Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,

zur Adventszeit möchten wir das Jahr Revue passieren lassen und mit Artikeln aus verschiedenen Ländern, die in unserem Newsletter erschienen sind, an wichtige Entwicklungen und Ereignisse erinnern, die die europäischen MilcherzeugerInnen 2024 beschäftigt haben. Das scheidende Jahr hat einmal mehr gezeigt, dass der Einsatz des European Milk Board und seiner Mitgliedsorganisationen für eine grundlegende Reform des Milchsektors und die Sicherung fairer und kostendeckender Erzeugerpreise nichts an Aktualität und Relevanz verloren hat.

Zu Beginn des Jahres protestierten europäische Bäuerinnen und Bauern massenhaft für faire Preise und gegen geplante Kürzungen von Agrarsubventionen, Bürokratie, neue Umweltauflagen durch den Europäischen Green Deal, die Freihandelsabkommen der EU mit Mercosur und der Ukraine und billige Agrarimporte. Mit ihren Aktionen machten die LandwirtInnen ihrem Ärger Luft und prangerten die Perspektivlosigkeit und fehlende Anerkennung für den Beruf des Landwirts an, was sich in Plakaten wie „No farmers, no food“, „Stirbt der Bauer, stirbt das Land" oder „Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert" äußerte. Europaweit gab es Straßenblockaden, Traktordemos und Proteste. EMB-Mitglieder sorgten mit einer symbolträchtigen Aktion auf der Agrarmesse SIA in Paris für Aufsehen, demonstrierten bei einer Wahlkampfveranstaltung der deutschen Partei FDP mit einer Kuh auf dem Hamburger Gänsemarkt und organisierten Postkartenaktionen, um nur einige Beispiele zu nennen, die Sie in diesem Jahresrückblick nachlesen können.

Das EMB hat auch 2024 die Interessen der MilcherzeugerInnen auf europäischer Ebene vehement vertreten und beschrieb zum Beispiel die schwierige Lage der LandwirtInnen und die Gefahren, die davon für die Ernährungssicherheit der europäischen BürgerInnen ausgehen, in einem offenen Brief an die europäischen Institutionen, den Sie ebenfalls in dieser Ausgabe finden. Im Vorfeld des Weltmilchtags und der Europawahl ließ das EMB die Faironikas aufmarschieren und organisierte in Brüssel eine Demonstration unter dem Motto „Ein faires Einkommen für die Landwirte – JETZT!“ und präsentierte den dort tagenden EU-Agrarministern die Forderungen der europäischen ProduzentInnen. In einem gemeinsamen offenen Brief riefen die europäischen Landwirte des EMB und anderer Organisationen sowie Arbeitnehmer aus dem Agrar- und Ernährungssektor im Oktober die EU-Institutionen auf, den Einkauf von Agrarprodukten unterhalb der Produktionskosten auf die schwarze Liste der EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken zu setzen.

Politisch war 2024 auch das Superwahljahr: 60 Länder weltweit haben neue Parlamente oder Staatschefs gewählt und fast die Hälfte der Weltbevölkerung war aufgerufen, zur Urne zu schreiten, darunter die USA. Im Juni waren Europawahlen und in sechs EU-Mitgliedstaaten wurde gewählt. Auch die EU-Kommission wurde neu besetzt: Künftig steht der Luxemburger Christophe Hansen der Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung vor. Geopolitisch traten Schweden und Finnland angesichts des andauernden Kriegs in der Ukraine nach Jahrzehnten der militärischen Neutralität der NATO bei. Unser schwedischer Mitgliedsverband Sveriges Mjölkbönder beschrieb in der März-Ausgabe die Veränderungen im Land und die Herausforderungen für die MilcherzeugerInnen.

