Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,

am 27. Mai haben sich einmal mehr europäische Landwirte in Brüssel versammelt, um ihre Anliegen vorzutragen. Leider müssen unsere PolitikerInnen immer wieder daran erinnert werden, dass es uns gibt und woher die Lebensmittel kommen. Deshalb demonstrieren wir.

Bei Gesprächen mit PolitikerInnen in den Ministerien und Parlamenten scheint allen Beteiligten klar zu sein, dass die Sicherstellung eines ‚fairen Einkommens‘ für die Landwirtschaft und explizit für die Familienbetriebe der einzig richtige Weg ist. Die Kassen sind leer und es bedarf innovativer Lösungen, um den Markt am Umbau der Landwirtschaft zu beteiligen. Die Forderung nach einer EU-weiten Rechtsvorschrift, die Preise unterhalb der Erzeugerkosten verbietet, ergibt Sinn. Nur eine Kalkulation von unten nach oben gewährleitet, dass die wahren Kosten in der Kette ermittelt werden. Die von uns seit Jahren vehement geforderten Kriseninstrumente sichern dies ab und sind ein absolutes Muss!

Eine weitere Grundvoraussetzung sind Verträge über Menge, Preis, Qualität und Laufzeit – von denen die Genossenschaften nicht ausgenommen sind – oder vielleicht sogar Drei-Parteien-Verträge in der Wertschöpfungskette. Dies ist der einzige Weg für ErzeugerInnen oder Erzeugergemeinschaften, eine Verhandlungsposition auf Augenhöhe zu erreichen. Die Ernährungssouveränität in Europa kann nur dann gewährleistet werden, wenn durch kluge Konzepte auch junge Landwirtinnen und -wirte wieder eine Perspektive bekommen.

Um zu verhindern, dass Produkte aus dem Ausland importiert werden, die deutlich niedrigeren Standards unterliegen, brauchen wir zusätzlich Spiegelklauseln. Sonst wird die europäische Landwirtschaft auf lange Sicht keine Chance haben und sich damit auch die Pflege der europäischen Kulturlandschaft maßgeblich verändern.

Als richtungsweisendes Konzept ist hier die Faire Milch zu nennen, die zahlreiche unserer Themen vereint:

  • Fair zum Preis
  • Fair zur Umwelt
  • Fair zum Klima

 

Elmar Hannen, Stellvertretender Vorsitzender des EMB und BDM-Mitglied

Landwirte fordern gerechtes Einkommen, um Ernährungssicherheit gewährleisten zu können

© EMB

Heute versammelten sich Delegationen von Landwirten aus ganz Europa zu einer beeindruckenden Demonstration im Herzen Brüssels, um für Fairness im Agrarsektor einzutreten. Unter dem Motto „Ein faires Einkommen für die Landwirte - JETZT!“ trugen die Teilnehmenden ihre Forderungen an die heute tagenden EU-Agrarminister, an die EU-Kommission und das Parlament sowie an landwirtschaftliche Verbände heran. Als Verband europäischer Milchbauern aus mehr als 15 Ländern hatte das European Milk Board (EMB) die wichtige Demonstration im Vorfeld des Weltmilchtags und der Europawahl organisiert. Die Demonstrationsteilnehmer kamen mit großen nationalen Kühen, den sogenannten Faironikas und Justines, um die Vielfalt und Einheit der Bewegung zu symbolisieren.

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Die Situation in Irland

© ICMSA

Die irische Milchwirtschaft steht 2024 am Scheideweg. Das erste Halbjahr war von schlechtem Wetter, hohen Kosten und einem unsicheren politischen Umfeld geprägt, verschärft durch die diesjährigen Kommunal- und Europawahlen. Auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte ist vor allem das schlechte Wetter eine Belastung. Sogar in den Teilen Irlands, die normalerweise von heftigen Regenfällen verschont bleiben, fielen Rekordniederschläge und das Vieh musste bis in den April hinein im Stall bleiben – einen ganzen Monat länger als sonst.

