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EMB - European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel.: +32 - 2808 - 1935
Fax: +32 - 2808 - 8265
Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,
seit der Gründung des European Milk Board vor über 15 Jahren kämpfen wir tagtäglich dafür, ein Einkommen zu erwirtschaften, von dem unsere Familien leben können, was mal besser und mal schlechter gelingt. Trotz des rasanten Anstiegs der Produktionskosten zählte 2022 zu den besseren Jahren – in Belgien wurden fast 60 Cent für den Liter bezahlt. Warum sinkt der Erzeugerpreis nun plötzlich in nur vier Monaten um 30% auf aktuell 36 Cent pro Liter, obwohl er stark von unseren Butter- und Milchpulverexporten abhängt, die ihrerseits nur um 10% abgenommen haben (4.564 Euro pro Tonne für Butter und 3.375 Euro pro Tonne für Pulver). Was läuft hier falsch?
Die MIG hat die letzte Milcherzeugermesse in Battice genutzt, um unsere Produktionskosten (dargestellt anhand einer klassischen Milchflasche, siehe MIG-Artikel unten) zu erläutern und aufzuzeigen, dass uns im zweiten Quartal 2023 pro Kilo Milch 8,4 Cent gefehlt haben, um alle Produktionskosten zu decken.
Während das schicksalhafte Stichdatum von 2030 für die Umsetzung des Green Deal näherrückt, stellen wir fest, dass Milch und Fleisch wertmäßig die Hälfte der belgischen Agrarproduktion ausmachen. Dennoch ist der Milchviehbestand in den letzten beiden Jahrzehnten um 30% und die Anzahl der MilcherzeugerInnen um mehr als 60% zurückgegangen, weil die Einkommen der Landwirtinnen und -wirte zu gering und instabil sind. Außerdem stellen zahlreiche Herausforderungen die Zukunft der Viehhaltung infrage: Klimawandel, Tierschutz, Erhalt der Artenvielfalt und Landschaftspflege ...
Angesichts unzähliger Fragestellungen ist die Zukunft unserer Betriebe ungewiss: Sollen sie auf noch mehr Produktivismus und neue Technologien setzen? Oder lieber die Qualität unserer Erzeugnisse hervorheben? Stärkung der Futtermittel-Unabhängigkeit, hofeigene Verarbeitung, Gründung echter Erzeugergenossenschaften, die sich für die Schaffung Fairer-Milch-Projekte in ihren Ländern einsetzen? Wie wirken sich diese Veränderungen auf den Beruf des Erzeugers aus?
Die MIG hat in Belgien an einer öffentlichen Untersuchung mitgewirkt, die die Erwartungen und Schwierigkeiten unserer jungen Leute beleuchtet hat, die sich für die Landwirtschaft interessieren. Ich glaube, dass wir in den unterschiedlichen Ländern Europas die gleichen Probleme haben. Der Generationenwechsel und Betriebsübergang sind ein großes Problem in der Landwirtschaft, was zwei aussagekräftige Zahlen belegen: 68% der Landwirtinnen und -wirte sind älter als 50 Jahre und nur 22% haben einen bekannten Nachfolger. Sollte das EMB angesichts der Zukunftsperspektiven unserer Betriebe der Europäischen Kommission nicht eine gewisse Deckelung des Grunderwerbs durch Industriekonzerne vorschlagen, damit sie sich nicht unseren Boden mit dem Vorwand unter den Nagel reißen, sie seien selbst (sogar AKTIVE) Landwirte geworden, womit sie sogar noch GAP-Prämien einstreichen? Bei der Vereinnahmung landwirtschaftlicher Flächen meine ich Aldi in Deutschland (über 30.000 ha) sowie Colruyt in Belgien sowie andere Finanzmodelle, die rein gar nichts mit landwirtschaftlicher Primärerzeugung zu tun haben.
Wir haben die Pflicht, dies schnellstmöglich zu unterbinden, wenn wir möchten, dass unser Berufsstand in seiner Gesamtheit auch künftig geachtet wird. Bewahren wir die Ruhe und zeigen wir der Zivilgesellschaft, dass wir mit ihrer Unterstützung selbst für uns aufkommen können, um eine nachhaltige, faire, zukunftsfähige und vernünftige Landwirtschaft anzubieten, die unsere Umwelt im Sinne künftiger Generationen bewahrt.
Guy Francq, Mitglied des EMB-Vorstands
8. Europäische Faire Milch Konferenz feiert Engagement der Bäuerinnen und Bauern und ehrt Verdienste für soziale Nachhaltigkeit
Was im Milchmarkt eigentlich Alltag sein sollte, ist jedoch tatsächlich eine Sensation: Die Faire Milch macht es möglich, dass LandwirtInnen seit einigen Jahren ein faires Einkommen erzielen können. Durch diese Marke, die 2006 in Österreich gegründet wurde, können VerbraucherInnen sozial nachhaltige Produkte tatsächlich im Supermarktregal finden. Bei der Faire-Milch-Konferenz in Frankreich feiert FaireFrance gemeinsam mit weiteren Faire-Milch-Projekten und dem European Milk Board asbl (EMB) die positiven Fortschritte der wichtigen Marke der Bäuerinnen und Bauern.
