Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,

seit Wochen steht in Lettland das Wasser auf den Feldern. Einige Regionen hatten das Vierfache der jahreszeitlich üblichen Regenmenge, weshalb die Böden das Wasser nicht mehr aufnehmen können, Landmaschinen im Schlamm versinken und die Futterqualität leidet. Es verdeutlicht, dass Klimakapriolen mittlerweile kein Ausnahmezustand mehr sind – sie sind die neue Normalität, mit der wir LandwirtInnen umgehen müssen. Für viele landwirtschaftliche Familienbetriebe bedeutet ein Jahr wie dieses, dass ihre Rücklagen dahinschwinden und auch die Erträge des kommenden Jahres bedroht sind.

Das Wetter ist aber nur eine Seite der Gleichung. Es ist der Marktrahmen, in dem wir uns bewegen, der darüber entscheidet, ob sich ein schlechtes Jahr zu einer existenziellen Krise auswächst oder nicht: ob Verträge den realen Kosten Rechnung tragen, ob die Preise diese Kosten decken und ob das europäische Regelwerk die ErzeugerInnen im Allgemeinen und vor allem im Krisenfall schützt. Deshalb ist die laufende Reform der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) so wichtig. Sie wird nicht alle Probleme über Nacht lösen und wird auch nicht ausreichen – aber wenn die Europäische Kommission nicht einknickt, kann sie deutliche Verbesserungen für die LandwirtInnen in der gesamten Europäischen Union bringen.

Was nicht verwässert werden darf

Im letzten Jahr hat das European Milk Board unsere Forderungen in Brüssel vertreten – auf der Straße, in offenen Briefen und in Treffen mit den EU-Institutionen – und hat dabei die Reformen aufgezeigt, die faire und kostendeckende Einkommen für die Landwirtschaft in Marktregeln verankern können. Der Kernpunkt ist einfach: der Abschluss verpflichtender, durchsetzbarer Lieferverträge vor Lieferung, die Menge, Qualität und Laufzeit regeln und kostendeckende Preise garantieren – ohne Ausnahmeregelungen für Genossenschaften. Alles, was hinter dieser Forderung zurückbleibt, führt dazu, dass die Landwirtinnen und -wirte einen anderweitig diktierten Preis akzeptieren müssen und zementiert das Ungleichgewicht, mit dem wir aktuell leben. Genau hier wird der größte Druck ausgeübt, die Reform zu verwässern. Wir sehen Versuche, Schlupflöcher einzubauen, Verpflichtungen über Verarbeitergenossenschaften zu umgehen oder die Vertragsbedingungen so wage zu halten, dass die Macht bei den Verarbeitern und Einzelhändlern bleibt. Die Kommission darf sich von diesen Änderungsanträgen nicht beirren lassen und muss an ihrem Kurs festhalten.

Faire Preise

Verträge funktionieren nur dann, wenn sie auf realen Produktionskosten basieren und durch Kriseninstrumente gestützt werden. Die EU-Beobachtungsstelle für die Agrar- und Lebensmittelkette (Agri-Food Chain Observatory – AFCO) und unabhängige Kostenstudien müssen transparente Untergrenzen einziehen, auf die sich die Verträge beziehen. Wenn Märkte kippen, sollte ein dauerhaftes Marktverantwortungsprogramm (MVP) mit EU-weiten Reduzierungen greifen. Um unlauteren Wettbewerb zu unterbinden, muss die EU den Ankauf unterhalb des verifizierten Selbstkostenpreises verbieten und Spiegelklauseln anwenden, damit auch Einfuhren unsere Normen erfüllen.

Wer vertritt wen?

Einige Organisationen, die sich selbst gern als Stimme der Bäuerinnen und Bauern ausgeben, lehnen verpflichtende Verträge und einen zeitweiligen Lieferverzicht ab – Standpunkte, die eher die Interessen der Verarbeiter und des Handels widerspiegeln. Die Vertretung der ErzeugerInnen bedeutet, sich für die Sicherung ihres Einkommens einzusetzen – nicht für eine Verwässerung der Reformen.

Niederschläge können wir nicht steuern – das Regelwerk schon. Mit echten Verträgen, wahrer Transparenz und echten Kriseninstrumente kann man ein Jahr mit schwierigen Wetterbedingungen, wie Lettland es aktuell erlebt, überstehen – und die bäuerliche Landwirtschaft und Europas Ernährungssouveränität erhalten.

