Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,

seit Oktober 2018 gilt in Frankreich das EGalim-Gesetz (EGalim = États généraux de l’alimentation = „Generalstände für den Nahrungsmittelsektor“), das den LandwirtInnen nutzen soll. Dieses Gesetz über das Gleichgewicht der Handels-beziehungen im Agrar- und Nahrungsmittelsektor sollte sicherstellen, dass die französischen LandwirtInnen endlich kostendeckende Preise erhalten, die ihre gesamten Produktionskosten decken. Zu diesem Zweck soll ein Vertrag zwischen den ErzeugerInnen bzw. in den meisten Fällen ihren Genossenschaften, den Molkereien und dem Handel geschlossen werden. Bis hierhin können wir EMB-Mitglieder noch folgen, insbesondere wenn der Initiator – der französische Staatspräsident – verkündet, dass unsere Produktionskosten als Ausgangsbasis dienen werden. Bravo! Endlich ein Präsident, der alles verstanden hat und die Probleme lösen wird.

Jetzt kommt die Krux: Wer ermittelt die Höhe der Produktionskosten? Es erübrigt sich zu sagen, dass es nicht die Landwirte sind, sondern die Branche oder vielmehr die Branchenorganisation des französischen Milchsektors, also CNIEL (Centre National Interprofessionnel de l’Économie Laitière), das „Haus der Milch“. Leider hat dieses „Branchenzentrum der Milchwirtschaft“ noch nie im Sinne der LandwirtInnen gearbeitet. Und dann sagt man uns, dass unsere Genossenschaften sehr aktiv seien; dass sie uns sehr gut vertreten würden und daher für uns Verträge unterzeichnen dürften. Es erscheint mir überflüssig, mich über die Genossenschaften auszulassen und darüber, was größtenteils aus ihnen geworden ist… Kurz gesagt: Es bringt nichts, die Augen davor zu verschließen, dass diese Vertragslandwirtschaft von Anfang an schlecht angelegt war.

Uns blieb der Glaube, dass unsere gewählten VertreterInnen, die theoretisch nur unser Wohl im Sinn haben, zwischen allen Interessen in dieser schönen neuen Welt vermitteln und das erste und inzwischen schwächste Glied der Wertschöpfungskette – sprich uns – schützen würden. Aber weit gefehlt! Bis heute haben die gewählten VolksvertreterInnen keinen Finger gerührt. Sie verlangen keinerlei Transparenz von denen, die den Mehrwert zu unseren Lasten einstreichen. Es kommt noch dicker: Konzepte, die die LandwirtInnen sogar besser entlohnen möchten als EGalim, zwingt der Staat, einer Zertifizierungsstelle beizutreten, indem er ihnen jährlich große Summen unter dem Vorwand zahlt, dass die Stellen unsere Abnehmer verpflichten, knapp über dem Marktpreis zu zahlen. Was für eine Schande! In welcher Welt leben wir eigentlich?

Andererseits gibt es nicht erst seit 2018, sondern schon seit 2010 beim EMB das Konzept der Fairen Milch, das bereits in Österreich, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz umgesetzt wurde… Bis auf wenige Details entspricht dieses Konzept inhaltlich dem EGalim-Gesetz: Die Marke gehört den Landwirtinnen und -wirten, sie legen den Preis fest, sie unterzeichnen die Verträge – d.h. die wahren Landwirtinnen und -wirte, die sich von morgens bis abends und ganzjährig die Hände schmutzig machen. So bekommen die ErzeugerInnen Unabhängigkeit und Antrieb, was ihren Einsatz verstärkt und eine enge Bindung zu denen schafft, die unsere Produkte kaufen – den KonsumentInnen.

Sehr geehrte Abgeordnete und Regierende in ganz Europa: Spielen Sie nicht einmal mit dem Gedanken, flächendeckend Gesetze vom Typ EGalim einzuführen und erst recht keine „Preisuntergrenzen“. Solche Bestrebungen sind zum Scheitern verurteilt, da kein politischer Wille besteht, den Mehrwert gerecht unter allen aufzuteilen.

Es müsste ein echtes Wunder geschehen, damit ein Umdenken stattfindet. Setzen Sie sich stattdessen überall, wo es Ihnen möglich ist, für unser Konzept der Fairen Milch ein. Aber für die „echte“ – die Faire Milch der ErzeugerInnen und nicht die der Genossenschaften, nicht die der Molkereien, nicht die des Handels und schon gar nicht die Produkte derjenigen, die kapiert haben, dass einmal mehr zwischen den Parteien leicht Geld zu machen ist. Sie könnten uns übrigens helfen, das Konzept auch in anderen Sektoren der Agrarerzeugung zu entwickeln. Wir stehen gern bereit, um Sie bei der Lösung dieser Krise zu unterstützen, die schon viel zu lange dauert.

