flag de flag gb flag fr
Impressum     European Milk Board ASBL | Rue de la Loi 155 | B-1040 Bruxelles

News Details

PDF-Icon Icon-Druck

17.04.2018

Es geht weiter runter

Deutsche Milcherzeuger hatten im Januar 2018 eine Unterdeckung von 12 Prozent zu verkraften

(Brüssel, 17. 04. 2018) Die Rechnung ist einfach: 41,81 Cent kostete in Deutschland die Produktion eines Kilogramms Milch im Januar 2018. Im gleichen Zeitraum wurde den Erzeugern im Durchschnitt lediglich ein Preis von 36,75 Cent gezahlt. Damit ließen sich die Kosten nur zu 88 Prozent decken; es blieb ein Defizit von 12 Prozent. Im Oktober 2017 hatte die Unterdeckung bei nur zwei Prozent gelegen. Die Zahlen entstammen der vierteljährlichen deutschen Kostenstudie des Büros für Agrarsoziologie (BAL). Das Institut führt seit 5 Jahren repräsentative Kostenkalkulationen für zahlreiche europäische Länder durch.

Laut Sieta van Keimpema, Vizepräsidentin des European Milk Board (EMB), ist die Lage auf dem Milchmarkt in ganz Europa problematisch und bedarf einer Reform. „Wir haben neben Deutschland auch in den anderen Ländern große Defizite, weil die Milchpreise die Kosten der Produktion nicht decken. 35,50 Cent pro Kilogramm Milch waren es laut Milchmarktbeobachtungsstelle der Europäischen Union in den Niederlanden im März 2018. 34,22 waren es in Frankreich und 31,97 in Belgien. Die Produktionskosten liegen indessen einiges über 40 Cent.“

Brenzlig sei besonders, dass verantwortliche EU-Politiker die große Schieflage akzeptierten und keine Anstalten machten, die Situation langfristig zu stabilisieren. Sieta van Keimpema verurteilt diese Passivität: „Das entspricht in keinster Weise dem Auftrag, den der Vertrag von Lissabon an die Politik gibt. Hier heißt es in Artikel 39, dass der landwirtschaftlichen Bevölkerung eine angemessene Lebenshaltung gewährleistet werden soll. Doch das geschieht in der Praxis überhaupt nicht.“ Damit stoße man nicht nur die Bauern, sondern auch die europäische Bevölkerung vor den Kopf. Diese spricht sich immer wieder für faire Preise für ihre Landwirte aus.

Die ganze Kulturlandschaft von Europa ist in einer tiefgreifenden Änderung begriffen, da immer mehr Bauern aufgeben müssen und daher als Bewahrer einer ausgeglichenen Kulturlandschaft ausfallen. „Im Milchsektor kann man dem entgegenwirken, indem man die Krisen aktiv reduziert. Dazu ist das Marktverantwortungsprogramm (MVP) gut geeignet“, so van Keimpema. Tiefe Preise, verursacht durch Übermengen, könnten damit vermieden werden. Den Erzeugern wäre es so möglich, ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften, um eine nachhaltige Produktion fortzusetzen.

 

Hintergrund:

Die gemeinsam von European Milk Board (EMB) und MEG Milch Board beim Büro für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL) in Auftrag gegebene Kostenstudie berechnet die deutschlandweiten Erzeugungskosten der Milch. Sie basiert zum einen auf Daten des InformationsNetzes Landwirtschaftlicher Buchführungen der Europäischen Kommission (INLB), nutzt zu deren Aktualisierung zudem Preisindizes für landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Futter, Dünger, Saatgut und Energie vom Statistischen Bundesamt und greift auf einen Einkommensansatz zurück, der die Arbeitsleistung der Betriebsleiter und Familienangehörigen kalkuliert.

Auf dieser Studie aufbauend hat die MEG Milch Board den Milch Marker Index (MMI) entwickelt, der den aktuellen Verlauf der Erzeugungskosten (mit Basisjahr 2010 = 100) dokumentiert. Für Januar 2018 beträgt der MMI 100 Punkte. Vierteljährlich wird er gemeinsam mit einer Preis-Kosten-Ratio veröffentlicht. Diese zeigt das Verhältnis zwischen den amtlich erfassten Rohmilchpreisen an die Erzeuger und den Milcherzeugungskosten. 

 

Datenblatt herunterladen

 

Kontakt:

EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (DE, EN): 0032 (2)808 1936


Weitere aktuelle Meldungen

21.12.2018

EMB Rückblick 2018

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir wollen dies zum Anlass nehmen, auf unseren Weg 2018 zurück zu schauen. Das Jahr hatte für uns Milcherzeuger einige Herausforderungen, da es am Milchmarkt es nach wie vor keine effizienten Instrumente gibt. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern – Milchproduzenten aus 15 europäischen Ländern –...

12.12.2018

4000 km und 6 Tage im Bus hin und zurück: „Liebe Regierungschefs, es muss endlich Fairness in der Gemeinsamen Agrarpolitik geben!“

Baltische Erzeuger fordern heute in Brüssel Angleichung der Direktzahlungen Das European Milk Board drängt auf ein effizientes Kriseninstrument für den Milchmarkt

06.12.2018
30.11.2018

Newsletter November/Dezember online!

Solidarisch und mit einer Stimme Die Verbände des European Milk Board (EMB) haben vor zehn Tagen ihre Mitgliederversammlung im Schwarzwald abgehalten und über die aktuelle Situation beraten. Weiterlesen...

27.11.2018

Was ist da los im Milchsektor?

2013 – 2018: Realistische Kostenstudien zeigen seit 5 Jahren Ist-Situation des Milchmarkts

21.11.2018

Die europäischen Bäuerinnen und Bauern sind solidarisch und sprechen mit einer Stimme:

„Wir fordern eine verantwortungsvolle Milchpolitik und eine effiziente Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU“

19.10.2018

Newsletter Oktober online!

Was kostet die Erzeugung von Milch? In unserem Sektor haben viele, die sich über die Situation im Milchmarkt auslassen, die unangenehme Angewohnheit, den Milchpreis als Ausgangspunkt zu nehmen. Eine kurzsichtige Betrachtungsweise, denn für die Milchbauern sind die Milcherzeugungskosten genauso wichtig wie der gezahlte...