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26.09.2011
Newsletter September
Liebe Milchbäuerinnen und Milchbauern, liebe Interessierte,
Am 13. September 2011 hat das France Milk Board (FMB) Agrarminister Bruno Le Maire einen Mustervertrag überreicht, der Grundlage für die Regelung der Beziehungen zwischen Milcherzeugern und Molkerei sein kann. Es war höchste Zeit, dass die Erzeuger einen eigenen Vertragsentwurf herausbringen. Denn die Verträge, welche die Molkereien aufgrund des neuen französischen Gesetzes zur Modernisierung der Landwirtschaft vorgelegt haben, sind so inakzeptabel, dass sogar der Bauernverband sie zurückweist und bis zum heutigen Tag lediglich 5% der französischen Bauern unterschrieben haben.
Im Gegensatz zu den Molkerei-Verträgen dient der Mustervertrag des France Milk Board tatsächlich dazu, die Rechte der Milcherzeuger zu stärken. Die Erzeuger, die den Vertrag unterschreiben, übertragen dem FMB ihr Verhandlungsmandat gegenüber ihrer Molkerei. Der Vertrag würde für die Dauer von fünf Jahren geschlossen. Er definiert das Liefervolumen und setzt einen Milchpreis auf Basis der realen Produktionskosten fest, die jährlich von einer unabhängigen Kommission überprüft werden. Aktuell beträgt dieser Preis 41,2 Eurocent pro Liter Rohmilch.
Zusätzlich wird eine unabhängige Markt-Monitoringstelle auf europäischer Ebene benötigt, um den Milchmarkt sinnvoll steuern und zukünftige Krisen verhindern zu können. Hierfür werden wir uns als EMB-Vorstand bei Gesprächen und Aktivitäten in Brüssel und vor Ort in EMB-Mitgliedsländern in den kommenden Monaten weiter intensiv einsetzen.
Mit herzlichen Grüssen,
Anton Sidler, EMB Vorstandsmitglied aus Frankreich
Schweiz: Allgemeinverbindlichkeit für Teile der BOM-Beschlüsse erteilt
Der Schweizer Bundesrat (Regierung) hat am 31.8.2011 der linearen Abgabe von einem Rappen pro Kilo Milch zur Marktentlastung die Allgemeinverbindlichkeit erteilt. Damit kann ein Teil der Beschlüsse der Branchenorganisation Milch (BOM) zum Abbau des Butterberges in der Schweiz umgesetzt werden. Alle Milcherzeuger sind nun mittels ihrer Lieferorganisationen verpflichtet, einen Rappen / Liter in einen Fonds zum verbilligten Export der Überschüsse zu zahlen.
Die Delegiertenversammlung der BOM hatte im März jedoch beschlossen, dass neben dem einen Rappen / Liter auch eine Zusatzabgabe von vier Rappen pro Kilo Milch auf Mehrmengen eingerichtet werden müsse. Diese ist in den letzten Monaten von einigen Produzenten angefochten worden. Der Bundesrat vertagte deshalb die Entscheidung über eine Allgemeinverbindlichkeit für die vier Rappen, da diese aktuell nicht auf rechtlich sicheren Beinen stehe.
Die EMB-Mitglieder BIG-M und Uniterre hatten vom Bundesrat verlangt, dass das gesamte Massnahmenpaket der BOM umgesetzt wird. Ein Aufschnüren gefährde die Massnahmen zur Marktstabilisierung. Ohnehin beinhalte das aktuelle Paket noch keinen Ansatz zur effektiven und nachhaltigen Mengenregulierung. Die Wirtschaftskommission des Ständerates hat bereits angekündigt, dass sie eine Kommissionsmotion vorlegen werde, wenn der Bundesrat nur einem Teil der Marktentlastungsmassnahmen die Allgemeinverbindlichkeit erteilen werde.
