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EMB - European Milk Board asbl
Rue de la Loi 155
B-1040 Bruxelles
Tel.: +32 - 2808 - 1935
Fax: +32 - 2808 - 8265
Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Interessierte,
für die Menschheit wird die Lage immer schlimmer!! Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr Landwirt und komme als solches zu dem Schluss, dass die meisten unserer EntscheiderInnen heute durchgedreht, ahnungslos und unverantwortlich sind! Wie für meine WeggefährtInnen und Kampfesbrüder und -schwestern ist die Landwirtschaft für mich eine Herzenssache. Wir setzen uns aktiv dafür ein, den Einfluss der ErzeugerInnen am Anfang der Wertschöpfungskette und bei der Vermarktung durch die Einführung und Entwicklung der Fairen Milch (zum Beispiel FaireFrance in Frankreich) zu stärken, damit auch künftig flächendeckend möglichst viele landwirtschaftliche Betriebe erhalten bleiben. Denn unsere Arbeit ist für das Leben aller Menschen unentbehrlich. Wir sind für die Gesundheit der Menschen und ihr Wohlergehen von zentraler Bedeutung. Wir sichern ihr Überleben, denn wir sorgen dafür, dass jeden Tag mindestens drei Mahlzeiten auf den Tisch kommen. Aber wir tragen auch zur Pflege unserer Umwelt und Landschaften bei, oder kurz gesagt unseres Lebensraums, den wir vielleicht zu geringschätzen, weil wir uns ständig darin aufhalten. All das um zu sagen, dass unser Beruf sich in allen Aspekten unseres Alltags wiederfindet und es viele schlicht vergessen, angefangen bei unseren EntscheiderInnen.
Wir BürgerInnen tragen einen großen Teil der Verantwortung, aber wenn sich die Beschlüsse unserer EntscheiderInnen zu sehr von der gelebten Realität entfernen, wird es kompliziert, vor allem wenn sich die BürgerInnen nicht zu Wort melden! Wir müssen diese Resignation abschütteln und die Wirklichkeit der Landwirtinnen und -wirte wieder in den Mittelpunkt der Debatte stellen und klarmachen, was für unsere Ernährung auf dem Spiel steht!
Ich gehöre einer europäischen Organisation an, die sich European Milk Board (EMB) nennt. Sie wurde gegründet, um sich für eine angemessene Entlohnung der europäischen ErzeugerInnen einzusetzen, damit sie auch künftig noch bestehen können. Zu diesem Zweck unterbreiten wir der Politik ständig Vorschläge, zum Beispiel zur Produktionssteuerung (Marktverantwortungsprogramm), um kostendeckende Preise für unsere Erzeugnisse zu erhalten (was selbst im Erdölsektor üblich ist, wenn die Preise zu niedrig sind): Wir haben uns das nicht aus den Fingern gesogen! Es reicht, dass die Produktion die Nachfrage um wenige Prozent übersteigt, und schon fallen die Preise ins Bodenlose. Das EMB berechnet außerdem die tatsächlichen Produktionskosten aller ErzeugerInnen, denn die traditionellen landwirtschaftlichen „Mehrheitsverbände“ (die oft dem großen Bauernverband angehören) haben jeden Realitätsbezug verloren und arbeiten zu sehr wie bestimmte JournalistInnen, die diesen Namen nicht mehr verdienen! Man muss wettbewerbsfähig sein, also schaffen sie Zahlen, die nach Wettbewerbsfähigkeit riechen – nur dass an der Basis alle um Luft ringen und irgendwann sterben!
Unsere Organisation leistet unermüdlich Lobbyarbeit, um zu erklären, dass der Einfluss der Landwirtinnen und -wirte gestärkt werden muss und sie nicht länger die Stellschraube sein dürfen! Die niedrigen Erzeugerpreise spielen unseren EntscheiderInnen in die Karten, denn die VerbraucherInnen bekommen günstige Nahrungsmittel und die zwischengelagerten Glieder der Wertschöpfungskette leben bequem von den Früchten unserer harten Arbeit. Aber das ist langfristig nicht haltbar.
Bei all dem gibt es einen großen Wermutstropfen! Der würdige Fortbestand unseres Berufs steht auch und vor allem für Ernährungssicherheit sowie unsere Fähigkeit, uns selbst mit gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen, unsere Umwelt zu achten und zu gestalten und Waldbrände zu vermeiden, die überall in Frankreich und selbst in Nordeuropa aufgrund mangelnder Bestandspflege und fehlender natürlicher Brandschneisen zunehmen! Es wird versucht, mit Canadair-Flugzeugen Brände zu löschen, während die Beweidung und Landschaftspflege durch unsere Kühe, Schafe, Ziegen und andere Arten Feuersbrünste verhindert! Und ich will nicht hören, dass man diese Produktionszweige nicht wiederbeleben kann, denn Schaffleisch wird beispielsweise größtenteils von sehr weit weg importiert! Wir haben keinen gesunden Menschenverstand, kein Gleichgewicht mehr! Der Konsum lokaler Erzeugnisse hat keine Priorität mehr. Wir arbeiten intensiv, damit unsere EntscheiderInnen Regeln erlassen, die uns diesen gesunden Menschenverstand, dieses Gleichgewicht zurückgeben, damit alle verstehen, dass Ernährung mehr als ein Akt ist, der das kurzfristige Überleben sichert! Wenn wir bei der Produktion unserer Nahrungsmittel künftig von anderen abhängig sind, werden wir nicht nur zuschauen, wie unsere Häuser abbrennen, sondern auch wie sich die Preise, Qualität und Verfügbarkeit unseres Nahrungsangebots deutlich verschlechtern werden.