Die EMB-Mitgliedsorganisationen berichteten 2024 im Newsletter über die Lage der ErzeugerInnen in ihren jeweiligen Ländern, über geänderte politische und gesetzliche Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel den Wegfall von Nitratausnahmeregelungen, und andere Herausforderungen. Trotz aller Unterschiede sind die Probleme länderübergreifend ähnlich: schwankende und zu geringe Milchpreise, fehlende Verhandlungsmacht der ErzeugerInnen gegenüber der Verarbeitungsstufe, mangelnde Preistransparenz in der Wertschöpfungskette, ein Rückgang der Milchviehbetriebe, (Über-)Alterung der Landwirtinnen und -wirte, keine Perspektiven für junge Menschen in der Landwirtschaft und Bürokratie. Die Berichte der Organisationen aus Norwegen, Portugal, Lettland, Irland und Dänemark in diesem Jahresrückblick veranschaulichen exemplarisch die Lage der europäischen MilcherzeugerInnen.

Der Artikel des irischen Verbands ICMSA steht stellvertretend für die Berichte aus den Ländern über immer häufigere Extremwetterereignisse und Klimakapriolen, die die LandwirtInnen ganz besonders zu spüren bekommen.

Inmitten dieser schwierigen Rahmenbedingungen trat die Faire-Milch-Familie auch 2024 wieder den Beweis an, dass eine gerechte Entlohnung der MilcherzeugerInnen möglich ist. Im Oktober feierte Fairebel 15-jähriges Jubiläum und anderthalb Jahrzehnte Einsatz für eine lokale und faire Landwirtschaft in Belgien. In der Schweiz hat sich Di fair Milch Säuliamt in den letzten sieben Jahren als Erfolgsgeschichte etabliert, steht aber auch vor Hindernissen. In Luxemburg setzt sich Fairkoperativ mit der Marke D’fair Mëllech für eine für alle faire und gerechte Landwirtschaft und die Schaffung einer Gemeinschaft ein, die Mensch, Tier und Natur respektiert. Das EMB begrüßt auch das neue Projekt von Die faire Milch mit PENNY, das Ende Oktober in Deutschland vorgestellt wurde. Ein neuartiger Drei-Parteien-Vertrag zwischen PENNY, Die faire Milch und der Erzeugergenossenschaft Fair Food soll Transparenz in die Wertschöpfungskette und Fairness in die Preisfindung bringen. FaireFrance ist das leuchtende Fairness-Beispiel aus Frankreich und hat auf der diesjährigen Agrarmesse SIA in Paris nicht nur durch einen tollen Stand auf das faire Projekt aufmerksam gemacht, sondern auch durch seine Unterstützung der oben erwähnten friedlichen gemeinsamen Aktion mit vielen EMB-Mitgliedern. Last but not least möchten wir noch einmal die 29 Jahre junge Stéphanie Mottiez vorstellen, die als Mitglied von Faireswiss ihren eigenen Milchviehbetrieb führt.

Bei der EMB-Mitgliederversammlung im November, zu der Erzeugervertreter aus ganz Europa nach Brüssel gereist waren, wurde der Vorstand neugewählt. An der Spitze des European Milk Board wird weiterhin der dänische Milcherzeuger Kjartan Poulsen als Vorsitzender stehen. Das bisherige Vorstandsmitglied Boris Gondouin aus Frankreich wurde zum Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Guy Francq von der belgischen MIG, Guntis Gūtmanis von der LOSP aus Lettland, Roberto Cavaliere von der italienischen APL sowie Denis Drennan vom ICMSA aus Irland und Jens Scherb vom deutschen Verband BDM vervollständigen den neuen Vorstand.