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Die dänische Regierung beendet hinterrücks die Nitrat-Ausnahmeregelung

© LDM

Die dänischen Milchbäuerinnen und -bauern verlieren ab dem 31. Juli 2024 ihre Ausnahme von der EU-Nitratrichtlinie, die bisher bei 230 kg N/ha lag. Nach 22 Jahren traf die Nachricht die MilcherzeugerInnen aus heiterem Himmel. Am 10. April verkündete das Umweltministerium in einer Pressemitteilung, dass die Ausnahmeregelung für die Rinderhaltung am 31. Juli dieses Jahres endet.

Kaum Vorlauf

Zwischen der Pressemitteilung und dem Inkrafttreten der Änderung liegen nur gut drei Monate, weshalb die Landwirtinnen und -wirte von dieser Nachricht völlig überrumpelt wurden. Keiner der Bauernverbände wurde zu Rate gezogen oder auch nur informiert, sodass sie ihren Mitgliedern vielleicht hätten nahelegen können, geeignete Maßnahmen zu treffen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. In der Regel wird den Betrieben bei solch drastischen Änderungen eine Übergangsfrist von zwei/drei/vier Jahren gewährt, um die Situation für sie zu erleichtern. Aber das war hier nicht der Fall.

Kein Antrag auf Verlängerung

In der Pressemitteilung des Ministeriums wird Minister Magnus Heunicke mit den Worten zitiert, die Regierung wolle sich auf die Stickstoffemissionen konzentrieren, die in die dänischen Binnengewässer gelangen. Das Ministerium habe daher beschlossen, keine weitere Ausnahmeregelung bei der Europäischen Kommission zu beantragen. Die Regierung verzichtet einfach auf die Beantragung. Auch andere Länder haben die Ausnahmeregelungen verschärft, aber mit angemessenen Fristen für die Anpassungen. Einmal mehr wird deutlich, dass die dänische Regierung ihren eigenen Landwirten und der Milchwirtschaft ablehnend gegenübersteht und mit Sicherheit kein Verbündeter ist.

Mehr Land notwendig

Aufgrund der unangemessen kurzen Vorankündigung entstehen den MilcherzeugerInnen Mehrkosten durch die Pacht von zusätzlichem Land, damit sie genug Fläche für die Ausbringung von Dung und Gülle haben und den neuen Vorschriften genügen können. Einer Schätzung zufolge brauchen die MilchviehhalterInnen 20 bis 25% mehr Land, um den Grenzwert von 170 kg N/ha einzuhalten.

Nicht besser für Klima oder Umwelt

Als den Landwirten die Ausnahmeregelung von 230 kg N/ha gewährt wurde, wurden viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen: mindestens 80% Grünland, weniger Leguminosen usw. Jedoch bedeutet die Obergrenze für den P-Gehalt auf den Feldern, dass die meisten Landwirte ohnehin nie 230 kg Gülle pro Hektar ausbringen konnten. Es könnte daher sein, dass sich die Treibhausgasemissionen durch den vermehrten Transport von Gülle und die weiter entfernte Ausbringung von Düngemitteln auf den Feldern sogar erhöhen.

 

Landsforeningen af Danske Mælkeproducenter (LDM)

In der Schweiz sorgt digiFLUX für Aufregung

© Uniterre

Zeitgleich zu den Protesten in anderen europäischen Ländern sind auch die Bauern und Bäuerinnen in der Schweiz auf die Barrikaden gegangen, um ihren Unmut zu äußern. Ihre Sorge gilt hauptsächlich einer neuen Maßnahme, die das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ab 2025 schrittweise umsetzen möchte, und dem damit verbundenen bürokratischen Mehraufwand. Dieser musste zwangsläufig dazu führen, dass die Maßnahme ohne weitere Diskussion abgelehnt wurde.

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Norwegen: Wer bekommt das Geld?

© Bondesolidaritet

Obwohl die Werbung uns seit vielen Jahren glauben machen will, dass alle Lebensmitteleinzelhändler in Norwegen ständig ihre Preise senken, sieht die Realität anders aus: Die Lebensmittelpreise sind im Laufe der Jahre stetig und deutlich gestiegen.

