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EMB - European Milk Board asbl
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Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,
zur Adventszeit möchten wir das Jahr Revue passieren lassen und mit Artikeln aus verschiedenen Ländern, die in unserem Newsletter erschienen sind, an wichtige Entwicklungen und Ereignisse erinnern, die die europäischen MilcherzeugerInnen 2024 beschäftigt haben. Das scheidende Jahr hat einmal mehr gezeigt, dass der Einsatz des European Milk Board und seiner Mitgliedsorganisationen für eine grundlegende Reform des Milchsektors und die Sicherung fairer und kostendeckender Erzeugerpreise nichts an Aktualität und Relevanz verloren hat.
Zu Beginn des Jahres protestierten europäische Bäuerinnen und Bauern massenhaft für faire Preise und gegen geplante Kürzungen von Agrarsubventionen, Bürokratie, neue Umweltauflagen durch den Europäischen Green Deal, die Freihandelsabkommen der EU mit Mercosur und der Ukraine und billige Agrarimporte. Mit ihren Aktionen machten die LandwirtInnen ihrem Ärger Luft und prangerten die Perspektivlosigkeit und fehlende Anerkennung für den Beruf des Landwirts an, was sich in Plakaten wie „No farmers, no food“, „Stirbt der Bauer, stirbt das Land" oder „Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert" äußerte. Europaweit gab es Straßenblockaden, Traktordemos und Proteste. EMB-Mitglieder sorgten mit einer symbolträchtigen Aktion auf der Agrarmesse SIA in Paris für Aufsehen, demonstrierten bei einer Wahlkampfveranstaltung der deutschen Partei FDP mit einer Kuh auf dem Hamburger Gänsemarkt und organisierten Postkartenaktionen, um nur einige Beispiele zu nennen, die Sie in diesem Jahresrückblick nachlesen können.
Das EMB hat auch 2024 die Interessen der MilcherzeugerInnen auf europäischer Ebene vehement vertreten und beschrieb zum Beispiel die schwierige Lage der LandwirtInnen und die Gefahren, die davon für die Ernährungssicherheit der europäischen BürgerInnen ausgehen, in einem offenen Brief an die europäischen Institutionen, den Sie ebenfalls in dieser Ausgabe finden. Im Vorfeld des Weltmilchtags und der Europawahl ließ das EMB die Faironikas aufmarschieren und organisierte in Brüssel eine Demonstration unter dem Motto „Ein faires Einkommen für die Landwirte – JETZT!“ und präsentierte den dort tagenden EU-Agrarministern die Forderungen der europäischen ProduzentInnen. In einem gemeinsamen offenen Brief riefen die europäischen Landwirte des EMB und anderer Organisationen sowie Arbeitnehmer aus dem Agrar- und Ernährungssektor im Oktober die EU-Institutionen auf, den Einkauf von Agrarprodukten unterhalb der Produktionskosten auf die schwarze Liste der EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken zu setzen.
Politisch war 2024 auch das Superwahljahr: 60 Länder weltweit haben neue Parlamente oder Staatschefs gewählt und fast die Hälfte der Weltbevölkerung war aufgerufen, zur Urne zu schreiten, darunter die USA. Im Juni waren Europawahlen und in sechs EU-Mitgliedstaaten wurde gewählt. Auch die EU-Kommission wurde neu besetzt: Künftig steht der Luxemburger Christophe Hansen der Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung vor. Geopolitisch traten Schweden und Finnland angesichts des andauernden Kriegs in der Ukraine nach Jahrzehnten der militärischen Neutralität der NATO bei. Unser schwedischer Mitgliedsverband Sveriges Mjölkbönder beschrieb in der März-Ausgabe die Veränderungen im Land und die Herausforderungen für die MilcherzeugerInnen.
Die EMB-Mitgliedsorganisationen berichteten 2024 im Newsletter über die Lage der ErzeugerInnen in ihren jeweiligen Ländern, über geänderte politische und gesetzliche Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel den Wegfall von Nitratausnahmeregelungen, und andere Herausforderungen. Trotz aller Unterschiede sind die Probleme länderübergreifend ähnlich: schwankende und zu geringe Milchpreise, fehlende Verhandlungsmacht der ErzeugerInnen gegenüber der Verarbeitungsstufe, mangelnde Preistransparenz in der Wertschöpfungskette, ein Rückgang der Milchviehbetriebe, (Über-)Alterung der Landwirtinnen und -wirte, keine Perspektiven für junge Menschen in der Landwirtschaft und Bürokratie. Die Berichte der Organisationen aus Norwegen, Portugal, Lettland, Irland und Dänemark in diesem Jahresrückblick veranschaulichen exemplarisch die Lage der europäischen MilcherzeugerInnen.
