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EMB - European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel.: +32 - 2808 - 1935
Fax: +32 - 2808 - 8265
Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,
am 27. Mai haben sich einmal mehr europäische Landwirte in Brüssel versammelt, um ihre Anliegen vorzutragen. Leider müssen unsere PolitikerInnen immer wieder daran erinnert werden, dass es uns gibt und woher die Lebensmittel kommen. Deshalb demonstrieren wir.
Bei Gesprächen mit PolitikerInnen in den Ministerien und Parlamenten scheint allen Beteiligten klar zu sein, dass die Sicherstellung eines ‚fairen Einkommens‘ für die Landwirtschaft und explizit für die Familienbetriebe der einzig richtige Weg ist. Die Kassen sind leer und es bedarf innovativer Lösungen, um den Markt am Umbau der Landwirtschaft zu beteiligen. Die Forderung nach einer EU-weiten Rechtsvorschrift, die Preise unterhalb der Erzeugerkosten verbietet, ergibt Sinn. Nur eine Kalkulation von unten nach oben gewährleitet, dass die wahren Kosten in der Kette ermittelt werden. Die von uns seit Jahren vehement geforderten Kriseninstrumente sichern dies ab und sind ein absolutes Muss!
Eine weitere Grundvoraussetzung sind Verträge über Menge, Preis, Qualität und Laufzeit – von denen die Genossenschaften nicht ausgenommen sind – oder vielleicht sogar Drei-Parteien-Verträge in der Wertschöpfungskette. Dies ist der einzige Weg für ErzeugerInnen oder Erzeugergemeinschaften, eine Verhandlungsposition auf Augenhöhe zu erreichen. Die Ernährungssouveränität in Europa kann nur dann gewährleistet werden, wenn durch kluge Konzepte auch junge Landwirtinnen und -wirte wieder eine Perspektive bekommen.
Um zu verhindern, dass Produkte aus dem Ausland importiert werden, die deutlich niedrigeren Standards unterliegen, brauchen wir zusätzlich Spiegelklauseln. Sonst wird die europäische Landwirtschaft auf lange Sicht keine Chance haben und sich damit auch die Pflege der europäischen Kulturlandschaft maßgeblich verändern.
Als richtungsweisendes Konzept ist hier die Faire Milch zu nennen, die zahlreiche unserer Themen vereint:
- Fair zum Preis
- Fair zur Umwelt
- Fair zum Klima
Elmar Hannen, Stellvertretender Vorsitzender des EMB und BDM-Mitglied
Landwirte fordern gerechtes Einkommen, um Ernährungssicherheit gewährleisten zu können
Heute versammelten sich Delegationen von Landwirten aus ganz Europa zu einer beeindruckenden Demonstration im Herzen Brüssels, um für Fairness im Agrarsektor einzutreten. Unter dem Motto „Ein faires Einkommen für die Landwirte - JETZT!“ trugen die Teilnehmenden ihre Forderungen an die heute tagenden EU-Agrarminister, an die EU-Kommission und das Parlament sowie an landwirtschaftliche Verbände heran. Als Verband europäischer Milchbauern aus mehr als 15 Ländern hatte das European Milk Board (EMB) die wichtige Demonstration im Vorfeld des Weltmilchtags und der Europawahl organisiert. Die Demonstrationsteilnehmer kamen mit großen nationalen Kühen, den sogenannten Faironikas und Justines, um die Vielfalt und Einheit der Bewegung zu symbolisieren.
Weiterlesen...Die Situation in Irland
Die irische Milchwirtschaft steht 2024 am Scheideweg. Das erste Halbjahr war von schlechtem Wetter, hohen Kosten und einem unsicheren politischen Umfeld geprägt, verschärft durch die diesjährigen Kommunal- und Europawahlen. Auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte ist vor allem das schlechte Wetter eine Belastung. Sogar in den Teilen Irlands, die normalerweise von heftigen Regenfällen verschont bleiben, fielen Rekordniederschläge und das Vieh musste bis in den April hinein im Stall bleiben – einen ganzen Monat länger als sonst.