Weiterlesen...Spanisches Gesetz: Erzeugerpreis über Produktionskosten
Der spanische Gesetzgeber hat 2021 eine Neuerung eingeführt, die die Mehrwertvernichtung in der Lieferkette stoppen soll. Die spanische Agrarorganisation COAG (Coordinadora de Organizaciones de Agricultores y Ganaderos) gibt einen Überblick über das neue Gesetz.
Das Umdenken, das durch die jüngste Änderung des Gesetzes von 2021 eingeleitet wurde, liegt im Wesentlichen in dem Konzept, nach dem der Erzeugerpreis über den Produktionskosten liegen muss, um den Wertverlust in der Lieferkette zu verhindern. Dieser Aspekt wurde von den Organisationen, die die Interessen der ErzeugerInnen vertreten, vehement gefordert und ist ein wichtiger Faktor für die Nachhaltigkeit des europäischen Modells der Agrarerzeugung. Es ist nicht leicht, das Geschäftsverhalten entlang der Kette zu verändern, aber der Schritt ist neben vielen weiteren Maßnahmen notwendig, um den Menschen eine Zukunft zu sichern, die in der Europäischen Union Landwirtschaft und Viehhaltung betreiben.
Dieses Gesetz regelt insbesondere, dass der im Liefervertrag festzulegende und an einen Primärerzeuger oder eine Erzeugergruppe zu zahlende Preis immer über den Gesamtkosten des Erzeugers oder den tatsächlichen Produktionskosten liegen muss. Die Definition beinhaltet alle Kosten, die dem Erzeuger im Rahmen seiner Wirtschaftstätigkeit entstehen. Dabei können unter anderem folgende Kosten berücksichtigt werden: Saatgut und Pflanzen, Düngemittel, Pflanzenschutz, Pestizide, Kraftstoff und Energie, Maschinen, Reparaturen, Bewässerung, Futtermittel, Tierarztkosten, Abschreibungen, Zinsen auf Darlehen und Finanzprodukte, Lohnarbeit und Personalkosten, die Arbeit der MitarbeiterInnen oder des Erzeugers oder der Erzeugerin sowie mithelfender Familienangehöriger.
Die Produktionskosten aller Akteure entlang der Kette – nicht nur die der ErzeugerInnen – werden personalisiert und spezifisch errechnet. Es gibt keine allumfassende oder allgemeine Definition der Kosten pro Sektor, Produktionsbereich oder pro Glied der Kette von einer öffentlichen Stelle oder privaten Einrichtung.
Obwohl das Gesetz ein klarer Fortschritt ist, hat es keine sofortige Kehrtwende eingeleitet. Aber es wurde die Grundlage geschaffen, um dieses Ziel zu verwirklichen. Vor diesem Hintergrund ist es bereits als Durchbruch zu werten, dass die Abnehmer allmählich bedenken, dass die sie beliefernden ErzeugerInnen eine Reihe von Kosten haben, die den Kaufpreis ergeben. Bisher wurde dies bei der Preisfestlegung nicht beachtet, sondern bei den Verhandlungen und in den Geschäftsbeziehungen geflissentlich vergessen. Darüber hinaus ermöglicht dieses Tool bis zu einem gewissen Grad Verhandlungen und die Meldung durch den Erzeuger, wenn der Abnehmer gegen die Bestimmungen verstößt.
Die Aufsichtsbehörden auf nationaler Ebene (AICA) und in den autonomen Regionen (CCAA) führen innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs sowohl turnusmäßig und bei Meldung von Verstößen Überprüfungen durch, die zur Einleitung von Gerichtsverfahren führen, um Verstöße gegen das Verbot der Wertvernichtung in der Lieferkette zu ahnden. Allein in der ersten Jahreshälfte 2022 wurden acht Klagen gegen Einzelhändler eingereicht, die den Vorwurf der Wertvernichtung in der Milchlieferkette betreffen.
Davon abgesehen, gilt das Verbot der Wertvernichtung für jedes Glied der Nahrungsmittelkette: Jeder Wirtschaftsteilnehmer muss dem unmittelbar vorgelagerten Glied der Kette einen Preis zahlen, der mindestens den Produktionskosten oder mehr entspricht. Des Weiteren ist der Verkauf mit Verlust an das letzte Glied der Kette, d.h. die VerbraucherInnen, verboten, sodass Einzelhändler Nahrungsmittel nicht zu Preisen anbieten oder verkaufen dürfen, die unter ihrem Ankaufspreis liegen. Das Gesetz verbietet den Verkauf unter Selbstkostenpreis und der Verstoß kann je nach Zuständigkeitsbereich von der AICA oder den autonomen Regionen (CCAA) mit einer Verwaltungsstrafe geahndet werden.
