Newsletter als PDF
Kontakt
EMB - European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel.: +32 - 2808 - 1935
Fax: +32 - 2808 - 8265
Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,
in der Adventszeit möchten wir auf 2025 zurückblicken und mit Artikeln, die im Laufe des Jahres im EMB-Newsletter erschienen sind, an wichtige Ereignisse erinnern. Europa hat 2025 bedeutende Jahrestage gefeiert, zum Beispiel 80 Jahre Kriegsende in Europa. In Memmingen wurde im März 2025 an die Verabschiedung der „Zwölf Artikel“ durch das Bauernparlament vor 500 Jahren erinnert – ein Meilenstein auf dem langen Weg zu bäuerlicher Selbstbestimmung und Gerechtigkeit. Gleichzeitig sind die Zeiten unruhiger denn je: der andauernde Krieg in der Ukraine und die Nahostkrise, die Handels- und Zollpolitik der Trump-Administration mit ihren Folgen für die Absatzmärkte...
Nach einer vergleichsweise guten Phase befinden sich die Erzeugerpreise für konventionelle Milch derzeit wieder im Sinkflug. Daher beginnen wir den Jahresrückblick mit einem offenen Brief des EMB und seiner Mitglieder an EU-Agrarkommissar Christophe Hansen, der die EU-Kommission auffordert, den freiwilligen Lieferverzicht zu aktivieren.
Auch 2025 kämpften das EMB und seine Mitgliedsorganisationen durch verschiedenste Aktionen unermüdlich für eine gerechtere Vergütung der ErzeugerInnen und den Erhalt einer familiengeführten Landwirtschaft in Europa. Sie haben Veranstaltungen organisiert und waren bei Messen vertreten, wie der SIA in Paris und der Grünen Woche. Sie trafen VertreterInnen der nationalen und europäischen Politik, brachten sich in die Debatte über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die Reform der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) und den Mehrjährigen Finanzrahmen (MJF) ein und beteiligten sich an Protestaktionen, zum Beispiel gegen das Mercosur-Freihandelsabkommen.
Zwar waren die Erzeugerpreise im vergangenen Jahr öfter kostendeckend als in den Vorjahren, aber das EMB und die Mitgliedsorganisationen wurden nicht müde zu betonen, dass die grundlegenden Probleme des Milchsektors weiter ungelöst sind und endlich angegangen werden müssen.
Positiv zu erwähnen ist, dass sich im letzten Jahr ein gewisses Umdenken bei den EU-Institutionen zeigte und das EU-Parlament die Bedeutung fairer Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft erkannt hat. Bei einer Abstimmung über eine Stellungnahme zu den Vorschlägen der EU-Kommission über Änderungen der GMO stimmte die Mehrheit der Abgeordneten beim Thema der Stärkung der ErzeugerInnen für einen fortschrittlichen Bericht. Dieser verfolgt das Ziel, die Stellung der ErzeugerInnen in der Nahrungsmittelkette zu stärken – ein erster wichtiger Schritt für fairere Märkte.
Viele unserer Mitgliedsorganisationen berichteten in diesem Jahr von ihren Problemen und den mangelnden Perspektiven für den Milchsektor. Gesetzliche Veränderungen bedeuten neue Anforderungen mit entsprechenden Mehrkosten und sorgen für Verunsicherung: die Reform der GMO, die GAP nach 2027, die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, Vorgaben zur Weidehaltung, die Neubeantragung der Nitrat-Ausnahmeregelung in Irland, die Einführung von Bovaer® in Dänemark, eine mögliche Überarbeitung des Green Deal, um nur einige zu nennen.
Unsere Schweizer Mitgliedsorganisationen sind zwar nicht Teil der Europäischen Union, beklagen aber ebenfalls, dass die grundlegenden Probleme des Schweizerischen Milchsektors weiterhin ungelöst sind. Unsere Mitglieder Uniterre und BIG-M fordern eine umfassende Reform der Branchenorganisation Milch (BO Milch).
