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14.02.2011

BDM Symposium: "Wir brauchen einen langen Atem"

 

Beim BDM Symposium am 29.1.2011 in der deutschen Hauptstadt wurde eines besonders klar: Die Milcherzeuger haben auf nationaler und auf EU-Ebene mit ihrem Einsatz schon einiges erreicht. Aber man muss daran anknüpfen und sich weiter stark engagieren.

Das Stimmengemurmel wurde immer lauter. Die Halle 1 im Internationalen Congress Centrum in Berlin füllte sich nach und nach. Am Ende waren es ca. 1000 Milcherzeuger, die angereist waren, um beim diesjährigen BDM-Symposium zum Thema: Wie weiter mit der Milch - GAP 2013 und die Möglichkeiten der Marktsteuerung zu diskutieren.

Mit dem Beginn der Veranstaltung gegen 12 Uhr senkte sich der Geräuschpegel wieder und alle Augen und Ohren waren auf das Podium gerichtet. „Das Symposium des BDM ist ein Höhepunkt und gleichzeitig ein Startschuss für neue Aktionen. Man nimmt jedes Mal neue Motivation und neuen Mut mit, um sich weiter für die Belange der Milcherzeuger einzusetzen“, begrüßte Stefan Lehmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM),  die Anwesenden.

Mut und Motivation spürte man auch bei Maria Heubuch, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) und selbst Mitglied des BDM. Sie eröffnete den Reigen der Grußworte und sprach bewegend über das starke Engagement der Milcherzeuger:„Viele von uns kämpfen schon seit Jahren. Viele Politiker hören leider immer noch nicht gut genug zu. Wo stünden wir jetzt aber, wenn wir schön brav zu Hause geblieben wären und weiter widerspruchslos unsere Kühe gemolken hätten?“ Maria Heubuch verwies anschließend auf die Zeit vor der großen Milcherzeuger-Bewegung. Von einem kostendeckenden Milchpreis wäre vor einigen Jahren noch nirgendwo die Rede gewesen. Damals hätte man immer nur davon gesprochen, dass Erzeuger Kosten an sich selbst einsparen sollten. „Jetzt spricht die Politik von der Milch“, spannte Heubuch in ihrer Rede den Bogen zurück zur gegenwärtigen Situation. “Das wäre ohne unseren Aktionen nicht passiert. Jetzt sagt sogar eine Frau Aigner, dass faire Regeln auf den Märkten und ein öffentliches  Bewusstsein für Fairness wichtig sind. Viele Menschen da draußen merken jetzt, dass etwas in der Landwirtschaft nicht stimmt. Die überwältigende Demonstration in Berlin am letzten Samstag hat das auch ganz klar gezeigt. Die Bauern haben für dieses stärkere öffentliche Fairness-Bewusstsein ordentlich Vorarbeit geleistet. “ Bei der Demonstration unter dem Motto „Wir haben es satt“ hatten  am 22.01.2011 in der deutschen Hauptstadt ca. fünfzehntausend Menschen unterschiedlicher Gruppierungen aus dem Umwelt, Entwicklungs, Erzeuger- und Verbraucherbereich für eine nachhaltige und faire Landwirtschaft demonstriert.

Das Thema Bündelung nahm in der Rede von Heubuch ebenfalls einen wichtigen Platz ein. „Die Beschränkungen, die die Kommission bei der Bündelung durchsetzen will, sind fatal.“ In diesem Zusammenhang rief die ABL-Vorsitzende dazu auf,  sich nicht lähmen zu lassen und weiter am Markt zu bleiben. „Lasst uns auch kleine Liefergemeinschaften bilden. Wir müssen vernetzt bleiben und alles öffentlich machen, was betrieben wird, um Erzeuger gegeneinander auszuspielen.“ Die Bündelung müsse unbedingt weiter vorangetrieben werden.

Als Vertreterin des BUND sprach danach Reinhild Benning ein Grußwort an die Milchbäuerinnen und Milchbauern: „Diese Grüne Woche war keine normale Grüne Woche. Es war eine D-Woche – überschattet vom Dioxin Skandal.“, so Benning. „Es fehlen noch immer wichtige Elemente von Seiten der Politik, damit Bauern die Problematik nicht ausbaden müssen.“ Problematisch sei besonders, dass der Bauernverband in Zukunft Geld von den Bauern einbehalten wolle, um eine nutzlose Image-Kampagne zu starten. „Bloße Imagekampagnen können aber nichts lösen. Es muss eine Politik gefahren werden, die eine nachhaltige Landwirtschaft unterstützt.“ Benning wandte sich in Ihrer Rede auch direkt an die Erzeuger: „ Ihr Bauern braucht eine nachhaltige Landwirtschaft und ihr müsst zeigen, dass sie euch wichtig ist. Denn es ist erforderlich, dass die Gesellschaft sieht, dass ihr am Umweltschutz interessiert seid.“ Auch Benning war anschließend die Begeisterung deutlich anzumerken, als sie von der „Wir haben es satt“- Demonstration der vorangegangenen Woche sprach: „Wir hatten eine sehr erfolgreiche Demonstrationen, bei der die Gesellschaft deutlich gezeigt hat, dass sie eine bäuerliche Landwirtschaft will“ Es sei besonders auch sehr wichtig gewesen, dass Menschen aus vielen verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen dabei gewesen waren, so Benning. „Wir müssen zusammenhalten und zusammen kämpfen.“