Das EMB setzt sich in unserem Namen dafür ein, an diesem Kurs festzuhalten. Wir müssen darauf hinarbeiten, dass es diese Reform ohne Abstriche bis ins Ziel schafft.

 

Guntis Gūtmanis, Vorstandsmitglied des European Milk Board (EMB)

EU-Parlament stärkt Erzeugerinteressen

© Pixabay: Wolkenkrieger

Das Europäische Parlament hat in dieser Woche mit seiner Abstimmung im Plenum ein Signal für die europäischen Bäuerinnen und Bauern gesetzt: Die Mehrheit der Abgeordneten hat sich bei der Stellungnahme zum Thema der Stärkung der ErzeugerInnen gegen schädliche Änderungsanträge der Industrieinteressen ausgesprochen und für einen fortschrittlichen Bericht gestimmt. Dieser verfolgt weiterhin das Ziel, die Stellung der ErzeugerInnen in der Nahrungsmittelkette zu stärken – ein erster wichtiger Schritt für fairere Märkte.

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Agrarausschuss des EU-Parlaments beschließt Position zur Stärkung der Landwirte in der Nahrungsmittelversorgungskette

© EMB

Am 8. September hat der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments den Ausschussbericht zur Stärkung der Position der ErzeugerInnen in der Nahrungsmittelversorgungskette angenommen. Zwar enthält er einige Fortschritte, insgesamt bleibt er jedoch weit hinter dem zurück, was für eine echte Verbesserung der Lage der Landwirtinnen und Landwirte notwendig wäre. Ein wichtiger Schritt, aber kein Durchbruch.

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EU-Parlamentarier stimmen für gerechtere Agrarmärkte und fairere Preise

© AbL

Der Agrarausschuss des EU-Parlaments hat Anfang September den Entwurf einer Stellungnahme zu den Vorschlägen der EU-Kommission über Änderungen der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) angenommen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt insbesondere die darin enthaltenen Änderungen der Regelungen für schriftliche Lieferverträge, die die Position von Bäuerinnen und Bauern in der Verhandlung über gerechte ErzeugerInnenpreise künftig stärken würden.

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EMB: „Nein zum Ausverkauf der Landwirtschaft“

© ec.europa.eu

Das European Milk Board (EMB) hat sich an einer großangelegten Protestaktion am 4. September 2025 in Brüssel beteiligt, bei der zahlreiche Organisationen aus der Landwirtschaft, dem Umwelt- und dem Entwicklungsbereich gemeinsam ihre Ablehnung gegenüber dem geplanten Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten zum Ausdruck gebracht haben. Für das EMB ist klar: Das Mercosur-Abkommen dient einseitig den Interessen großer Handels- und Industriekonzerne – mit gravierenden Folgen für die europäische Landwirtschaft, Umwelt und Ernährungssicherheit.

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Von der Weidepflicht bis zur GAP-Reform: Herausforderungen für die MilcherzeugerInnen

© Kunstwerk Media

Im Sommer feierte der BDM sein 20-jähriges Bestehen mit Sommerfesten und Milchbauernabenden. Im September fanden zwei zentrale Termine statt: die Faire-Milch-Konferenz in Dortmund sowie die Agrarministerkonferenz in Heidelberg. Aktuell bereiten wir unser Symposium vor, das erstmals außerhalb der Internationalen Grünen Woche stattfindet – am 7./8. November in Arnstadt bei Erfurt. Vor diesem Hintergrund rücken nun die politischen Weichenstellungen in den Fokus.

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Europäische Faire-Milch-Konferenz 2025: Europaweit für gerechte Milchpreise + 15 Jahre „Die faire Milch“ Deutschland

© EMB

Mit einem herzlichen Willkommen eröffneten „Die faire Milch“ Deutschland und der Verantwortliche für die Faire Milch im European Milk Board, Boris Gondouin, die diesjährige Europäische Faire-Milch-Konferenz in Dortmund. Es war ein herzliches Wiedersehen von FreundInnen und Partnern, die gemeinsam betonten, wie wichtig es sei, dass sich Landwirtinnen und Landwirte in Europa gegenseitig den Rücken stärken: „Heute feiern wir nicht nur die Faire Milch, sondern auch unseren Zusammenhalt – ohne den es keine Zukunft für bäuerliche Betriebe geben kann“, so Gondouin.

