreme Ausfälle aufgrund der anhaltenden Hitzeperiode aus. Nach einem nassen Frühling in Ländern wie Irland, Großbritannien und Frankreich beeinträchtigt nun die Trockenheit das Weideland, die Heu- und Siloproduktion sowie die Getreide- und Stroherzeugung. Durch die Folgen der Dürre fehlen den Milcherzeugern wichtige wirtschaftseigene Futtermittel. Es ist zu erwarten, dass die Produktionskosten durch zugekaufte Futtermittel steigen und die Milchleistung zurückgeht.


Hier Berichte von unseren Mitgliedsorganisationen:

Irland

Die irischen Erzeuger haben nach einem nassen Frühling nun mit wochenlanger Hitze und schweren Trockenperioden zu kämpfen. Aufgrund des schlechten Graswachstums und verbrannter Weiden, müssen die Milchviehhalter bereits auf Flächen ausweichen oder Silage füttern. Ein Rückgang der Milchleistung wird neben der verminderten Futterqualität auch durch den sich abzeichnenden Wassermangel verursacht. Die Wasserressourcen sind durch den erhöhten Verbrauch erschöpft. Mittlerweile gibt es ein landesweites Verbot zur Bewässerung von Gärten, Füllen von Schwimmbädern, Autowaschen etc.

Deutschland

Die anhaltende Trockenheit im Osten und Norden Deutschlands verschärft sich. Im Osten brennen bereits Felder und Wälder – dort es hat in bestimmten Regionen seit April keine nennenswerte Niederschläge gegeben. Um die Futterknappheit abzumildern, haben einige deutsche Bundesländer die ökologischen Vorrangflächen zur Futtergewinnung freigegeben. Im Westen, Südwesten und an den Alpen gab es dagegen bis in den Juni hinein massive Unwetterschäden. Die diesjährigen Futterernten liegen weit unter den durchschnittlichen Erträgen. Die sehr schwache Getreideernte führt zu einer deutlich kleineren Menge an Futtergetreide und damit zur Verknappung der Strohproduktion. Auch die Erzeugung von Grassilage wird dürrebedingt geringer ausfallen.

Frankreich

Im Süden des Landes steht mittlerweile die regelmäßige Bewässerung der Kulturen an der Tagesordnung. Viehhaltung und Milchproduktion sind in diesen Regionen nunmehr eine Seltenheit. In den anderen Regionen Frankreichs wird die Weidehaltung als einzige Futterquelle zunehmend schwieriger, sie muss fast immer durch Zusatzfutter im Futtertrog ergänzt werden. Die Verteilung der Regenfälle über das Jahr ist in den einzelnen Regionen und sogar in den einzelnen Gemeinden stark von Gewittern abhängig. Daher wird es immer schwieriger, die Futterversorgung der Tiere zu planen. Die Futterbestände müssen das ganze Jahr über zur Verfügung stehen, um die zunehmend unregelmäßigen Ernten auszugleichen. Die Herstellung eines Liters Milch oder eines Kilogramms Fleisch gestaltet sich immer komplizierter.

Belgien

Belgien wird ja an sich mit viel Regen assoziiert, aktuell sind allerdings keine Niederschläge in Sicht. Die Milchkühe leiden unter Hitzestress, was die Tiergesundheit und das Wohlbefinden beeinträchtigt und letztendlich eine geringere Milchleistung nach sich zieht. Die Milcherzeuger müssen bereits Futter zukaufen bzw. auf Winterreserven zurückgreifen. Der dritte Grasschnitt geht verloren, eventuell auch der vierte Schnitt falls der Regen im August und September ausbleibt. Das bedeutet weniger Wintervorrat. Die Maiserträge sind zufriedenstellend, nur in den trockenen Gebieten werden die Erträge geringer ausfallen.

Dänemark

Die Hitzewelle sorgt auch in Dänemark für Probleme. Der „Dürre-Index“ (Tørkeindeks) war Anfang Juli mit 10 Punkten am Höchststand. Im Vergleich dazu war der Wert im vorjährigen Sommer über auf Null. Der mangelnde Graswuchs brachte ohne Bewässerung bis jetzt durchschnittlich nur 1,5 Schnitte. Für die Milcherzeuger ist die Bewässerung mit einem höheren Arbeitseinsatz und Kosten verbunden. Es gibt viel zu wenig Stroh, einige Bauern kaufen bereits im Nachbarland Niederlande zu. Bei der Getreideernte werden Einbußen von bis zu 30-50% erwartet, die Prognosen für Maissilage sehen bisher aber gut aus. Der Engpass bei heimischem Futter stellt vor allem die Bio-Milchbauern vor große Herausforderungen.

Italien/Südtirol

Italien ist mit einem nassen Frühjahr in die Vegetationsperiode gestartet; in Südtirol hat ein schneereicher Winter für gute Bodenfeuchtigkeit gesorgt. Im Südtiroler Vintschgau brachte eine mehrwöchige Trockenperiode den Milcherzeugern eine gute Heuqualität. Der Almauftrieb fand dieses Jahr etwas früher statt, für die Rinder stand reichlich Aufwuchs zur Verfügung. Trockene Perioden wechseln sich mit Regenphasen ab.

Litauen

Die Monate Mai und Juni waren in Litauen extrem trocken. Für die Milcherzeuger war es aufgrund der starken Trockenperiode nicht möglich, ausreichend Futter bereit zu stellen. Der zweite Schnitt fiel durch den schlechten Graswuchs sehr schlecht aus. Die extreme Trockenheit schlägt sich direkt auf das Einkommen der litauischen Milcherzeuger nieder. Zusätzlich zu den niedrigen Milchpreisen sind die Produzenten mit verminderter Milchleistung sowie geringen Fett- und Proteingehalt konfrontiert, die den Rohmilchpreis maßgebend bestimmen. Für den Winter werden Engpässe beim Futter vorausgesagt.

Spanien

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern kann unser nordspanischer Mitgliedsverband über günstige Wetterbedingungen berichten. Das Frühjahr hat sich positiv auf die Futtermittelerzeugung ausgewirkt mit im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Preisen. Auch die Marktpreise für Getreide sind aufgrund der guten Ernteaussichten nach unten gegangen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Preise für Futtergetreide entwickeln.


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