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16.01.2019

Schere zwischen Milchpreisen und Produktionskosten in Deutschland bleibt bestehen

(Brüssel, 16.01.2019) Die aktuelle Berechnung der Produktionskosten in Deutschland zeigt auf, dass die Produktionskosten im Oktober 2018 nur zu 85% gedeckt waren. Das ist eine geringfügige Verbesserung um 5% im Vergleich zu den Julizahlen; im Januar 2018 lag die Kostendeckung noch bei 88%.
 
Die vierteljährlich aktualisierte Kostenstudie für Deutschland des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) bestätigt, dass Milchpreise und Produktionskosten nach wie vor weit auseinanderklaffen. Die Produktionskosten betrugen im Oktober 2018 42,92 ct/kg und waren im Vergleich zum Juli desselben Jahres leicht gesunken. Die Auszahlungspreise reichten dennoch nicht aus, um die Kosten der Erzeugung zu decken. Im Oktober 2018 erhielten die Milchproduzenten 36,37 ct/kg.
 
Erwin Schöpges, Milcherzeuger aus Ostbelgien und Präsident des European Milk Board (EMB), sieht auch für die nächsten Monate keine Annäherung von Milchpreisen und Erzeugungskosten. „Wir rechnen mit erhöhten Futtermittelkosten in diesem Winter, da die Milcherzeuger in Deutschland und anderen Ländern durch die Dürre im Sommer geringere Futtervorräte zur Verfügung haben.“ Angesichts dieser Zahlen für die deutschen Milcherzeuger fordert das EMB die deutsche Bundesregierung dazu auf, ihre Verantwortung in der Landwirtschaft wahrzunehmen. Sie soll eine verantwortungsvolle EU-Milchpolitik unterstützen, die den Landwirten ein ausreichendes Einkommen aus ihrer Produktion ermöglicht. Wichtig sei es vor allem, den Jungbauern Perspektiven zu geben, um die Familienbetriebe weiterführen zu können.

 

Entwicklung der Milcherzeugungskosten in Deutschland

Hier finden Sie die Entwicklung der Kostensituation für die Milchproduktion in Deutschland von 2009 bis Oktober 2018.

 

Preis-Kosten-Ratio (Unterdeckung)

Die Preis-Kosten-Ratio verdeutlicht, inwieweit das Milchgeld die Produktionskosten abdeckt. Im Oktober 2018 haben die Erzeuger nur 85% ihrer Produktionskosten über den Milchpreis erwirtschaftet; die Unterdeckung betrug somit 15%.

Sehen Sie hier die Kostenunterdeckung seit 2009.

Milch-Marker-Index (MMI)

Der Milch-Marker-Index zeigt die Entwicklung der Kosten in der Milchproduktion. Der MMI hatte im Oktober 2018 einen Wert von 104, d.h. die Produktionskosten für deutsche Milcherzeuger sind im Vergleich zum Basisjahr 2010=100 um 4% gestiegen.

Sehen Sie hier den Milch-Marker-Index im zeitlichen Verlauf.

 

Studie Produktionskosten sechs wichtiger Milcherzeugerländer

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in fünf weiteren Ländern werden regelmäßig Kostenberechnungen durchgeführt. Auch hier wird deutlich, dass Milcherzeuger keine kostendeckenden Milchpreise erhalten.

Neu: Die Berechnungen der Milchproduktionskosten in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden für das Jahr 2017 sind jetzt verfügbar. Hier finden Sie die komplette Studie sowie ein kurzes Video mit den Zahlen auf einen Blick.

 

Die Kosten der Milchproduktion sind chronisch unterdeckt – was schafft Abhilfe?

Das European Milk Board schlägt die gesetzliche Verankerung eines Kriseninstruments vor, um der chronischen Unterdeckung entgegen zu wirken. Das Marktverantwortungsprogramm (MVP) beobachtet und reagiert auf Marktsignale durch eine Anpassung der Produktion.

Sehen Sie hier die eine kurze Beschreibung des Marktverantwortungsprogramms des EMB.

 

Hintergrund: Für die Studie „Was kostet die Erzeugung von Milch?“ hat das Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) 2012 im Auftrag von European Milk Board und MEG Milch Board erstmals die Milcherzeugungskosten in Deutschland flächendeckend berechnet. Die Kalkulation basiert auf Daten des Informationsnetzes Landwirtschaftlicher Buchführungen der EU (INLB) sowie des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und wird seit 2014 vierteljährlich aktualisiert.

 

Datenblatt herunterladen

 

Kontakt:

EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1936


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