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Der Markt ist da – man muss ihn nur finden

© Dorothee Biermann

Äußerlich erscheint der Milchmarkt zurzeit entspannt. Doch Milchstandards lösen sich auf und führen zu höherer Preisundurchsichtigkeit. Module, Zuschläge und Tierwohlstufen verschieben die Logik des Grundpreises – wo liegt der Markt für ErzeugerInnen, und wie sichern sie ihren fairen Anteil?

Der Erzeugerpreis liegt mit 53,3 Cent pro kg derzeit auf Höhe des Rekordjahres 2022. Die (genossenschaftlichen) Molkereien loben sich ob ihrer Leistungskraft, und der Einzelhandel baut mit vielfältigsten Aktionen seine Position und seine Margen aus. Der Absatz läuft trotz gestiegener Produktpreise stabil. Entscheidend sind die abnehmenden Mengen beim Rohstoff Milch (im ersten Halbjahr von 2025 fast zwei Prozent unter Vorjahr).

Gründe sind teure Stallbauten, Personalprobleme bei mittleren und größeren Betrieben – neben dem „normalen Strukturwandel“ durch Hofaufgaben. Besonders im Norden und Westen Deutschlands hat die Blauzungenkrankheit den Trend verstärkt, der EU-weit zu beobachten ist. Sollte das Virus (vorübergehend?) zurückgedrängt werden und die Zahl der Kalbsgeburten wieder steigen, wird auch die Sorge vor steigender Milchlieferung wieder wachsen. Experten gehen schon von zwei Prozent Wachstum im zweiten Halbjahr aus, was eine Vorhersage der Preisentwicklung für die nächsten Monate erschwert. Ähnlich wie die Afrikanische Schweinepest bei Schweinen und die Vogelgrippe bei Geflügel ist auch hier die Tierkrankheit die große Unbekannte.

Milchströme ändern sich

Unter der Oberfläche rumort es. Nicht nur der Paukenschlag der Übernahme des Branchenführers DMK durch die dänische Arla zum größten nordeuropäischen Milchkonzern lässt die Milchwirtschaft (und auch den Handel) aufhorchen. Noch rätseln Erzeuger und der Wettbewerb über die Gründe der „Fusion“. Vor allem auf die DMK-Mitglieder prasselte im Vorfeld des Beschlusses eine Propagandaflut nieder. Entscheidend für die Zustimmung der jahrelang unterbezahlten DMK-Milchbauern war die Hoffnung auf bessere Preise. Kritische Marktexperten machen aber auch eine andere Rechnung auf: Hier fusionieren nicht zwei Starke, die den Markt beherrschen wollen, sondern zwei Schwächelnde, die Rohstoffverluste befürchten müssen. Die DMK bringt zudem Strukturprobleme ein. „Mal sehen, wie viele Standorte noch übrigbleiben. Ich fürchte, nicht viele“, so ein Insider, der sicher ist, dass für Arla die Verträge der Lieferanten das Wertvollste an der DMK sind, nicht das Unternehmen. Auch der größte Arla-Standort in der Eifel läuft zurzeit unterausgelastet, sodass Milch von weither angekarrt wird, was anderen (dänischen) Standorten nicht gefällt. Insgesamt sind die Milchströme stark in Bewegung. Weniger Milch aus Polen, gesuchter Rohstoff in Holland, mehr aus Österreich erhöhen den Druck nicht nur in Norddeutschland. 

Milch ist nicht mehr gleich Milch

Zum Ausgleich der eigenen Rohstoffverluste zogen 2024 die Nordmolkereien die Erzeugerpreise an; laut AMI schrumpfte der Abstand zum Süden von 8 auf rund 2 Cent pro Kilo. West liegt dazwischen, Ost auf Nord-Niveau. Die Preisspreizungen sind damit niedrig. Ob es zum Allzeithoch (53 Cent im Jahr 2022) reicht, zeigt der Herbst.

Einschneidend für die Milchbauern ist ein relativ neues Phänomen der Preisgestaltung, das die Vergleichbarkeit erschwert. Die konventionelle Standardmilch verliert ihre Bedeutung. Milch mit und ohne GVO-freies Futter, Milch mit Siegeln der Haltungsform (HF) 2, 3 und 4 sowie Milch mit besonderen Anforderungen der Molkereien – alle Milchströme werden je nach Auflagen und Verwertung der Molkereien unterschiedlich bezahlt, was die Transparenz des Grundpreises stark abwertet. „Das ist auch so gewollt“, sind sich Erzeugervertreter sicher. Am weitesten treibt es aktuell Arla mit einem niedrigen Grundpreis und hohen Zuschlägen, wenn man die je neuesten Module erfüllt, die die Molkerei mit Audits verlangt, ohne Sonderkündigungsrecht bei geänderten Auflagen. Der Grundpreis ist 46,8 Cent, dazu können kommen: GVO-freies Futter plus 1 Cent, Weidemilch plus 1,5 Cent, Klimacheck plus 1 Cent, Zuschlag für Nachhaltigkeit plus 1,65 Cent pro kg und weitere Zuschläge für zeitunabhängige Abholung, Zugänglichkeit, Auslassleitung usw.

