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EMB - European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
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Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,
die Lage der Milchviehbetriebe ist aktuell wieder angespannt und könnte deutlich besser sein. Die Blauzungenkrankheit, die einige Mitgliedstaaten betrifft, ist keine Kleinigkeit. Es ist erschreckend, dass ein Land wie Belgien die Seuche nicht hat kommen sehen, obwohl sie im Mai 2024 schon in den Niederlanden grassierte. Meiner Ansicht nach haben die Behörden hier falsch reagiert. Es macht keinen Sinn, so spät eine Impfkampagne durchzuführen. Bei der bereits in Frankreich auftretenden Epizootischen Hämorrhagischen Krankheit (EHD) versuchen die Behörden daher nach diesem Debakel, sich nicht noch einmal von der Entwicklung überrumpeln zu lassen. Der Impfstoff soll ab November auf unseren Betrieben verfügbar sein. Die Blauzungenkrankheit hat hohe Verluste verursacht und das wallonische Agrarministerium hat beträchtliche Mittel bewilligt, um den betroffenen Milchviehbetrieben zu helfen. Der Artikel zur Lage der belgischen ErzeugerInnen in dieser Ausgabe beschreibt die schweren Auswirkungen der Blauzungenkrankheit auf den Milchsektor. Und leider ist diese Epidemie nicht unsere einzige Sorge, weil sich neue dunkle Wolken am Horizont auftürmen.
Laut einer Studie von Greenpeace (auf Englisch verfügbar) ist die Diagnose der aktuellen Lage für uns, die wir für die bäuerliche Landwirtschaft und generationsübergreifende Familienbetriebe kämpfen, alarmierend. Die Zahl der landwirtschaftlichen Megabetriebe ist zwischen 2007 und 2022 um 56% gestiegen. In 15 Jahren hat Europa fast zwei Millionen kleine Haupterwerbsbetriebe verloren. Heute machen die Megabetriebe 8 Prozent aus, erbringen aber 40 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung und bekommen 37 Prozent der Betriebsprämien.
Dies beweist, dass das European Milk Board von Anfang an mit der Forderung, weniger und besser, aber mit einer angemessenen Entlohnung für den Landwirt zu produzieren, Weitsicht bewiesen hat. Es geht darum, nachhaltiger und mit kürzeren Lieferketten zu produzieren und uns gegen Entwicklungen zu wehren, wie sie beispielsweise LACTALIS für Januar nächsten Jahres ankündigt: Das Unternehmen beabsichtigt, die Milchabholung um 450 Millionen Liter zu reduzieren, weil es ein Schlupfloch gefunden hat, das es ermöglicht, Milch aus Osteuropa zu importieren. Diese Milch wird dann unter dem Etikett „Made in France“ abgefüllt, was die VerbraucherInnen fälschlicherweise glauben lässt, dass sie ein einheimisches Produkt kaufen. Klingt nach einer unlauteren Handelspraxis, nicht wahr?
Unsere Organisation sollte sich auch an den Diskussionen über den neuen Agrarkommissar Christophe Hansen beteiligen, in denen es um seine Sicht des Agrar- und Nahrungsmittelsektors, die zukünftige GAP, die Auswirkungen der Erweiterung um die Ukraine, Krisenmanagement, die Unterstützung für den ökologischen Umbau und die Viehhaltung geht. In dieser Ausgabe können Sie weitere Informationen zum neuen Agrarkommissar und den Aspekten finden, die in den Empfehlungen des Strategischen Dialogs im Agrarsektor noch fehlen.
Mir wird im Laufe der Zeit immer stärker bewusst, dass wir unser EMB und unsere Faire-Milch-Projekte um jeden Preis erhalten müssen. Dafür möchte ich mich auch künftig zu 200 Prozent einsetzen. Wir haben am 29. Oktober das 15-jährige Bestehen unserer belgischen Fairen Milch Fairebel gefeiert. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, aber wir blicken bereits auf 15 Jahre voller schöner, gemeinsamer Momente zurück.
Ich freue mich darauf, Sie und euch alle wiederzusehen, und bleibe dahin euer treuer Diener im EMB, bei der MIG und bei Fairebel.
