Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,

die Lage der Milchviehbetriebe ist aktuell wieder angespannt und könnte deutlich besser sein. Die Blauzungenkrankheit, die einige Mitgliedstaaten betrifft, ist keine Kleinigkeit. Es ist erschreckend, dass ein Land wie Belgien die Seuche nicht hat kommen sehen, obwohl sie im Mai 2024 schon in den Niederlanden grassierte. Meiner Ansicht nach haben die Behörden hier falsch reagiert. Es macht keinen Sinn, so spät eine Impfkampagne durchzuführen. Bei der bereits in Frankreich auftretenden Epizootischen Hämorrhagischen Krankheit (EHD) versuchen die Behörden daher nach diesem Debakel, sich nicht noch einmal von der Entwicklung überrumpeln zu lassen. Der Impfstoff soll ab November auf unseren Betrieben verfügbar sein. Die Blauzungenkrankheit hat hohe Verluste verursacht und das wallonische Agrarministerium hat beträchtliche Mittel bewilligt, um den betroffenen Milchviehbetrieben zu helfen. Der Artikel zur Lage der belgischen ErzeugerInnen in dieser Ausgabe beschreibt die schweren Auswirkungen der Blauzungenkrankheit auf den Milchsektor. Und leider ist diese Epidemie nicht unsere einzige Sorge, weil sich neue dunkle Wolken am Horizont auftürmen.

Laut einer Studie von Greenpeace (auf Englisch verfügbar) ist die Diagnose der aktuellen Lage für uns, die wir für die bäuerliche Landwirtschaft und generationsübergreifende Familienbetriebe kämpfen, alarmierend. Die Zahl der landwirtschaftlichen Megabetriebe ist zwischen 2007 und 2022 um 56% gestiegen. In 15 Jahren hat Europa fast zwei Millionen kleine Haupterwerbsbetriebe verloren. Heute machen die Megabetriebe 8 Prozent aus, erbringen aber 40 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung und bekommen 37 Prozent der Betriebsprämien.

Dies beweist, dass das European Milk Board von Anfang an mit der Forderung, weniger und besser, aber mit einer angemessenen Entlohnung für den Landwirt zu produzieren, Weitsicht bewiesen hat. Es geht darum, nachhaltiger und mit kürzeren Lieferketten zu produzieren und uns gegen Entwicklungen zu wehren, wie sie beispielsweise LACTALIS für Januar nächsten Jahres ankündigt: Das Unternehmen beabsichtigt, die Milchabholung um 450 Millionen Liter zu reduzieren, weil es ein Schlupfloch gefunden hat, das es ermöglicht, Milch aus Osteuropa zu importieren. Diese Milch wird dann unter dem Etikett „Made in France“ abgefüllt, was die VerbraucherInnen fälschlicherweise glauben lässt, dass sie ein einheimisches Produkt kaufen. Klingt nach einer unlauteren Handelspraxis, nicht wahr?

Unsere Organisation sollte sich auch an den Diskussionen über den neuen Agrarkommissar Christophe Hansen beteiligen, in denen es um seine Sicht des Agrar- und Nahrungsmittelsektors, die zukünftige GAP, die Auswirkungen der Erweiterung um die Ukraine, Krisenmanagement, die Unterstützung für den ökologischen Umbau und die Viehhaltung geht. In dieser Ausgabe können Sie weitere Informationen zum neuen Agrarkommissar und den Aspekten finden, die in den Empfehlungen des Strategischen Dialogs im Agrarsektor noch fehlen.

Mir wird im Laufe der Zeit immer stärker bewusst, dass wir unser EMB und unsere Faire-Milch-Projekte um jeden Preis erhalten müssen. Dafür möchte ich mich auch künftig zu 200 Prozent einsetzen. Wir haben am 29. Oktober das 15-jährige Bestehen unserer belgischen Fairen Milch Fairebel gefeiert. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, aber wir blicken bereits auf 15 Jahre voller schöner, gemeinsamer Momente zurück.

