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29.09.2016

Westafrikanische Produzenten im Dialog mit EU-Politikern

Bei Besuch in Brüssel appellieren burkinische Milchproduzenten an die EU, die Milchüberproduktion mit Kriseninstrumenten in den Griff zu bekommen

Besuch im Europäischen Parlament mit der EU-Abgeordneten Maria Heubuch

Brüssel, 29.09.2016: Für zwei Tage sind burkinische Milchproduzenten nach Brüssel gekommen, um mit der EU-Kommission und Parlamentariern verschiedener Fraktionen über eine verantwortungsvolle EU-Milchpolitik zu diskutieren. René Millogo von der Organisation PASMEP (Initiative zur Unterstützung von Milchviehhirten in Burkina Faso) und Mariam Diallo des Nationalen Verbands der Kleinmolkereien Burkina Fasos (UMPL/B) wollen dabei ihre Einblicke in die Zielsetzung der EU-Politik vertiefen. Zudem möchten sie ihre Erfahrungen zu den verheerenden Folgen der aktuellen EU-Strategie für die westafrikanischen Märkte mit den EU-Politikern teilen.

EU-Überproduktion führt zu Dumping auf afrikanischen Märkten

Wenn es die EU nicht schafft, die Produktion innerhalb ihrer Grenzen auf ein angemessenes Niveau zu bringen, dann schaden die tiefen Preise nicht nur den eigenen Erzeugern. Denn was in der EU zu viel produziert wird, landet zu Dumpingpreisen oft auf Märkten von Entwicklungsländern. René Millogo veranschaulicht das Problem anhand der aktuellen Milchpreise in Burkina Faso: „Der bei uns erzeugte Liter Milch kostet im Schnitt 600 CFA (ca. 91 Eurocent) in den Läden. Die mit importiertem Milchpulver produzierte Trinkmilch kostet hingegen nur 225 CFA (umgerechnet 34 Cent). Das gefährdet die lokale Produktion und zerstört Möglichkeiten für die einheimischen Hirtengemeinschaften, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“

Umso wichtiger ist den burkinischen Vertretern der Dialog mit Europa. Sie freuen sich daher über das Interesse der EU-Abgeordneten und der EU-Kommission, gemeinsam über die Problematik zu sprechen. „Wir hoffen, dass unsere europäischen Dialogpartner die Information aus unseren Gesprächen bei kommenden Entscheidungen in der Milchpolitik mit einbeziehen. Es ist wichtig, dass sie sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die EU-Überproduktion nachhaltig eingedämmt wird. Auch für Europa sind afrikanische Länder, in denen sich die Bevölkerung selbst ernähren kann, die weitaus bessere Alternative. Ist die sozioökonomische Lage vor Ort schwierig, werden vor allem junge Menschen die einzige Lösung in der Migration nach Europa oder auf andere Kontinente sehen“, so Mariam Diallo.

EU-Politik darf Menschen nicht aus den Augen verlieren

Romuald Schaber vom europäischen Erzeugerverband European Milk Board (EMB) und Kerstin Lanje von der Entwicklungshilfeorganisation Misereor begrüßen den afrikanisch-europäischen Austausch. „Es ist wichtig, dass unsere Politiker mit den Menschen sprechen, die auch außerhalb der EU von hier gefällten Entscheidungen betroffen sind“, so Schaber. „So werden hinter sonst nur sterilen Zahlen auch die menschlichen Schicksale klar.“ In der Politik sollte es in erster Linie um die Menschen gehen. „Unsere Handlungen und Entscheidungen in der EU sollten insbesondere für Entwicklungsländer möglichst positive, zumindest neutrale – auf keinen Fall aber negative Konsequenzen haben“, unterstreicht Kerstin Lanje die Bedeutung einer verantwortungsvollen EU-Politik. Die westafrikanische Produktion hat Potential, das aber nur ausgeschöpft werden kann, wenn Störungen von außen minimal bleiben und nicht billige EU-Produkte den Markt überschwemmen.

Appell an EU-Politik: Kriseninstrument gegen Überproduktion installieren

Durch den seit einigen Jahren bestehenden Kontakt zwischen Produzenten aus Burkina Faso und der EU haben die westafrikanischen Erzeuger auch wichtige Einblicke in die Situation ihrer europäischen Kollegen gewonnen. „Wir sehen, dass die Überproduktion auch innerhalb der EU die Preise zerstört“, so Millogo. „Wir sind daher nicht nur hier, um zu zeigen, was eine Überproduktionspolitik der EU in unseren Ländern anrichtet. Gleichzeitig möchten wir auch unsere europäischen Kollegen unterstützen, indem wir an die EU-Politiker appellieren, die chronische Überproduktion in der EU mit Kriseninstrumenten nachhaltig in den Griff zu bekommen. Letztlich müssen die europäischen und afrikanischen Erzeuger solidarisch sein, da sie die gleichen Nöte teilen.“

 

Kontakte:

EMB-Präsident Romuald Schaber (DE): +49 (0)160 352 4703
EMB-Vizepräsidentin Sieta van Keimpema (NL, EN, DE): +31 (0)6 12 16 80 00
EMB-Pressestelle Silvia Däberitz (DE, EN, FR): +32 (0)2808 1936

Pressemitteilung herunterladen (PDF)


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