Ein Sprichwort, das aus China kommen soll und dessen Herkunft nicht näher belegt ist, lautet „Mögest du in interessanten Zeiten leben“. Angesichts der fortdauernden Konflikte in unserer direkten Nachbarschaft, der geopolitischen Lage, politischen Unwägbarkeiten und wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen verspricht 2025, ein weiteres „interessantes“ Jahr zu werden. Unser Einsatz für Reformen im Milchsektor und die Sicherung fairer und transparenter Bedingungen sowie einer gerechten Entlohnung für die ErzeugerInnen geht im neuen Jahr weiter. Wir werden hier das neue EU-Parlament und die neue Kommission stark in die Verantwortung nehmen, angekündigte erzeugerfreundliche Strategien, die auch die junge Generation wieder für den Sektor gewinnen sollen, tatsächlich umzusetzen.

Bis dahin wünschen wir allen eine friedvolle und sorgenfreie Weihnachtszeit und einen guten Start in das neue Jahr.

Ihr EMB-Team

 

Offener Brief des European Milk Board an die Europäische Kommission

© Europäische Union: Christophe Licoppe

Sehr geehrte Präsidentin der Europäischen Kommission,
sehr geehrter Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung,
wir richten uns in diesem offenen Brief an Sie, da sich die Situation zum einen für die europäischen Landwirte und für die Produktion von Nahrungsmitteln und zum anderen für die EU als Ganzes dramatisch verschärft hat. Es vergeht kein Tag, an dem nicht zahlreiche und sehr starke Proteste und Aktionen von Bäuerinnen und Bauern in ganz Europa stattfinden. Die Zustimmung aus der Bevölkerung für die wichtigen Anliegen von uns LandwirtInnen wächst, während gleichzeitig die Unterstützung für politische und staatliche Institutionen sinkt.

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Die Lage in Schweden

© Pixabay: Paul Moore

In Schweden ergeben sich derzeit große Veränderungen, insbesondere im Milchsektor, der vor großen Herausforderungen steht. Neben der allgemeinen geopolitischen Lage mit dem bevorstehenden NATO-Beitritt Schwedens und den Abkommen mit den USA über den Zugang zu unseren Militärbasen erleben die Landwirtschaft allgemein und der Milchsektor tiefgreifende Umwälzungen.

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Großartige Aktion der europäischen Bäuerinnen und Bauern in Paris!

© EMB, Silvia Däberitz

Bei ihrer gemeinsamen friedlichen Aktion auf der internationalen Landwirtschaftsmesse (SIA) in Paris haben Landwirte verschiedener Sektoren aus allen Teilen Europas die Politik aufgefordert, eine wirkliche Lösung für die Krise in der Landwirtschaft umzusetzen. Ihre gemeinsame Forderung: Eine faire Landwirtschaft – JETZT! Dafür ist es essenziell, jetzt die Reformen für einen kostendeckenden, fairen Preis am Markt umzusetzen, um endlich eine faire Landwirtschaft zu schaffen.

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Portugal: Milch 2024 endlich wertschätzen!

© APROLEP

Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit haben die MilcherzeugerInnen von APROLEP bei der jüngsten Mitgliederversammlung ihre Sorgen geäußert und dabei die anhaltend hohen Produktionskosten, insbesondere für Futtermittel, hervorgehoben.

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Di fair Milch Säuliamt: Regionalität mit Hindernissen

© Di fair Milch Säuliamt

In der Schweiz, wo Qualität und Herkunft eine zentrale Rolle in der Lebensmittelbranche spielen, steht Di fair Milch Säuliamt vor einer schwierigen Entscheidung. Soll sie eine regionale Zertifizierung anstreben und diesen Weg für eine nachhaltige Zukunft gehen? In den letzten sieben Jahren hat sich das Projekt Di fair Milch Säuliamt als Erfolgsgeschichte etabliert. Mit stabilen bis leicht steigenden Verkaufszahlen zeugt unser Unterfangen von einer treuen Kundschaft, die nicht nur Wert auf faire Preise für die Bauern legt, sondern auch die regionale Herkunft der Produkte schätzt.

