Newsletter als PDF
Kontakt
EMB - European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel.: +32 - 2808 - 1935
Fax: +32 - 2808 - 8265
Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,
noch nie zuvor waren die Herausforderungen, vor denen die MilcherzeugerInnen stehen, so groß wie heute: Milchpreis-schwankungen, steigende und schwankende Kosten für alle Betriebsmittel, die sich ständig ändernden Nitrat- und anderen Umweltvorschriften, der Klimawandel und das Wetter, um nur einige der Hauptthemen zu nennen.
Das europäische Modell der bäuerlichen Landwirtschaft mit Familienbetrieben ist erhaltens- und schützenswert. Leider scheinen unsere politischen EntscheiderInnen entschlossen, das Fundament einzureißen, auf dem dieses Modell fußt. Und die Entwicklungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) verdeutlichen nur, dass es der Politik an jedem Verständnis für die Probleme fehlt, vor denen die Landwirtinnen und -wirte stehen. Bei uns in Irland ist der Milchpreis von 56 Cent im Januar auf aktuell 37 Cent gestürzt. Gleichzeitig sollen die Landwirtinnen und -wirte unzählige Normen und Vorschriften erfüllen, die sich jedes Jahr zu ändern scheinen und dabei jedes Mal komplexer werden.
Unsere PolitikerInnen müssen sich entscheiden: Möchten sie nur ökologische Nachhaltigkeit und so landwirtschaftliche Familienbetriebe auslöschen, oder sollen die drei Säulen der Nachhaltigkeit – wirtschaftlich, sozial und ökologisch – in den Blick genommen werden? Der irische Milcherzeugerverband ICMSA ist der festen Überzeugung, dass die EU die drei Säulen der Nachhaltigkeit gleichzeitig bearbeiten muss, denn ansonsten wird unser Modell der bäuerlichen Landwirtschaft nicht überleben. Das erfordert, dass die Agrarpolitik wieder mehr Aufmerksamkeit genießt, wobei das Kernziel lauten muss, einen Marktpreis zu erzielen, der es den Landwirtinnen und -wirten ermöglicht, mit ihren Betrieben ein angemessenes Einkommen zu erwirtschaften und gleichzeitig die erforderlichen Normen zu erfüllen. Dazu muss die Gesellschaft aber womöglich akzeptieren, dass die VerbraucherInnen für nachhaltig erzeugte Nahrungsmittel mehr bezahlen müssen.
Nahrungsmittelpreise müssen die Kosten ihrer nachhaltigen Erzeugung widerspiegeln, was auch bedeutet, dass man den Schwankungen bei den Milchpreisen entgegenwirken muss. Hier muss die EU-Kommission bei der Marktbeobachtung deutlich proaktiver werden und es ernstnehmen, wenn Milchpreise unter den Kosten der nachhaltigen Erzeugung liegen. Gleichzeitig muss sie erkennen, dass das Modell der bäuerlichen Landwirtschaft in der EU ein hohes Gut ist, das es zu schützen und zu fördern gilt. Gerät der Markt aus dem Gleichgewicht, ist eine Korrektur notwendig, weil niedrige Preise den Lebensunterhalt von MilcherzeugerInnen aushöhlen. Die EU-Maßnahme des freiwilligen Lieferverzichts führte 2016 in nur wenigen Monaten kosteneffektiv zu höheren Preisen. Der ICMSA ist der Meinung, dass der freiwillige Lieferverzicht wieder Teil des Instrumentariums sein muss, wenn die Milchpreise unter Druck geraten, denn er unterstützt eine kritische Preiskorrektur innerhalb kürzester Zeit.
Derzeit liegt der Milchpreis in Irland zwischen 37 und 40 Cent pro Liter, was ein deutlicher Preisverfall seit Jahresbeginn ist. Leider sind die Betriebskosten nicht im gleichen Maße gesunken. Infolgedessen erzeugen einige Landwirtinnen und -wirte Milch zu Preisen, die unterhalb oder auf Höhe der Produktionskosten liegen, während im Gegensatz zu Teilen Kontinentaleuropas extrem nasses Wetter die Landwirtinnen und -wirte aktuell zusätzlich unter Druck setzt. Die MilcherzeugerInnen durchleben eine sehr schwierige Zeit und die EU muss ihre Strategie dringend überdenken, bevor wir uns unwiederbringlich von der Milcherzeugung, wie wir sie kennen, verabschieden dürfen. Die Nachhaltigkeit des europäischen Milchsektors war noch nie so gefährdet wie heute.
In diesem Newsletter finden Sie viele interessante Beiträge unserer Mitglieder. Justine, das Maskottchen der französischen Fairen Milch FaireFrance, tourte während der Tour de France ebenfalls durch das Land. In Deutschland fordert die INIfair-Initiative für faire Preise ein Verbot für Supermärkte und Molkereien, Lebensmittel zu Preisen unterhalb der Produktionskosten einzukaufen. Der BDM analysiert die nationale Milchpolitik für Deutschland und Uniterre liefert diese Analyse für die Schweiz. Die MEG Milch Board gibt einen Überblick über seine Aktivitäten, inklusive einer neuen Broschüre. Sveriges Mjölkbönder fordert die schwedischen Behörden auf, die dringenden Probleme des Milchsektors anzugehen, während in Dänemark die Kontroverse um dänische Viehexporte nach Russland anhält.
