Bundesrätin Doris Leuthard zeigte sich am Samstag bei den Milchbauern überzeugt, dass ein Milchpreis von 60 Rappen nicht reiche zum Überleben. Am Montag versprach sie aber vor der Industrie tiefere Schweizer Rohstoffpreise.
Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard stellte letzten Samstag fest, dass der momentane Milchpreis den Bauern nicht reicht zum Leben. «Bei einem Milchpreis von 60 Rappen hat man erst die Kosten gedeckt und noch nichts verdient», sagte Leuthard an einer CVP-Bezirksveranstaltung in Aristau AG vor heimischem Publikum. Als BIG-M-Co-Präsident Martin Haab feststellte, es seien Produktionskosten von einem Franken ausgewiesen, antwortete die Bundesrätin: «Das Ziel ist ein Preis von 60 bis 70 Rappen.» Die Bauern müssten mit gewissen Preisschwankungen halt leben lernen. Allerdings, so räumte sie ein, pendelte sich der Milchpreis bei 50 Rappen ein, würde es «extrem schwierig», in der Schweiz noch Milch zu produzieren.
Die Schweiz habe jedoch als Grasland ausgezeichnete Voraussetzungen zur Milchproduktion. Auch die Nahrungsmittelindustrie lege mit ihren Investitionen ein Bekenntnis zur Schweiz ab. So habe im vergangenen Jahr Nestlé in Konolfingen BE das Nestlé-Nutrition-Produktionszentrum eingeweiht. Dies sei ein Beweis dafür, dass auch Grosskonzerne sich für den Standort Schweiz und für Schweizer Qualitätsprodukte entschieden hätten.
Wie es komme, dass Emmi trotz tieferen Milchpreisen einen so stolzen Gewinn ausweise, wollte ein Votant von Leuthard wissen. Tatsächlich erhöhten die Verarbeiter mit der Liberalisierung die Bruttomarge (siehe Grafik). Leuthard brauchte deutliche Worte: «Die Margenpolitik der Verarbeiter und der ungebundenen Käufer, die entlang von Autobahnen grosse Mengen von Milch zu günstigen Preisen abholen, geben mir zu denken. Doch ihr seid Aktionäre der Emmi. Vielleicht wäre es gescheiter, gegen diese Machenschaften zu demonstrieren als gegen mich», fordert sie keck.
Am Montag nach ihrem Besuch im Bezirk Muri nahm Bundesrätin Doris Leuthard in Broc FR an der Eröffnung eines Nestlé-«Exzellenz-Zentrums» für die Weiterentwicklung von Schokoladespezialitäten teil. Sie erklärte in ihrer Ansprache, Nestlé sei der Beweis dafür, dass es möglich sei, in der Schweiz zu produzieren und einen ausserordentlichen Erfolg zu haben. Damit Nestlé diesen Erfolg fortsetzen könne, müsse das Unternehmen Rohstoffe zu konkurrenzfähigen Preisen erhalten. Die Schweiz müsse die Preise für Rohstoffe weiter senken.
Quelle: www.schweizerbauer.ch