Weiterlesen...Die dänische Regierung beendet hinterrücks die Nitrat-Ausnahmeregelung
Die dänischen Milchbäuerinnen und -bauern verlieren ab dem 31. Juli 2024 ihre Ausnahme von der EU-Nitratrichtlinie, die bisher bei 230 kg N/ha lag. Nach 22 Jahren traf die Nachricht die MilcherzeugerInnen aus heiterem Himmel. Am 10. April verkündete das Umweltministerium in einer Pressemitteilung, dass die Ausnahmeregelung für die Rinderhaltung am 31. Juli dieses Jahres endet.
In der Schweiz sorgt digiFLUX für Aufregung
Zeitgleich zu den Protesten in anderen europäischen Ländern sind auch die Bauern und Bäuerinnen in der Schweiz auf die Barrikaden gegangen, um ihren Unmut zu äußern. Ihre Sorge gilt hauptsächlich einer neuen Maßnahme, die das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ab 2025 schrittweise umsetzen möchte, und dem damit verbundenen bürokratischen Mehraufwand. Dieser musste zwangsläufig dazu führen, dass die Maßnahme ohne weitere Diskussion abgelehnt wurde.
Weiterlesen...Norwegen: Wer bekommt das Geld?
Obwohl die Werbung uns seit vielen Jahren glauben machen will, dass alle Lebensmitteleinzelhändler in Norwegen ständig ihre Preise senken, sieht die Realität anders aus: Die Lebensmittelpreise sind im Laufe der Jahre stetig und deutlich gestiegen.
In den letzten vier Jahren sind die Lebensmittelpreise enorm gestiegen – und das obwohl sich der an die ProduzentInnen ausgezahlte Preis nur minimal erhöht hat. Zwischen 1985 und 2024 haben sich sowohl die Auszahlungspreise an die ProduzentInnen als auch der Einzelhandelspreis, den jeder Verbraucher für einen Liter Vollmilch im Laden zahlt, verändert, siehe Grafik unten.

Im Jahr 1985 landeten 46,8% des Einzelhandelspreises beim Erzeuger. 2024 liegt dieser Anteil nur noch bei 21,9%. 1985 bekam der Erzeuger 2,71 norwegische Kronen (NOK). Der Auszahlungspreis ist 39 Jahre später auf 5,62 NOK gestiegen. Auch wenn sich der Betrag in den fast 40 Jahren nahezu verdoppelt hat, ist der Einzelhandelspreis im gleichen Zeitraum von 5,79 NOK auf 25,70 NOK gestiegen – eine Steigerung von 343%.
Die Verteilung des Milchgelds hat sich in den letzten 40 Jahren massiv verschoben. Zwei Akteure stehen zwischen den ProduzentInnen und dem Kunden im Einzelhandel: Auf der einen Seite holen die Molkereien – hauptsächlich die TINE-Gruppe, die Genossenschaft der norwegischen ErzeugerInnen – die Milch ab, verarbeiten sie und transportieren die Produkte zum Einzelhandel. Natürlich müssen sie für diese Arbeit entlohnt werden. Die Löhne der Beschäftigten in diesem Sektor folgen im Großen und Ganzen den Lohnentwicklungen der restlichen Wirtschaft.
Auf der anderen Seite verkaufen die Lebensmitteleinzelhändler die Produkte in ihren Läden und haben im Grunde zwei Aufgaben: Milch und weitere Produkte von ihren Warenlagern in ihre Läden zu bringen und die Zahlung der Kunden an der Kasse entgegenzunehmen. Ein Großteil der Produktkosten im Milchsektor fällt an, nachdem die Milch den Hof verlassen hat. Von dem Zeitpunkt, ab dem die Milch den Hof verlässt, bis wir sie als KonsumentInnen in unseren Einkaufswagen legen, steigt so der Milchpreis um fast 20 Kronen.