Werner Locher, Big-M: „Der Entscheid des Bundesrates kommt auch bei einzelnen Milchverkaufsorganisationen schlecht an. Die nächste Zukunft wird zeigen, ob die Produzentenorganisationen gewillt sind, das Spiel so mitzumachen. Seit drei Monaten wird der eine Rappen ja bereits vom Milchgeld zurückbehalten. Da die Abgabe von 4 Rappen auf die Mehrmengen aber boykottiert wird, haben mindestens zwei grosse Organisationen (Nordostmilch und PO ZMP, zusammen 25% aller Produzenten) beschlossen, den Betrag nicht an die BOM zu überweisen, sondern so lange auf ein Sperrkonto einzuzahlen, bis die 4 Rappen auch einbezahlt worden sind.“
Sonja Korspeter, EMB
Neues belgisches Mitglied bei EMB
Das Flemish Milk Board (FMB) ist seit Juli 2011 offiziell Mitglied beim European Milk Board (EMB) geworden. Der Verband hat seine Mitglieder vor allem in Flandern, dem nördlichen Teil Belgiens, in dem niederländisch gesprochen wird, doch auch einige Wallonen aus dem französisch sprachigen Süden des Landes sind mit dabei. Die Wurzeln des Verbandes liegen in einer Gruppe von Milcherzeugern, die sich nach der großen Demonstration des EMB in Brüssel am 5.10.2009 organisiert haben und dann im Frühling 2010 mit dem bäuerlichen Verband ABS gemeinsam das Flemish Dairy Board gegründet haben. Seitdem ist die Zahl der Mitglieder stetig gestiegen.
In enger Zusammenarbeit mit dem EMB-Mitglied Milcherzeuger-Interessengemeinschaft (MIG) hat FMB Faircoop, die Organisation aufgebaut, die die faire Milch in Belgien vermarktet. Der traditionelle Bauernverband in Flandern, der Boerenbond, predigt immer wieder öffentlich, dass der Milchbedarf weltweit wachse und dass es sinnvoll für die Bauern in Flandern sei, ihren Betrieb beizeiten zu vergrößern. Das bedeutet, dass FMB einerseits eine intensive Lobbyarbeit gegenüber den Parlamentariern betreiben muss, um die Notwendigkeit einer Angebotssteuerung und einer realen Stärkung der Milcherzeuger am Markt zu verdeutlichen.
Es bedeutet aber andererseits auch eine kontinuierliche Informationsarbeit bei den Milcherzeugern selber. Aus diesem Grunde plant FMB für November eine Tagesveranstaltung zur EU-Milchpolitik, die Lage der Erzeuger in Europa und die Strategien des EMB für die nahe Zukunft. Als sehr konkreten nächsten Schritt will FMB seine Kontakte zum Regierungschef von Flandern ausbauen, der zugleich Agrarminister der Region ist. Auch die Medien sollen in den kommenden Wochen stärker im Fokus des Arbeit des FMB stehen. Der junge Verband erhofft sich vom EMB eine gewisse Unterstützung beim weiteren Strukturaufbau und möchte hierbei gerne von den Erfahrungen der anderen Mitglieder profitieren.
Rik de Coninck, FMB
USA denken immer konkreter über Mengenregulierung nach
Trotz einer Milchpolitik, die bereits zahlreiche Instrumente vorsieht, bleiben die amerikanischen Milcherzeuger von den Folgen der starken Milchpreisschwankungen nicht verschont. Einige Produzenten schlugen bereits 2007 die Schaffung eines Systems zur öffentlichen Mengensteuerung vor, um die Preise zu stabilisieren. Die Vorschläge, die zunehmende Unterstützung finden, wurden bereits im letzten Jahr in die Debatte im Repräsentantenhaus und Senat eingebracht. Seither haben sich verschiedenste Milcherzeuger-Verbände zu einer « Koalition zur Unterstützung des Milchpreis-Stabilisierungs-Aktes » zusammengeschlossen. Dieses Programm, abgekürzt DPSA, ist als nationales und allgemeinverbindliches Programm gedacht, das über finanzielle Anreize Milchbetriebe dazu ermutigen will, ihre Milcherzeugung zu steuern. So könne der Milchsektor das nationale Angebot besser an die Nachfrage anpassen und extreme Milchpreisschwankungen könnten vermieden werden.