Ein paar Subventionen oder Prämien (wie aus der GAP) werden das Problem nicht lösen! Wir Bäuerinnen und Bauern brauchen eine echte politische Vision, aber die Verbraucherinnen und Verbraucher auch. Eine radikale und schnelle Umsetzung von Instrumenten und Gesetzen muss her, wie das Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis oder Instrumente zur Mengensteuerung! Die Absprachen unter unseren Genossenschaften, Bauernverbänden und landwirtschaftlichen Berufsverbänden müssen bekämpft und ausgemerzt werden. Dieses Krebsgeschwür verschlechtert nur die Beziehungen unter uns. Es sollte die Norm sein, dass wenige sektorenübergreifende und nicht vertikal aufgestellte Erzeugerorganisationen unsere Preise aushandeln, um den Wettbewerb zwischen allen Landwirtinnen und -wirten zu beenden!
Wenn die Preise unserer Erzeugnisse und insbesondere der Milch dauerhaft unsere Produktionskosten decken würden, könnten wir ein Jahr mit Dürren oder schlechtem Wetter durchstehen. Dazu müssten aber unsere EntscheiderInnen bereit sein, die Berechnungen der tatsächlichen Produktionskosten heranziehen – also diejenigen, bei denen wir Sicherheitsmargen einkalkulieren.
Und schließlich müsste unsere Politik den Einzelhandel verpflichten, weniger stark verarbeitete und vor allem faire Lebensmittel stärker in den Vordergrund zu stellen, von denen nur der Landwirt weiß, ob sie für ihn gut sind oder nicht.
Was ich gerade beschrieben habe, sollte die Normalität und die Grundlagenarbeit unserer Regierungen sein. Wir stehen zur Verfügung, um sie darin zu unterstützen, das zu schaffen!
Und zum Schluss ein französisches Sprichwort:
Geht es dem Baugewerbe gut, geht es allen gut!
Geht es der Landwirtschaft schlecht, geht alles den Bach runter.
Oder um mit Justus von Liebig zu sprechen: „Die Geschichte aller Kulturvölker zeigt uns, dass der Verfall der Landwirtschaft die Ursache des Untergangs der Staaten ist.“
Boris Gondouin, stellvertretender EMB-Vorsitzender und aktives Mitglied der französischen Fairen Milch FaireFrance
EU-Milchmarkt zukunftsfest machen: Jetzt müssen die richtigen Regeln kommen
Der europäische Milchmarkt braucht Rahmenbedingungen, die Krisen verhindern und Milcherzeugern dauerhaft ein angemessenes Einkommen ermöglichen. Nach Ansicht des European Milk Board (EMB) bietet sich der EU derzeit eine entscheidende Gelegenheit: Mit der Revision der Richtlinie über unlautere Handelspraktiken (UTP), der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) und der Diskussion über zukünftige Kriseninstrumente gibt es gleichzeitig mehrere wichtige politische Baustellen, bei denen man ansetzen sollte. UTP-Reform, GMO und wirksame Kriseninstrumente müssen dafür sorgen, dass ein funktionierender Milchmarkt die Grundlage für kostendeckende Erzeugerpreise ist.
Weiterlesen...AbL: „Verträge sind kein Allheilmittel, aber alternativlos.“
Die Stellung der Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette muss gestärkt werden. Das haben die EU-Kommission, einige EU-Länder und parteiübergreifend auch EU-Parlamentarier längst erkannt und in einer Verordnung EU-weite Vorgaben für Verträge beschlossen. Jetzt steht die nationale Umsetzung der EU-Regelung zu Verträgen an und in Deutschland wird die nationale Ausgestaltung in einem Konsultationsprozess behandelt. Federführend ist das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH), das sich bei der Abstimmung lediglich enthalten hat.
Weiterlesen...Schweiz: Es braucht eine Mengensteuerung im Milchmarkt!
Am 19. Mai trafen sich VertreterInnen von Uniterre, BIG-M, Bäuerliches Zentrum Schweiz, Berner Bäuerliches Komitee und Révolte agricole suisse romande in Schönbühl, um sich zur aktuellen Milchkrise zu besprechen. Sie stellen jetzt zwei Forderungen: eine an den Verband Schweizer Milchproduzenten (SMP) und eine an die Zolldirektion.
Weiterlesen...15 Jahre FAIRMËLLECH in bäuerlicher Hand
Seit 2011 nehmen Luxemburger MilchproduzentInnen die Vermarktung ihrer Erzeugnisse mit FAIRMËLLECH selbst in die Hand. Zum 15-jährigen Bestehen lohnt sich der Blick darauf, wie aus einer Antwort auf die Milchkrise ein genossenschaftliches Modell mit Wirkung über den Milchsektor hinaus geworden ist.