Der Artikel des irischen Verbands ICMSA steht stellvertretend für die Berichte aus den Ländern über immer häufigere Extremwetterereignisse und Klimakapriolen, die die LandwirtInnen ganz besonders zu spüren bekommen.
Inmitten dieser schwierigen Rahmenbedingungen trat die Faire-Milch-Familie auch 2024 wieder den Beweis an, dass eine gerechte Entlohnung der MilcherzeugerInnen möglich ist. Im Oktober feierte Fairebel 15-jähriges Jubiläum und anderthalb Jahrzehnte Einsatz für eine lokale und faire Landwirtschaft in Belgien. In der Schweiz hat sich Di fair Milch Säuliamt in den letzten sieben Jahren als Erfolgsgeschichte etabliert, steht aber auch vor Hindernissen. In Luxemburg setzt sich Fairkoperativ mit der Marke D’fair Mëllech für eine für alle faire und gerechte Landwirtschaft und die Schaffung einer Gemeinschaft ein, die Mensch, Tier und Natur respektiert. Das EMB begrüßt auch das neue Projekt von Die faire Milch mit PENNY, das Ende Oktober in Deutschland vorgestellt wurde. Ein neuartiger Drei-Parteien-Vertrag zwischen PENNY, Die faire Milch und der Erzeugergenossenschaft Fair Food soll Transparenz in die Wertschöpfungskette und Fairness in die Preisfindung bringen. FaireFrance ist das leuchtende Fairness-Beispiel aus Frankreich und hat auf der diesjährigen Agrarmesse SIA in Paris nicht nur durch einen tollen Stand auf das faire Projekt aufmerksam gemacht, sondern auch durch seine Unterstützung der oben erwähnten friedlichen gemeinsamen Aktion mit vielen EMB-Mitgliedern. Last but not least möchten wir noch einmal die 29 Jahre junge Stéphanie Mottiez vorstellen, die als Mitglied von Faireswiss ihren eigenen Milchviehbetrieb führt.
Bei der EMB-Mitgliederversammlung im November, zu der Erzeugervertreter aus ganz Europa nach Brüssel gereist waren, wurde der Vorstand neugewählt. An der Spitze des European Milk Board wird weiterhin der dänische Milcherzeuger Kjartan Poulsen als Vorsitzender stehen. Das bisherige Vorstandsmitglied Boris Gondouin aus Frankreich wurde zum Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Guy Francq von der belgischen MIG, Guntis Gūtmanis von der LOSP aus Lettland, Roberto Cavaliere von der italienischen APL sowie Denis Drennan vom ICMSA aus Irland und Jens Scherb vom deutschen Verband BDM vervollständigen den neuen Vorstand.
Ein Sprichwort, das aus China kommen soll und dessen Herkunft nicht näher belegt ist, lautet „Mögest du in interessanten Zeiten leben“. Angesichts der fortdauernden Konflikte in unserer direkten Nachbarschaft, der geopolitischen Lage, politischen Unwägbarkeiten und wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen verspricht 2025, ein weiteres „interessantes“ Jahr zu werden. Unser Einsatz für Reformen im Milchsektor und die Sicherung fairer und transparenter Bedingungen sowie einer gerechten Entlohnung für die ErzeugerInnen geht im neuen Jahr weiter. Wir werden hier das neue EU-Parlament und die neue Kommission stark in die Verantwortung nehmen, angekündigte erzeugerfreundliche Strategien, die auch die junge Generation wieder für den Sektor gewinnen sollen, tatsächlich umzusetzen.
Bis dahin wünschen wir allen eine friedvolle und sorgenfreie Weihnachtszeit und einen guten Start in das neue Jahr.