Guy Francq, EMB-Vorstandsmitglied
EMB gratuliert belgischer Fairebel zum 15-jährigen Jubiläum
Fairebel feiert in Belgien dieses Jahr das 15-jährige Bestehen. Was als ambitioniertes Projekt begann, hat sich im Land längst erfolgreich etabliert – dank des starken Einsatzes der teilnehmenden Landwirtinnen und -wirte. „Die Bäuerinnen und Bauern haben etwas Besonderes etabliert, das nicht nur für Landwirte wegweisend, sondern auch gewinnbringend für alle Beteiligten ist.“
Weiterlesen...Fairebel feiert 15 Jahre Einsatz für fairen und lokalen Handel
Anlässlich ihres 15-jährigen Jubiläums feiert die Marke Fairebel als Vorreiterin der Fairen Milch in Belgien Ende Oktober 2024 anderthalb Jahrzehnte Einsatz für eine lokale und faire Landwirtschaft. Fairebel wurde 2009 von einer Gruppe von LandwirtInnen gegründet und ist mehr als nur eine Milchmarke: Sie ist ein Fanal der Widerstandsfähigkeit und Solidarität im belgischen Agrarsektor. Fairebel entwickelt sich weiter und vertritt über 500 ErzeugerInnen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, hochwertige Produkte anzubieten, für alle teilnehmenden ErzeugerInnen eine gerechte Vergütung zu erzielen und so Zukunftsperspektiven für die jungen LandwirtInnen in der Genossenschaft zu schaffen.
Weiterlesen...EMB begrüßt richtungsweisendes Projekt von Die faire Milch mit PENNY in Deutschland
Das European Milk Board asbl (EMB) begrüßt das neue Projekt von Die faire Milch mit PENNY, das am 29. Oktober offiziell in Deutschland vorgestellt wurde. Mit einem neuartigen Drei-Parteien-Vertrag besiegeln PENNY als Handelsvertreter, Die faire Milch als Lieferant und die Erzeugergenossenschaft Fair Food ihre Zusammenarbeit, um in der Wertschöpfungskette Transparenz und Fairness in die Kalkulation und Preisfindung zu bringen.
Weiterlesen...Ein neuer Agrarkommissar für eine neue EU-Agrarpolitik?
Der Luxemburger Christophe Hansen soll die nächsten Jahre am agrarpolitischen Hebel der EU sitzen. Der EVP-Politiker, der zuvor schon als EU-Parlamentarier tätig war, ist Geo- und Umweltwissenschaftler und kommt selbst aus einer Landwirtschaftsfamilie.
Weiterlesen...Der neue-Agrarkommissar sollte beachten: Empfehlungen des Strategischen Dialogs müssen um wichtige Aspekte ergänzt werden
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat ihre Kandidatenliste für die neue Kommission bekannt gegeben. Als neuen Agrarkommissar wünscht sie sich Christophe Hansen, der maßgeblich für die Umsetzung der Empfehlungen des Strategischen Dialogs zur Zukunft der EU-Landwirtschaft verantwortlich sein soll. Das aktuelle Papier des Strategischen Dialogs spricht bedeutende Punkte an, es fehlen jedoch noch wichtige Aspekte für eine erfolgreiche Transformation des Agrarsektors. Dies sollte der designierte EU-Agrarkommissar bei der Umsetzung unbedingt beachten.
