flag de flag gb flag fr
Impressum     European Milk Board ASBL | Rue de la Loi 155 | B-1040 Bruxelles

News Details

PDF-Icon Icon-Druck

22.08.2018

EU-Milchproduktion: Dürrefolgen für den Krisensektor problematisch

EMB fordert reguläres Instrument zum Krisenmanagement

Foto: A. Sauvage

(Brüssel, 22.08.2018) In ganz Europa stellen die Folgen der Dürre ein großes Problem für die Landwirte dar. Im Milchsektor tragen zusätzlich die Entwicklungen der letzten Jahre zu einer Verschärfung der Situation bei. Denn in der krisengeschüttelten Milchproduktion wurden die Reserven bereits mehr als aufgezehrt und vielerorts hohe Schulden angehäuft. Das macht es jetzt umso schwieriger, mit der Dürre umzugehen. Die starken Reduzierungen und Ausfälle in der Ernte treffen die Erzeuger hart. Die steigenden Futterkosten erhöhen den Druck und führen zu wachsenden finanziellen Defiziten.

Finanzielle Hilfen sind in dieser Extremsituation gut, um die direkten Folgen der Dürre abzudämpfen. Außerdem darf das EU-Interventionsmilchpulver aktuell nicht auf den Markt geworfen werden. Denn das setzt die ohnehin schon niedrigen Milchpreise, die in der EU aktuell durchschnittlich bei nicht ganz 33 Cent/Liter liegen, noch weiter unter Druck.
 
Wie der Präsident des European Milk Board (EMB), Erwin Schöpges, betont, ist es gleichzeitig sehr wichtig, nicht nur kurz-,  sondern auch langfristige Maßnahmen zu treffen, die allgemein die Rahmenbedingungen des Sektors betreffen. „Dazu gehört unbedingt ein Mechanismus, der der langen Krisenserie des Sektors ein Ende setzt. Er soll dazu beitragen, dass die Preise an die Produzenten die Kosten der Produktion inklusive einem fairen Erzeugereinkommen decken und damit die Nachhaltigkeit und Überlebensfähigkeit der Höfe ermöglichen“, so Schöpges.

Boris Gondouin, EMB-Vorstandsmitglied und Milcherzeuger aus Frankreich, schließt sich dem an. Nur mittels eines progressiven Krisenmanagements könnten die Höfe vital bleiben und auch solchen Extremsituationen wie der aktuellen Dürre besser begegnen. „Seit den 2000er Jahren sind extreme Dürren zunehmend verstärkt und wiederholt aufgetreten. Deshalb ist es wichtig, in den so genannten normalen Jahren seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ohne Defizite aufzuweisen, um in den sogenannten schwierigeren Jahren durchzuhalten“, so Gondouin. „Aber das ist nur möglich, wenn wir solche Instrumente wie das Marktverantwortungsprogramm (MVP) in die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) integrieren.“

Mit dem MVP könnte der Sektor krisenfester gemacht werden. Sein Mechanismus sieht vor, die Milchmenge in der Krise temporär so anzupassen, dass sich die einbrechenden Milchpreise erholen können. Flexibel an die Marktlage abgestimmt, können beim MVP dann verschiedene Stufen - eine davon beispielsweise ein freiwilliger Lieferverzicht - geschaltet werden.  Das MVP verhindert Wertschöpfungsverluste, die die Erzeuger massiv schwächen. Für die vielfältigen Herausforderungen einer nachhaltigen, umwelt-, tier- und klimagerechten Milchviehhaltung braucht es jedoch krisenfeste Märkte und kostendeckende Preise für die Erzeuger. Erwin Schöpges stellt in diesem Zusammenhang klar: „Als kostendeckend können Preise im Übrigen nur dann gelten, wenn sie mindestens den Vollkosten der Milchproduktion entsprechen, hier also auch unbedingt eine faire Entlohnung der Arbeitszeit der Erzeuger enthalten ist.“

Die Vizepräsidentin des EMB, Sieta van Keimpema, sieht in dem MVP auch einen wichtigen Schritt in Richtung einer tatsächlich gemeinsamen Agrarpolitik und der Reduzierung der ungleichen Behandlung der EU-Erzeuger: „Aktuell unterstützen einige Länder ihre Produzenten in der Dürrezeit, andere wiederum halten sich hier sehr zurück. Das MVP folgt einem anderen Prinzip. Da es für alle Länder der Union gleichermaßen gelten soll sowie Krisen EU-weit vorhersieht und vermeidet, was den gemeinsamen Milchmarkt stabilisiert, profitieren alle EU-Erzeuger.“

 

Hier finden Sie eine kurze Beschreibung des Marktverantwortungsprogramms (MVP)

 

Kontakte:

EMB-Präsident Erwin Schöpges (DE, FR, NL): +32 (0)497 904 547
EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1936


Weitere aktuelle Meldungen

15.10.2018

Milcherzeugungskosten in Deutschland nach wie vor nicht gedeckt

(Brüssel, 15.10.2018) Aus den vierteljährlichen Kostenzahlen für Deutschland geht hervor, dass im Juli 2018 die Produktionskosten nur zu 80% gedeckt waren, während die Kostendeckung im April bei 78% bzw. im Januar 2018 noch bei 88% gelegen hatte. Die Kosten der Erzeugung betrugen im Juli 43,28 Cent, dem gegenüber erhielten die...

10.10.2018

Kostenstudie für Milch zeigt: Herstellungskosten und Erzeugerpreise kommen nicht zusammen

Übersicht mit aktuellen Zahlen zu Frankreich, Deutschland, Dänemark, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden veröffentlicht

20.09.2018

Milchstreik 2009 – Es ist schon neun Jahre her!

Der Milchstreik war und ist bis heute die einzige radikale Lösung, um einen kostendeckenden Milchpreis (45 Cent pro Liter) zu erreichen. So konnten wir unseren Politikern und Eliteschule-Absolventen, der Industrie und den Genossenschaften unsere Solidarität zeigen. Es war eine Investition in eine bessere Zukunft für die...

14.09.2018

Newsletter September online!

Ganz Europa hat im Sommer unter der Dürre gelitten. Die Trockenheit hatte massive Auswirkungen auf das Weideland und die Futterproduktion. Durch die Folgen der Dürre fehlen den Milcherzeugern wichtige wirtschaftseigene Futtermittel. Weiterlesen...

07.09.2018

Irische Milchbauern stecken in der Finanzklemme

Auf irischen Milchviehbetrieben ist der September normalerweise eine Zeit, in der wir die Früchte unseres Sommers genießen und uns auf den bevorstehenden Herbst und Winter vorbereiten. Die Rechnungen aus dem Frühjahr sind dann bezahlt und die Landwirte schauen mit Stolz und einem Gefühl der Sicherheit auf hohe Ballenreihen und...

22.08.2018

EU-Milchproduktion: Dürrefolgen für den Krisensektor problematisch

EMB fordert reguläres Instrument zum Krisenmanagement

16.08.2018

Newsletter August online!

Mit großer Sorge beobachte ich, dass Europa derzeit massiv unter Druck steht – mit Fliehkräften von innen und Spaltungswillen von außen. Ich bin überzeugt, dass es nur Verlierer geben wird, wenn sich diese sehr gefährliche Situation weiter zuspitzen sollte. Weiterlesen...