Ihr EMB-Team

Offener Brief des European Milk Board an die Europäische Kommission
Sehr geehrte Präsidentin der Europäischen Kommission,
sehr geehrter Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung,
wir richten uns in diesem offenen Brief an Sie, da sich die Situation zum einen für die europäischen Landwirte und für die Produktion von Nahrungsmitteln und zum anderen für die EU als Ganzes dramatisch verschärft hat. Es vergeht kein Tag, an dem nicht zahlreiche und sehr starke Proteste und Aktionen von Bäuerinnen und Bauern in ganz Europa stattfinden. Die Zustimmung aus der Bevölkerung für die wichtigen Anliegen von uns LandwirtInnen wächst, während gleichzeitig die Unterstützung für politische und staatliche Institutionen sinkt.
Die Lage in Schweden
In Schweden ergeben sich derzeit große Veränderungen, insbesondere im Milchsektor, der vor großen Herausforderungen steht. Neben der allgemeinen geopolitischen Lage mit dem bevorstehenden NATO-Beitritt Schwedens und den Abkommen mit den USA über den Zugang zu unseren Militärbasen erleben die Landwirtschaft allgemein und der Milchsektor tiefgreifende Umwälzungen.
Weiterlesen...Großartige Aktion der europäischen Bäuerinnen und Bauern in Paris!
Bei ihrer gemeinsamen friedlichen Aktion auf der internationalen Landwirtschaftsmesse (SIA) in Paris haben Landwirte verschiedener Sektoren aus allen Teilen Europas die Politik aufgefordert, eine wirkliche Lösung für die Krise in der Landwirtschaft umzusetzen. Ihre gemeinsame Forderung: Eine faire Landwirtschaft – JETZT! Dafür ist es essenziell, jetzt die Reformen für einen kostendeckenden, fairen Preis am Markt umzusetzen, um endlich eine faire Landwirtschaft zu schaffen.
Portugal: Milch 2024 endlich wertschätzen!
Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit haben die MilcherzeugerInnen von APROLEP bei der jüngsten Mitgliederversammlung ihre Sorgen geäußert und dabei die anhaltend hohen Produktionskosten, insbesondere für Futtermittel, hervorgehoben.
Weiterlesen...Di fair Milch Säuliamt: Regionalität mit Hindernissen
In der Schweiz, wo Qualität und Herkunft eine zentrale Rolle in der Lebensmittelbranche spielen, steht Di fair Milch Säuliamt vor einer schwierigen Entscheidung. Soll sie eine regionale Zertifizierung anstreben und diesen Weg für eine nachhaltige Zukunft gehen? In den letzten sieben Jahren hat sich das Projekt Di fair Milch Säuliamt als Erfolgsgeschichte etabliert. Mit stabilen bis leicht steigenden Verkaufszahlen zeugt unser Unterfangen von einer treuen Kundschaft, die nicht nur Wert auf faire Preise für die Bauern legt, sondern auch die regionale Herkunft der Produkte schätzt.
Weiterlesen...Mit Leib und Seele Bäuerin: Stéphanie Mottiez
„Als ich klein war, hätte ich mir nicht vorstellen können, Landwirtin zu werden.“ Mit ihren gerade 29 Jahren leitet Stéphanie Mottiez, Mitglied der Faire-Milch-Genossenschaft Faireswiss aus dem Kanton Wallis, ihren eigenen Milchviehbetrieb. „Als Kind wäre es mir nicht in den Sinn gekommen, Landwirtin zu werden. Es erschien mir zu schwer, körperlich zu anspruchsvoll“, erzählt die Produzentin, die Industriemilch für Cremo erzeugt.
Weiterlesen...D’fair Mëllech: Pioniere der Fairen Milch in Luxemburg
Im Herzen Luxemburgs wirkt Fairkoperativ mit der Marke D’fair Mëllech wie ein Leuchtturm der Nachhaltigkeit und des Fairen Handels im Milchsektor. Bei der innovativen Genossenschaft geht es um mehr als die reine Milcherzeugung, sondern darum, eine Gemeinschaft zu schaffen, die den Respekt für Mensch, Tier und Natur hochhält. Durch die Zusammenarbeit mit anderen ErzeugerInnen aus ganz Europa, zum Beispiel zuletzt bei einer Aktion auf der internationalen Agrarmesse SIA in Paris, setzen sich die Genossenschaft Fairkoperativ und ihre Partner für eine Zukunft ein, in der die Landwirtschaft für alle fair und gerecht ist.