Konkret funktioniert dieses Programm folgendermaßen: Es soll ein “Milcherzeuger-Board” eingerichtet werden, das den US-Sekretär für Landwirtschaft in der Umsetzung des DPSP berät. Dieses Board soll sich zusammensetzen aus zwölf Erzeugervertretern (zwei je Region), einem Verbrauchervertreter, einem Vertreter der milchabfüllenden Molkereien und einem Vertreter der übrigen Milchverarbeiter. Zusätzlich soll ein Wirtschaftswissenschaftler ohne eigenes Stimmrecht das Board beraten. Jedes Vierteljahr legt das Board entsprechend der Entwicklung der Milchmärkte zwei Kennziffern fest: Erstens die pro Betrieb erlaubte Ausweitung der Milchmenge (normalerweise zwischen 1,5% und 3%). Zweitens die Höhe der Gebühr, die Betriebe zu zahlen haben, die den gesetzten Rahmen überschreiten (normalerweise zwischen 0,50$ und 1.50$ pro amerikanischem Zentner: 45,3kg). Alle Gebühren, die von den “Überlieferern” gezahlt werden müssen, werden an die anderen Milchbetriebe weitergegeben. Verantwortliche Milcherzeugung zahlt sich somit aus, und zwar sogar in geldwerter Form. Auf der Internetseite www.stabledairies.com kann man nachlesen, dass auch mit dem Programm weiterhin Wachstum möglich sei; doch sei es notwendig, dass Wachstumshungrige ihren Kollegen, die die eigene Produktionsmenge beibehalten, etwas zahlen. Denn nur durch ihre Zurückhaltung sei der Markt dann fähig, zusätzliche Mengen aufzunehmen.
Andere Vorschläge zum Umgang mit den Preisschwankungen, wie beispielsweise das Margen-Schutz-Programm (DPMPP), haben stärker den Charakter eines Sicherheitsnetzes, indem im Falle von einer zu großen Differenz zwischen Futterkosten und Milchpreis der Staat den Erzeugern eine gewisse Summe aus einem nationalen Katastrophenfonds zahlt. Zusätzlich zum DPMPP wird ein Milch-Markt-Stabilisierungsprogramm (DMSP) diskutiert. Ist die genannte Differenz über zwei aufeinanderfolgende Monate unterhalb eines bestimmten Levels, soll das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA eine Mitteilung an die Erzeuger herausgeben, dass sie mindestens für die folgenden zwei Monate nur für 98% ihrer Dreimonatsdurchschnittsproduktion eine Bezahlung erhalten werden. Die Demokraten sowie auch „Future for Dairy“, eine Stiftung von Milcherzeugern und Molkereiangestellten, sind überzeugt, dass die meisten Erzeuger in diesem Fall die Milcherzeugung drosseln werden, um nicht „umsonst“ Milch zu produzieren. (http://democrats.agriculture.house.gov und http://www.futurefordairy.com ) Ein „Producer Board“ soll zusätzliche Absatzmärkte erschließen. Diese drei Elemente wurden am 13. Juli 2011 als Gesetzesvorschlag von U.S. House Agriculture Committee Mitglied Collin C. Peterson in die Diskussion eingebracht.
Noch ist unklar, in welche Richtung die neue Milchpolitik der US-Regierung gehen wird. In 2012 wird über das neue Farm Bill, Äquivalent der GAP in den USA, entschieden werden. Doch, dass eine effektive Mengenregulierung aus den Diskussionen um den amerikanischen Milchmarkt nicht mehr wegzudenken ist, wird immer wieder deutlich. Randy Mooney, Milcherzeuger aus Missouri und Präsident der Dairy Farmers of America: „Wir können weiter wachsen und die Welt mit unserer Milch versorgen solange wie die US Milchwirtschaft das will, aber wir brauchen ein System, das das Angebot an die Nachfrage anpasst und die Erzeuger darin unterstützt, in einem Bereich zu bleiben, in dem die Erzeugung profitabel ist.”