Weitere Redner beschäftigten sich unter anderem mit der Bündelung der Milcherzeuger. So Dr. Andrea Beste vom MEG Milch Board und der Kartellrechtler Oliver Schniewind. Wie Beste betonte, sei es allein in Deutschland möglich, zu einer Größe bis zu 80 Prozent des Milchmarktes zu bündeln. Eine Sonderstellung, die die Erzeuger selbst allerdings noch nicht stark genug nutzen würden, wie die Vertreterin des MEG Milch Boards bedauernd feststellte. „Es müssen noch mehr Erzeuger in die MEG Milchboard kommen. Wir müssen wachsen und wir stehen dabei nach allen Seiten offen“, so Beste. Der Anwalt Oliver Schniewind beschäftigte sich in seiner Rede mit den Vorschlägen der EU-Kommission, die die bestehenden Bündelungsmöglichkeiten in Deutschland stark einschränken würden. „Leider darf man nach den neuen Vorschlägen als Erzeuger nicht mehr Mitglied einer Genossenschaft oder Liefergemeinschaft sein und zusätzlich einer Erzeugergemeinschaft angehören, die für einen fairen Preis verhandel.“, beschrieb Schiewind  das Szenario, das der EU-Kommission aktuell  im Bezug auf die Milchbündelung vorschwebt. Man dürfte dann nur noch einer Gemeinschaft angehören. Das schränke stark ein. Die neuen EU-Kommissionsvorschläge sehen eine Grenze der Bündelung von 3,5 der EU-weiten Milchmenge und 33 Prozent der nationalen vor. „Damit gibt man den Erzeugern aber keine Macht in die Hände. Auf der Gegenseite - bei den Verarbeitern - hat man schon jetzt Marktanteile auf sich vereint, die weitaus größer sind, als sie die Anteile am Markt, die man maximal für die Erzeuger vorsieht.“ Schniewind ergänzte: „Die von der EU-Kommission vorgegeben Zahlen von 3,5 bzw. 33 Prozent machen aus kartellrechtlicher Sicht überhaupt keinen Sinn. Da hätte man auch einfach nur ein Rad drehen und die Zahlen nehmen können, auf denen der Zeiger zufällig stehen bleibt.“

Lutz Ribbe aus dem Wirtschafts- und Sozialausschuss des EU-Parlamentes führte die Kritik an der EU-Politik weiter. “In den vergangenen Jahren hat man gute Vorschläge geblockt. Als Ergebnis haben wir jetzt eine Landwirtschaft, die stark in Richtung Agrarindustrie geht. 20 Prozent der Bauern bekommen 85 Prozent der EU-Mittel. Gerecht ist das nicht.“ Dass sich die Milcherzeuger als Berufsgruppe weiter stark für eine erzeuger- und verbraucherfreundliche Politik einsetzen, spielte für Ribbe eine wichtige Rolle. „Man braucht einen langen Atem, um das bestehende System zu verändern. Denn an diesem System verdienen einige, die alles tun, um einen Wechsel zu verhindern. Aber lassen sie sich nicht entmutigen, denn es hat sich in Brüssel schon einiges verändert und wenn die Erzeuger weiter stark dranbleiben, wird sich noch mehr verändern.“

Neben interessanten Referaten zum zukünftigen Verbraucherverhalten bei Milchprodukten umfasste das Symposium im folgenden noch zwei Beiträge, die sich mit der Problematik gentechnisch veränderter Futtermitteln beschäftigten. So berichteten der US-amerikanische Getreidefarmer Troy Roush und der Wissenschaftler Bill Freese unter anderem von der schädlichen Abhängigkeit vieler Erzeuger von den Gentechnik-Konzernriesen.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter und des European Milk Board, Romuald Schaber, fasste am Ende der Veranstaltung die Beiträge mit folgenden Worten zusammen: „Vier wichtige Aussagen haben wir heute gehört. Als erstes wurde klar: Ja, wir brauchen ein anderes System. Denn mit dem aktuellen ist eine vernünftige, verbraucherorientierte Landwirtschaft nicht möglich. Zweitens brauchen wir einen langen Atem. Es lohnt sich für Veränderungen einzutreten. Dabei ist es gut und wichtig, wenn wir Erzeuger mit vielen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen zusammen arbeiten. Außerdem sehen wir, dass wir in Europa noch wählen können, ob gentechnisch verändertes Saatgut eingesetzt wird oder nicht. Das ist gleichzeitig eine Wahl zwischen der Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit unserer Erzeuger von großen Konzernen im Gentechnikbereich.“ Für eine gute Zukunft der Milcherzeuger und der Verbraucher sah Schaber abschließend besonders eines als unabdingbar: „Bessere Preise sind ein Muss.“

Silvia Däberitz, EMB

 


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