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Mit Leib und Seele Bäuerin: Stéphanie Mottiez

© Faireswiss

„Als ich klein war, hätte ich mir nicht vorstellen können, Landwirtin zu werden.“ Mit ihren gerade 29 Jahren leitet Stéphanie Mottiez, Mitglied der Faire-Milch-Genossenschaft Faireswiss aus dem Kanton Wallis, ihren eigenen Milchviehbetrieb. „Als Kind wäre es mir nicht in den Sinn gekommen, Landwirtin zu werden. Es erschien mir zu schwer, körperlich zu anspruchsvoll“, erzählt die Produzentin, die Industriemilch für Cremo erzeugt.

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D’fair Mëllech: Pioniere der Fairen Milch in Luxemburg

© Fair Mëllech

Im Herzen Luxemburgs wirkt Fairkoperativ mit der Marke D’fair Mëllech wie ein Leuchtturm der Nachhaltigkeit und des Fairen Handels im Milchsektor. Bei der innovativen Genossenschaft geht es um mehr als die reine Milcherzeugung, sondern darum, eine Gemeinschaft zu schaffen, die den Respekt für Mensch, Tier und Natur hochhält. Durch die Zusammenarbeit mit anderen ErzeugerInnen aus ganz Europa, zum Beispiel zuletzt bei einer Aktion auf der internationalen Agrarmesse SIA in Paris, setzen sich die Genossenschaft Fairkoperativ und ihre Partner für eine Zukunft ein, in der die Landwirtschaft für alle fair und gerecht ist.

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Landwirte fordern gerechtes Einkommen, um Ernährungssicherheit gewährleisten zu können

© EMB

Heute versammelten sich Delegationen von Landwirten aus ganz Europa zu einer beeindruckenden Demonstration im Herzen Brüssels, um für Fairness im Agrarsektor einzutreten. Unter dem Motto „Ein faires Einkommen für die Landwirte - JETZT!“ trugen die Teilnehmenden ihre Forderungen an die heute tagenden EU-Agrarminister, an die EU-Kommission und das Parlament sowie an landwirtschaftliche Verbände heran. Als Verband europäischer Milchbauern aus mehr als 15 Ländern hatte das European Milk Board (EMB) die wichtige Demonstration im Vorfeld des Weltmilchtags und der Europawahl organisiert. Die Demonstrationsteilnehmer kamen mit großen nationalen Kühen, den sogenannten Faironikas und Justines, um die Vielfalt und Einheit der Bewegung zu symbolisieren.

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Deutschland: FDP blockiert Markt

© Bente Stachowske

Am 29. Mai 2024 demonstrierten MilcherzeugerInnen von AbL, BDM und MEG Milch Board mit einer Kuh auf dem Gänsemarkt in Hamburg. Sie forderten die FDP auf, eine Vertragspflicht für Milch nicht zu blockieren und die anderen Ampelparteien, sich diesem Druck nicht zu beugen.

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Die Situation in Irland

© ICMSA

Die irische Milchwirtschaft steht 2024 am Scheideweg. Das erste Halbjahr war von schlechtem Wetter, hohen Kosten und einem unsicheren politischen Umfeld geprägt, verschärft durch die diesjährigen Kommunal- und Europawahlen. Auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte ist vor allem das schlechte Wetter eine Belastung. Sogar in den Teilen Irlands, die normalerweise von heftigen Regenfällen verschont bleiben, fielen Rekordniederschläge und das Vieh musste bis in den April hinein im Stall bleiben – einen ganzen Monat länger als sonst.

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Die dänische Regierung beendet hinterrücks die Nitrat-Ausnahmeregelung

© LDM

Die dänischen Milchbäuerinnen und -bauern verlieren ab dem 31. Juli 2024 ihre Ausnahme von der EU-Nitratrichtlinie, die bisher bei 230 kg N/ha lag. Nach 22 Jahren traf die Nachricht die MilcherzeugerInnen aus heiterem Himmel. Am 10. April verkündete das Umweltministerium in einer Pressemitteilung, dass die Ausnahmeregelung für die Rinderhaltung am 31. Juli dieses Jahres endet.