FAIRMËLLECH verbindet faire Erzeugerpreise mit Verantwortung für Natur, Tiere und die Zukunft der Landwirtschaft. Die Mitgliedsbetriebe verpflichten sich zu einer Energie- und Nährstoffbilanzierung und arbeiten kontinuierlich an Verbesserungen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Tierwohl. Damit schaffen sie die Grundlage für hochwertige regionale Lebensmittel.
Am Anfang standen 48 Milchbäuerinnen und Milchbauern, die 2011 die Fairkoperativ und ihre eigene Marke gründeten. Entscheidend ist dabei die Rolle der Genossenschaft: Die Betriebe liefern ihre Milch weiterhin an ihre Molkereien. Fairkoperativ kauft abgepackte Milch und vermarktet sie an Verkaufsstellen. Nach der Darstellung der Genossenschaft fließen die so erzielten Gewinne zu gleichen Teilen an die beteiligten LandwirtInnen zurück. Die eigene Marke verbindet damit gemeinsame Vermarktung mit Solidarität unter den Erzeugern.
Dass sich dieser Ansatz übertragen lässt, zeigt ein weiterer Schritt: 2022 schlossen sich rund 20 Landwirtinnen und -wirte aus der Mutterkuhhaltung zusammen, um ihre Produkte unter dem Banner „D’fair Fleesch“ zu vermarkten. Aus der Initiative für Faire Milch entwickelte sich so innerhalb der Fairkoperativ ein breiterer Ansatz für eine Landwirtschaft, die mehr Einfluss auf die Vermarktung ihrer Erzeugnisse nimmt.
Auch geografisch reicht das Engagement über Luxemburg hinaus. Seit 2016 gehören Produkte aus der Zusammenarbeit mit dem Fairen Handel zum Sortiment. Im Januar 2025 berichtete Präsidentin Danielle Warmerdam-Frantz von mehr als 660.000 verkauften Produkten mit Fairtrade-Label in den vorangegangenen Jahren. So verbindet etwa Schokoladenmilch die Interessen Luxemburger Milchbäuerinnen und -bauern mit denen von KakaoproduzentInnen in Ghana. Faire Entlohnung soll entlang der gesamten Produktionskette gelten.
Zum Jubiläum stellt sich damit auch die Frage, wie solche Ansätze breiter wirksam werden können. Beim Austausch mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen im Januar 2025 betonten die anwesenden MilcherzeugerInnen, dass Faire-Milch-Projekte strukturelle Reformen brauchen, damit wiederkehrende Krisen überwunden werden und die nächste Generation Perspektiven erhält. Die Erfahrung aus 15 Jahren FAIRMËLLECH zeigt, was ErzeugerInnen gemeinsam aufbauen können. Für eine dauerhafte Zukunft der Betriebe muss dieser Einsatz von verlässlichen politischen Rahmenbedingungen begleitet werden.


Jacques Bernard, Projektdelegierter, Fairkoperativ
Faire Löhne, Faire Preise, Milch: Offener Brief für faire Milchpreise bei der Migros
Am 1. Juni wurde der offene Brief für faire Milchpreise vom Verein zur Förderung fairer Milch an die Migros in Bern übergeben. 20.979 Personen haben ihn unterzeichnet und damit eine klare Botschaft gesendet: Schweizer Milch muss so bezahlt werden, dass unsere Bäuerinnen und Bauern davon leben können.
Weiterlesen...Dänemark: Bovaer® bleibt für 80 Tage pro Jahr verpflichtend
Trotz der noch laufenden Neubewertung von Bovaer® durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Politik in Dänemark beschlossen, dass der Einsatz des Futterzusatzes für Wiederkäuer zur Minderung ihrer Methanemissionen für die Landwirtinnen und -wirte in Dänemark verpflichtend bleibt.
Weiterlesen...BDM: Deutschlands Umgang mit der Dürre
Der BDM kritisiert die geplante Aufstockung der Direktzahlungen für 2027 als wenig zielgerichtete Antwort auf die wirtschaftlichen Probleme der Betriebe. Statt Agrargelder lediglich umzuschichten, fordert er Hilfen, die kurzfristig die Liquidität sichern und zugleich die Märkte entlasten, etwa einen freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung. Auch im direkten Austausch mit der Politik setzt sich der Verband für die Anliegen der Milchviehbetriebe ein.
Weiterlesen...Situation in der Schweiz: Dürre im Flachland, Druck im Stall
In der Schweiz ist die Trockenheit sehr unterschiedlich verteilt. Im Flachland ist sie weitherum sehr schlimm. In den Hügeln und Bergen gab es immer wieder lokale Gewitter. Nun wurden in verschiedenen Kantonen Futterbörsen eingerichtet: Wer braucht Futter? Wer bietet Futter an? Am wichtigsten ist die Beschaffung von Futter durch Importe, die vor allem aus Italien kommen.
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