Weiterlesen...Landwirte fordern gerechtes Einkommen, um Ernährungssicherheit gewährleisten zu können
Heute versammelten sich Delegationen von Landwirten aus ganz Europa zu einer beeindruckenden Demonstration im Herzen Brüssels, um für Fairness im Agrarsektor einzutreten. Unter dem Motto „Ein faires Einkommen für die Landwirte - JETZT!“ trugen die Teilnehmenden ihre Forderungen an die heute tagenden EU-Agrarminister, an die EU-Kommission und das Parlament sowie an landwirtschaftliche Verbände heran. Als Verband europäischer Milchbauern aus mehr als 15 Ländern hatte das European Milk Board (EMB) die wichtige Demonstration im Vorfeld des Weltmilchtags und der Europawahl organisiert. Die Demonstrationsteilnehmer kamen mit großen nationalen Kühen, den sogenannten Faironikas und Justines, um die Vielfalt und Einheit der Bewegung zu symbolisieren.
„Wir sehen seit Monaten Proteste der LandwirtInnen in ganz Europa. Es ist offensichtlich: Das Agrarsystem muss reformiert werden“, so der Vorsitzende des EMB, Kjartan Poulsen. Wie er betont, sei es jedoch in der aktuellen Diskussion über Lösungen für die Agrarkrise noch nicht deutlich genug, in welche Richtung die Veränderungen gehen müssten. „Eine faire Landwirtschaft, ein faires Einkommen müssen das Ziel für die Reformen sein. Es reicht nicht mehr aus, Schwierigkeiten zu umschiffen – wir müssen die Wurzel des Problems angehen und echte Veränderungen schaffen“, so der Däne.
Sein deutscher Kollege und Stellvertretende EMB-Vorsitzende Elmar Hannen verweist auf die Einkommenszahlen, die den großen Nachteil und die soziale Misere für die LandwirtInnen in Europa deutlich vor Augen führen. „Schaut man sich die Einkommen der Landwirte an, dann sieht man, dass wir jahrelang nicht einmal 50 Prozent des EU-Durchschnittseinkommens bekommen haben. 2016 lagen wir sogar unter 40 Prozent und 2021 haben wir das erste Mal überhaupt einen Wert über der 50-Prozent-Marke erreicht“, so Hannen. „Das ist nicht nur eine ernstzunehmende Schieflage, sondern eine Katastrophe für die LandwirtInnen und ihre Familien sowie für die Ernährungssicherheit Europas.“ Nicht nur im Hinblick auf die demnächst stattfindenden Europawahlen sei jetzt die Zeit gekommen, endlich soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Die ErzeugerInnen verlassen den Sektor in Scharen. Junge Menschen werden von der Perspektivlosigkeit abgeschreckt und sehen keine Möglichkeit, in die Produktion einzusteigen. „Wir vom EMB fordern daher, jetzt die Möglichkeit zur Fortführung der Produktion und zum Einstieg zu schaffen. Die Politik muss einen Rahmen für faire Einkommen in der Wertschöpfungskette schaffen, sodass endlich kostendeckende Preise für die Erzeuger realisiert werden können. Denn sonst verlieren wir gemeinsam mit den ProduzentInnen auch unsere Fähigkeit, in der EU ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren“, ergänzt Hannen. Auch als Voraussetzung für erfolgreiche Umwelt- und Klimamaßnahmen seien kostendeckende Preise essenziell.
Auch das französische EMB-Vorstandsmitglied Boris Gondouin weiß, dass die Erzeugung von Lebensmitteln und soziale Nachhaltigkeit/Fairness prinzipiell vereinbar sind. „Die Mitglieder des EMB haben sich in den vergangenen Jahren vielseitig für einen fairen Sektor eingesetzt – sei es durch ihre politische Arbeit, das Erarbeiten von realitätsnahen Konzepten und die Förderung von Kostenkalkulationen oder auch durch die Projekte der Fairen Milch, die sie in verschiedenen Ländern ins Leben gerufen haben. Wir wissen daher, dass Fairness möglich ist, und fordern den Einsatz dafür europaweit ein. Wir fordern es von der EU-Kommission, dem Parlament und Rat sowie auch von allen Verbänden, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, LandwirtInnen zu vertreten. Wer sich Vertreter der Landwirte nennt, muss auch deren vitale Interessen nach vorn bringen!“
Der Grundpfeiler der europäischen Ernährung wankt bereits gefährlich. Landwirte in ganz Europa haben heute für einen Tag ihre Felder und Melkstände verlassen, um mit den nationalen Faironikas und Justines in Brüssel für faire Einkommen zu demonstrieren. Werden die dafür notwendigen Reformen nicht endlich veranlasst, verlassen sie und viele ihrer KollegInnen die Felder und Melkstände nicht nur für einen Tag, sondern für immer.