Neben den politischen Rahmenbedingungen verändern sich auch die wirtschaftlichen Parameter für viele MilcherzeugerInnen. Durch die Fusion von Arla und DMK entsteht ein Genossenschaftsriese – eine Entwicklung, die viele ProduzentInnen und ihre Organisationen kritisch sehen.
In diesem schwierigen Umfeld trat „Die faire Milch“-Familie auch 2025 als Gegenentwurf einmal mehr den Beweis an, dass eine fairere Bezahlung der MilcherzeugerInnen möglich ist. Bei der Faire-Milch-Konferenz wurden wieder Menschen ausgezeichnet, die sich besonders für die Milchbäuerinnen und -bauern eingesetzt haben, und das 15-jährige Bestehen von Die faire Milch aus Deutschland gefeiert.
Im Newsletter wurden auch kritische Fragen gestellt. Der Artikel von Faireswiss befasst sich mit den Methanemissionen der Milchkuh und beleuchtet, ob sie ein Schadfaktor oder Teil der Lösung ist.
In diesen Zeiten wünschen wir Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit sowie Gesundheit, Glück und Ausdauer für das neue Jahr. Tanken Sie Kraft und laden Sie die Batterien auf – der Einsatz für kostendeckende Milchpreise und faire Rahmenbedingungen geht 2026 in die nächste Runde.
Ihr EMB-Team

Offener Brief des EMB und seiner Mitgliedsorganisationen an die EU-Kommission: Dringende Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts!
Sehr geehrter Herr Hansen,
Europa steht am Rande einer weiteren potenziell verheerenden Krise im Milchsektor. In vielen Mitgliedstaaten erleben MilchproduzentInnen derzeit einen starken und sich beschleunigenden Preisverfall. Zahlreiche Betriebe – insbesondere familiengeführte – sehen sich nun unmittelbar existenziellen Bedrohungen ausgesetzt.
Luxemburg: Fairkoperativ empfängt neuen EU-Agrarkommissar
Am 13. Januar 2025 haben die MilcherzeugerInnen der Fairkoperativ die luxemburgische Landwirtschaftsministerin Martine Hansen und den neuen EU-Agrarkommissar Christophe Hansen im Rahmen der Vorführung des Dokumentarfilms „Traînée de poudre“ empfangen.
Weiterlesen...Deutschland: Die faire Milch als Vorreiterin
In Deutschland gilt „Die faire Milch“ als wegweisende Größe in der Milch- und Molkereibranche, die regionale Milchprodukte und nachhaltige Konzepte in den Mittelpunkt stellt. Die neueste Ausgabe ihres Newsletters liefert faszinierende Einblicke in die Highlights der Grünen Woche in Berlin sowie in die feierliche Preisverleihung der „Regional-Stars“ – hier einige Höhepunkte.
Weiterlesen...Irland und die Perspektiven für die Milchpolitik 2025
Das „neue“ Jahr ist bereits in vollem Gange und die Landwirte sind wieder in ihrem Trott mit der bei uns üblichen Frühjahrskalbung: Entsprechend unserer Weidesaison kalben die meisten Kühe in Irland im Februar und März. Dabei gehen den irischen LandwirtInnen viele Dinge durch den Kopf – nicht nur die Ankunft der neuen Kälber und die Schäden, die die jüngsten Stürme angerichtet haben. Wir berichten über die Hauptthemen, die die Mitglieder des irischen Milchviehhalterverbands ICMSA im kommenden Jahr beschäftigen werden.
Weiterlesen...Die MIG ruft zur gemeinsamen europaweiten Mobilisierung gegen das geplante EU-Mercosur-Abkommen mit seinen verheerenden Folgen auf
Zusammen mit verschiedenen wallonischen und europäischen Agrarorganisationen spricht sich die MIG vehement gegen das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten aus. Dieses Abkommen stellt eine unmittelbare Bedrohung für die Landwirtschaft, die Umwelt und die Ernährungssicherheit in Europa dar und konterkariert alle Nachhaltigkeitsbemühungen.
