Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,

für die Menschheit wird die Lage immer schlimmer!! Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr Landwirt und komme als solches zu dem Schluss, dass die meisten unserer EntscheiderInnen heute durchgedreht, ahnungslos und unverantwortlich sind! Wie für meine WeggefährtInnen und Kampfesbrüder und -schwestern ist die Landwirtschaft für mich eine Herzenssache. Wir setzen uns aktiv dafür ein, den Einfluss der ErzeugerInnen am Anfang der Wertschöpfungskette und bei der Vermarktung durch die Einführung und Entwicklung der Fairen Milch (zum Beispiel FaireFrance in Frankreich) zu stärken, damit auch künftig flächendeckend möglichst viele landwirtschaftliche Betriebe erhalten bleiben. Denn unsere Arbeit ist für das Leben aller Menschen unentbehrlich. Wir sind für die Gesundheit der Menschen und ihr Wohlergehen von zentraler Bedeutung. Wir sichern ihr Überleben, denn wir sorgen dafür, dass jeden Tag mindestens drei Mahlzeiten auf den Tisch kommen. Aber wir tragen auch zur Pflege unserer Umwelt und Landschaften bei, oder kurz gesagt unseres Lebensraums, den wir vielleicht zu geringschätzen, weil wir uns ständig darin aufhalten. All das um zu sagen, dass unser Beruf sich in allen Aspekten unseres Alltags wiederfindet und es viele schlicht vergessen, angefangen bei unseren EntscheiderInnen.

Wir BürgerInnen tragen einen großen Teil der Verantwortung, aber wenn sich die Beschlüsse unserer EntscheiderInnen zu sehr von der gelebten Realität entfernen, wird es kompliziert, vor allem wenn sich die BürgerInnen nicht zu Wort melden! Wir müssen diese Resignation abschütteln und die Wirklichkeit der Landwirtinnen und -wirte wieder in den Mittelpunkt der Debatte stellen und klarmachen, was für unsere Ernährung auf dem Spiel steht!

Ich gehöre einer europäischen Organisation an, die sich European Milk Board (EMB) nennt. Sie wurde gegründet, um sich für eine angemessene Entlohnung der europäischen ErzeugerInnen einzusetzen, damit sie auch künftig noch bestehen können. Zu diesem Zweck unterbreiten wir der Politik ständig Vorschläge, zum Beispiel zur Produktionssteuerung (Marktverantwortungsprogramm), um kostendeckende Preise für unsere Erzeugnisse zu erhalten (was selbst im Erdölsektor üblich ist, wenn die Preise zu niedrig sind): Wir haben uns das nicht aus den Fingern gesogen! Es reicht, dass die Produktion die Nachfrage um wenige Prozent übersteigt, und schon fallen die Preise ins Bodenlose. Das EMB berechnet außerdem die tatsächlichen Produktionskosten aller ErzeugerInnen, denn die traditionellen landwirtschaftlichen „Mehrheitsverbände“ (die oft dem großen Bauernverband angehören) haben jeden Realitätsbezug verloren und arbeiten zu sehr wie bestimmte JournalistInnen, die diesen Namen nicht mehr verdienen! Man muss wettbewerbsfähig sein, also schaffen sie Zahlen, die nach Wettbewerbsfähigkeit riechen – nur dass an der Basis alle um Luft ringen und irgendwann sterben!

Unsere Organisation leistet unermüdlich Lobbyarbeit, um zu erklären, dass der Einfluss der Landwirtinnen und -wirte gestärkt werden muss und sie nicht länger die Stellschraube sein dürfen! Die niedrigen Erzeugerpreise spielen unseren EntscheiderInnen in die Karten, denn die VerbraucherInnen bekommen günstige Nahrungsmittel und die zwischengelagerten Glieder der Wertschöpfungskette leben bequem von den Früchten unserer harten Arbeit. Aber das ist langfristig nicht haltbar.