Ein faires Einkommen für die Landwirte – JETZT!
Die folgenden Reformmaßnahmen müssen daher sofort in die Wege geleitet werden:
1. Eine EU-weite Verordnung, die Preise unterhalb der Erzeugerkosten verbietet
Warum?
Was in anderen Branchen selbstverständlich ist – dass die Kosten weitergegeben werden und sich im Preis widerspiegeln – ist in vielen landwirtschaftlichen Sektoren nicht der Fall. Die ‚unsichtbare Hand des Markts‘ drückt hier sehr deutlich und sichtbar die Preise unter die Kostenlinie. Eine EU-Verordnung, die diese Unterdeckung verbietet, würde EU-weit zu einer Stabilisierung der Einkommenssituation und damit auch der Produktionsstruktur führen.
2. Es müssen passende Kriseninstrumente in das EU-Agrarsystem eingebunden werden. Dazu gehört ein funktionierender Frühwarnmechanismus, der mit den richtigen Indikatoren arbeitet, die die tatsächlichen Produktionskosten einschließlich eines angemessenen Erzeugereinkommens widerspiegeln, und bei drohender Krise automatisch Maßnahmen aktiviert, wie den freiwilligen Lieferverzicht/das Marktverantwortungsprogramm.
Warum?
Im Milchmarkt jagte in den vergangenen Jahren eine Krise die nächste. Überschussproduktion ließ die Preise abstürzen und drängte jedes Mal sehr viele ErzeugerInnen aus der Produktion. Diese Krisen kann man verhindern bzw. mindern, wenn man sie mit dem richtigen Mechanismus rechtzeitig erkennt und beispielsweise mit einem Mengenreduktionsprogramm der Überschussproduktion entgegenwirkt. Das funktioniert, wie der Einsatz dieses Programms 2016/ 2017 in der EU zeigt.
3. Konkrete EU-Vertragsvorgaben zu u. A. Mengen und kostendeckenden Preisen vor Ablieferung der Milch. Diese müssen für alle Marktakteure und damit auch für Genossenschaften gelten.
Warum?
Nur wenn Verträge die richtigen Elemente enthalten müssen, können sie die Position der ErzeugerInnen am Markt verbessern. Die ungleiche Verteilung in der Wertschöpfungskette ist auf die ungleiche Marktstärke der Akteure zurückzuführen. Während Verarbeiter und Handel sicherstellen können, dass ihre Kosten gedeckt sind und sie außerdem hohe Profite mit Lebensmitteln erzielen, sind auf der Erzeugerstufe Defizite an der Tagesordnung.
4. Starke horizontale Erzeugerorganisationen, die Erzeuger für eine bessere Verhandlungsposition bündeln – ohne Ausnahme von Genossenschaften
Warum?
Starke Erzeugerorganisationen sind auch starke Verhandlungspartner, wenn es um das Aushandeln der Erzeugerpreise mit den Molkereien geht. Stark kann so eine Organisation aber nur sein, wenn sie viele ErzeugerInnen bündelt und mit mehreren Molkereien verhandelt, also horizontal ist. Sogenannte vertikale Erzeugergemeinschaften, die von einer Molkerei abhängen, können diese Stärke nie entwickeln.
5. Ein wirklicher Einbezug der ErzeugerInnen in die Konzepterstellung und Umsetzung des Green Deal, inklusive Bereitstellung der richtigen Tools
Warum?