Weiterlesen...EMB auf der SIA: Paris ist nicht nur die Stadt der Liebe
Während die Hallen der französischen Agrarmesse SIA von unzähligen Gesprächen surrten, schenkten die engagierten MitstreiterInnen von FaireFrance ihre Faire Milch an die zahlreichen BesucherInnen aus und begrüßten auch die EMB-VertreterInnen an ihrem Stand.
Weiterlesen...Fusion von Arla und DMK schafft neuen Genossenschafts-Giganten
Das European Milk Board erklärt: „Wir müssen über Genossenschaften reden! Was Genossenschaften sind – was sie nicht sind – und was sie vorgeben zu sein.“
Mit der geplanten Fusion von Arla Foods und der DMK Group und einem nach eigenen Angaben kombinierten Pro-forma-Umsatz von 19 Milliarden Euro wird es am Markt bald einen neuen Genossenschafts-Giganten geben.
Uniterre, BIG-M, BBK und BZS fordern eine grundlegende Reform der Branchenorganisation BO Milch
Mit einer parlamentarischen Motion stellen mehrere Schweizer Bauernorganisationen die Legitimität der aktuellen Milchpolitik in Frage. Sie verlangen mehr Mitsprache, faire Verträge und kostendeckende Milchpreise für die ProduzentInnen.
Weiterlesen...Faireswiss: Eine Lösung für die geringen Einkommen der Schweizer MilcherzeugerInnen
Die Genossenschaft Faireswiss vermarktet eine Faire Milch, die es ermöglicht, ihren ErzeugerInnen einen Milchpreis von 1 Franken pro Liter auszuzahlen.
Weiterlesen...Der Milchsektor und der künftige europäische Green Deal
Eine mögliche Überarbeitung des Europäischen Green Deal würde sowohl Chancen wie auch Herausforderungen bedeuten, hätte aber auch beträchtliche – positive und negative – Auswirkungen auf den Milchsektor. Den ProduzentInnen könnten durch die Einführung umweltfreundlicherer Verfahren, Investitionen in nachhaltige Technologien und die Einhaltung strengerer Bestimmungen zusätzliche Kosten entstehen.
Weiterlesen...Schwedische MilcherzeugerInnen am Scheideweg
Der Milchauszahlungspreis ist aktuell für die meisten schwedischen MilcherzeugerInnen akzeptabel. Einige wenige Molkereien sind nicht in der Lage, mit dem Preis mitzuhalten, den der Marktführer zahlt. Aber es besteht die allgemeine Hoffnung unter den schwedischen Milchbäuerinnen und -bauern, dass die Milchpreise zumindest auf dem aktuellen Niveau bleiben werden.
Weiterlesen...Europäische Mitgliederversammlung des European Milk Board
Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des European Milk Board (EMB) kamen Milcherzeugerorganisationen aus zahlreichen europäischen Staaten zusammen, um über zentrale Herausforderungen der Milchbranche zu diskutieren. Man war sich dabei einig: Auch wenn die Höfe inzwischen viel öfter kostendeckende Preise erhalten als zuvor – man daher dem Ziel des EMB nähergekommen ist – sind die grundlegenden Probleme des Milchsektors noch nicht gelöst und müssen JETZT angegangen werden. Die europäischen MilcherzeugerInnen fordern daher entschlossene Reformen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, um dem Höfesterben ein Ende zu setzen.
Weiterlesen...500 Jahre Deutscher Bauernkrieg: die Zwölf Artikel aus bäuerlicher Sicht von heute
Am 20. März 2025 erinnerte man in der Stadt Memmingen auf eindrucksvolle Weise an ein Ereignis, das an eben diesem Ort vor 500 Jahren stattfand: die Verabschiedung der „Zwölf Artikel“ durch das sogenannte Bauernparlament von 1525 – ein bahnbrechendes Dokument bäuerlicher Selbstbestimmung und ein Meilenstein auf dem langen Weg zu Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenrechten.