Bei all dem gibt es einen großen Wermutstropfen! Der würdige Fortbestand unseres Berufs steht auch und vor allem für Ernährungssicherheit sowie unsere Fähigkeit, uns selbst mit gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen, unsere Umwelt zu achten und zu gestalten und Waldbrände zu vermeiden, die überall in Frankreich und selbst in Nordeuropa aufgrund mangelnder Bestandspflege und fehlender natürlicher Brandschneisen zunehmen! Es wird versucht, mit Canadair-Flugzeugen Brände zu löschen, während die Beweidung und Landschaftspflege durch unsere Kühe, Schafe, Ziegen und andere Arten Feuersbrünste verhindert! Und ich will nicht hören, dass man diese Produktionszweige nicht wiederbeleben kann, denn Schaffleisch wird beispielsweise größtenteils von sehr weit weg importiert! Wir haben keinen gesunden Menschenverstand, kein Gleichgewicht mehr! Der Konsum lokaler Erzeugnisse hat keine Priorität mehr. Wir arbeiten intensiv, damit unsere EntscheiderInnen Regeln erlassen, die uns diesen gesunden Menschenverstand, dieses Gleichgewicht zurückgeben, damit alle verstehen, dass Ernährung mehr als ein Akt ist, der das kurzfristige Überleben sichert! Wenn wir bei der Produktion unserer Nahrungsmittel künftig von anderen abhängig sind, werden wir nicht nur zuschauen, wie unsere Häuser abbrennen, sondern auch wie sich die Preise, Qualität und Verfügbarkeit unseres Nahrungsangebots deutlich verschlechtern werden.

Ein paar Subventionen oder Prämien (wie aus der GAP) werden das Problem nicht lösen! Wir Bäuerinnen und Bauern brauchen eine echte politische Vision, aber die Verbraucherinnen und Verbraucher auch. Eine radikale und schnelle Umsetzung von Instrumenten und Gesetzen muss her, wie das Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis oder Instrumente zur Mengensteuerung! Die Absprachen unter unseren Genossenschaften, Bauernverbänden und landwirtschaftlichen Berufsverbänden müssen bekämpft und ausgemerzt werden. Dieses Krebsgeschwür verschlechtert nur die Beziehungen unter uns. Es sollte die Norm sein, dass wenige sektorenübergreifende und nicht vertikal aufgestellte Erzeugerorganisationen unsere Preise aushandeln, um den Wettbewerb zwischen allen Landwirtinnen und -wirten zu beenden!

Wenn die Preise unserer Erzeugnisse und insbesondere der Milch dauerhaft unsere Produktionskosten decken würden, könnten wir ein Jahr mit Dürren oder schlechtem Wetter durchstehen. Dazu müssten aber unsere EntscheiderInnen bereit sein, die Berechnungen der tatsächlichen Produktionskosten heranziehen – also diejenigen, bei denen wir Sicherheitsmargen einkalkulieren.

Und schließlich müsste unsere Politik den Einzelhandel verpflichten, weniger stark verarbeitete und vor allem faire Lebensmittel stärker in den Vordergrund zu stellen, von denen nur der Landwirt weiß, ob sie für ihn gut sind oder nicht.

Was ich gerade beschrieben habe, sollte die Normalität und die Grundlagenarbeit unserer Regierungen sein. Wir stehen zur Verfügung, um sie darin zu unterstützen, das zu schaffen!

Und zum Schluss ein französisches Sprichwort:

Geht es dem Baugewerbe gut, geht es allen gut!

Geht es der Landwirtschaft schlecht, geht alles den Bach runter.

Oder um mit Justus von Liebig zu sprechen: „Die Geschichte aller Kulturvölker zeigt uns, dass der Verfall der Landwirtschaft die Ursache des Untergangs der Staaten ist.“

 

Boris Gondouin, stellvertretender EMB-Vorsitzender und aktives Mitglied der französischen Fairen Milch FaireFrance

EU-Milchmarkt zukunftsfest machen: Jetzt müssen die richtigen Regeln kommen

© EMB

Der europäische Milchmarkt braucht Rahmenbedingungen, die Krisen verhindern und Milcherzeugern dauerhaft ein angemessenes Einkommen ermöglichen. Nach Ansicht des European Milk Board (EMB) bietet sich der EU derzeit eine entscheidende Gelegenheit: Mit der Revision der Richtlinie über unlautere Handelspraktiken (UTP), der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) und der Diskussion über zukünftige Kriseninstrumente gibt es gleichzeitig mehrere wichtige politische Baustellen, bei denen man ansetzen sollte. UTP-Reform, GMO und wirksame Kriseninstrumente müssen dafür sorgen, dass ein funktionierender Milchmarkt die Grundlage für kostendeckende Erzeugerpreise ist.