Wenn der Agrarsektor eines dringend braucht, dann sind es Veränderungen und Reformen. Das EMB begrüßt daher prinzipiell Initiativen, die darauf abzielen, den Agrarsektor konstruktiv umzugestalten. Im Fall des aktuellen Papiers des Strategischen Dialogs zur Zukunft der EU-Landwirtschaft, in dem Empfehlungen für den Agrarsektor gegeben werden, stellt das EMB fest, dass bedeutende Punkte angesprochen wurden, es jedoch noch an wichtigen Aspekten für eine erfolgreiche Sektor-Transformation insbesondere im sozialen Bereich fehlt. Dies sollte der neue EU-Agrarkommissar bei der Umsetzung der Empfehlungen des Dialogs unbedingt beachten. Im Folgenden werden diese Aspekte im Zusammenhang mit dem Abschnitt des Papiers „Part C: Recommendations“ näher beleuchtet:
Zu Punkt 1.1) Eine faire und wettbewerbsfähige Wertschöpfungskette / A fair and competitive food value chain
Stärken der Erzeugerposition in der Wertschöpfungskette / Strengthening farmers’ position in the food value chain
Gleich eine der ersten Empfehlungen des Papiers behandelt die Notwendigkeit, die Erzeugerposition in der Kette zu stärken und greift damit ein essenzielles Thema auf. Das EMB möchte hier besonders auf folgende Unterpunkte aus der Zusammenfassung/Executive Summary verweisen und präzisieren, was für ihre Erfüllung getan werden muss:
o Transparenz in der Nahrungsmittelkette erhöhen / Increase transparency in the food chain
Es ist wichtig, an der Schaffung von Transparenz entlang der gesamten Kette zu arbeiten. Die Produzentenebene hat hier sehr gut vorgelegt, da Kalkulationen der Produktionskosten schon weit vorangeschritten sind. Die anderen Ebenen müssen unbedingt nachziehen und sollten von der politischen Seite dabei unterstützt bzw. auch verpflichtet werden. Als Vertreter der landwirtschaftlichen ErzeugerInnen arbeitet das EMB seit vielen Jahren mit zuverlässigen Methoden der Kostenberechnung auf Produzentenebene und weiß, dass die Aktualität der Berechnungen dabei ein wichtiger Aspekt ist. Es gibt bereits sehr verlässliche Kostenberechnungsmethoden, die repräsentativ und international vergleichbar sind und ein sehr realitätsnahes Kostenbild zeichnen sowie aktuelle Ergebnisse liefern. Allerdings sind die von der EU verfügbaren Kalkulationen hier zeitlich noch zu weit hinterher und sollten in Bezug auf ihre Aktualität unbedingt verbessert werden. Prinzipiell ist neben der Aktualität ein weiterer Punkt essenziell für eine zuverlässige und gute Kostenberechnung: Es müssen die tatsächlichen Produktionskosten einschließlich eines angemessenen, gerechten Einkommens für die ErzeugerInnen sowie die Kosten für erbrachte Mehrleistungen einfließen. Für den Milchsektor hat beispielsweise das Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) seit vielen Jahren eine bewährte und etablierte Kostenberechnung entwickelt, die die angesprochenen Anforderungen erfüllt.
o Kooperation unterstützen / Support cooperation
Das Dokument des Strategischen Dialogs erwähnt zudem, dass die Kooperation der ErzeugerInnen untereinander verbessert werden sollte. Dazu empfiehlt das EMB, sich mit den Bedingungen der Erzeugerbündelung, d.h. der Verhandlung von Erzeugerorganisationen im Namen von mehreren Erzeugern gegenüber den Verarbeitern, zu beschäftigen. Diese Bedingungen sollten auf EU-Ebene verbessert werden, denn die Bündelung kommt in der EU nicht ausreichend voran. Es ist eine stärkere, effektive Förderung der Bündelung durch ein Anheben der Bündelungsgrenzen notwendig. So muss zum Beispiel den Milcherzeugern erlaubt sein, in angemessener Stärke zusammenzukommen, sodass sie genauso stark am Markt agieren können wie die Verarbeiter. EU-weit wäre ein möglicher Bündelungsgrad von 30 Prozent der EU-Menge notwendig und national sollte es gar keine Beschränkungen geben.
Bezüglich genossenschaftlicher Strukturen sei auf folgenden Aspekt dringend verwiesen: Aufgrund der immer größeren Distanz zwischen Genossenschaften und ihren Erzeugern – eine Entwicklung, die viele Genossenschaften durchlaufen haben und die dafür gesorgt hat, dass ErzeugerInnen hier keine besseren Bedingungen vorfinden – muss das EMB vor falschen Rückschlüssen deutlich warnen. Es ist ein Fehler, das genossenschaftliche System per se als Lösung zu propagieren. Während es sicherlich im Interesse der Genossenschaften selbst liegt, sich als gewinnbringende Strukturen zu präsentieren und damit ihre Existenz zu rechtfertigen, haben die langjährigen Erfahrungen der LandwirtInnen gezeigt, dass die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft aufgrund einer immer größer werdenden Diskrepanz zwischen den Interessen der ErzeugerInnen und denen der verarbeitenden Genossenschaft im Allgemeinen keine Verbesserung der Position der ErzeugerInnen in der Kette bedeutet. Auch verhindert die bequeme Position, Verluste aus dem Management der Genossenschaft nach unten an die Mitglieder weitergeben zu können, eine per se effizientere Wirtschaftspraxis von Genossenschaften.