Im Rahmen der Veranstaltung „Die Zwölf Artikel aus bäuerlicher Sicht heute“, die von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM), vom Bündnis „500 Jahre Kampagne“ sowie dem Bündnis für Demokratie und Menschenrechte Memmingen organisiert wurde, wurde dieser historische Moment nicht nur gewürdigt, sondern in die Gegenwart übersetzt. Unter dem Motto „Ein Blick zurück – der Zukunft zugewandt“ erlebten die BesucherInnen eine kraftvolle Verbindung von Geschichte, Erinnerung und aktuellem politischem Anspruch.
Ein lebendiger Zug mit Landwirten durch die Stadt
Den Auftakt bildete ein symbolträchtiger Zug mit einem historischen Leiterwagen durch die Memminger Innenstadt. In kleiner, aber engagierter Runde zogen VertreterInnen der beteiligten Organisationen gemeinsam mit BürgerInnen vom Marktplatz bis zum Kramerzunfthaus am Weinmarkt 11 an den Ort, wo 1525 die „Zwölf Artikel“ verfasst wurden. Auf dem Weg dorthin wurden PassantInnen eingeladen, sich dem Zug anzuschließen, zuzuhören, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.
Bild: BDM
Am Marktplatz – dem Herzstück Memmingens – wurde ein Zwischenstopp eingelegt, der dem öffentlichen Charakter des Anliegens besondere Symbolkraft verlieh: Geschichte sollte nicht musealisiert, sondern in ihrer politischen Relevanz für die Gegenwart sichtbar gemacht werden.
Szenische Lesung: Vergangenheit trifft Gegenwart
Im Kramerzunfthaus angekommen, folgte der inhaltliche Höhepunkt der Veranstaltung: eine szenische Lesung, bei der die historischen „Zwölf Artikel“ von 1525 dialogisch mit heutigen bäuerlichen Forderungen und Erfahrungen in Beziehung gesetzt wurden. Die Texte wurden lebendig vorgetragen, musikalisch untermalt und mit Kommentaren sowie Assoziationen aus Sicht heutiger LandwirtInnen ergänzt.
Die Lesung schlug eine eindrucksvolle Brücke zwischen den existenziellen Nöten und Forderungen der Bauern im 16. Jahrhundert – nach Freiheit, gerechtem Bodenbesitz, Mitbestimmung und einem Ende der Ausbeutung – und den Herausforderungen, mit denen bäuerliche Betriebe heute konfrontiert sind: Landkonzentration, Preisdruck, Klimawandel und eine verfehlte Agrarpolitik.
Impulse aus der bäuerlichen Zivilgesellschaft
In kurzen, prägnanten Ansprachen brachten Vertreter verschiedener Organisationen aktuelle Perspektiven ein. Georg Janßen, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der AbL, betonte die Aktualität der „Zwölf Artikel“ als „ursprünglich bäuerliche Menschenrechtserklärung“ und plädierte für eine bäuerliche Landwirtschaft als Zukunftsmodell für Ernährungssouveränität, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit. Romuald Schaber, Ehrenvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), erinnerte daran, dass es auch heute um Existenzsicherung, faire Preise und demokratische Beteiligung gehe. Die Landwirtschaft sei politisch, damals wie heute – weshalb man sich in Debatten einbringen müsse. Das Bündnis „500 Jahre Kampagne“ hob hervor, wie bedeutend es sei, Geschichte am Originalschauplatz erlebbar zu machen. Die „Zwölf Artikel“ hätten das Echo der Jahrhunderte durchdrungen – ihre Anliegen lebten heute fort in den Kämpfen um Klimagerechtigkeit, Ernährungswende und Demokratie. Auch das „Bündnis für Demokratie und Menschenrechte“ setzte ein klares Zeichen: Die Verteidigung demokratischer Werte sei nicht abstrakt, sondern konkret – auf dem Acker, auf dem Markt und in der politischen Debatte. Gerade in Zeiten, in denen rechte Kräfte versuchten, ländliche Räume für sich zu vereinnahmen, brauche es klare Haltungen und historisches Bewusstsein.