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Norwegen: Wer bekommt das Geld?

© Bondesolidaritet

Obwohl die Werbung uns seit vielen Jahren glauben machen will, dass alle Lebensmitteleinzelhändler in Norwegen ständig ihre Preise senken, sieht die Realität anders aus: Die Lebensmittelpreise sind im Laufe der Jahre stetig und deutlich gestiegen.

In den letzten vier Jahren sind die Lebensmittelpreise enorm gestiegen – und das obwohl sich der an die ProduzentInnen ausgezahlte Preis nur minimal erhöht hat. Zwischen 1985 und 2024 haben sich sowohl die Auszahlungspreise an die ProduzentInnen als auch der Einzelhandelspreis, den jeder Verbraucher für einen Liter Vollmilch im Laden zahlt, verändert, siehe Grafik unten.

Im Jahr 1985 landeten 46,8% des Einzelhandelspreises beim Erzeuger. 2024 liegt dieser Anteil nur noch bei 21,9%. 1985 bekam der Erzeuger 2,71 norwegische Kronen (NOK). Der Auszahlungspreis ist 39 Jahre später auf 5,62 NOK gestiegen. Auch wenn sich der Betrag in den fast 40 Jahren nahezu verdoppelt hat, ist der Einzelhandelspreis im gleichen Zeitraum von 5,79 NOK auf 25,70 NOK gestiegen – eine Steigerung von 343%.

Die Verteilung des Milchgelds hat sich in den letzten 40 Jahren massiv verschoben. Zwei Akteure stehen zwischen den ProduzentInnen und dem Kunden im Einzelhandel: Auf der einen Seite holen die Molkereien – hauptsächlich die TINE-Gruppe, die Genossenschaft der norwegischen ErzeugerInnen – die Milch ab, verarbeiten sie und transportieren die Produkte zum Einzelhandel. Natürlich müssen sie für diese Arbeit entlohnt werden. Die Löhne der Beschäftigten in diesem Sektor folgen im Großen und Ganzen den Lohnentwicklungen der restlichen Wirtschaft.

Auf der anderen Seite verkaufen die Lebensmitteleinzelhändler die Produkte in ihren Läden und haben im Grunde zwei Aufgaben: Milch und weitere Produkte von ihren Warenlagern in ihre Läden zu bringen und die Zahlung der Kunden an der Kasse entgegenzunehmen. Ein Großteil der Produktkosten im Milchsektor fällt an, nachdem die Milch den Hof verlassen hat. Von dem Zeitpunkt, ab dem die Milch den Hof verlässt, bis wir sie als KonsumentInnen in unseren Einkaufswagen legen, steigt so der Milchpreis um fast 20 Kronen.

Mangelnde Transparenz

Es scheint unmöglich herauszufinden, wie sich die Erlöse zwischen den Molkereien und dem Einzelhandel verteilen. Die Handelsketten sind nicht gezwungen, Angaben zum Preis, den sie für einen Liter Milch zahlen, zu machen, um den Wettbewerb zwischen den Ketten aufrechtzuerhalten. Die norwegische Wettbewerbsbehörde, zu der inzwischen auch die norwegische Preisaufsichtsbehörde gehört, billigt diesen Mangel an Transparenz.

In der offenen Gesellschaft, in der wir leben möchten, ist es höchste Zeit, dass wir alle Einblick in solche Zusammenhänge haben. Wenn man sieht, dass die Eigentümer von Lebensmittelketten im Geld ‚schwimmen‘, aber gleichzeitig behaupten, dass sie nur geringe Margen auf Lebensmittel haben, die unter anderem in Norwegen produziert werden, ist die Forderung, Einsicht in die vollständigen Jahresabschlüsse zu erhalten, mehr als berechtigt. Womöglich sind die ProduzentInnen und KonsumentInnen die Verlierer in diesem Spiel, das von den wenigen Akteuren, die nahezu den gesamten Lebensmittelhandel in diesem Land kontrollieren, sorgfältig orchestriert wird.

