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Autor: European Milk Board
Stand: 22.07.2014




30.09.2011

PE: Milcherzeuger wollen ihre Produktion verwalten können, um keine Exportsubventionen mehr bezahlen müssen

 

Lausanne, 29. September 2011. Ab dem 1. Oktober müssen alle Milchproduzentinnen und Milchproduzenten eine Abgabe von 4 Rp./kg vermarkteter Milch bezahlen. Die Abgabe wird verwendet, um die Überschüsse an Milchfett und -pulver zu exportieren. Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zum Prinzip der Ernährungssouveränität, denn es beinhaltet ein Dumping der Exportpreise und führt zu unlauterem Wettbewerb gegenüber unseren Bauernkolleginnen und Bauernkollegen im Ausland. Obwohl die Schweizer Produzentinnen und Produzenten diese Massnahme berappen müssen, haben sie keine Aussicht auf bessere Milchpreise, denn sie können ihr Angebot nicht selbst gemäss der Marktlage verwalten. Dieses Privileg behalten sich die industriellen Akteure vor. Die Bäuerinnen und Bauern sitzen einmal mehr in der Falle. Es ist an der Zeit, neue und fairere Handelsregeln zu entwickeln und ein nationales Organ für die Mengenlenkung in den Händen der Milchproduzentinnen und Milchproduzenten zu schaffen.

Mit den 34 Millionen Franken, die auf dem Rücken der Milchproduzentinnen und Milchproduzenten eingeheimst werden, sollen die Lagerbestände von Crémo, Hochdorf oder Emmi exportiert werden. Die exportierte Ware wird auf den Märkten unserer Kolleginnen und Kollegen im Ausland einen Preissturz verursachen, sowohl in Europa als auch in Entwicklungsländern. Unsere Exporte bedrohen die lokale Industrie dieser Länder, denn die Schweizer Milchprodukte werden zu Billigstpreisen verkauft, die nicht einmal die im Ausland geltenden Produktionskosten decken. Isolda Agazzi, Verantwortliche für das Dossier Handel bei der Alliance Sud, wiederholt eindringlich:  „Hilfsmassnahmen für den Export von landwirtschaftlichen Produkten sind das schlimmste Handelsinstrument für die Länder im Süden“.

Für die Schweizer Bauernfamilien ist diese Massnahme ein Einkommensverlust. Am Problem der Überproduktion ändert es hingegen absolut nichts. „Die Milchproduzentinnen und Milchproduzenten müssen ihre Lieferverträge beachten und mehr produzieren, um das stete Absinken der Preise zu kompensieren. Wir müssen diesen Teufelskreis durchbrechen. Zuerst müssen die landwirtschaftlichen Unternehmerinnen und Unternehmer einen kostendeckenden Preis erhalten – wie alle anderen Unternehmer auch. Anschliessend muss ein nationales Verwaltungsorgan das Preis/Mengen-Verhältnis lenken, die Verteilung der Produktion regeln und die Lieferung von Schweizer Qualitätsmilch an die Industrie garantieren“, erinnert Patrice Dubosson von der Milchkommission Uniterre.

Für Uniterre verhalten sich die industriellen Akteure verantwortungslos. Sie forcieren die Produktion, um die Preise zu senken, ihre Anschaffungskosten gering zu halten und die Investitionen zu amortisieren, obwohl dadurch Warenvorräte entstehen, die mit dem Geld der Bäuerinnen und Bauern exportiert werden müssen. Diese Situation stürzt die Milchproduzentinnen und Milchproduzenten der Schweiz zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Die von den Bürgerinnen und Bürgern gewünschte auch ökonomisch nachhaltige, bäuerliche und flächendeckende Milchproduktion wird so in Frage gestellt. Lässt man der Industrie freie Hand, handelt sie dem Prinzip der Ernährungssouveränität zuwider.

Diese missliche Lage erfordert, dass die Produzentinnen und Produzenten, Konsumentinnen und Konsumenten sowie die politischen Akteure schnell und richtig handeln. Die Zeit der Motionen, die „gute“ von „schlechten“ Produzenten unterscheiden, ist vorbei. Es ist an der Zeit, den Milchproduzentinnen und Milchproduzenten die Verantwortung für die Mengenlenkung zurückzugeben.

Aus diesen Gründen fordern die Unterzeichnenden dieser Medienmitteilung den Bund auf:

1.     Ein nationales Organ für eine verbindliche Mengenlenkung in den Händen der Produzentinnen und Produzenten zu schaffen, damit sie kostendeckende Preise erwirtschaften können.

2.     Die Subventionierung von Butter- und Milchpulverexporten in Entwicklungsländer zu stoppen.

 

Ansprechpersonen:

Uniterre:
Pierre-André Tombez, Präsident von Uniterre. Tel.: +41796345487 (F, ev. D)
Patrice Dubosson, Kopräsident der Milchkommission. Tel.: +41794187785 (F)

Rudi Berli, Sekretär von Uniterre. Tel.: +41787077883 (F, D)
Nicolas Bezençon, Sekretär von Uniterre. Tel.: +41795745412 (F)

Alliance Sud :
Isolda Agazzi, Verantwortliche Dossier Handel. Tel.: +41794344560 (F, I, D,A)

EMB:
Anton Sidler, Mitglied des Vorstands EMB für Frankreich, +33608261927 (F, D)
Sonja Korspeter, Sekretärin des EMB +491786021685 (F, D)

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