Sonja Korspeter, EMB
Frankreich : Richtpreis von 35,6 Eurocents
Der Richtpreis für September beläuft sich nach Angaben von Cilouest (Branchenorganisation Milch für Westfrankreich) in der Bretagne und dem Pays de la Loire auf 356,20 Euros/1000 Liter. Dies ergibt sich aus den Indizes, die die CNIEL (nationale Branchenorganisation) veröffentlicht hat. Die wirtschaftlichen Indikatoren, die die europäische und globale Konjunktur widerspiegeln, sind imSeptember um 26,10 Euros/1000 Liter gegenüber 22,7 Euros/1000 Liter im August gestiegen. Der Saisonalitätsindex beläuft sich im September wie schon im August und Juli auf +30 Euros/1000 Liter.
In einem Erlass vom 28. Juli 2011 hat der französische Landwirtschaftsminister die vorläufige maximale Zuteilung von zusätzlichen Milchmengen, die die Industrie den sie beliefernden Erzeugern für das Milchjahr 2011-2012 gewähren kann, um zwei Punkte erhöht. Damit beträgt der Höchstsatz jetzt 7% anstatt der 5%, die anfänglich in dem Ministerialerlass vom 30. März 2011 vorgesehen waren.
Dies wird sehr wahrscheinlich zu einer weiteren Erhöhung der produzierten Milchmenge und einem schnellen Rückgang des Milchauszahlungspreises führen, bei steigenden Produktionskosten.
Sonja Korspeter, EMB
Österreich: Die „A faire Milch“ vom neuen, alten Abfüller
Um die „A faire Milch“ gab es in Österreich in den letzten Monaten so einigen Wirbel. Jetzt ist alles wieder beim Alten, und sogar noch besser als vorher. Hier ein paar Hintergründe:
A faire Milch wird schon lange im Auftrag der Molkerei Mona von der Molkerei Seifried im oberösterreichischen Innviertel abgefüllt. Vor zwei Jahren übernahm das Molkereiunternehmen NÖM die Mona – mit allen Verträgen. Der Vertrag zwischen Mona und Seifried gehörte für die NÖM – einer Tochter der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich/Wien – mit zum Übernahme-Paket.
Beste Trinkmilch nicht gut genug?
Die NÖM kündigte dann vor einigen Monaten den Vertrag mit Seifried. Als Begründung gab NÖM-Chef Alfred Berger gegenüber der Zeitschrift „Blick ins Land“ an, dass die Qualität der Milch nicht mehr stimmte. Das konnte bei der privaten Molkerei Seifried niemand so recht verstehen, war die Seifried-Milch doch beim Test des Vereins für Konsumenten-Information (VKI) erst im Vorjahr als beste Trinkmilch hervorgegangen. Für die kleine Molkerei bedeutete der Verlust des Geschäfts ein großes Umsatzminus.
Kurze Zusammenarbeit
Im Folgenden füllte die NÖM selber die „faire Milch“ ab. Doch diese direkte Zusammenarbeit war nicht von langer Dauer. Der Vertrag zwischen der IG-Milch und der NÖM wurde Anfang Juli einvernehmlich gelöst, und das ganz sicher nicht aus rein politischen Gründen, wie es manche Medien darstellen. Die IG-Milch wollte zu „A faire Milch“ auch „A faire Butter“ anbieten. Kurz vor der Markteinführung hatte die NÖM beschlossen, die Butter nicht abzupacken. Hinzu kam, dass die Qualität der „fairen Milch“ nach einer Änderung der Verpackung nicht mehr dieselbe war wie zu der Zeit, in der die Seifried-Molkerei die Milch abgefüllt hatte. Es gab sogar Kundenbeschwerden. „Das hat uns einiges gekostet und erfordert jetzt viel Arbeit, um das Ansehen der fairen Milch als hochwertige und wohlschmeckende Milch wieder herzustellen“, erzählt Erna Feldhofer, Vorsitzende der IG-Milch. Für sie sieht es fast nach einem taktischen Spiel aus, als ob die NÖM mit sinkenden Absatzzahlen das Projekt „faire Milch“ habe abwürgen wollen.