Die Landwirtschaft und ihre ErzeugerInnen sollten lange Bestand haben – nicht die Krise!

 

Boris Gondouin, französisches EMB-Vorstandsmitglied und Faire-Milch-Verantwortlicher 

Mit Leib und Seele Bäuerin: Stéphanie Mottiez

© Faireswiss

„Als ich klein war, hätte ich mir nicht vorstellen können, Landwirtin zu werden.“ Mit ihren gerade 29 Jahren leitet Stéphanie Mottiez, Mitglied der Faire-Milch-Genossenschaft Faireswiss aus dem Kanton Wallis, ihren eigenen Milchviehbetrieb. „Als Kind wäre es mir nicht in den Sinn gekommen, Landwirtin zu werden. Es erschien mir zu schwer, körperlich zu anspruchsvoll“, erzählt die Produzentin, die Industriemilch für Cremo erzeugt.

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Di fair Milch Säuliamt: Regionalität mit Hindernissen

© Di fair Milch Säuliamt

In der Schweiz, wo Qualität und Herkunft eine zentrale Rolle in der Lebensmittelbranche spielen, steht Di fair Milch Säuliamt vor einer schwierigen Entscheidung. Soll sie eine regionale Zertifizierung anstreben und diesen Weg für eine nachhaltige Zukunft gehen? In den letzten sieben Jahren hat sich das Projekt Di fair Milch Säuliamt als Erfolgsgeschichte etabliert. Mit stabilen bis leicht steigenden Verkaufszahlen zeugt unser Unterfangen von einer treuen Kundschaft, die nicht nur Wert auf faire Preise für die Bauern legt, sondern auch die regionale Herkunft der Produkte schätzt.

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D’fair Mëllech: Pioniere der Fairen Milch in Luxemburg

© Fair Mëllech

Im Herzen Luxemburgs wirkt Fairkoperativ mit der Marke D’fair Mëllech wie ein Leuchtturm der Nachhaltigkeit und des Fairen Handels im Milchsektor. Bei der innovativen Genossenschaft geht es um mehr als die reine Milcherzeugung, sondern darum, eine Gemeinschaft zu schaffen, die den Respekt für Mensch, Tier und Natur hochhält. Durch die Zusammenarbeit mit anderen ErzeugerInnen aus ganz Europa, zum Beispiel zuletzt bei einer Aktion auf der internationalen Agrarmesse SIA in Paris, setzen sich die Genossenschaft Fairkoperativ und ihre Partner für eine Zukunft ein, in der die Landwirtschaft für alle fair und gerecht ist.

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Großer Andrang in Berlin

© Die faire Milch: Andrea Münnekehoff

Insgesamt 275.000 Besucherinnen und Besucher kamen in diesem Jahr zur Grünen Woche in die Berliner Messehallen. Dieser leichte Rückgang dürfte dem Streik der Lokführer geschuldet sein, der zu erheblichen Anreiseproblemen führte. An unserem Stand war von diesem Rückgang allerdings wenig zu spüren, im Gegenteil.

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Großartige Aktion der europäischen Bäuerinnen und Bauern in Paris!

© EMB, Silvia Däberitz

Bei ihrer gemeinsamen friedlichen Aktion auf der internationalen Landwirtschaftsmesse (SIA) in Paris haben Landwirte verschiedener Sektoren aus allen Teilen Europas die Politik aufgefordert, eine wirkliche Lösung für die Krise in der Landwirtschaft umzusetzen. Ihre gemeinsame Forderung: Eine faire Landwirtschaft - JETZT! Dafür ist es essenziell, jetzt die Reformen für einen kostendeckenden, fairen Preis am Markt umzusetzen, um endlich eine faire Landwirtschaft zu schaffen.

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Starker Auftritt in Paris für faire Milchpreise

© EMB, Silvia Däberitz

Mit dem Ziel, sich für die Rechte und Lebensgrundlagen von MilcherzeugerInnen einzusetzen, haben die Association des Producteurs de Lait Indépendants (APLI), FaireFrance, Faircoop und die MIG mit Unterstützung ihrer Partner vom European Milk Board (EMB) am 26. Februar eine eindrucksvolle friedliche Protestaktion bei der internationalen Agrarmesse SIA in Paris organisiert. Die Aktion war kein einfacher Messebesuch, sondern vielmehr ein mutiges Statement – ein Appell für Gerechtigkeit und für nachhaltige Praktiken im Milchsektor.

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Impressum

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