Aktuell werden die ErzeugerInnen an der Umsetzung des Green Deal nicht beteiligt. Ihnen werden die Ziele lediglich diktiert und sie sollen mit ihrem ohnehin schon niedrigen Agrareinkommen die Lasten dieser Strategien tragen. Das muss sich ändern. ErzeugerInnen müssen ins Zentrum der Agrarstrategien gestellt werden und diese maßgeblich mitgestalten. Der Klimaschutz braucht die Bäuerinnen und Bauern. Der Green Deal muss genutzt werden, um das aktuelle System zu reformieren und zu einem sozial-nachhaltigen Modell umzubauen.
6. Spiegelklauseln, die gewährleisten, dass importierte Lebens- und Futtermittel den Vorgaben in der EU entsprechen. Deren Einhaltung muss zudem durch ausreichende Kontrollen und Sanktionen sichergestellt werden.
Warum?
Wenn Waren importiert werden, die nicht unter den gleichen Umweltauflagen wie EU-Erzeugnisse produziert wurden, schaden sie gleich mehrfach. Zum einen können sie durch geringere Produktionskosten aufgrund der geringeren Umweltqualität die Produkte der EU-ErzeugerInnen unterbieten und diese vom Markt drängen. Das geringe Kostenniveau motiviert zudem zum Auslagern der Produktion in Länder außerhalb der EU, was dort zu stärkerer Umweltbelastung führt – und das für Waren, die in der EU konsumiert werden.
7. Öffentliche Stärkung und Ausweitung des Projekts der Fairen Milch in der EU
Warum?
Die Faire Milch zeigt, wie es geht. Bei diesem Projekt werden kostendeckende Preise an die teilnehmenden ErzeugerInnen ausgezahlt, inklusive eines fairen Einkommens. Auch wenn es die Faire-Milch-Projekte bereits in Ländern wie Frankreich, Deutschland, Belgien, Luxemburg und der Schweiz gibt, erreichen sie noch nicht genügend VerbraucherInnen und ProduzentInnen. Der positive Einfluss, den die Faire Milch auf das Leben und Einkommen der Bäuerinnen und Bauern hat, sollte weitaus mehr ProduzentInnen zugutekommen. Dazu können die EU sowie jedes ihrer Mitgliedsländer mit einer öffentlichen Anerkennung der Fairen Milch beitragen.
Pressemitteilung des European Milk Board vom 27. Mai 2024
Deutschland: FDP blockiert Markt
Am 29. Mai 2024 demonstrierten MilcherzeugerInnen von AbL, BDM und MEG Milch Board mit einer Kuh auf dem Gänsemarkt in Hamburg. Sie forderten die FDP auf, eine Vertragspflicht für Milch nicht zu blockieren und die anderen Ampelparteien, sich diesem Druck nicht zu beugen.
Weiterlesen....Die Situation in Irland
Die irische Milchwirtschaft steht 2024 am Scheideweg. Das erste Halbjahr war von schlechtem Wetter, hohen Kosten und einem unsicheren politischen Umfeld geprägt, verschärft durch die diesjährigen Kommunal- und Europawahlen. Auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte ist vor allem das schlechte Wetter eine Belastung. Sogar in den Teilen Irlands, die normalerweise von heftigen Regenfällen verschont bleiben, fielen Rekordniederschläge und das Vieh musste bis in den April hinein im Stall bleiben – einen ganzen Monat länger als sonst.
Weiterlesen...Die dänische Regierung beendet hinterrücks die Nitrat-Ausnahmeregelung
Die dänischen Milchbäuerinnen und -bauern verlieren ab dem 31. Juli 2024 ihre Ausnahme von der EU-Nitratrichtlinie, die bisher bei 230 kg N/ha lag. Nach 22 Jahren traf die Nachricht die MilcherzeugerInnen aus heiterem Himmel. Am 10. April verkündete das Umweltministerium in einer Pressemitteilung, dass die Ausnahmeregelung für die Rinderhaltung am 31. Juli dieses Jahres endet.
Norwegen: Wer bekommt das Geld?
Obwohl die Werbung uns seit vielen Jahren glauben machen will, dass alle Lebensmitteleinzelhändler in Norwegen ständig ihre Preise senken, sieht die Realität anders aus: Die Lebensmittelpreise sind im Laufe der Jahre stetig und deutlich gestiegen.