„Freie Milch“ im „fairen Packerl“
Der neue Vertrag zwischen der IG-Milch und der Seifried-Molkerei hält fest, dass nur Milch von Produzenten abgefüllt werden darf, die an die „Freie Milch Austria“ liefern. Seifried war die einzige Molkerei, die diese Bedingung akzeptiert hat. Damit hat die „Freie Milch Austria“, und also eine Milchvermarktungsorganisation in Bauernhand, ihr eigenes Produkt im Kühlregal.
Erna Feldhofer, IG-Milch
Deutschland: Verbot des Verkaufs von Lebensmitteln unter Einstandspreis aufheben?!
Der deutsche Bundeswirtschaftsminister will das 2012 auslaufende Verbot für Verkäufe von Lebensmitteln unter Einstandspreis nicht verlängern. Das Verbot habe sich in der Praxis als „stumpfes Schwert“ erwiesen und die hohen Erwartungen der Politik enttäuscht.
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) kritisierte schon 2007, dass diese Regelung zu kurz greifen würde, da sich das Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis ausschließlich auf die Ebene zwischen Verarbeitung und Handel erstreckt. Nicht berücksichtigt wird die Stufe zwischen Erzeugung und Verarbeitung bzw. Milcherzeugern und Milchverarbeitern. Die Milchindustrie kann sich weiterhin jeden Rückgang der Verkaufserlöse bei den Bauern holen – wie auch schon vor der Novellierung des GWB 2007. „Genau hier aber findet das wahre Dumping statt“, kritisiert BDM-Vorsitzender Romuald Schaber.
Statt das Verbot abzuschaffen müsse es auch auf die Stufe zwischen Erzeugern und Verarbeitung ausgeweitet werden. „Ein Messer, das stumpf ist, wirft man nicht weg, sondern schleift es“, bringt es Schaber auf einen kurzen Nenner.
Aus: Pressemitteilung des BDM
Bolivien erhöht Biersteuer, um Milchpreis zu subventionieren
Die bolivianische Regierung kündigte am 12.8.2011 an, dass sie die Steuern auf Bier und auf alkoholische Importgetränke anheben werde, um mit diesen Geldern den Milchpreis zu subventionieren. 1,4 Dollarcents pro Liter Bier und 5-15 Dollarcents pro Liter Importalkohol sollen zukünftig in einen Fonds „Pro Milch“ fließen. Ziel ist die Förderung des Milchkonsums und die Entwicklung der Milchindustrie, die heute nur 60% ihrer Kapazitäten auslastet. Der durchschnittliche Bierkonsum liegt in Bolivien bei 38 Liter / Jahr, der Milchkonsum dagegen nur bei 30 Liter. Eine Flasche Bier kostet 1 Dollar 40, ein Liter Milch dagegen 70 Dollarcents, was in etwa 49 Eurocents entspricht.
Die Milcherzeuger hatten die Regierung aufgefordert, die Preise zu erhöhen, doch dies wird nun erstmal nicht geschehen, weil die Alkoholsteuer erhöht wird, um darüber die Milchindustrie zu subventionieren.
Aus: Mitteilung der Presseagentur EFE vom 12.8.2011
Ernährungssouveränität, eine europäische Antwort auf die Krise!