Ich freue mich darauf, Sie und euch alle wiederzusehen, und bleibe dahin euer treuer Diener im EMB, bei der MIG und bei Fairebel.

 

Guy Francq, EMB-Vorstandsmitglied

EMB gratuliert belgischer Fairebel zum 15-jährigen Jubiläum

© Fairebel

Fairebel feiert in Belgien dieses Jahr das 15-jährige Bestehen. Was als ambitioniertes Projekt begann, hat sich im Land längst erfolgreich etabliert – dank des starken Einsatzes der teilnehmenden Landwirtinnen und -wirte. „Die Bäuerinnen und Bauern haben etwas Besonderes etabliert, das nicht nur für Landwirte wegweisend, sondern auch gewinnbringend für alle Beteiligten ist.“

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Fairebel feiert 15 Jahre Einsatz für fairen und lokalen Handel

© Fairebel

Anlässlich ihres 15-jährigen Jubiläums feiert die Marke Fairebel als Vorreiterin der Fairen Milch in Belgien Ende Oktober 2024 anderthalb Jahrzehnte Einsatz für eine lokale und faire Landwirtschaft. Fairebel wurde 2009 von einer Gruppe von LandwirtInnen gegründet und ist mehr als nur eine Milchmarke: Sie ist ein Fanal der Widerstandsfähigkeit und Solidarität im belgischen Agrarsektor. Fairebel entwickelt sich weiter und vertritt über 500 ErzeugerInnen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, hochwertige Produkte anzubieten, für alle teilnehmenden ErzeugerInnen eine gerechte Vergütung zu erzielen und so Zukunftsperspektiven für die jungen LandwirtInnen in der Genossenschaft zu schaffen.

Das Jubiläum von Fairebel am 29. Oktober fällt mit der „Woche des Fairen Handels“ zusammen, die vom 2. bis 12. Oktober 2024 stattfindet. Diese zeitliche Nähe ist umso bedeutsamer, da die von Fairebel verkörperten Werte, wie Fairness und die Unterstützung der einheimischen ErzeugerInnen, dem Anliegen dieser einwöchigen nationalen Initiative zur Förderung des Fairen Handels voll entsprechen. Das Thema der diesjährigen Auflage, die sich mit der Wirkung des Fairen Handels auf die ökologische Nachhaltigkeit und die Verbesserung der Lebensbedingungen der ErzeugerInnen befasst, stimmt mit den Zielen überein, die Fairebel seit der Gründung verfolgt: Zwischenglieder der Wertschöpfungskette zu umgehen, ein würdiges Einkommen für die ErzeugerInnen zu sichern und einen verantwortungsvollen Konsum zu fördern.

Ein nachhaltiges Genossenschaftsmodell

Der Genossenschaft Faircoop ist es gelungen, sich als feste Größe in der Welt des Fairen Handels in Belgien zu etablieren. Mit der Einführung ihrer eigenen Marke haben die Landwirtinnen und -wirte in der Milchkrise 2009 ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und sich dabei verpflichtet, Erzeugnisse anzubieten, die höchsten Qualitätsstandards genügen. Heute wird unter dem Namen Fairebel nicht nur Milch vermarktet, sondern auch Fleisch und Obst, aber die Philosophie ist immer dieselbe: Stärkung der einheimischen und bäuerlichen Landwirtschaft, die die VerbraucherInnen und die Natur gleichermaßen achtet.

Die Genossenschaft steht auch den VerbraucherInnen offen

Das Modell von Fairebel richtet sich nicht ausschließlich an die ErzeugerInnen, sondern die Genossenschaft Faircoop bietet auch den VerbraucherInnen die Möglichkeit, Mitglied zu werden und bei wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht zu haben. Dank dieses partizipativen Ansatzes können sich die KonsumentInnen aktiv in die Weiterentwicklung ihrer Lieblingsmarke einbringen, was die Verbindung zwischen ErzeugerInnen und KonsumentInnen stärkt und eine Gemeinschaft schafft, die sich für eine nachhaltigere Zukunft einsetzt.

Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums veranschaulicht Fairebel das eigene Engagement mit verschiedenen Veranstaltungen und Partnerschaften, die die Öffentlichkeit noch stärker dafür sensibilisieren sollen, wie wichtig der Konsum fairer und einheimischer Erzeugnisse ist. Im Rahmen der „Woche des Fairen Handels“ finden mehrere Aktionen in Supermärkten und Partnergeschäften statt, um die Produkte von Fairebel zu bewerben und die essenzielle Rolle der ErzeugerInnen in der Wertschöpfungskette des Nahrungsmittelsektors zu zeigen.

Das ist Fairebel in einigen Kennzahlen:

  • 500 ErzeugerInnen und 1800 KonsumentInnen, die sich unter dem Banner der Genossenschaft Faircoop zusammengeschlossen haben
  • Mehr als 15 Jahre Einsatz für den Fairen Handel
  • Schon über 137.874.000 Liter verkaufter Milch
  • Erweiterte Produktpalette: Milch, Fleisch, Obst
  • Ein Erzeugerpreis, der die Produktionskosten deckt und auch die Arbeitsleistung der ErzeugerInnen vergütet, was das genossenschaftliche Modell gewährleistet.

Im Jubiläumsjahr bekräftigt Fairebel das Engagement der Marke: Wir möchten weiter Produkte anbieten, die die Interessen der ErzeugerInnen und VerbraucherInnen achten. Entscheiden wir uns gemeinsam für einen gerechteren, nachhaltigeren und fairen Konsum.

 

Pressemitteilung von Faircoop aus der zweiten Oktoberwoche 2024

EMB begrüßt richtungsweisendes Projekt von Die faire Milch mit PENNY in Deutschland

© Die faire Milch und PENNY

Das European Milk Board asbl (EMB) begrüßt das neue Projekt von Die faire Milch mit PENNY, das am 29. Oktober offiziell in Deutschland vorgestellt wurde. Mit einem neuartigen Drei-Parteien-Vertrag besiegeln PENNY als Handelsvertreter, Die faire Milch als Lieferant und die Erzeugergenossenschaft Fair Food ihre Zusammenarbeit, um in der Wertschöpfungskette Transparenz und Fairness in die Kalkulation und Preisfindung zu bringen.

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Ein neuer Agrarkommissar für eine neue EU-Agrarpolitik?

© Europäische Kommission

Der Luxemburger Christophe Hansen soll die nächsten Jahre am agrarpolitischen Hebel der EU sitzen. Der EVP-Politiker, der zuvor schon als EU-Parlamentarier tätig war, ist Geo- und Umweltwissenschaftler und kommt selbst aus einer Landwirtschaftsfamilie.

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Der neue-Agrarkommissar sollte beachten: Empfehlungen des Strategischen Dialogs müssen um wichtige Aspekte ergänzt werden

© Europäische Kommission

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat ihre Kandidatenliste für die neue Kommission bekannt gegeben. Als neuen Agrarkommissar wünscht sie sich Christophe Hansen, der maßgeblich für die Umsetzung der Empfehlungen des Strategischen Dialogs zur Zukunft der EU-Landwirtschaft verantwortlich sein soll. Das aktuelle Papier des Strategischen Dialogs spricht bedeutende Punkte an, es fehlen jedoch noch wichtige Aspekte für eine erfolgreiche Transformation des Agrarsektors. Dies sollte der designierte EU-Agrarkommissar bei der Umsetzung unbedingt beachten.