Haltungsform-Preise: zu niedrig und zu intransparent

Inwieweit die Milchströme sich bereits differenziert haben, zeigt eine AMI-Berechnung für Nordrhein-Westfalen (ähnlich in anderen Regionen): GVO-frei bis HF 2 ist mit 50% de facto „Standard“, über diesem Niveau (QM++, HF 3, Teilweide/Weide, Tier-/Klimaschutz) liegen rund 32%, rein konventionell nur noch 15%. Treiber ist vor allem der Discount-Lebensmitteleinzelhandel; im Export (oft >50%) spielt der Mehrwert kaum eine Rolle – daher widersprüchliche Strategien. Hochwald etwa wirbt mit 80% HF 3, liegt im Grundpreis jedoch unten und kommt erst über mehrere Zuschläge knapp über den Durchschnitt; auch DMK senkte Anfang des Jahres den HF-3-Zuschlag von 3 auf 2 Cent.

Marktkenner gehen von einem wirklichen Aufpreis von etwa 1,5 bis 2 Cent pro kg für Tierwohlstufe 3 aus – viel zu wenig angesichts der deutlich höheren Anforderungen. Weidehaltung müsste mindestens 6 bis 8 Cent einbringen, um den Aufwand auszugleichen, haben Berater errechnet.

Gesucht: neue Wege

Dennoch liegt die Zukunft der Milcherzeugung in höher eingestuften Haltungsformen. Der Druck des Markts (Handel und Gesellschaft) wird nicht nachlassen: Der Handel will mehr Tierwohl zu nur leicht steigenden Preisen, die Milchindustrie setzt die Konditionen. Die Erzeuger(-gemeinschaften) müssen höllisch aufpassen, dass die Umstellung nicht zu ihren Lasten geht und um Grundpreis und Mehrwert kämpfen – sonst sind sie wie im „alten System“ auch im Tierwohl-System die Verlierer. Das wissen auch die Erzeugergemeinschaften, doch es fehlen preisliche Gegenmodelle; auch über Vertragslaufzeiten muss klug verhandelt werden. „Der Markt ist da – man muss ihn nur finden.“

Die vollständige Version dieses Artikels ist in der Septemberausgabe der Unabhängigen Bauernstimme erschienen.

 

Hugo Gödde, Marktbeobachter

Schweiz: Hauptproblem im Milchmarkt immer noch ungelöst

© Pixabay:fil magic

Im Schweizer Milchmarkt herrscht große Unsicherheit: Wegen des Zolldiktats der USA werden für den Käseexport sinkende Zahlen erwartet. Wohin mit der Milch, die nicht mehr über diesen Kanal vermarktet werden kann? Mit großer Sorge nimmt BIG-M den Beschluss der Branchen-organisation Milch (BOM) zur Kenntnis, diese Milchmengen in Form von Butter im Ausland zu entsorgen.

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Bovaer® in Dänemark: Erste Praxisergebnisse und Ausblick bis 2030

© Vanessa Langer

Dänemark hat verpflichtende fütterungsbasierte Maßnahmen für größere Milchviehherden eingeführt, um die klima-relevanten Emissionen von Kühen zu mindern. Die praktische Umsetzung der Politik erfolgt im Lebendversuch – technisch in Fütterungsrationen und -routinen und politisch im gesamten Sektor, da die Kosten, Logistik und Akzeptanz Anlass zu Debatten geben.

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Die irische Landwirtschaft steht am Scheideweg

© Paul Symth, ICMSA

Im Herbst 2025 befinden sich die irischen Landwirtinnen und -wirte in einer für sie ungewohnten Situation: Das bisherige Jahr hat eher günstige Preise und Bedingungen beim Wetter und anderen Faktoren geboten, und dennoch schwebt eine dunkle Wolke über dem Sektor. Die Unsicherheit lässt sich nicht durch die aktuelle Situation erklären, sondern durch Fragen zur langfristigen Zukunft der Landwirtschaft.

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