Eine Veranstaltung mit Tiefgang und Weitblick
Die Veranstaltung in Memmingen war mehr als ein Gedenkakt. Sie war ein politisches und kulturelles Statement für eine gerechte, nachhaltige und demokratische Landwirtschaft – und für eine aktive Erinnerungskultur, die nicht nur zurückblickt, sondern Zukunft gestaltet. Dass dies am Ort der ursprünglichen Artikelformulierung geschah, verlieh dem Gesagten und Gezeigten eine besondere Intensität. Wie Prof. Dr. Gerd Schwerhoff es treffend formulierte: „Eine Massenerhebung wie im Bauernkrieg bleibt in deutschen Landen einmalig.“ Doch ihr Geist lebt – in aktuellen Kämpfen, Visionen und solidarischem Engagement.
Der geschichtliche Hintergrund
Der Große Deutsche Bauernkrieg gilt als erste Massenbewegung der deutschen Geschichte. Ausgelöst durch wachsende soziale, wirtschaftliche und religiöse Spannungen, erhoben sich 1524/25 Zehntausende von Bauern in Süd- und Mitteldeutschland gegen adelige und geistliche Herren. Ihr zentrales Programm waren die am 20. März 1525 in Memmingen verabschiedeten „Zwölf Artikel“ – eine frühe, in schlichtem Deutsch formulierte Forderungsliste nach Freiheit, Rechtssicherheit und der Rückgabe traditioneller Nutzungsrechte.
Ursachen
Sozioökonomischer Druck: Steigende Abgaben, willkürlich ausgeweitete Frondienste und der Verlust von Allmende- und Nutzungsrechten setzten die vorwiegend leibeigene Landbevölkerung unter existenziellen Druck.
Landfragmentierung: Das süddeutsche Realteilungsrecht zerstückelte Höfe in unökonomische Parzellen, während die Abgabelast unverändert blieb.
Reformation als Ideengeber: Luthers Gedanken vom „Priestertum aller Gläubigen“ und der Buchdruck verbreiteten das Ideal persönlicher Freiheit; Bauern interpretierten Bibelzitate politisch.
Die „Zwölf Artikel“
Formuliert von Sebastian Lotzer und Christoph Schappeler, bündelten sie lokales Klagegut in zwölf Kernforderungen: Abschaffung der Leibeigenschaft, Wahl des Pfarrers durch die Gemeinde, Begrenzung von Abgaben und Frondiensten sowie Rückgabe von Jagd-, Fischerei- und Waldrechten. Ihr versöhnlicher Ton („demütige Bitte“) und die Bereitschaft zur Revision bei Gotteswidrigkeit zeigen den reformatorischen Geist. Heute gelten die Artikel – nach der Magna Carta – als einer der frühesten Niederschläge universeller Menschen- und Freiheitsrechte in Europa.
Verlauf und Niederschlagung
Die bäuerlichen Haufen organisierten sich militärisch, plünderten Klöster und eroberten Burgen, waren jedoch schlecht bewaffnet. Entscheidend waren Niederlagen bei Leipheim (4. April 1525) und Bad Frankenhausen (15. Mai 1525), letzteres unter Führung des Theologen Thomas Müntzer. Fürstliche Söldnerheere mit Kavallerie und Artillerie besiegten die verstreut auftretenden Aufständischen nacheinander. Schätzungen sprechen von 30.000 bis 130.000 Toten; zahlreiche Vergeltungsakte folgten.