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Europäische Landwirte und Arbeitnehmer aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft fordern die sofortige Aufnahme von kostendeckenden Preisen in die UTP-Richtlinie

© ECVC, EFFAT und EMB

In einem offenen Brief, der am 7. Oktober an die Präsidentin der Europäischen Kommission, den Präsidenten des Agrarministerrats und die Präsidentin des Europäischen Parlaments gesandt wurde, fordern europäische Landwirte und Arbeitnehmer aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, bis Ende des Jahres ein Schnellverfahren einzuleiten, um den Einkauf von Agrar- und Lebensmittelprodukten unterhalb der Produktionskosten auf die schwarze Liste der EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken zu setzen.

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Fairness in der Lieferkette: AbL fordert marktpolitischen Rahmen für kostendeckende Preise

© AbL

Die Proteste der Bäuerinnen und Bauern haben auf EU-Ebene dazu geführt, dass Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gezwungen war, in ihrer Bewerbungsrede zu sagen: „Niemand sollte gezwungen sein, gute Lebensmittel unter den Produktionskosten zu verkaufen.“ Inwieweit sie es ernsthaft umsetzen wird, bleibt kritisch abzuwarten. Aber es ist schon jetzt offensichtlich, dass auf EU-Ebene eine eher progressive Stimmung bezüglich Marktpolitik zu spüren ist, während in Deutschland noch dicke Bretter zu bohren sind, um kostendeckende Preise zu erzielen.

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Gesetzentwurf in Nordirland zu vollkostendeckenden Erzeugerpreisen

© William Taylor

Die Kontakte zwischen Farmers For Action UK NI (für das Vereinigte Königreich und Nordirland zuständiger Zweig des Verbands) und dem European Milk Board bestehen seit Gründung des EMB. Wir nutzen gern diese Gelegenheit, uns an die EMB-Mitglieder zu wenden und den Bezug zwischen unserer Arbeit und den Zielen des EMB herzustellen, deren Umsetzung gegen die Bürokratie und den Widerstand der Lebensmittelkonzerne langwierig und äußerst schwierig ist. Derzeit verfolgen wir das Projekt eines Gesetzentwurfs, der Erzeugerpreise oberhalb der Produktionskosten sicherstellen soll.

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Belgien: Starke Auswirkungen der Blauzungenkrankheit und neue Bedrohungen am Horizont

© MIG

Zwischen August und September 2024 hat die MIG zwei Mitgliederumfragen durchgeführt, um die Auswirkungen der Blauzungenkrankheit auf die wallonischen Milchviehbetriebe einzuschätzen. Die beiden Umfragen haben ergeben, dass sich die Situation akut verschärft – mit einer raschen Ausbreitung der Krankheit, Verlusten von Tieren und einem Rückgang der Milchproduktion.

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Vogelperspektive für die Agrarministerkonferenz – BDM mit Ballon am Kran in Oberhof

© BDM

Es war nicht zu übersehen: Der BDM war am 12. September mit einem 60 Tonnen schweren Mobilkran mit 12 Tonnen Achslast vor Ort und die Botschaft hätte deutlicher nicht sein können: Hier muss es um die großen Themen gehen! Damit sich die anwesenden MinisterInnen sowie ihre Amtschefs einen Überblick über die Themenfelder verschaffen konnten, haben wir sie mit unserer Aktion „Vogel- statt Froschperspektive – für eine nötige Neuausrichtung der Agrarmarktpolitik!” eingeladen, in den Korb zu steigen und sich aus 60 Metern Höhe einen symbolischen wie realen Überblick zu verschaffen – politische Diskussionsmöglichkeit im Korb inklusive.

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Piepmatz in Hamburg

© AbL

Als kleine Abwechslung haben wir diesmal eine humorvolle Kurzgeschichte von Matthias Stührwoldt, der für seine launigen und lebendigen Erzählungen vom Hofleben bekannt ist. Dieser Erfahrungsbericht, ursprünglich in der Bauernstimme veröffentlicht, erzählt von einer ganz besonderen Demo in Hamburg – mit einer Kuh namens Piepmatz!

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Impressum

European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel: +32 2808 1935
Fax: +32 2808 8265
E-Mail: office@europeanmilkboard.org
Website: http://www.europeanmilkboard.org