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18.01.2018

Erfolgreiches Krisenmanagement in der EU – welche Lehren lassen sich aus den letzten drei Jahren ziehen?

(Berlin, 18. Januar 2018) Dass Krisenmaßnahme nicht gleich Krisenmaßnahme ist, hat sich in den vergangenen Jahren im Milchsektor deutlich gezeigt. Wie der Vorstand des European Milk Board auf der diesjährigen Pressekonferenz der Grünen Woche resümiert, müsse man daher für die Zukunft auf die Instrumente setzen, die tatsächlich auch Wirkung entfalten können.

So hatte die EU-Kommission in den letzten Jahren einiges unternommen, um die dramatischen Auswirkungen der Marktliberalisierung abzumildern: Millionenschwere Hilfspakete wurden geschnürt, die Obergrenzen der Interventionsmengen wurden angehoben und Produzentenorganisationen und Molkereien bekamen die Möglichkeit zur Produktionsplanung. Die eingesetzten Krisenmaßnahmen zeigten jedoch kaum Wirkung und die Erzeuger sahen sich weiterhin gezwungen, noch mehr zu melken, um durch höhere Produktionsmengen ihren Cashflow aufrecht zu erhalten. Erst der Einsatz des Mengenreduktionsprogramms, bei dem Erzeuger freiwillig ihre Produktion drosseln konnten, brachte letztlich eine Wende.

 

Welche konkreten Lehren lassen sich ziehen?

  • Für EMB-Präsident Romuald Schaber hat Agrarkommissar Phil Hogan mit dem EU-Reduktionsprogramm nach zahlreichen Fehlschüssen ins Schwarze getroffen „Wir brauchen die richtigen Maßnahmen. Das Reduktionsprogramm hat an der Menge angesetzt und mit einer geringen Reduzierung der Liefermenge einen großen Preiseffekt erzielt.“ Das Programm habe einen wichtigen Beitrag zur Preiserholung von 25,68 Cent/Liter (Juli 2016) auf 34,16 Cent (Juli 2017) geleistet und war aus Sicht der Milcherzeuger zudem unbürokratisch in der Abwicklung.
    Eine wissenschaftliche Analyse des EU Mengenreduktionsprogramms (Fink-Keßler und Trouvé, 2017) zeige außerdem, dass die Maßnahme gut genutzt werden konnte, um landwirtschaftliche Betriebe mit einer geringen Reduktion zu erhalten und Betriebe in Krisenzeiten direkt zu unterstützen, so Schaber weiter. 
  • Insbesondere die Maßnahme Intervention wurde in der Vergangenheit jedoch überstrapaziert und war letztlich nur ein Auffangbecken für die liberalisierte Produktion. An sich sei die öffentliche Lagerung ja ein probates Instrument, um saisonbedingte Mehrmengen aufzufangen, berichtet Sieta van Keimpema, Vizepräsidentin des European Milk Board. „Dass die EU-Kommission mittlerweile aber auf knapp 380.000 Tonnen Magermilchpulver sitzt und keinen Plan hat, was mit diesem Pulver passieren soll, zeigt, dass dieses Instrument hier komplett falsch eingesetzt wurde“. Bei einem Marktungleichgewicht dürfe die EU-Politik das Problem nicht einfach nur vertagen, indem über Intervention Milch kurzfristig vom Markt genommen wird und später eine Belastung darstelle. „Es müssen Anreize gesetzt werden, damit erst gar nicht so viel produziert wird“ so van Keimpema. Dadurch könne man drohenden Krisen den Wind aus den Segeln nehmen.

 

Das European Milk Board fordert den Einsatz von effizienten Kriseninstrumenten und die gesetzliche Verankerung eines Programms, um die Milchmenge in Krisenzeiten reduzieren zu können. Der Milcherzeugerverband verweist auf sein Marktverantwortungsprogramm, das auf einem freiwilligen Lieferverzicht und einer Deckelung der Produktion während der Reduktionsperiode basiert.

Die Erzeuger könnten dadurch auf Marktsignale reagieren und ihre Produktion entsprechend anpassen, sobald der Markt aus dem Gleichgewicht gerät.

Hier finden Sie mehr Fotos von der Pressekonferenz

 

Kontakte: 

EMB-Präsident Romuald Schaber (DE): +49 (0)160 352 4703

EMB-Vizepräsidentin Sieta van Keimpema (DE, NL, EN): +31 (0)6 12 16 80 00

EMB-Geschäftsführerin Silvia Däberitz (DE, EN, FR): +32 (0)2808 1936


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