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17.07.2017

Aktuelle Milcherzeugungskosten für Deutschland: 42 Cent/ Kilogramm Milch

Preis deckt Kosten nicht: Darf qualitativ hochwertige Arbeit mit Minusbeträgen entlohnt werden?

(Brüssel, 17.07.2017) Im Milchsektor gibt es seit dem Jahr 2012 eine realitätsnahe Kalkulation der Milcherzeugungskosten. Das Büro für Agrarsoziologie (BAL) errechnet aus offiziellen EU-Daten die Kosten für ein Kilogramm Milch und setzt sie ins Verhältnis zu dem jeweils aktuell ausgezahlten Preis. Hier die neusten Zahlen für Deutschland:

Wie aus der Rechnung ersichtlich, fließen auch die Arbeitsleistungen über einen Einkommensansatz in die Erzeugungskosten von 42,00 Cent/ Kilogramm Milch mit ein. „Es gibt aber leider auch andere Berechnungsarten, die die Arbeitsleistung des Betriebsleiters und der Familienarbeitskräfte nur zum Teil oder auch gar nicht mit in die Kalkulation aufnehmen“, gibt Romuald Schaber, der Vorsitzende des European Milk Board (EMB), zu bedenken. „So als wäre die Arbeitskraft kaum oder gar nichts wert.“ Dadurch entstünde oftmals ein verzerrtes Bild darüber, was die Herstellung von Milch kosten würde bzw. auch kosten dürfe. „Leider fühlen sich dadurch auch Milcherzeuger oft gezwungen, den Wert der eigenen Arbeit sehr gering zu schätzen“, kritisiert Schaber. Doch das sei falsch. „Denn es steckt viel Arbeit in der Milchproduktion und für das Betreiben eines Milchbetriebes ist ein breit angelegtes Know-How – vom Ackerbau und der Tierpflege über Nutzung und Instandhaltung sensibler Maschinen bis hin zur betriebswirtschaftlichen Leitung des Hofes – notwendig.“ Die Kalkulation der BAL orientiert sich an Tarifabschlüssen im Agrarbereich und bewertet diese Leistungen mit 20 - 22 Euro/ Stunde (Brutto) für einen Betriebsleiter realistisch.

 

 

 

Die Preis-Kosten-Ratio, die die Deckung der Produktionskosten durch den Milchpreis anzeigt, weist für April einen Wert von 0,81 aus. Danach sind die Kosten nur zu 81 Prozent gedeckt. Das sei, laut Schaber, ein äußerst problematischer Zustand für den Milchsektor. „Lassen Sie mich einmal so fragen: Die Milcherzeuger produzieren ein wichtiges Grundnahrungsmittel in höchster Qualität, sie entwickeln sich ständig weiter, tragen ein vergleichsweise hohes Berufsrisiko und halten mit ihrer Arbeit die ländlichen Räume lebendig. Dürfen da auf ihrem Einkommenszettel tatsächlich minus 19 Prozent stehen?“, so Schaber nachdenklich.

Diese Situation beschränkt sich nicht allein auf Deutschland. Auch in anderen EU-Ländern dümpeln die Preise weit unter dem Kostenniveau. Zwar konnte sich durch eine EU-weite Produktionsreduzierung der Markt im Vergleich zum Vorjahr etwas erholen. Doch mit Preisen von beispielsweise 32 Cent in Frankreich oder 35 Cent in Dänemark sind die Milcherzeugungskosten von über 40 Cent auch hier nicht gedeckt. Das EMB schlägt vor, den Markt über ein Kriseninstrument zu stabilisieren und damit die Kostenunterdeckung zu beenden. „Dieses Kriseninstrument mit dem Namen Marktverantwortungsprogramm (MVP) kann uns helfen, ein Sektor mit Zukunft zu werden – ein Sektor also, in dem junge Menschen die Milchbetriebe weiterführen können, anstatt ihn wie jetzt scharenweise verlassen zu müssen“, so Schaber.

 

Hintergrund:

Die gemeinsam von European Milk Board (EMB) und MEG Milch Board beim Büro für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL) in Auftrag gegebene Kostenstudie berechnet die deutschlandweiten Erzeugungskosten der Milch. Sie basiert zum einen auf Daten des InformationsNetzes Landwirtschaftlicher Buchführungen der Europäischen Kommission (INLB), nutzt zu deren Aktualisierung zudem Preisindizes für landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Futter, Dünger, Saatgut und Energie vom Statistischen Bundesamt und greift auf einen Einkommensansatz zurück, der die Arbeitsleistung der Betriebsleiter und Familienangehörigen kalkuliert.

Auf dieser Studie aufbauend hat die MEG Milch Board den Milch Marker Index (MMI) entwickelt, der den aktuellen Verlauf der Erzeugungskosten (mit Basisjahr 2010 = 100) dokumentiert. Für April 2017 beträgt der MMI 101 Punkte. Vierteljährlich wird er gemeinsam mit einer Preis-Kosten-Ratio veröffentlicht. Diese zeigt das Verhältnis zwischen den amtlich erfassten Rohmilchpreisen an die Erzeuger und den Milcherzeugungskosten.

 

Kontakte:

Präsident EMB Romuald Schaber (DE): +49 (0)160 352 4703
EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (DE, EN): +32 (2)808 1936


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