Weiterlesen...Lettische Bauern am Limit: Guntis Gūtmanis spricht über künftige Herausforderungen und unlautere Handelspraktiken
Während sich die lettischen Bäuerinnen und Bauern auf harte Haushaltsverhandlungen im Herbst einstellen, warnt Guntis Gūtmanis vom Kooperationsrat der lettischen Agrarorganisationen (LOSP) vor möglicherweise heftigen Unruhen, sollte die staatliche Unterstützung ausbleiben. Gūtmanis betont, dass alle sehr wohl verstehen, wie angespannt die Haushaltslage ist und die Verbände daher keine Erhöhung fordern. Sollte die aktuelle Unterstützung der Landwirtinnen und -wirte jedoch gekürzt werden, gehen die „Bauern auf die Straße, dann stürmen sie das Finanzministerium“. Die Botschaft von LOSP: „Provoziert die Landwirte nicht!“
Weiterlesen...Europäische Landwirte und Arbeitnehmer aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft fordern die sofortige Aufnahme von kostendeckenden Preisen in die UTP-Richtlinie
In einem offenen Brief, der am 7. Oktober an die Präsidentin der Europäischen Kommission, den Präsidenten des Agrarministerrats und die Präsidentin des Europäischen Parlaments gesandt wurde, fordern europäische Landwirte und Arbeitnehmer aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, bis Ende des Jahres ein Schnellverfahren einzuleiten, um den Einkauf von Agrar- und Lebensmittelprodukten unterhalb der Produktionskosten auf die schwarze Liste der EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken zu setzen.
Weiterlesen...Fairebel feiert 15 Jahre Einsatz für fairen und lokalen Handel
Anlässlich ihres 15-jährigen Jubiläums feiert die Marke Fairebel als Vorreiterin der Fairen Milch in Belgien Ende Oktober 2024 anderthalb Jahrzehnte Einsatz für eine lokale und faire Landwirtschaft. Fairebel wurde 2009 von einer Gruppe von LandwirtInnen gegründet und ist mehr als nur eine Milchmarke: Sie ist ein Fanal der Widerstandsfähigkeit und Solidarität im belgischen Agrarsektor. Fairebel entwickelt sich weiter und vertritt über 500 ErzeugerInnen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, hochwertige Produkte anzubieten, für alle teilnehmenden ErzeugerInnen eine gerechte Vergütung zu erzielen und so Zukunftsperspektiven für die jungen LandwirtInnen in der Genossenschaft zu schaffen.
Weiterlesen...EMB begrüßt richtungsweisendes Projekt von Die faire Milch mit PENNY in Deutschland
Das European Milk Board asbl (EMB) begrüßt das neue Projekt von Die faire Milch mit PENNY, das am 29. Oktober offiziell in Deutschland vorgestellt wurde. Mit einem neuartigen Drei-Parteien-Vertrag besiegeln PENNY als Handelsvertreter, Die faire Milch als Lieferant und die Erzeugergenossenschaft Fair Food ihre Zusammenarbeit, um in der Wertschöpfungskette Transparenz und Fairness in die Kalkulation und Preisfindung zu bringen.
Weiterlesen...EMB-Mitgliederversammlung wählt Vorstandsmitglieder und spricht sich gegen EU-Mercosur-Handelsabkommen aus
An der Spitze des European Milk Board (EMB) wird weiterhin der dänische Milcherzeuger Kjartan Poulsen als Vorsitzender stehen. Bei der diesjährigen Wahl auf der EMB-Mitgliederversammlung, zu der ErzeugervertreterInnen aus ganz Europa nach Brüssel gereist waren, wurde außerdem das bisherige Vorstandsmitglied Boris Gondouin vom Milcherzeugerverband APLI aus Frankreich zum Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Guy Francq von der belgischen MIG, Guntis Gūtmanis von der LOSP aus Lettland sowie Roberto Cavaliere von der italienischen APL wurden als Vorstandsmitglieder bestätigt. Als neue Mitglieder im Vorstand begrüßt das EMB Denis Drennan vom ICMSA aus Irland sowie Jens Scherb vom deutschen Verband BDM. Der bisherige Stellvertretende Vorsitzende Elmar Hannen aus Deutschland, der in den vergangenen Jahren der EMB-Arbeit wichtigen Input gegeben hatte, wurde herzlich von der Versammlung verabschiedet.
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