TINE: ein Schlüsselakteur auf dem norwegischen Milchmarkt

TINE ist eine große Genossenschaft in der Hand der norwegischen Landwirte. Daher ist es nur logisch, dass die Eigentümer wissen möchten, zu welchem Preis das Unternehmen ihre Erzeugnisse verkauft. Des Weiteren muss ans Licht gebracht werden, wieviel die Ketten einzelnen Lieferanten für Regalfläche berechnen. Wieviel muss TINE den Ketten zahlen, damit sie die Produkte der Molkerei anbieten?

Neben TINE stehen weitere Akteure zwischen den ProduzentInnen und den Handelsketten, wie die Privatmolkereien Q-Meieriene und Rørosmeieriet für Verbrauchermilch. Rørosmeieriet kauft ihre Rohstoffe bei TINE ein.

Die Q-Molkereien haben zwei Standorte in Gausdal und Jæren. Sie haben Vereinbarungen mit ausgewählten Höfen, bei denen sie ihre Milch beziehen. 75 Betriebe liefern ihre Milch nach Gausdal und 220 nach Jæren. Zusammen haben diese Höfe 14 000 Kühe, was eine Durchschnittsgröße von 50 Kühen pro Betrieb entspricht. Für norwegische Verhältnisse ist dieser Schnitt hoch. Man darf also annehmen, dass diese Molkereien vom kosteneffizienten Milchtransport von großen und relativ nah gelegenen Höfen profitieren.

Als Marktregulierer ist TINE verpflichtet die Milch aller ProduzentInnen, die die Molkerei beliefern möchten, abzuholen – ungeachtet der Größe oder geografischen Lage des Hofs. TINE ist ebenfalls verpflichtet ihre Produkte an alle Läden, die sie verkaufen möchten, zu liefern – ungeachtet der Größe oder geografischen Lage. Dies bedeutet Mehrkosten für TINE, die andere nicht haben. Dies ist ein entscheidender Punkt in der aktuellen Debatte um Marktregulierung. Das System stellt sicher, dass wir flächendeckend Lebensmittel produzieren können und vom Norden bis zum Süden des Landes Zugang zu diesen Erzeugnissen haben. Erwähnenswert ist, dass den ProduzentInnen ein Einkommen gewährleistet werden muss, das ihnen einen mit den meisten Bevölkerungsgruppen vergleichbaren Lebensstandard bietet!

Es ist an der Zeit, mit der ‚Wahrheit‘ aufzuräumen, die uns die Lebensmittelriesen verkaufen wollen, wonach niedrigere Preise in ihren Läden niedrigere Preise für die Kunden bedeuten. Die Lebensmittelketten verlangen, was der Markt zu zahlen bereit und fähig ist. Die Bescheidenheit der ProduzentInnen bei den Richtpreisverhandlungen hat bisher nur dazu geführt, dass die Familien Reitan und Johansson sowie die Geschäftsführer der Genossenschaften weiter gemeinsame Sache machen können.

 

Even Erlien, Leif Langen, Trond Langen und Arnfinn Nergård, Vorstandsmitglieder von Bondesolidaritet, Juli 2024

Lettische Bauern am Limit: Guntis Gūtmanis spricht über künftige Herausforderungen und unlautere Handelspraktiken

© Pixabay: Jorono

Während sich die lettischen Bäuerinnen und Bauern auf harte Haushaltsverhandlungen im Herbst einstellen, warnt Guntis Gūtmanis vom Kooperationsrat der lettischen Agrarorganisationen (LOSP) vor möglicherweise heftigen Unruhen, sollte die staatliche Unterstützung ausbleiben. Gūtmanis betont, dass alle sehr wohl verstehen, wie angespannt die Haushaltslage ist und die Verbände daher keine Erhöhung fordern. Sollte die aktuelle Unterstützung der Landwirtinnen und -wirte jedoch gekürzt werden, gehen die „Bauern auf die Straße, dann stürmen sie das Finanzministerium“. Die Botschaft von LOSP: „Provoziert die Landwirte nicht!“

