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15.10.2018

Milcherzeugungskosten in Deutschland nach wie vor nicht gedeckt

(Brüssel, 15.10.2018) Aus den vierteljährlichen Kostenzahlen für Deutschland geht hervor, dass im Juli 2018 die Produktionskosten nur zu 80% gedeckt waren, während die Kostendeckung im April bei 78% bzw. im Januar 2018 noch bei 88% gelegen hatte. Die Kosten der Erzeugung betrugen im Juli 43,28 Cent, dem gegenüber erhielten die Erzeuger für ihr Produkt allerdings nur 34,56 Cent Erlöse.
Milchpreise und Produktionskosten liegen nach wie vor weit auseinander. Die Zahlen entstammen der vierteljährlichen deutschen Kostenstudie des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL).


Johannes Pfaller, Milcherzeuger in Süddeutschland und Vorstandsmitglied des European Milk Board (EMB) sieht auch mittelfristig keine Schnittstelle von Auszahlungspreisen und Erzeugungskosten. „Die Milchpreise sind weit davon entfernt, unsere Produktionskosten abzudecken. Zudem werden die Kosten für Futtermittel aufgrund der dürrebedingten Ernteausfälle im kommenden Winter steigen.“ Umso wichtiger sei es jetzt, die Voraussetzungen für einen stabilen Milchmarkt im Zuge der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik in die Wege zu leiten, so Pfaller.


Entwicklung der Milcherzeugungskosten in Deutschland
Hier finden Sie die Entwicklung der Kostensituation für die Milchproduktion in Deutschland von 2009 bis Juli 2018.

Preis-Kosten-Ratio (Unterdeckung)
Die Preis-Kosten-Ratio verdeutlicht, inwieweit das Milchgeld die Produktionskosten abdeckt. Im Juli 2018 haben die Erzeuger nur 80% ihrer Produktionskosten über den Milchpreis erwirtschaftet; die Unterdeckung betrug somit 20%.
Sehen Sie hier die Kostenunterdeckung seit 2009.

Milch-Marker-Index (MMI)
Der Milch-Marker-Index zeigt die Entwicklung der Kosten der Milchproduktion auf. Der MMI hatte im Juli 2018 einen Wert von 104, d.h. die Produktionskosten für deutsche Milcherzeuger sind im Vergleich zum Basisjahr 2010 (2010=100) um 4% gestiegen.
Sehen Sie hier den Milch-Marker-Index im zeitlichen Verlauf.

Studie über die Produktionskosten in sechs wichtigen Milcherzeugungsländern
Nicht nur für Deutschland, sondern auch in fünf weiteren europäischen Ländern werden regelmäßig Kostenberechnungen durchgeführt. Auch hier wird deutlich, dass Milcherzeuger keine kostendeckenden Milchpreise erhalten.
Ganz aktuell: Die Berechnungen der Milchproduktionskosten in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Niederlande für das Jahr 2017 sind jetzt verfügbar. Hier finden Sie die komplette Studie (in Englisch) sowie ein kurzes Video mit den Zahlen auf einen Blick.


Die Kosten der Milchproduktion sind chronisch unterdeckt – was schafft Abhilfe?
Das European Milk Board schlägt die gesetzliche Verankerung eines Kriseninstruments vor, um der chronischen Unterdeckung entgegenzuwirken. Das Marktverantwortungsprogramm (MVP) beobachtet und reagiert auf Marktsignale durch eine Anpassung der Produktion.
Sehen Sie hier eine kurze Beschreibung des Marktverantwortungsprogramms des EMB.

 

Hintergrund:
Für die Studie „Was kostet die Erzeugung von Milch?“ hat das Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) 2012 im Auftrag des European Milk Board und der MEG Milch Board erstmals die Milcherzeugungskosten in Deutschland flächendeckend berechnet. Die Kalkulation basiert auf Daten des Informationsnetzes Landwirtschaftlicher Buchführungen der EU (INLB) sowie des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und wird seit 2014 vierteljährlich aktualisiert.

 

Datenblatt herunterladen

 

Kontakt:

EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1936


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