Über 400 Delegierte aus 34 europäischen Ländern nahmen vom 16.-21. August 2011 am Nyeleni Europe 2011, dem Europäischen Forum für Ernährungssouveränität teil. In diesen Zeiten politischer Instabilität, sozialer und ökonomischer Krise, riefen die Delegierten dazu auf, das Recht aller Menschen wahrzunehmen, ihre eigenen Lebensmittel- und Agrarsysteme zu bestimmen, ohne die Rechte anderer Menschen einzuschränken oder kostbare natürliche Ressourcen zu schädigen. Es wurde ein gemeinsamer Aktionsplan erarbeitet, der in Kürze veröffentlicht werden wird. In der Abschlussdeklaration heißt es, „wir sind davon überzeugt, dass eine Veränderung unseres Lebensmittel- und Agrarsystems ein erster Schritt hin in die Richtung eines breiteren Wandels in unserer Gesellschaft ist“. Die fünf Hauptforderungen der Deklaration sind:
ein ökologisch nachhaltiges und sozial gerechtes Modell der Lebensmittelproduktion und des Verbrauchs, das auf nicht-industrieller, kleinbäuerlicher Landwirtschaft und handwerklicher Verarbeitung sowie alternativer Verteilung beruht
die Lebensmittelverteilung dezentralisieren und die Kette zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen verkürzen
die Arbeits- und Lebensbedingungen, insbesondere im Bereich Lebensmittel und Landwirtschaft, verbessern
die Entscheidungsfindungsprozesse für die Verwendung von Gemeingütern und kulturellem Erbe (Land, Wasser, Luft, traditionelles Wissen, Saatgut und Nutztierarten) demokratisieren
und sicherstellen, dass politische Entscheidungen auf allen Ebenen die Lebendigkeit ländlicher Regionen, faire Preise für LebensmittelproduzentInnen und sichere, GVO-freie Nahrung für alle garantieren.
Die Deklaration und viele lebendige Photos sind verfügbar unter: www.nyelenieurope.net
Aus: Pressemitteilung vom 22.8.2011
Frankreich: Jeunes Agriculteurs möchten eine europäische Branchenorganisation
Um den für 2015 geplanten Quotenausstieg zu organsieren, hat der Verband der französischen Junglandwirte (Jeunes Agriculteurs – CNJA) am 30. August 2011 bei einer Pressekonferenz vorgeschlagen, dass sich der Sektor auf europäischer Ebene in einer großen Branchenorganisation zusammenschließt. Sie soll Erzeuger und Molkereien aus den 27 Mitgliedsstaaten umfassen und mit den nationalen Branchenorganisationen verbunden sein. Die Schaffung einer europäischen Ebene im Sektor dient zwei Zielen: Gewährleistung der Mengensteuerung in Abhängigkeit der weltweiten Nachfrage und die Möglichkeit, über die Einrichtung einer europäischen Produktions- und Marktbeobachtungsstelle Krisen im Sektor vorhersehen und steuern zu können.
In Frankreich
Die Jeunes Agriculteurs (CNJA) möchten außerdem eine stärkere Bündelung der Erzeuger auf nationaler Ebene, um bei Vertragsverhandlungen mit dem Handel und der Industrie mehr Gewicht zu haben. Heute werden diese Verhandlungen häufig individuell geführt, wobei die Erzeuger im Nachteil sind. Die Junglandwirte stellen sich außerdem die Gründung einer Exportabteilung im Rahmen der nationalen Branchenorganisation vor, die weltweite Absatzmärkte für die französischen Milcherzeuger sucht. Der Wunsch des CNJA ist, einen Teil der durch die Ausfuhr erwirtschafteten Gewichte in einen Sicherungsfonds für die Erzeuger einzuzahlen, der es ermöglichen würde, den großen Schwankungen des Weltmarkts entgegenzuwirken und gemeinsame Projekte zu finanzieren.
