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11.07.2019

Kritik an Mercosur-Abkommen reißt nicht ab

EMB betont weiter Notwendigkeit von sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit für Handelsbeziehungen

Brüssel, den 11. Juli 2019: Das von der EU und den Mercosur-Ländern geschlossene Handelsabkommen stößt in Europa weiter auf große Kritik, was aktuelle Proteste in Belgien deutlich machen. Für Erwin Schöpges, Präsident des European Milk Board (EMB) und belgischer Milcherzeuger, stehen hierbei insbesondere Probleme für den Milch- und den Rindfleischsektor im Fokus.

„Für die MilcherzeugerInnen der EU, die seit Jahren mit konstruktiven Konzepten darauf hinarbeiten, den Sektor zu stabilisieren, bedeutet dieses Handelsabkommen ein Rückschlag“, so Schöpges. So führe die Quote von 99.000 Tonnen Rindfleisch für Exporte aus den südamerikanischen Ländern dazu, dass die Rindfleischpreise in der EU stark sinken und Teile der einheimischen Fleischproduktionen verdrängt werden könnten. Aufgrund der beschlossenen Senkung der Mercosur-Exportzölle auf Soja und damit der Verbilligung dieses Futtermittels müsse man zudem laut Schöpges erwarten, dass die schädliche Überproduktion im Milchsektor noch verstärkt werde. Neben den Bedenken für den EU-Agrarsektor müsse man auch die Situation für die südamerikanischen Bäuerinnen und Bauern im Blick haben: „Das Abkommen sieht Zollsenkungen für Milchprodukte aus der EU vor. Damit riskiert man sinkende Milchpreise für die südamerikanische Landwirtschaft.“

Besorgniserregend sei zudem, dass sich die Agrarprodukte, die nun vermehrt zu uns nach Europa kommen werden, bezüglich der Standards und Produktionsanforderungen von den EU-Erzeugnissen unterscheiden. „Dadurch sind unsere Milchbäuerinnen und –bauern mit einer Wettbewerbsverzerrung konfrontiert“, erläutert Schöpges diese Problematik des Abkommens. „Und es ist auch sehr fraglich, ob die Standards, die im Abkommen zugesichert werden, überhaupt eingehalten werden“, ergänzt der EMB-Präsident. 

Aber auch über den landwirtschaftlichen Sektor hinaus sieht das EMB Kritikpunkte am Abkommen der EU. „Der Umgang Brasiliens, dem wirtschaftlich stärksten Mercosur-Staat, mit Menschenrechten ist aktuell sehr bedenklich. Und auch seine Entscheidungen im Umweltbereich, wie beispielsweise verstärkte Rodungen des Regenwaldes, sehen wir als problematisch an“, so Schöpges.

Wie Erwin Schöpges jedoch unterstreicht, spricht sich das  EMB nicht per se gegen Handelsbeziehungen aus, denn diese seien sehr wichtig. „Aber sie müssen fair gestaltet sein. Wirkliche soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit sollte daher bei den Verhandlungen zu Handelsabkommen immer eine zentrale Rolle spielen. Diesen Anforderungen wird das Mercosur-Abkommen jedoch leider nicht gerecht.“

 

Kontakte:

EMB-Präsident Erwin Schöpges (DE, FR): +32 497 90 45 47
EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1936
EMB-Pressestelle Nicolas de la Vega (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1934


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