o Unfairen Handelsbedingungen besser entgegenwirken / Better address unfair trading practices
Auf EU-Ebene existiert bereits eine Richtlinie, die dieses Thema adressiert. Diese ist jedoch unzureichend. Eine wichtige Verbesserungsmaßnahme wäre, die Problematik unfairer Preise in die Richtlinie mit aufzunehmen bzw. auch an anderer Stelle eine Rechtsvorschrift dafür zu implementieren. Diese sollte dafür sorgen, dass auf Erzeugerebene der Vernichtung von Werten durch kostenunterdeckende Preise Einhalt geboten wird. Diese EU-Rechtsvorschrift muss folgende Schlüsselpunkte beinhalten:
- Bezüglich der Beziehung zwischen ErzeugerInnen und Verarbeiter: Pflicht, dass die Preise höher als die Kosten sein müssen.
- Bezüglich der Beziehung zwischen Verarbeiter und Einzelhändler: Pflicht, dass die Preise nicht unter den Kosten liegen dürfen.
- Für die Handelsebene: Die Verbraucherpreise dürfen nicht unter dem tatsächlichen Einkaufspreis des Produkts liegen.
Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Lebensmittelwertschöpfungskette / Competitiveness and sustainability of the food value chain
Das EMB begrüßt, dass der Strategische Dialog nachdrücklich empfiehlt, bei der Aushandlung von Verträgen Daten über Produktionskosten und Preise zu berücksichtigen sowie zusätzliche Kosten im Zusammenhang mit höheren Umwelt-, Arbeits- oder Tierschutzstandards zu beachten. Auch der Verweis auf die Verwendung von Drei-Parteien-Verträgen und dass die Landwirte für zusätzliche Anstrengungen und Investitionen im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit belohnt werden sollen, ist ein wichtiger Punkt. Das EMB betont in diesem Zusammenhang, dass alle Kosten der Produktion für den Erzeuger gedeckt sein müssen und zudem auch eine Gewinnmarge enthalten sein muss, um den Sektor wieder auf die Beine zu bringen. Zudem dürfen Nachhaltigkeitsanforderungen nicht am praktischen Leben vorbeigehen, sondern müssen praktikabel und umsetzbar sein sowie in Zusammenarbeit mit den ErzeugerInnen erarbeitet werden.
Zu Punkt 1.3) Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) so gestalten, dass sie ihren Zweck erfüllt / Preparing a Common Agricultural Policy (CAP) fit for purpose
In Punkt 1.3 wird die Reform der GAP angesprochen. Das EMB weist folgenden Punkten und Möglichkeiten zur Verwirklichung einer Reform in Bezug auf das Fördern von positiven Resultaten bei Umwelt, Sozialem und Tierwohl eine besondere Bedeutung zu: Nur wenn mit positiven Anreizen gearbeitet wird und mindestens Kostendeckung für die ErzeugerInnen besteht sowie die Maßnahmen praktikabel sind, können Umwelt- und Klimamaßnahmen erfolgreich sein. Daher muss – wie oben schon erwähnt – dafür gesorgt werden, dass die Kosten für Maßnahmen, die ErzeugerInnen umsetzen, vom Preis mindestens gedeckt bzw. am besten mit einer Gewinnmarge für die ProduzentInnen versehen sind. Das wurde in der Vergangenheit versäumt, sodass in der ohnehin schon sehr angespannten finanziellen Erzeugersituation die Nachhaltigkeitsanforderungen den finanziellen Druck und die Defizite noch verschärft haben. So kann keine erfolgreiche Strategie umgesetzt werden. Diese zusätzlichen großen Anforderungen können im Übrigen nicht aus dem aktuellen GAP-Budget finanziert werden. Es ist wichtig, über den Markt sowie bei Bedarf über zusätzliche öffentliche Gelder für Kostendeckung bzw. die erforderlichen Gewinnmargen zu sorgen.
Zu Punkt 1.5) Förderung der globalen Transition / Promoting the global transition
Kohärenz zwischen Handelspolitik und Nachhaltigkeitsanforderungen / Coherence between trade policy and sustainability requirements
Bezüglich der Beziehung zwischen Handels- und Nachhaltigkeitspolitik fordert das Papier größere Kohärenz. Das EMB unterstützt diese Forderung und verweist in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit von Spiegelklauseln, damit importierte Produkte EU-Standards einhalten, sowie auf die Notwendigkeit, Agrarprodukte komplett aus Freihandelsabkommen herauszuhalten.