Aus Sicht von Anton Sidler und Willem Smeenk, den französischen Vertretern im Vorstand des EMB, wäre der Einfluss der vom CNJA vorgeschlagenen Branchenorganisation zu schwach und die Exportausrichtung, die sich im Vorschlag des Interventionsfonds zeigt, nicht der richtige Weg. Stärker in den Vordergrund gestellt werden müsse das Gewicht der Erzeuger auf dem Milchmarkt. Es gehe darum, Instrumente zu finden, um die Position der Erzeuger gegenüber ihren Genossenschaften und Privatmolkereien zu stärken.
Sonja Korspeter, EMB
Höhere Milchpreise in Italien
Ein großer Teil der Milcherzeugung (über 60%) findet in Norditalien statt, allein in der Region Lombardei werden 41,8% der italienischen Milch erzeugt. Dort bekommen die Bauern aktuell einen Milchpreis von 40,2 ct/kg (bei 3,7% Fett, 3,3% Eiweiß), ohne Mehrwertsteuer und Zuschläge, für Milch, die zu Frischeprodukten verarbeitet wird. Für Milch, die in die Produktion des Grana Padana geht erhalten sie mindestens 42ct/kg und für Milch, die zu Parmesan verarbeitet wird 65ct / kg, die jedoch erst nach Ablauf von 2 Jahren vollständig gezahlt werden. In Mittel- und Süditalien beträgt der durchschnittliche Milchauszahlungspreis aktuell 45 Cent plus Mehrwertsteuer und Qualitätszuschlag.
Roberto Cavaliere, Mitglied des EMB-Vorstandes und unter anderem Präsident der APL Pianadura Padana in Norditalien, kommentiert: „Die Milcherzeugung in Italien ist aktuell stabil mit leicht steigender Tendenz. Da der Markt floriert können diese zusätzlichen Mengen leicht aufgenommen werden. Insbesondere die AOC-Käsesorten Grana Padano und Parmiggiano Reggiono laufen sehr gut und bringen gute Mindestpreise für die Erzeuger mit sich.“
Sonja Korspeter, EMB
Israel: Regierung liberalisiert nach Verbraucherprotesten den Milchmarkt
Die Proteste in Israel haben vor einigen Wochen ursprünglich mit einem Boykottaufruf auf Facebook begonnen, nachdem die Preise für einen 250 Gramm-Becher Hüttenkäse auf bis zu 8 Schekel (ca. 1,60€) gestiegen sind. Innerhalb kürzester Zeit schlossen sich immer mehr Verbraucher dem Boykott an und die Verkaufszahlen von Hüttenkäse fielen – verstärkt durch ein gewaltiges Medienecho - kurzfristig um bis zu 50 Prozent.
Die israelische Regierung hat dann Anfang August 2011 die Entscheidungen einer Kommission zur Überprüfung des Marktes für Milchprodukte (Kedmi-Kommite) umgesetzt. Ziel sei es, für einen stärkeren Wettbewerb zu sorgen und die Preise für Milchprodukte zu senken, die in den letzten Jahren stark angestiegen waren. Das bis 2016 laufende Programm sieht unter anderem eine Öffnung des Marktes für Einfuhren aus dem Ausland vor. Aktuell kommen Milch-Importe im Wesentlichen aus der EU und den USA, geregelt über ein bilaterales Abkommen.
Des Weiteren wird die heute noch geltende Deckelung der Produktionsmengen über ein Monatsquotensystem teilweise aufgehoben und für den freien Wettbewerb geöffnet. Kleine Milchproduzenten erhalten die Möglichkeit zu wachsen. Für die Berechnung des Mindestmilchpreises pro Liter wird zukünftig der Erzeugerpreis des am kosteneffektivsten arbeitenden Produzenten herangezogen. Bei Einfuhren von Hartkäse wird die Einfuhrsteuer von 70% auf 20% gesenkt.