Im aktuellen Marktumfeld und angesichts der Tatsache, dass Interventionsmaßnahmen quasi nicht mehr zu den öffentlichen Politiken der EU gehören, sind diese Paradigmenwechsel nötig geworden. Sie müssen im gesamten europäischen Binnenmarkt durch nationale Politiken und Änderungen der EU-Rechtsakte umgesetzt werden.
Alvaro Areta García, Fachreferent, Coordinadora de Organizaciones de Agricultores y Ganaderos (COAG)
BMEL will MilcherzeugerInnen stärken – erste Schritte in die richtige Richtung
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat am 31. August eine Konferenz zur „Zukunft der Milchviehhaltung in Deutschland“ veranstaltet. Neben dem BDM war auch die AbL dort als Teilnehmer vertreten. Die AbL schildert im Folgenden ihren Eindruck zur Konferenz, durch die sie eine Stärkung der Milchviehhaltung sieht.
Weiterlesen...Zukunft der Milchviehhaltung in Deutschland: Herausforderungen und Chancen im Fokus der Berliner Konferenz
Die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) am 31. August in Berlin veranstaltete Konferenz ist mit ersten Signalen aus dem Agrarministerium in Richtung einer Stärkung der Milchviehhaltung zu Ende gegangen. Bei der Diskussion von VertreterInnen der Molkereiwirtschaft, Wissenschaft, von NGOs, des Handels sowie Bäuerinnen und Bauern hat sich der BDM aktiv eingebracht. Wir haben aber auch mit einer Aktion vor dem Tagungsort unsere Kritik an der bisherigen Agrarpolitik und unsere Erwartungen an diese Konferenz gezeigt und ein Forderungspapier mit acht Punkten veröffentlicht.
Weiterlesen...Krise in den Alpen: Der Kampf der Schweizer MilcherzeugerInnen um das nackte Überleben und Fairness
In den Schweizer Bergen ist keine Besserung der Aussichten absehbar! Die Lage der MilcherzeugerInnen bleibt schwierig und immer mehr geben auf: Rund 300 Milchviehbetriebe haben 2022 aufgehört. Es sind nur noch 17.600 Betriebe, die weiterkämpfen – eine Zahl, die sich vor zehn Jahren niemand hätte träumen lassen, weshalb uns die Realität mit voller Wucht trifft.
Weiterlesen...Der litauische Milchsektor steht vor wachsenden Herausforderungen
Für die litauischen MilcherzeugerInnen verschlechtert sich die Lage zunehmend. Im letzten Jahr hat der Milchsektor in Litauen einen besorgniserregenden Rückgang verzeichnet: Der Viehbestand hat sich um 7.500 Milchkühe oder umgerechnet 3,3% verringert. Gleichzeitig sank die Anzahl der Milchviehbetriebe dramatisch um 11%, was einem Verlust von 2.500 Betrieben entspricht. Der negative Trend setzt sich mit einem 2,5-prozentigen Rückgang der Milchanlieferungen fort. Schlimmer noch ist, dass trotz rückläufiger Milchmenge der Milchpreis nicht entsprechend gestiegen ist. Zum Vergleich: Der aktuelle Milchankaufspreis ist etwa 30% geringer als 2022. Von Januar bis August 2023 sanken die Einnahmen der litauischen MilcherzeugerInnen um den atemberaubenden Betrag von 120 Millionen Euro gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Weiterlesen....Milchpreisverfall: Die Schere zwischen Produktionskosten und Einkommen der ErzeugerInnen klafft wieder auseinander
Der Milchpreis ist für die ErzeugerInnen fair, wenn er die gesamten Produktionskosten deckt, eine angemessene Entlohnung für die geleistete Arbeit beinhaltet und die Möglichkeit bietet, Geld zur Seite zu legen. Wir stellen fest, dass der Erzeugerpreis 2023 NICHT fair ist.
Weiterlesen...Die wachsende Wolfspopulation in Dänemark: Herausforderungen und Lösungsansätze
Die Wolfspopulation hat in Dänemark in letzter Zeit noch nie dagewesene Zahlen erreicht, was das dänische Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt. Jahrzehntelang regierte der Fuchs als Dänemarks größtes Raubtier. In den letzten Jahren haben sich jedoch Wolfsrudel in Revieren sowohl innerhalb wie auch außerhalb der ausgewiesenen Wolfsgebiete in den westlichen Regionen angesiedelt.
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