Mangelnde Transparenz
Es scheint unmöglich herauszufinden, wie sich die Erlöse zwischen den Molkereien und dem Einzelhandel verteilen. Die Handelsketten sind nicht gezwungen, Angaben zum Preis, den sie für einen Liter Milch zahlen, zu machen, um den Wettbewerb zwischen den Ketten aufrechtzuerhalten. Die norwegische Wettbewerbsbehörde, zu der inzwischen auch die norwegische Preisaufsichtsbehörde gehört, billigt diesen Mangel an Transparenz.
In der offenen Gesellschaft, in der wir leben möchten, ist es höchste Zeit, dass wir alle Einblick in solche Zusammenhänge haben. Wenn man sieht, dass die Eigentümer von Lebensmittelketten im Geld ‚schwimmen‘, aber gleichzeitig behaupten, dass sie nur geringe Margen auf Lebensmittel haben, die unter anderem in Norwegen produziert werden, ist die Forderung, Einsicht in die vollständigen Jahresabschlüsse zu erhalten, mehr als berechtigt. Womöglich sind die ProduzentInnen und KonsumentInnen die Verlierer in diesem Spiel, das von den wenigen Akteuren, die nahezu den gesamten Lebensmittelhandel in diesem Land kontrollieren, sorgfältig orchestriert wird.
TINE: ein Schlüsselakteur auf dem norwegischen Milchmarkt
TINE ist eine große Genossenschaft in der Hand der norwegischen Landwirte. Daher ist es nur logisch, dass die Eigentümer wissen möchten, zu welchem Preis das Unternehmen ihre Erzeugnisse verkauft. Des Weiteren muss ans Licht gebracht werden, wieviel die Ketten einzelnen Lieferanten für Regalfläche berechnen. Wieviel muss TINE den Ketten zahlen, damit sie die Produkte der Molkerei anbieten?
Neben TINE stehen weitere Akteure zwischen den ProduzentInnen und den Handelsketten, wie die Privatmolkereien Q-Meieriene und Rørosmeieriet für Verbrauchermilch. Rørosmeieriet kauft ihre Rohstoffe bei TINE ein.
Die Q-Molkereien haben zwei Standorte in Gausdal und Jæren. Sie haben Vereinbarungen mit ausgewählten Höfen, bei denen sie ihre Milch beziehen. 75 Betriebe liefern ihre Milch nach Gausdal und 220 nach Jæren. Zusammen haben diese Höfe 14 000 Kühe, was eine Durchschnittsgröße von 50 Kühen pro Betrieb entspricht. Für norwegische Verhältnisse ist dieser Schnitt hoch. Man darf also annehmen, dass diese Molkereien vom kosteneffizienten Milchtransport von großen und relativ nah gelegenen Höfen profitieren.
Als Marktregulierer ist TINE verpflichtet die Milch aller ProduzentInnen, die die Molkerei beliefern möchten, abzuholen – ungeachtet der Größe oder geografischen Lage des Hofs. TINE ist ebenfalls verpflichtet ihre Produkte an alle Läden, die sie verkaufen möchten, zu liefern – ungeachtet der Größe oder geografischen Lage. Dies bedeutet Mehrkosten für TINE, die andere nicht haben. Dies ist ein entscheidender Punkt in der aktuellen Debatte um Marktregulierung. Das System stellt sicher, dass wir flächendeckend Lebensmittel produzieren können und vom Norden bis zum Süden des Landes Zugang zu diesen Erzeugnissen haben. Erwähnenswert ist, dass den ProduzentInnen ein Einkommen gewährleistet werden muss, das ihnen einen mit den meisten Bevölkerungsgruppen vergleichbaren Lebensstandard bietet!
Es ist an der Zeit, mit der ‚Wahrheit‘ aufzuräumen, die uns die Lebensmittelriesen verkaufen wollen, wonach niedrigere Preise in ihren Läden niedrigere Preise für die Kunden bedeuten. Die Lebensmittelketten verlangen, was der Markt zu zahlen bereit und fähig ist. Die Bescheidenheit der ProduzentInnen bei den Richtpreisverhandlungen hat bisher nur dazu geführt, dass die Familien Reitan und Johansson sowie die Geschäftsführer der Genossenschaften weiter gemeinsame Sache machen können.