Folgen
Trotz militärischer Niederlage beschleunigte der Aufstand Reformen: Verhandlungen führten regional zu Erleichterungen bei Frondiensten, mancherorts wurde die Leibeigenschaft bereits im 17./18. Jahrhundert abgeschafft. Langfristig wirkten die Ideen der Zwölf Artikel in die Aufklärung, die amerikanischen und französischen Revolutionen und schließlich in die UNO-Menschenrechtscharta von 1948 hinein.
Bedeutung 2025
Im Jubiläumsjahr 2025 erinnert uns der Bauernkrieg daran, wie entschlossen bäuerliche Gemeinschaften schon vor 500 Jahren für gerechte Entlohnung und freien Zugang zu Gemeinwohl-Ressourcen eintraten. Heute erheben insbesondere Milchbäuerinnen und -bauern dieselbe Stimme: Sie fordern faire Erzeugerpreise, die ihre Leistung und ihren Beitrag zum Klima- und Tierschutz honorieren, und sie verteidigen Boden, Wasser und Weideland als gemeinsames Gut. Der Rückblick zeigt: Freiheit und soziale Gerechtigkeit fallen nicht vom Himmel – wir erringen sie immer wieder neu, wenn wir uns vereint und mutig für faire Bedingungen in der Landwirtschaft einsetzen.
Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e. V. (BDM), Juli/August 2025
Die Milchkuh – Schadfaktor oder Teil der Lösung?
Heute leiden viele Milchbäuerinnen und -bauern unter der gesellschaftlichen Abwertung ihres Berufs. Wenn man den Berufsstand des Milcherzeugers wieder aufwerten möchte, muss man vielleicht zuerst der Milchkuh wieder die Ehre erweisen, die ihr gebührt, indem wir ihre Notwendigkeit in unserem Agrarsystem verstehen und ihre zahlreichen Facetten wertschätzen. Ich habe daher beschlossen, meine Milchkühe zu Wort kommen zu lassen. Ich habe tagtäglich mit ihnen zu tun und sie sind Teil meines Lebens. Mir ist jedoch klar geworden, dass die breite Öffentlichkeit recht wenig über sie weiß. Daher möchte ich in aller Bescheidenheit versuchen, ihnen eine Stimme zu geben.
Weiterlesen...Irischer Milchsektor 2025: Rekordverdächtige Milchmenge trifft auf steigende Kosten durch strengere Auflagen
Der irische Milchsektor blickt auf ein positives erstes Halbjahr 2025 zurück. Dank des angenehmen Wetters konnten die Kühe früh auf die Weide und das Graswachstum war in den ersten sechs Monaten gut. Die Niederschläge waren moderat, wobei auf einen sehr trockenen Mai eine dringend notwendige Regenphase im Juni folgte, sodass das Gras auf den Weiden deutlich stärker als 2024 gewachsen ist.
Weiterlesen...EMB: „Nein zum Ausverkauf der Landwirtschaft“
Das European Milk Board (EMB) hat sich an einer großangelegten Protestaktion am 4. September 2025 in Brüssel beteiligt, bei der zahlreiche Organisationen aus der Landwirtschaft, dem Umwelt- und dem Entwicklungsbereich gemeinsam ihre Ablehnung gegenüber dem geplanten Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten zum Ausdruck gebracht haben. Für das EMB ist klar: Das Mercosur-Abkommen dient einseitig den Interessen großer Handels- und Industriekonzerne – mit gravierenden Folgen für die europäische Landwirtschaft, Umwelt und Ernährungssicherheit.
Weiterlesen...EU-Parlamentarier stimmen für gerechtere Agrarmärkte und fairere Preise
Der Agrarausschuss des EU-Parlaments hat Anfang September den Entwurf einer Stellungnahme zu den Vorschlägen der EU-Kommission über Änderungen der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) angenommen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt insbesondere die darin enthaltenen Änderungen der Regelungen für schriftliche Lieferverträge, die die Position von Bäuerinnen und Bauern in der Verhandlung über gerechte ErzeugerInnenpreise künftig stärken würden.
