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25.04.2018

Endlich gegen Wettbewerbsverzerrungen im Milchsektor handeln!

Internationale Bündelungskommission der Milcherzeuger fordert in 3-Punkte Papier Einsatz der Politik für funktionierenden Milchmarkt

(Paris, Brüssel, Göttingen, den 25. April 2018): Wer auf der Suche nach einem Beispiel für einen gut funktionierenden Markt ist, sollte sich nicht allzu lange mit dem Milchsektor beschäftigen. Wie auch unlängst vom deutschen Kartellamt festgestellt, existieren hier Wettbewerbsverzerrungen, die die Funktionsweise des Marktes nachhaltig beeinträchtigen.

Mit den Problemen, die sich aus solchen Wettbewerbsverzerrungen ergeben, sind auch die Mitglieder der Internationalen Bündelungskommission der Milcherzeuger (IBM) Tag für Tag konfrontiert. Und das nicht allein in Deutschland, sondern in vielen EU-Staaten. Aus diesem Grund fordert die IBM in einem 3-Punkte Papier die Politik und die Milchverarbeiter auf, die Weichen für einen funktionierenden Markt im Milchsektor zu stellen.

 

In dem Papier heißt es:

1.    Die Kosten der Produktion müssen Grundlage für die Preisbildung in Verträgen zwischen Molkerei und Erzeuger werden. In der aktuellen politisch-ökonomischen Situation spiegeln die Erzeugerpreise nicht die Kosten der Produktion (inklusive Arbeitsentlohnung) wider. Selbst in ihrer Rolle als Lieferanten haben die Erzeuger keine Möglichkeit, den Verkaufspreis festzulegen. In Verträgen müssen daher zumindest kostendeckende Preise unter Berücksichtigung der realen Erzeugungskosten garantiert werden.

Orientierungshilfe zur Kostenkalkulation bietet hierbei eine in Zusammenarbeit von EMB und MEG Milch Board entwickelte Kostenstudie*. Diese ist in den Haupterzeugungsländern der EU bereits weit verbreitet.

 

2.    Es muss ein Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb für die Erzeugerstufe installiert werden. Wie auch auf Handelsebene, wo es verboten ist, Produkte unter Einstandspreis zu verkaufen, muss beim Erwerb von Rohmilch bzw. Rohstoffen aus der Landwirtschaft ein Verbot des Verkaufs unter Produktionskosten gelten.

 

3.    Politische Maßnahmen müssen veranlasst werden, um die Bündelung von Milcherzeugern im Markt voran zu treiben. Hintergrund ist, dass die im EU-Milchpaket geschaffenen Möglichkeiten zur Bündelung (d. h. bezüglich der Verhandlung von Milchlieferverträgen über Erzeugerorganisationen für eine große Zahl von Erzeugern zum Zweck der Stärkung der Marktposition der Produzenten) bis dato real wenig genutzt werden können.

 

Was funktioniert im Markt nicht?

Stellen Sie sich vor, Sie sind Autobauer und müssten einen neuen PKW unter seinem Herstellungswert verkaufen, weil der Markt Sie dazu zwingt. Der Abnehmer überweist Ihnen lediglich einen Preis, den er bestimmt und der nur 80 Prozent der Herstellungskosten beträgt. Als Hersteller haben Sie selbst keinerlei Möglichkeiten, den Preis mit festzusetzen. Um die Verluste verkraften zu können, verzichten Sie auf Ihr Gehalt und nutzen zudem noch Einnahmen aus anderen Sparten, mit denen Sie die PKW-Herstellung quersubventionieren. Tun Sie das nicht, haben Sie keinen Abnehmer und es stapeln sich die PKWs auf Ihrer Neuwagenhalde und rosten vor sich hin. Pure Fiktion? Leider nein, denn so ähnlich sieht es bei der Milch aus. Die Erzeugungskosten von einem Liter betragen beispielsweise in Deutschland, Belgien und Frankreich durchschnittlich einiges mehr als 40 Cent. Gezahlt an die Erzeuger werden allerdings viel weniger, so in Deutschland zwischen 29 und 35 Cent, in Frankreich um die 30 Cent und in Belgien sogar weniger als 30 Cent für den Liter. Die Arbeitsleistung, die eigentlich durchschnittlich ca. 13-15 Cent/Liter beträgt, fällt dabei unter den Tisch. Und das nicht einfach mal nur für einen kurzen, verkraftbaren Zeitraum. Nein, die Preise liegen seit Jahren unter den Produktionskosten. Die Milcherzeuger sind oft gezwungen, Geld aus anderen Sparten zu mobilisieren, um die Milcherzeugung aufrecht zu erhalten.

 

Wie die IBM verlauten lässt, müsse von politischer Seite gehandelt werden, wenn unfaire Handelspraktiken die Regel sind. Mit dem Papier gegen Wettbewerbsverzerrung im Milchsektor spricht die IBM sowohl die nationalen Regierungen in der EU als auch die EU-Kommission und das Parlament an.

 

Hintergrund

Als internationales Bündnis von Erzeugerorganisationen im Rahmen des European Milk Board (EMB) setzt sich die Internationale Bündelungskommission der Milcherzeuger (IBM) für eine Verbesserung der Marktbedingungen für EU-Milchproduzenten ein. In einem Kooperationsvertrag haben die teilnehmenden Organisationen MEG Milch Board aus Deutschland, die drei Erzeugergemeinschaften France MilkBoard aus Frankreich und die belgische MIG/WAFAB vereinbart, sich zu Fragen der Milchbündelung regelmäßig auszutauschen und zu unterstützen sowie gemeinsame Aktionen zu organisieren und Positionspapiere zu erarbeiten.

 

* Die aktuelle Kostenstudie für Frankreich (FR) finden Sie hier und die aktuellen Kostenberechnungen für Deutschland hier.

Positionspapier gegen Wettbewerbsverzerrungen im Milchsektor

 

 

Ansprechpartner für Medien:


Denis Jehannin – Vizepräsident des FMB Grand Ouest: +33 (0)681 545 981
Alain Minet – Sekretär und Schatzmeister des WAFAB: +32 (0)470 47 33 40
Dr. Ute Zöllner – MEG Milch Board w. V:  +49 (0)551 50 76 49 11
Silvia Däberitz – Geschäftsführerin des EMB (FR, DE, EN): +32 (0)2 808 1936


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