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08.06.2009

Presseerklärung Jahrestag: Ende des europäischen Milchlieferstreiks

Ein Jahr nach dem europäischen Milchlieferstreik im Mai/ Juni 2008 ist der Milchpreis schlechter denn je. Nach anfänglich positiven Signalen von Seiten der Politik setzte man die Forderungen des European Milk Borad (EMB) letztlich nicht um. Die Krise am Milchmarkt spitzt sich immer weiter zu.

 

Hamm, 05.06.09: Vor einem Jahr hatte die Abwärtsentwicklung des Milchpreises die Milchbauern des EMB speziell aus Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und der Schweiz dazu bewogen, in den Lieferstreik zu treten. Über zehn Tage hielten die Milcherzeuger in den sechs Ländern die Milch zurück und blockierten zahlreiche Molkereien. Jetzt nach einem Jahr hat sich die Situation am Milchmarkt nicht gebessert. Ganz im Gegenteil. "Die Milchpreise befinden sich am Boden - in keinem Land werden mehr als 24 Cent ausbezahlt.", erklärt die Vizepräsidentin des EMB Sieta van Keimpema. Oft sind es gerade mal 20 Cent, die die Erzeuger von den Molkereien pro Liter Milch erhalten. Jetzt zeigt sich, wie wichtig es gewesen wäre, die Forderungen des EMB nach einer flexiblen Mengenregulierung umzusetzen. Dadurch hätten die dramatischen Marktverwerfungen sowie das Ausbluten der Milchviehbetriebe verhindert werden
können.

Situation vorhersehbar
Die Maßnahmen von EU-Agrarrat und EU-Kommission im vergangenen Jahr haben die Situation noch verschärft, indem trotz sinkender Nachfrage mehr Milchproduktion zugelassen wurde. "Wir haben lange im Vorfeld darauf verwiesen, dass die Quotenanhebung insbesondere angesichts eines Nachfragerückgangs die Milchpreise  noch stärker unter Druck setzen wird", so Romuald Schaber, der Präsident des EMB. Die EU-Kommission und die Agrarminister tragen durch ihre
unverantwortliche Politik der Marktliberalisierung die volle Verantwortung. Die Forderungen des European Milk Board,  eine Reduzierung der Milchmenge vorzunehmen, werden bis dato ignoriert, wodurch sich die Krise weiter zuspitzt.


Maßnahmen zur Entschärfung der Krise

Für den Milchmarkt müssen die EU-Agrarminister angemessene Rahmenbedingungen schaffen. Das EMB plädiert mit der Forderung nach einer flexiblen Mengenregulierung für eine Balance von Angebot und Nachfrage. Zudem sollte ein Marktmonitoring dafür Sorgen tragen, dass die Entwicklungen am Milchmarkt kontinuierlich erfasst und analysiert werden. Diese Forderungen werden auch von den Agrarorganisationen der neuen EU-Länder unterstützt. Dies wurde in einer gemeinsamen Deklaration des EMB und der Agrarkammern aus der
Tschechischen Republik, der Slowakei, Slowenien, Ungarn,  Bulgarien, Litauen und Polen am 2. Juni in der tschechischen Stadt Brünn bekräftigt. Auch die französischen Milchbauern zeigen mit ihren Protestaktionen der letzten Wochen, dass sie für eine flexible Mengenregulierung einstehen. Sie sind nicht gewillt, weiter Milchpreise zu akzeptieren, die die Kosten der Produktion nicht decken.

Dass Zeit alle Wunden heilt, trifft im Fall des Milchmarktes nicht zu. Man muss reagieren und zwar richtig. Das hat die EU-Politik bisher versäumt, so dass auch ein Jahr nach Ende des Milchlieferstreiks in Europa von würdigen Milchpreisen und einer Perspektive für die Ernährungssouveränität absolut keine Rede sein kann.


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