Pat McCormack, Vorsitzender der Irish Creamery Milk Suppliers' Association (ICMSA) und EMB-Vorstandsmitglied
FaireFrance: Die Faironika geht auf Tour (de France)!
Seit 2013 bietet die Marke FaireFrance Milchprodukte zu einem fairen Preis, der es den ErzeugerInnen ermöglicht, von ihrer Arbeit zu leben. Dahinter verbirgt sich ein ganzheitlicher Ansatz, der dazu beiträgt, flächendeckend landwirtschaftliche Familienbetriebe, Kulturlandschaften und lokales Knowhow zu erhalten. Die Marke feiert 2023 ihr zehnjähriges Bestehen und freut sich zu diesem Anlass über die Unterstützung der französischen VerbraucherInnen, die sich in stark gestiegenen Absatzzahlen zeigt.
Weiterlesen...Breite Initiative für faire Preise fordert Kaufverbot von Lebensmitteln unter Produktionskosten durch Supermärkte und Molkereien
Viele Bauernhöfe verkaufen Lebensmittel zu Preisen an Supermärkte, die unterhalb ihrer Produktionskosten liegen. Die Initiative "INIfair" (Initaitive Faire Preise in der Lieferkette) fordert eine Überarbeitung des Agrarorganisationen- und Lieferketten-Gesetzes durch Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir, um eine faire Bezahlung durch Supermärkte und die Lebensmittelindustrie zu gewährleisten.
INIfair: Jetzt faire Preise in Agrarlieferketten gesetzlich sichern!
- Noch immer sind viele Bauernhöfe gezwungen, Lebensmittel unter den Produktionskosten an Supermarktkonzerne zu verkaufen.
- Das Agrarorganisationen- und- Lieferketten-Gesetz, das die Marktmacht der Supermarktkonzerne einschränken sollte, ist deutlich zu schwach.
- Die Initiative fordert von Landwirtschaftsminister Özdemir, das Gesetz nachzubessern, um den Lebensmitteleinzelhandel und die Nahrungsmittelindustrie zu veranlassen, Lebensmittel endlich anständig zu bezahlen.
Die Agrarwende ist drängender denn je! Denn die Ausbeutung von Menschen, Tieren und Umwelt aufgrund ungerechter Strukturen in der globalen Landwirtschaft ist allgegenwärtig. Auch wenn derzeit Lebensmittelpreise für die EndverbraucherInnen steigen, erhalten viele ErzeugerInnen unserer Nahrungsmittel in Deutschland und andernorts einen Preis, der zum Leben nicht reicht und einen umweltschonenden Anbau unmöglich macht. Es fehlen Mechanismen für langfristig stabile und kostendeckende ErzeugerInnenpreise. Die Klimakrise und der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt zählen zu den größten Risiken für die Menschheit. Wenn wir es zulassen, dass die globalen Treibhausgase aus der Lebensmittelproduktion weiter steigen, dann verfehlen wir das Pariser Klimaschutzziel. Doch gerade der Klimawandel bedroht unsere natürlichen Lebensgrundlagen, die Ernährungssouveränität und unsere Gesundheit. Der Landwirtschaft kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Einerseits ist sie stark von den Auswirkungen des Klimawandels (bspw. zunehmende Dürreperioden) betroffen. Andererseits kann die Landwirtschaft durch hohe Emissionen selbst sowohl Treiber des Klimawandels sein, als auch durch natürlichen Klimaschutz und ökologische Leistungen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen.
Klima-, Tier- und Gewässerschutz in der Landwirtschaft verursachen Kosten für die Betriebe und sind unter dem anhaltenden Kostensenkungsdruck für Bäuerinnen und Bauern kaum leistbar. Bisher landen allerdings die Profite aus dem Lebensmittelverkauf größtenteils auf den Konten von Supermärkten, dem Online- und Zwischenhandel und der Ernährungsindustrie. Trotz teils inflationär steigender Verkaufspreise üben diese Akteure enormen Preisdruck entlang der gesamten Lebensmittelkette aus – einschließlich der globalen Lieferketten.
Die Forderungen der Initiative an den Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und die Mitglieder des Bundestages:
- Schnellstmögliche Einrichtung einer unabhängigen und weisungsungebundenen Ombuds- und Preisbeobachtungsstelle
Die Ombudsstelle würde erstmalig Erzeugerpreise und Produktionskosten ermitteln sowie die Margen in der Lebensmittelkette und faire Preise berechnen. Sie soll Meldungen zu unfairen Preisen und allen weiteren unfairen Handelspraktiken – auch von Betroffenen aus dem Globalen Süden – entgegennehmen und untersuchen.