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AbL: „Verträge sind kein Allheilmittel, aber alternativlos.“

© AbL

Die Stellung der Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette muss gestärkt werden. Das haben die EU-Kommission, einige EU-Länder und parteiübergreifend auch EU-Parlamentarier längst erkannt und in einer Verordnung EU-weite Vorgaben für Verträge beschlossen. Jetzt steht die nationale Umsetzung der EU-Regelung zu Verträgen an und in Deutschland wird die nationale Ausgestaltung in einem Konsultationsprozess behandelt. Federführend ist das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH), das sich bei der Abstimmung lediglich enthalten hat.

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Schweiz: Es braucht eine Mengensteuerung im Milchmarkt!

© Pixabay: fil magic

Am 19. Mai trafen sich VertreterInnen von Uniterre, BIG-M, Bäuerliches Zentrum Schweiz, Berner Bäuerliches Komitee und Révolte agricole suisse romande in Schönbühl, um sich zur aktuellen Milchkrise zu besprechen. Sie stellen jetzt zwei Forderungen: eine an den Verband Schweizer Milchproduzenten (SMP) und eine an die Zolldirektion.

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15 Jahre FAIRMËLLECH in bäuerlicher Hand

© Fairkoperativ

Seit 2011 nehmen Luxemburger MilchproduzentInnen die Vermarktung ihrer Erzeugnisse mit FAIRMËLLECH selbst in die Hand. Zum 15-jährigen Bestehen lohnt sich der Blick darauf, wie aus einer Antwort auf die Milchkrise ein genossenschaftliches Modell mit Wirkung über den Milchsektor hinaus geworden ist.

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Faire Löhne, Faire Preise, Milch: Offener Brief für faire Milchpreise bei der Migros

© Uniterre

Am 1. Juni wurde der offene Brief für faire Milchpreise vom Verein zur Förderung fairer Milch an die Migros in Bern übergeben. 20.979 Personen haben ihn unterzeichnet und damit eine klare Botschaft gesendet: Schweizer Milch muss so bezahlt werden, dass unsere Bäuerinnen und Bauern davon leben können.

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Dänemark: Bovaer® bleibt für 80 Tage pro Jahr verpflichtend

© Vanessa Langer

Trotz der noch laufenden Neubewertung von Bovaer® durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Politik in Dänemark beschlossen, dass der Einsatz des Futterzusatzes für Wiederkäuer zur Minderung ihrer Methanemissionen für die Landwirtinnen und -wirte in Dänemark verpflichtend bleibt.

Im Spätherbst 2025 berichteten 400 von 650 befragten dänischen MilcherzeugerInnen über Probleme nach dem Einsatz von Bovaer®. Dazu gehörten Benommenheit, verminderte Futteraufnahme, weniger Wiederkäuen, höhere Körperzellzahlen (SCC), mehr Fälle von Mastitis, erhöhte Milchfettwerte und in einigen Fällen der Tod der Kühe oder höhere Keulungsraten. All diese Punkte deuten auf ein vermindertes Tierwohl hin.

Die EFSA führt derzeit eine Neubewertung von Bovaer® durch. Die MilcherzeugerInnen waren davon ausgegangen, dass die zwingende Verabreichung des Futterzusatzes währenddessen für 2026 ausgesetzt würde, aber weit gefehlt. Die Vorschrift, Bovaer® mindestens 80 Tage pro Jahr einzusetzen, gilt auch weiterhin für dänische Milchkuhherden ab 50 konventionell gefütterten Kühen. Eine Ausnahme bleibt jedoch bestehen: Die MilcherzeugerInnen können die Fütterung von Bovaer® einstellen, wenn sie im Gegenzug eine Erklärung einreichen, dass diese die Gesundheit oder das Tierwohl der Kühe gefährdet.

Der dänische Milcherzeugerverband LDM hält es für unverhältnismäßig, natürliche Prozesse zu besteuern, die den in der Natur vorkommenden Kohlenstoff wieder in den Kreislauf einbringen, ohne das Klima zusätzlich zu belasten. Der LDM argumentiert, dass natürliche Verdauungsprozesse nicht durch erneuerbaren Strom ersetzt werden können (was sie von der CO2-Steuer ausnehmen würde), keine fossilen Kraftstoffe verbrauchen und nicht die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre erhöhen.