Zu Punkt 2.1) Eine gesunde und nachhaltige Wahl erleichtern / Making the healthy and sustainable choice the easy one
Als Milcherzeugervertreter sieht das EMB die Forderungen im Bericht, die die Förderung einer pflanzenbasierten Produktion auf Kosten zurückgehender Tierprodukte postulieren, sehr kritisch. Milchprodukte beispielsweise spielen seit Jahrtausenden eine sehr wichtige Rolle in der Ernährung unserer Bevölkerung und der Milchproduktionszweig leistet zudem einen wichtigen positiven Beitrag im Umwelt- und Klimabereich. Somit wäre eine Reduzierung dieser Produktion auf mehreren Ebenen problematisch und für die EU nicht wünschenswert.
Zu Punkt 2.2) Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken / Enhancing sustainable farming practices
Wie oben bereits erwähnt, dürfen Maßnahmen und Strategien nicht weiter am Leben, Markt und an allgemeinen Entwicklungen vorbeigehen und müssen zudem die Erzeugersituation beachten. Es muss mit den realen Bedingungen in der Landwirtschaft sowie mit den LandwirtInnen und nicht gegen sie gearbeitet werden. Das gilt beispielsweise auch bezüglich der in diesem Artikel erwähnten Unterstützung für den ökologischen Landbau. Hier ist die Notwendigkeit festzuhalten und dementsprechend ein Ansatz zu unterstützen, der dafür sorgt, dass das Angebot an Bio-Produkten auch mit einer dementsprechenden Nachfrage einhergeht. In der Vergangenheit konnten wir einen Anstieg der Bio-Produktion ohne gleichzeitig steigende Nachfrage beobachten. Dies führte zu einer Abwertung der Bio-Produkte und dem Ausstieg vieler Bio-ErzeugerInnen aufgrund fallender Preise. Ein Ansatz, der lediglich auf den Anstieg des Bio-Angebots abzielt, wird daher nicht ausreichen. Im Gegenteil: Er kann aufgrund eines steigenden Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage dafür sorgen, dass etablierte ErzeugerInnen den Bio-Sektor wieder verlassen müssen.
Zu Punkt 3.3) Robustes Risiko- und Krisenmanagement / Robust risk and crisis management
In diesem Bereich sprechen die Autoren des Papiers davon, dass der Agrarsektor robuste Instrumente zum Krisenmanagement benötigt, da das aktuelle Management nicht ausreichend, sondern ineffektiv ist. Speziell für den Milchsektor verweist das EMB auf das Marktverantwortungsprogramm als effektives Instrument, um den häufig auftretenden Überproduktions- und Preisverfallskrisen entgegenzutreten.
Zu Punkt 4.1) Zukünftige Generationen von LandwirtInnen unterstützen / Supporting future generations of farmers
Der Verweis im Papier ist richtig und wichtig: Insbesondere junge ErzeugerInnen müssen wieder für den Sektor gewonnen werden. Hierfür unterstreicht das EMB DIE essenzielle Grundbedingung einer profitablen Produktion: Die bisherigen starken finanziellen Defizite, die ErzeugerInnen zu erwarten haben, schrecken die junge Generation ab. Das EMB verweist daher auf die Notwendigkeit angemessener Margen für die ProduzentInnen, die nur über Preise erreicht werden können, die über den Erzeugungskosten liegen. Dafür ist es notwendig, den agrarpolitischen Rahmen mit Instrumenten wie der bereits bezüglich Punkt 1.1 erwähnten Rechtsvorschrift für Preise oberhalb von Kosten und den bezüglich Punkt 1.5 erwähnten Spiegelklauseln sowie dem oben beschriebenen Marktverantwortungsprogramm auszustatten.
Zu Punkt 5.5) Soziale Innovation als Wegbereiter für eine nachhaltige Landwirtschaft / Social Innovation as an enabler of sustainable farming
Das Papier des Strategischen Dialogs erwähnt soziale Innovationen, die von Basisinitiativen ins Leben gerufen werden, um Probleme im Sektor zu lösen und deren Hindernisse untersucht werden sollten. Als wichtige soziale Innovation im Agrarsektor möchte das EMB in diesem Zusammenhang das Faire-Milch-Projekt nennen, das von LandwirtInnen in mehreren Ländern initiiert wurde, um das Einkommensproblem für die ProduzentInnen zu lindern. Dieses Projekt hat zum Teil auch mit Hindernissen – z.B. rechtlicher Überregulierung – zu kämpfen, die von öffentlicher Seite aus dem Weg geräumt werden müssten. Zudem sollte diese wichtige soziale Innovation von der EU sowie den Mitgliedsländern öffentlich anerkannt und gefördert werden, um ihre positive Wirkung für den Sektor noch weiter auszubauen.