Even Erlien, Leif Langen, Trond Langen und Arnfinn Nergård, Vorstandsmitglieder, Bondesolidaritet
Umsetzung des Art. 148 GMO – ‚Molkerei‘-Verbände in ‚Hochform‘
Mit einem offenen Brief haben sich der Deutsche Bauernverband und der Deutsche Raiffeisenverband an Bundesfinanzminister Christian Lindner gewandt. Das Ziel des Schreibens dürfte sein, ihn als Unterstützer zu gewinnen, um die Umsetzung von Art. 148 GMO in nationales Recht zu verhindern. Beim Milchindustrieverband sieht man das scheinbar inzwischen etwas gelassener. Dort war sinngemäß die Äußerung zu vernehmen, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) solle endlich handeln und tun, was es nicht lassen könne.
Weiterlesen...Kostenunterdeckung von 6,7 Cent/kg für die wallonischen ErzeugerInnen im Jahr 2023
Nachdem 2022 nach vielen Jahren die Einnahmen der Milchviehbetriebe erstmals wieder höher als ihre Produktionskosten waren, verschlechterte sich die Lage 2023 erneut für die ErzeugerInnen. Durchschnittlich stieg die Kostenunterdeckung (Unterschied zwischen den Kosten und Einnahmen) auf 6,7 Cent pro kg Milch, was hauptsächlich dem niedrigeren Milchpreis bei gleichbleibend hohen Produktionskosten (etwa 59 Cent/kg einschließlich der Zielvergütung des Produzenten) geschuldet ist.
Weiterlesen...Deutschland: FDP blockiert Markt
Am 29. Mai 2024 demonstrierten MilcherzeugerInnen von AbL, BDM und MEG Milch Board mit einer Kuh auf dem Gänsemarkt in Hamburg. Sie forderten die FDP auf, eine Vertragspflicht für Milch nicht zu blockieren und die anderen Ampelparteien, sich diesem Druck nicht zu beugen.
Weiterlesen....Milcherzeuger fordern europaweit eine neue Agrarpolitik, die sich auch für junge Menschen stark macht
Die junge Generation von Landwirten stand in diesem Jahr im Fokus der aktuellen Mitgliederversammlung des European Milk Board asbl. Die Milcherzeuger-Delegationen aus ganz Europa diskutierten Möglichkeiten, den Sektor wieder profitabel zu machen, um auch junge Menschen für die Produktion zu gewinnen. Dabei brachten sich engagierte Junglandwirtinnen und -landwirte in die emotionale Debatte mit prägnanten Redebeiträgen und Präsentationen ein. Die Frage „Was ist uns als jungen Landwirten wichtig?“ stand im Mittelpunkt des konstruktiven und lebendigen Austauschs, in dem die jungen Teilnehmer ihre Standpunkte und Prioritäten deutlich machten. Mit Pierre Bascou, dem stellvertretenden Generaldirektor der GD für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, war zudem ein Kommissionsvertreter der Einladung des EMB gefolgt, der die aktuelle Jungbauern-Strategie der EU sowie auch Maßnahmen zur Verbesserung der Erzeugerposition auf der Mitgliederversammlung erläuterte.
Weiterlesen...Faire Preise – faire Einkommen: Neues Parlament muss soziale und ökonomische Ausgrenzung von LandwirtInnen beenden
Die EU-BürgerInnen haben ein neues Parlament gewählt und dabei nicht für ein „Weiter so“ gestimmt. Diese Wahl hat gezeigt, dass Politik endlich für und mit den BürgerInnen gemacht werden muss. Auch in der Landwirtschaft müssen politische Strategien gemeinsam mit den dort arbeitenden und wirkenden Menschen gemacht werden. Denn die LandwirtInnen fühlen sich schon seit vielen Jahren abgehängt und sozial sowie ökonomisch zur Seite gedrängt.
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