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01.06.2019

1. Juni: Weltmilchtag – Milch ist unser Leben

Milch ernährt die Menschheit seit Anbeginn und hat unsere Hochkulturen vorangebracht. Sie ist pur und unverfälscht, unverzichtbar und nicht mehr wegzudenken. Milch ist eine Mischung aus hochwertigen Proteinen, Fettsäuren und Laktose, Folsäure und zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen. Eigentlich ist Milch einfach nur Genuss.

Milch ist gesund. Milch ist Vielfalt. Milch ist für Hundertausende Produzentinnen und Produzenten darüber hinaus auch das „tägliche Brot“, Erwerbsgrundlage, Beruf und Berufung.

Milch ist universell. Die Probleme rundherum sind es auch. Weltweit haben die Milchbauern zwar mit unterschiedlichen Bedingungen, aber sehr ähnlichen Schwierigkeiten zu tun. Milchbauern auf der ganzen Welt wollen einfach nur von ihrer Arbeit leben.

Milch kennt keine Landesgrenzen. Milch wird verarbeitet, veredelt und manchmal auch nur „verpulvert“. Zu viel Milch schafft Pulverberge. Neuerdings wird Milch auch mit billigem Pflanzenfett gepanscht. Die EU sucht dann neue Absatzmärkte.

Milch ist aber noch so viel mehr. Solidarität zum Beispiel. Die europäischen Milcherzeuger des European Milk Board (EMB) haben kürzlich gemeinsam mit ihren westafrikanischen Kollegen auf die desaströsen Konsequenzen einer liberalisierten Agrar- und Handelspolitik der EU hingewiesen. Die afrikanischen Landwirte sind extra nach Brüssel gereist, um den Verantwortlichen die Auswirkungen der Export- und Dumpingpolitik vor Augen zu führen. Die Botschaft war klar: „Unsere lokale Milch hat ein Potenzial, aber die Konkurrenz mit europäischen Billig-Importpulver macht unsere Märkte kaputt!“

Verstimmt hat Agrarkommissar Phil Hogan auf die Berichte über den lokalen Milchsektor in Westafrika reagiert. Das seien "Fake News“, „Fehlinformationen“ und die „Befürwortung einer Politik des Hungers". Gegen diese Kritik setzen sich die westafrikanischen Vertreter allerdings vehement zur Wehr. In einem offenen Brief richten sie nun deutliche Worte an den Agrarkommissar und untermauern Punkt für Punkt die Faktenlage:

  • Die Konkurrenz durch Milchpulver und Pflanzenfettmischungen ist Realität auf unseren Märkten und untergräbt die Entwicklung des lokalen Sektors.
  • Der westafrikanische Markt ist von strategischem Interesse für die EU-Agrarpolitik und die europäischen Konzerne. Europäische Molkereiunternehmen investieren stark in einem wachsenden westafrikanischen Markt. Verlierer ist die lokale Milch.
  • Wir möchten in Würde von unserer Arbeit leben. Die europäische Agrarpolitik mit dem Fokus, immer mehr zu niedrigsten Preisen zu produzieren, zerstört die Erzeuger in Europa gleichermaßen wie bei uns. Wir werden nicht von unseren europäischen Kollegen instrumentalisiert. Wir sprechen für uns.

Milch reist nicht gern. Kommissare schon?

In ihrem offenen Brief an Phil Hogan laden die westafrikanischen Vertreter den europäischen Agrarkommissar ein, sich ein Bild vor Ort zu machen. Hogan solle sich der Realität auf den landwirtschaftlichen Betrieben, den Mini-Molkereien und lokalen Märkten Westafrikas stellen. Die Milchwirtschaft in Westafrika verdient ihre Chance!

Und auch in Brüssel tut sich was am Weltmilchtag. Das pinkelnde Wahrzeichen der Stadt – das Manneken Pis – wird wieder als afrikanischer Viehhirte verkleidet das Brunnenwasser milchweiß färben. Mit dieser Aktion wollen der belgische Milcherzeugerverband MIG und Tierärzte ohne Grenzen auf die Notwendigkeit von fairen Milchpreisen weltweit aufmerksam machen.

Milch braucht kluge Köpfe. Eine vernünftige Ausgestaltung der Agrarpolitik hilft den Bauern hier und dort. Dazu braucht es aber dringend gesetzliche Rahmenbedingungen auf EU-Ebene, um Überschüsse zu vermeiden und die Milchproduktion auf die Marktverhältnisse auszurichten. Das European Milk Board setzt sich seit Jahren für ein effizientes Kriseninstrument bei drohenden Marktstörungen ein. Mit dem Marktverantwortungsprogramm haben wir ein Instrument erarbeitet, das bei drohenden Krisen die Produktion flexibel anpasst und dadurch Milchpreise stabil zu halten vermag. Unsere Milcherzeuger haben in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen, um sich bei Politikern in den Ländern und in Brüssel für unser Kriseninstrument stark zu machen. Mit Erfolg! Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben sich kürzlich bei der Agrarreform klar für Maßnahmen bei Marktstörungen ausgesprochen und u.a. für eine freiwillige Produktionsverringerung bei instabilen Marktbedingungen gestimmt. Umso wichtiger ist es jetzt, dass das neue EU-Parlament diese positive Forderung weiterbringt und fest in der Gemeinsamen Marktorganisation installiert.

 

Im Namen aller Milchproduzenten feiern wir die Milch als ein wichtiges Nahrungsmittel und plädieren am Weltmilchtag für eine faire und verantwortungsvolle Milchpolitik!

 

 

Kontakte:
EMB-Präsident Erwin Schöpges (DE, FR): +32 (0) 497 90 45 47
EMB-Pressestelle Regina Reiterer (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1934


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