Presseinformation des European Milk Board vom 19. September 2024
Europäische Landwirte und Arbeitnehmer aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft fordern die sofortige Aufnahme von kostendeckenden Preisen in die UTP-Richtlinie
In einem offenen Brief, der am 7. Oktober an die Präsidentin der Europäischen Kommission, den Präsidenten des Agrarministerrats und die Präsidentin des Europäischen Parlaments gesandt wurde, fordern europäische Landwirte und Arbeitnehmer aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, bis Ende des Jahres ein Schnellverfahren einzuleiten, um den Einkauf von Agrar- und Lebensmittelprodukten unterhalb der Produktionskosten auf die schwarze Liste der EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken zu setzen.
Weiterlesen...Fairness in der Lieferkette: AbL fordert marktpolitischen Rahmen für kostendeckende Preise
Die Proteste der Bäuerinnen und Bauern haben auf EU-Ebene dazu geführt, dass Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gezwungen war, in ihrer Bewerbungsrede zu sagen: „Niemand sollte gezwungen sein, gute Lebensmittel unter den Produktionskosten zu verkaufen.“ Inwieweit sie es ernsthaft umsetzen wird, bleibt kritisch abzuwarten. Aber es ist schon jetzt offensichtlich, dass auf EU-Ebene eine eher progressive Stimmung bezüglich Marktpolitik zu spüren ist, während in Deutschland noch dicke Bretter zu bohren sind, um kostendeckende Preise zu erzielen.
Weiterlesen...Gesetzentwurf in Nordirland zu vollkostendeckenden Erzeugerpreisen
Die Kontakte zwischen Farmers For Action UK NI (für das Vereinigte Königreich und Nordirland zuständiger Zweig des Verbands) und dem European Milk Board bestehen seit Gründung des EMB. Wir nutzen gern diese Gelegenheit, uns an die EMB-Mitglieder zu wenden und den Bezug zwischen unserer Arbeit und den Zielen des EMB herzustellen, deren Umsetzung gegen die Bürokratie und den Widerstand der Lebensmittelkonzerne langwierig und äußerst schwierig ist. Derzeit verfolgen wir das Projekt eines Gesetzentwurfs, der Erzeugerpreise oberhalb der Produktionskosten sicherstellen soll.
Weiterlesen...Belgien: Starke Auswirkungen der Blauzungenkrankheit und neue Bedrohungen am Horizont
Zwischen August und September 2024 hat die MIG zwei Mitgliederumfragen durchgeführt, um die Auswirkungen der Blauzungenkrankheit auf die wallonischen Milchviehbetriebe einzuschätzen. Die beiden Umfragen haben ergeben, dass sich die Situation akut verschärft – mit einer raschen Ausbreitung der Krankheit, Verlusten von Tieren und einem Rückgang der Milchproduktion.
Weiterlesen...Vogelperspektive für die Agrarministerkonferenz – BDM mit Ballon am Kran in Oberhof
Es war nicht zu übersehen: Der BDM war am 12. September mit einem 60 Tonnen schweren Mobilkran mit 12 Tonnen Achslast vor Ort und die Botschaft hätte deutlicher nicht sein können: Hier muss es um die großen Themen gehen! Damit sich die anwesenden MinisterInnen sowie ihre Amtschefs einen Überblick über die Themenfelder verschaffen konnten, haben wir sie mit unserer Aktion „Vogel- statt Froschperspektive – für eine nötige Neuausrichtung der Agrarmarktpolitik!” eingeladen, in den Korb zu steigen und sich aus 60 Metern Höhe einen symbolischen wie realen Überblick zu verschaffen – politische Diskussionsmöglichkeit im Korb inklusive.
Piepmatz in Hamburg
Als kleine Abwechslung haben wir diesmal eine humorvolle Kurzgeschichte von Matthias Stührwoldt, der für seine launigen und lebendigen Erzählungen vom Hofleben bekannt ist. Dieser Erfahrungsbericht, ursprünglich in der Bauernstimme veröffentlicht, erzählt von einer ganz besonderen Demo in Hamburg – mit einer Kuh namens Piepmatz!
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