- Anerkennung und Verbot der Zahlung unfairer Preise als unfaire Handelspraxis im Sinne des Agrarorganisationen- und- Lieferketten-Gesetzes (AgrarOLkG)
Das Gesetz sollte alle Beteiligten in der Lebensmittelkette – einschließlich kleinbäuerlicher ErzeugerIinnen und ArbeiterIinnen im Globalen Süden – vor jeglichen unfairen Handelspraktiken schützen und für alle Vertriebsschienen gelten. Die Evaluierung des Gesetzes in diesem Jahr bietet dafür die Gelegenheit.
- Gesetzliche Verankerung eines Verbots des Einkaufs unterhalb der Produktionskosten entlang der gesamten Lebensmittelkette
Ein solches Verbot – wie in Spanien seit 2020 als Gesetz verabschiedet und seit Dezember 2021 effektiv verankert – würde einen Paradigmenwechsel einleiten, indem eine ethische Preisgestaltung und eine faire Verteilung der Wertschöpfung von LandwirtInnen bzw. ProduzentInnen bis hin zum Supermarkt gefördert werden. Existenzsichernde Erzeugerpreise und Löhne sollten nicht verhandelbar sein.
- Gesetzliche Festlegung, dass schriftliche Verträge einer jeden Lieferbeziehung zugrunde liegen müssen
In jedem Vertrag – ohne Ausnahme für Genossenschaften – müssen zumindest Preis, Menge und Zeitraum der zu liefernden Waren verbindlich und konkret festgehalten werden. LandwirtInnen sollten so wie alle anderen Wirtschaftsakteure ihre Leistungen abrechnen und in Rechnung stellen können.
- Sicherstellung, dass die mit effektivem Umwelt-, Klima- und Tierschutz und der Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten verbundenen Kosten entlang der gesamten Lebensmittelkette weitergegeben werden können
Hierfür ist es erforderlich, das Verbot des Einkaufs unter Produktionskosten mit Qualitätskriterien, wie zum Beispiel der Haltungskennzeichnung, zu verknüpfen, sodass entsprechende kostendeckende Erzeugerpreisaufschläge umgesetzt werden können. Ebenso sollte eine transparente und verlässliche Herkunfts- und Regionalkennzeichnung ergänzt werden.
- Sicherstellung, dass die Regelsätze der Grundsicherung und der Mindestlohn im Falle höherer Lebensmittelpreise angehoben werden
Darüber hinaus sollte die Gemeinschaftsverpflegung mit (Bio-)Lebensmitteln aus der Weidehaltung und der Region gefördert werden.
Das vollständige Forderungspapier von INIfair finden Sie hier.
Charlotte Gengenbach, Kampagnenarbeit, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
Schweiz: Der Milchsektor ist schon wieder in Bedrängnis!
Nach dem Anstieg der Milchpreise 2022 geht der Trend seit Jahresbeginn schon wieder in die andere Richtung. Und die Neuorganisation des Schweizer Riesen Migros bedroht die Bedingungen der bäuerlichen Landwirtschaft.
Weiterlesen...Andauernde Kontroverse über dänische Rinderexporte nach Russland
Vor einigen Monaten löste die dänische Tageszeitung Avisen Danmark mit einem Bericht eine Kontroverse aus, der nahelegte, dass womöglich trotz der vordergründigen Aussetzung der Rinderexporte nach Russland dänische Kühe auf russischen Boden gelangen könnten, wenn auch auf dem Umweg über Ungarn. Der Verdacht wurde bis heute nicht ausgeräumt.
Weiterlesen...Deutschland: Landwirtschaft im Wandel
Budgetkürzungen, neue Tierhaltungsstandards und sinkende Milchlieferungen: Noch vor kurzem hatte Agrarminister Özdemir verkündet, er habe die erwarteten Einsparungen bei den GAK-Mitteln (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) bei Finanzminister Christian Lindner auf 150 Millionen Euro heruntergehandelt. Im vom Kabinett beschlossenen Haushaltsentwurf sind die Kürzungen der GAK-Mittel aber wiederum mit 293 Millionen Euro angegeben, also gut ein Viertel weniger. Kein ermutigendes Zeichen für den ländlichen Raum.
Weiterlesen...Schwedens Milchsektor: Problemdruck, Proteste und Politik
Die schwedischen MilcherzeugerInnen haben in den letzten Monaten für Schlagzeilen gesorgt, denn sie gehen die Probleme ihres Sektors frontal an. Die Lebensmittelkette des Lands muss sich mittlerweile dem prüfenden Blick der schwedischen Behörden stellen, was nach unserer aktiven Mitwirkung schreit, um die Herausforderungen zu beleuchten, vor denen wir stehen.
Weiterlesen....Zusammen mehr erreichen
Die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board wurde 2007 gegründet und hat Mitglieder in ganz Deutschland. Sie setzt sich dafür ein, die Position milcherzeugender Betriebe zu stärken und dauerhaft zu festigen.
Die MEG Milch Board hat nun eine Broschüre aufgelegt, um über ihre Ziele, aktuelle Studien zum Milchmarkt sowie die Vorteile einer Mitgliedschaft zu informieren.
Impressum
European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel: +32 2808 1935
Fax: +32 2808 8265
E-Mail: office@europeanmilkboard.org
Website: http://www.europeanmilkboard.org