Weiterlesen...Von der Weidepflicht bis zur GAP-Reform: Herausforderungen für die MilcherzeugerInnen
Im Sommer feierte der BDM sein 20-jähriges Bestehen mit Sommerfesten und Milchbauernabenden. Im September fanden zwei zentrale Termine statt: die Faire-Milch-Konferenz in Dortmund sowie die Agrarministerkonferenz in Heidelberg. Aktuell bereiten wir unser Symposium vor, das erstmals außerhalb der Internationalen Grünen Woche stattfindet – am 7./8. November in Arnstadt bei Erfurt. Vor diesem Hintergrund rücken nun die politischen Weichenstellungen in den Fokus.
Weiterlesen...Europäische Faire-Milch-Konferenz 2025: Europaweit für gerechte Milchpreise + 15 Jahre „Die faire Milch“ Deutschland
Mit einem herzlichen Willkommen eröffneten „Die faire Milch“ Deutschland und der Verantwortliche für die Faire Milch im European Milk Board, Boris Gondouin, die diesjährige Europäische Faire-Milch-Konferenz in Dortmund. Es war ein herzliches Wiedersehen von FreundInnen und Partnern, die gemeinsam betonten, wie wichtig es sei, dass sich Landwirtinnen und Landwirte in Europa gegenseitig den Rücken stärken: „Heute feiern wir nicht nur die Faire Milch, sondern auch unseren Zusammenhalt – ohne den es keine Zukunft für bäuerliche Betriebe geben kann“, so Gondouin.
Weiterlesen...Schweiz: Hauptproblem im Milchmarkt immer noch ungelöst
Im Schweizer Milchmarkt herrscht große Unsicherheit: Wegen des Zolldiktats der USA werden für den Käseexport sinkende Zahlen erwartet. Wohin mit der Milch, die nicht mehr über diesen Kanal vermarktet werden kann? Mit großer Sorge nimmt BIG-M den Beschluss der Branchen-organisation Milch (BOM) zur Kenntnis, diese Milchmengen in Form von Butter im Ausland zu entsorgen.
Weiterlesen...Bovaer® in Dänemark: Erste Praxisergebnisse und Ausblick bis 2030
Dänemark hat verpflichtende fütterungsbasierte Maßnahmen für größere Milchviehherden eingeführt, um die klima-relevanten Emissionen von Kühen zu mindern. Die praktische Umsetzung der Politik erfolgt im Lebendversuch – technisch in Fütterungsrationen und -routinen und politisch im gesamten Sektor, da die Kosten, Logistik und Akzeptanz Anlass zu Debatten geben.
Weiterlesen...Di fair Milch Säuliamt: Regionalität weiter im Fokus
Bei Di fair Milch Säuliamt stehen wir vor der Dauerfrage, ob eine regionale Zertifizierung wie „Suisse Garantie“ unser Wachstum fördern könnte, während wir die hohen Hürden abwägen. Gleichzeitig arbeiten wir an einem neuen Produkt, das bald unsere Kundschaft begeistern soll.
Weiterlesen...EMB-Mitgliederversammlung warnt vor bevorstehender Milchkrise
Milchbäuerinnen und -bauern aus ganz Europa kamen am 19. und 20. November zur Mitgliederversammlung des European Milk Board (EMB) in Brüssel zusammen. Die starke Präsenz zeigt: Die Lage auf dem Milchmarkt ist ernst – und der Austausch über Grenzen hinweg wichtiger denn je. Die ErzeugerInnen fordern die sofortige EU-weite Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts.
Weiterlesen...Impressum
European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel: +32 2808 1935
Fax: +32 2808 8265
E-Mail: office@europeanmilkboard.org
Website: http://www.europeanmilkboard.org