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Umsetzung des Art. 148 GMO – ‚Molkerei‘-Verbände in ‚Hochform‘

© Vanessa Langer

Mit einem offenen Brief haben sich der Deutsche Bauernverband und der Deutsche Raiffeisenverband an Bundesfinanzminister Christian Lindner gewandt. Das Ziel des Schreibens dürfte sein, ihn als Unterstützer zu gewinnen, um die Umsetzung von Art. 148 GMO in nationales Recht zu verhindern. Beim Milchindustrieverband sieht man das scheinbar inzwischen etwas gelassener. Dort war sinngemäß die Äußerung zu vernehmen, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) solle endlich handeln und tun, was es nicht lassen könne.

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Kostenunterdeckung von 6,7 Cent/kg für die wallonischen ErzeugerInnen im Jahr 2023

© MIG

Nachdem 2022 nach vielen Jahren die Einnahmen der Milchviehbetriebe erstmals wieder höher als ihre Produktionskosten waren, verschlechterte sich die Lage 2023 erneut für die ErzeugerInnen. Durchschnittlich stieg die Kostenunterdeckung (Unterschied zwischen den Kosten und Einnahmen) auf 6,7 Cent pro kg Milch, was hauptsächlich dem niedrigeren Milchpreis bei gleichbleibend hohen Produktionskosten (etwa 59 Cent/kg einschließlich der Zielvergütung des Produzenten) geschuldet ist.

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Deutschland: FDP blockiert Markt

© Bente Stachowske

Am 29. Mai 2024 demonstrierten MilcherzeugerInnen von AbL, BDM und MEG Milch Board mit einer Kuh auf dem Gänsemarkt in Hamburg. Sie forderten die FDP auf, eine Vertragspflicht für Milch nicht zu blockieren und die anderen Ampelparteien, sich diesem Druck nicht zu beugen.

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Milcherzeuger fordern europaweit eine neue Agrarpolitik, die sich auch für junge Menschen stark macht

© EMB

Die junge Generation von Landwirten stand in diesem Jahr im Fokus der aktuellen Mitgliederversammlung des European Milk Board asbl. Die Milcherzeuger-Delegationen aus ganz Europa diskutierten Möglichkeiten, den Sektor wieder profitabel zu machen, um auch junge Menschen für die Produktion zu gewinnen. Dabei brachten sich engagierte Junglandwirtinnen und -landwirte in die emotionale Debatte mit prägnanten Redebeiträgen und Präsentationen ein. Die Frage „Was ist uns als jungen Landwirten wichtig?“ stand im Mittelpunkt des konstruktiven und lebendigen Austauschs, in dem die jungen Teilnehmer ihre Standpunkte und Prioritäten deutlich machten. Mit Pierre Bascou, dem stellvertretenden Generaldirektor der GD für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, war zudem ein Kommissionsvertreter der Einladung des EMB gefolgt, der die aktuelle Jungbauern-Strategie der EU sowie auch Maßnahmen zur Verbesserung der Erzeugerposition auf der Mitgliederversammlung erläuterte.

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Faire Preise – faire Einkommen: Neues Parlament muss soziale und ökonomische Ausgrenzung von LandwirtInnen beenden

© EMB

Die EU-BürgerInnen haben ein neues Parlament gewählt und dabei nicht für ein „Weiter so“ gestimmt. Diese Wahl hat gezeigt, dass Politik endlich für und mit den BürgerInnen gemacht werden muss. Auch in der Landwirtschaft müssen politische Strategien gemeinsam mit den dort arbeitenden und wirkenden Menschen gemacht werden. Denn die LandwirtInnen fühlen sich schon seit vielen Jahren abgehängt und sozial sowie ökonomisch zur Seite gedrängt.

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Impressum

European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel: +32 2808 1935
Fax: +32 2808 8265
E-Mail: office@europeanmilkboard.org
Website: http://www.europeanmilkboard.org