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Europäische Landwirte und Arbeitnehmer aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft fordern die sofortige Aufnahme von kostendeckenden Preisen in die UTP-Richtlinie

© ECVC, EFFAT und EMB

In einem offenen Brief, der am 7. Oktober an die Präsidentin der Europäischen Kommission, den Präsidenten des Agrarministerrats und die Präsidentin des Europäischen Parlaments gesandt wurde, fordern europäische Landwirte und Arbeitnehmer aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, bis Ende des Jahres ein Schnellverfahren einzuleiten, um den Einkauf von Agrar- und Lebensmittelprodukten unterhalb der Produktionskosten auf die schwarze Liste der EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken zu setzen.

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Fairebel feiert 15 Jahre Einsatz für fairen und lokalen Handel

© Fairebel

Anlässlich ihres 15-jährigen Jubiläums feiert die Marke Fairebel als Vorreiterin der Fairen Milch in Belgien Ende Oktober 2024 anderthalb Jahrzehnte Einsatz für eine lokale und faire Landwirtschaft. Fairebel wurde 2009 von einer Gruppe von LandwirtInnen gegründet und ist mehr als nur eine Milchmarke: Sie ist ein Fanal der Widerstandsfähigkeit und Solidarität im belgischen Agrarsektor. Fairebel entwickelt sich weiter und vertritt über 500 ErzeugerInnen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, hochwertige Produkte anzubieten, für alle teilnehmenden ErzeugerInnen eine gerechte Vergütung zu erzielen und so Zukunftsperspektiven für die jungen LandwirtInnen in der Genossenschaft zu schaffen.

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EMB begrüßt richtungsweisendes Projekt von Die faire Milch mit PENNY in Deutschland

© Die faire Milch und PENNY

Das European Milk Board asbl (EMB) begrüßt das neue Projekt von Die faire Milch mit PENNY, das am 29. Oktober offiziell in Deutschland vorgestellt wurde. Mit einem neuartigen Drei-Parteien-Vertrag besiegeln PENNY als Handelsvertreter, Die faire Milch als Lieferant und die Erzeugergenossenschaft Fair Food ihre Zusammenarbeit, um in der Wertschöpfungskette Transparenz und Fairness in die Kalkulation und Preisfindung zu bringen.

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EMB-Mitgliederversammlung wählt Vorstandsmitglieder und spricht sich gegen EU-Mercosur-Handelsabkommen aus

© EMB

An der Spitze des European Milk Board (EMB) wird weiterhin der dänische Milcherzeuger Kjartan Poulsen als Vorsitzender stehen. Bei der diesjährigen Wahl auf der EMB-Mitgliederversammlung, zu der ErzeugervertreterInnen aus ganz Europa nach Brüssel gereist waren, wurde außerdem das bisherige Vorstandsmitglied Boris Gondouin vom Milcherzeugerverband APLI aus Frankreich zum Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Guy Francq von der belgischen MIG, Guntis Gūtmanis von der LOSP aus Lettland sowie Roberto Cavaliere von der italienischen APL wurden als Vorstandsmitglieder bestätigt. Als neue Mitglieder im Vorstand begrüßt das EMB Denis Drennan vom ICMSA aus Irland sowie Jens Scherb vom deutschen Verband BDM. Der bisherige Stellvertretende Vorsitzende Elmar Hannen aus Deutschland, der in den vergangenen Jahren der EMB-Arbeit wichtigen Input gegeben hatte, wurde herzlich von der Versammlung verabschiedet.

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Impressum

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