Der LDM kämpft dafür, dass das Tierwohl Vorrang vor einem möglichen Umwelt- oder Klimanutzen bekommt. Es muss ein angemessenes Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Interessen gefunden werden.

Neues Stickstoffgesetz löst Demonstrationen vor dem Parlament aus

Am 1. September zogen viele dänische Bäuerinnen und Bauern mit ihren Traktoren vor das Parlamentsgebäude in Kopenhagen, was in Dänemark ein eher ungewöhnlicher Anblick ist. Viele weitere waren mit Bussen aus dem ganzen Land angereist. Sie haben die Politik gewarnt, dass das neue Stickstoffgesetz, das in nur wenigen Wochen durch das Parlament gewunken wurde, in der Praxis Arbeitsplätze in ländlichen Gebieten kosten wird, weil es sich auf Landwirte, Mechaniker, Melkmaschinentechniker, Beschäftigte in den Schlachthöfen und andere auswirken wird.

Das neue Gesetz zur Stickstoffregulierung senkt die feldbezogenen Stickstoffquoten deutlich, um dem Sauerstoffmangel und der Eutrophierung in den dänischen Binnengewässern entgegenzuwirken. Die Landwirte sind zwar zu Anpassungen bereit, doch der Zeitpunkt stellt für sie ein ernsthaftes Problem dar: Das Gesetz tritt in Kraft, nachdem sie ihre Düngungspläne eingereicht und bereits Winterkulturen ausgesät haben, ohne die endgültigen Anforderungen zu kennen. Das dänische Parlament hat das Gesetz am 3. September verabschiedet. Nach Ansicht von zwei Universitätsprofessoren sind bestimmte Aspekte des Gesetzes möglicherweise verfassungswidrig.

Insgesamt zeigen der obligatorische Einsatz von Bovaer® und das neue Stickstoffgesetz, wie sich die Einführung von Klima- und Umweltmaßnahmen ohne angemessene Berücksichtigung des Tierwohls, der landwirtschaftlichen Planung und der ländlichen Existenzgrundlagen auswirkt. Die dänischen Landwirtinnen und -wirte akzeptieren die Notwendigkeit von Umweltmaßnahmen. Doch müssen diese auf fundierten Erkenntnissen beruhen, nach einem realistischen Zeitplan eingeführt und gemeinsam mit denjenigen entwickelt werden, die sie umsetzen müssen. Die Landwirtinnen und -wirte werden solchen Maßnahmen nur dann vertrauen, wenn sie das Tierwohl schützen, die Wirtschaftlichkeit der Betriebe sichern und den Erzeugern ein echtes Mitspracherecht bei Entscheidungen einräumen, die sich auf ihre Arbeit auswirken.

 

Lone Vestergaard, Landsforeningen af Danske Mælkeproducenter (LDM)

BDM: Deutschlands Umgang mit der Dürre

© BDM

Der BDM kritisiert die geplante Aufstockung der Direktzahlungen für 2027 als wenig zielgerichtete Antwort auf die wirtschaftlichen Probleme der Betriebe. Statt Agrargelder lediglich umzuschichten, fordert er Hilfen, die kurzfristig die Liquidität sichern und zugleich die Märkte entlasten, etwa einen freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung. Auch im direkten Austausch mit der Politik setzt sich der Verband für die Anliegen der Milchviehbetriebe ein.

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Situation in der Schweiz: Dürre im Flachland, Druck im Stall

© BIG-M

In der Schweiz ist die Trockenheit sehr unterschiedlich verteilt. Im Flachland ist sie weitherum sehr schlimm. In den Hügeln und Bergen gab es immer wieder lokale Gewitter. Nun wurden in verschiedenen Kantonen Futterbörsen eingerichtet: Wer braucht Futter? Wer bietet Futter an? Am wichtigsten ist die Beschaffung von Futter durch Importe, die vor allem aus Italien kommen.

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Impressum

European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel: +32 2808 1935
Fax: +32 2808 8265
E-Mail: office@europeanmilkboard.org
Website: http://www.europeanmilkboard.org