Supermarktketten, Molkereien und Milchbauern wurden außerdem angewiesen, regelmäßig über die finanzielle Lage zu berichten. Das helfe der Regierung, Entscheidungen über mögliche Preiskontrollen bei bestimmten Produkten zu treffen. Zum besseren Vergleich für die Verbraucher müssen Supermärkte in Zukunft auch den Preis für 100 Gramm eines Milchproduktes nennen.
Andere Dimensionen der Milchproduktion
Die israelische Milcherzeugung ist schon hoch effizient und produktiv, mit der weltweit höchsten Milchleistung pro Tier. Im Durchschnitt produziert jede Kuh 12.600 Kilogramm pro Jahr. Es gibt zwei Arten von Milchbetrieben. Die Grossbetriebe in den Kibbuzen mit mindestens 300 Kühen und einer Produktion von rund 300 Millionen Kilogramm pro Jahr, und die kleinen Familienbetriebe, mit 45 bis 50 Kühen und einer Milchmenge von 450.000 Kilogramm. Die Milchmenge ist in Israel bisher kontingentiert und beträgt insgesamt 1.200 Millionen Tonnen Milch. Es ist eine auf Monate aufgeteilte Quote, die die Erzeuger ermutigen soll, das Jahr über ähnliche Mengen an die Industrie zu liefern. In Israel gibt es rund 200 Milch-Kibbuze und 1.100 kleine Betriebe.
Über eine Vereinbarung zwischen Regierung, Bauern und den Molkereien wird regelmäßig ein Mindestpreis festgelegt. Dieser Preis spiegelte bisher die Produktionskosten plus eine vereinbarte Summe für Arbeitskosten und Kapitaleinsatz wider. Vor den Änderungen erhielten die Milcherzeuger etwa 2,15 Schekel, also 41 Cents / Kg. Wie sich diese Zahlen jetzt entwickeln, bleibt noch abzuwarten.
Eine stark konzentrierte Molkereilandschaft
Erzeugnisse aus Milch sind in Israel generell teuer. Einer aktuellen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge liegt Israel beim Preis für Milchprodukte hinter Japan und Norwegen auf dem dritten Platz. Israels Milchprodukte-Markt wird vom Großbetrieb Tnuva mit 70 Prozent Marktanteil beherrscht, mit einigem Abstand folgen Strauss und Tara. Die Hersteller verweisen auf die höheren Produktionskosten, wie Erzeugerpreise, Futtermittelkosten oder Energie. Der rasante Preisanstieg begann jedoch erst letztes Jahr, nachdem die staatliche Preiskontrolle für Hüttenkäse abgeschafft wurde.
Reaktion der Milcherzeuger auf das Maßnahmenpaket
Nach Meinung des Israel Dairy Board basieren die Maßnahmen der Regierung auf grundlegend falschen Annahmen. Die Preise werden nicht dadurch sinken, dass der israelische Molkereimarkt Importen ausgesetzt wird. Zusammen mit der Senkung des Zielmilchpreises wird diese Entscheidung vielmehr Hunderte von Milchviehbetrieben im ganzen Land zur Aufgabe zwingen. Der Vorsitzende des israelischen Bauernverbands, Avshalom Vilan, kritisierte Netanyahus Entscheidung und sagte, dass er damit die israelische Milchwirtschaft auslösche. „Die Regierung ist ein vermeintlicher Held, da sie das schwächste Glied der Kette angreift“, kommentierte Vilan. „Die Einfuhr von Gelbkäse wird zur Schlachtung von 30% des israelischen Milchviehbestands führen. Die kleinen Betriebe werden die Zeche zahlen, und es ist zweifelhaft, ob die Verbraucherpreise fallen werden, da sich die Molkereien und vor allem die großen Supermarktketten weiter die Taschen auf Kosten der Verbraucher/innen füllen werden.“
Sonja Korspeter, EMB
Impressum
European Milk Board
Bahnhofstr. 31
D-59065 Hamm
Tel: 0049/2381/4360495
Fax: 0049/2381/4361153
E-Mail: office@europeanmilkboard.org
Website: http://www.europeanmilkboard.org
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