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27.11.2018

Was ist da los im Milchsektor?

2013 – 2018: Realistische Kostenstudien zeigen seit 5 Jahren Ist-Situation des Milchmarkts

(Brüssel, 27.11.2018) Ja, es ist tatsächlich eine gute Frage: was passiert da eigentlich im Milchsektor? Beginnen wir einmal mit den Zahlen: 32,58 und 34,68 Cent/kg. So hoch waren die Milchpreise in Belgien bzw. in Deutschland im Durchschnitt in den vergangenen fünf Jahren. Kann man daraus schon viel zur Milchsituation herleiten? Nicht so ganz. Zeigt man aber noch die Kosten in diesen fünf Jahren mit dazu, dann sieht es schon anders aus. Für Belgien waren das durchschnittlich 44,58 Cent/kg und in Deutschland lag man bei 43,15 Cent je Kilogramm produzierter Milch.
Das Fazit: Mit einem durchschnittlichen Defizit von 12 Cent in Belgien und 8,50 Cent je Kilogramm Milch in Deutschland ist es kein Wunder, dass die Einkommen für Menschen aus der Milchproduktion viel niedriger als in der Durchschnittsbevölkerung sind.

Dass dieser genaue Blick möglich ist, verdanken wir einer Studienreihe des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL), die vor fünf Jahren ihren Anfang genommen hat. Mit realistischen Kalkulationen für Deutschland ließ sich 2013 zunächst die Ist-Situation auf den deutschen Milchhöfen endlich klar bestimmen. Mit Frankreich und den Niederlanden folgten im gleichen Jahr zwei weitere Länder und mittlerweile sind es dann noch mit Belgien, Luxemburg und Dänemark sechs milchproduzierende Länder, für die die Studie erhältlich ist.

 

Was ist nun das Besondere an den Studien?

Sie sind:

Regelmäßig und aktuell: es werden jährliche, zum Teil sogar vierteljährliche Aktualisierungen vorgenommen.

Vollständig: die Arbeitszeit, die in die Milchproduktion einfließt, ist in den Kosten enthalten. Und zwar gemäß der Funktion und Qualifikation der Arbeitenden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber Sie werden überrascht sein, wie oft das anderweitig so nicht mit einfließt.

Repräsentativ: denn sie nutzen die anerkannten EU-Daten des Informationsnetzes landwirtschaftlicher Buchführungen, INLB, das auf eine sehr breite europäische Datenbasis zurückgreift

Vergleichbar: durch die abgestimmte EU-Datenbasis sind die Kalkulationen der einzelnen Länder miteinander vergleichbar

 

Was bedeuten die Studien für die europäischen Milcherzeuger?
Für die Milcherzeuger der teilnehmenden Länder stellen die Studien eine große Bereicherung dar. So können sie den politisch Verantwortlichen die aktuelle Situation klar vor Augen führen und zeigen, dass die aktuellen Rahmenbedingungen im Milchsektor defizitär sind. Vertreter der Faire Milch Marken nutzen die Zahlen in Verhandlungen mit Supermärkten, um den fairen Preis für einen Liter Milch zu dokumentieren. Die Vizepräsidentin des European Milk Board (EMB), Sieta van Keimpema, sieht in den Kalkulationen außerdem einen wichtigen Impulsgeber: „Es werden dadurch öffentliche Debatten endlich angestoßen. Aber auch uns Milcherzeugern selbst haben die Studien die Augen geöffnet. Wir sehen, was unsere Arbeit und die unserer Tiere wirklich wert ist. Und, sind wir ehrlich, es führt uns natürlich auch schmerzhaft vor Augen, wie stark wir unter Wert bezahlt werden. Das hat Folgen für die Zukunft der Landwirtschaft. Nur noch 6% der Erzeuger in der EU, und 1,68% in den Niederlanden sind jünger als 35 Jahre. In der Kategorie der 35-44 Jährigen liegt die Zahl nur bei 15%.“

Auch laut Wissenschaftlerin Dr. Karin Jürgens vom BAL zeigt die Bilanz der Milcherzeugungskosten und Milchpreise in allen untersuchten Ländern das Dilemma auf. „Seit Jahren schon müssen Milcherzeuger mit Milchpreisen leben, die den heutigen Entwicklungsanforderungen und auch ihrer beruflichen Qualifizierung nicht gerecht werden.“

Das soll sich ändern. Über ein Instrument, das den Milchsektor vor Krisen bewahrt, könnte die defizitäre Situation gemildert werden. Hier plädieren die Milcherzeuger des EMB für den Einsatz des Marktverantwortungsprogramms (MVP).
Sieta van Keimpema dazu: „Wir wollen wirklich konstruktiv an der Verbesserung der Milchmarktsituation mitarbeiten. Die Kostenstudien legen wir dafür auf den Tisch, um zu demonstrieren, wie genau es im Sektor aussieht. Das MVP legen wir daneben, um zu zeigen, was man tun kann, um die Krisen zu beseitigen.“

 fileadmin/Subsite/MVP/MVP_DE_122018_2.pdf

Sehen Sie hier das Marktverantwortungsprogramm (MVP)

Sehen Sie hier die aktuelle Kostenstudie (EN)

 

Kontakte:

EMB-Vizepräsidentin Sieta van Keimpema (DE, NL, EN): +31 (0)612 16 80 00
EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (EN, DE, FR): +32 (0)2 808 1936


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