BRÜSSEL, 27. Januar 2011 – Bei der Anhörung des Agrarausschusses des Europäischen Parlamentes zur Zukunft der GAP hat die Agricultural and Rural Convention 2020(ARC) dem Parlament gestern seine Ideen dem vorgestellt.
Professor Michael Dower, der für das Bündnis sprach, präsentierte eine kreative Lösung für ein essentielles Problem, nämlich einer fairen Bezahlung der Bauern für ihre Produktion. Dower sagte: „Ohne eine solche Lösung werden die europäischen Steuerzahler langfristig dazu verpflichtet sein, Einkommenshilfen für die Bauern zu bezahlen“.
Sein Lösungsvorschlag sieht vor, dass die EU Wettbewerbsregelungen so verändert werden, dass die Bauern die Möglichkeit haben, Handelsgruppen zu gründen, die faire Preise innerhalb der Nahrungsmittelkette aushandeln können und dass eine europäischen Monitoringstelle für Nahrungsmittel geschaffen wird. Diese Stelle wäre dafür zuständig, die Entwicklung von Angebot und Nachfrage im Lebensmittelsektor, Preise und Produktionskosten zu überwachen. Sie würde dann, basierend auf den Produktionskosten, einen „Preiskorridor“ für die wichtigsten Produkte festlegen. Sollten die Preise den Preiskorridor deutlich über- oder unterschreiten würde die Monitoringstelle eine verbindliche Aufforderung herausgeben, das Angebot zu steigern oder zu senken, die von Erzeugerverbänden und –organisationen dann umgesetzt werden müsste. Wenn die Preise zu stark absinken, würde die Stelle Überschüsse zum unteren Preis des Korridors aufkaufen. Eine solche Maßnahme würde durch eine Umlage aller Erzeuger des relevanten Produktes finanziert.
Professor Dower wiederholte die Forderung von ARC nach einem Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft, für den ARC seit Juli 2010 eintritt. “Die EU kann sich nicht länger auf das Modell einer intensiven, industrialisierten Landwirtschaft und einer zentralisierten Nahrungsmittelindustrie verlassen. Wir brauchen einen Wechsel hin zu einer nachhaltigen flächendeckenden Landwirtschaft. Grundlage dafür kann Europas reiches Erbe an regionaler und lokaler Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln sein. Wir brauchen eine stärkere Verbindung zwischen Erzeugern und Verbrauchern und müssen es schaffen, dass die Menschen die Natur und die öffentliche Gesundheit stärker achten“.
Mit Hinblick auf den Dioxinskandal in Deutschland sagte Professor Dower:“Dies ist nur das jüngste tragische Beispiel für die schwerwiegenden Fehler, für die das industrialisierte System der Nahrungsmittelverarbeitung anfällig ist, und für die Auswirkungen dieser Fehler auf die öffentliche Gesundheit und den öffentlichen Haushalt. Wir brauchen sicherere und nachhaltigere Praktiken. Die europäischen Bürgerinnen und Bürger sollten nicht für eine stark subventionierte, industrialisierte Landwirtschaft bezahlen, um anschließend noch einmal zu bezahlen, um das Chaos zu beseitigen."
Hinweise für die Redaktion:
Die Agricultural and Rural Convention ist ein Netzwerk, dass sich für eine bessere Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union einsetzt. Das European Milk Board unterstützt ARC.
ARC, die Agricultural and Rural Convention 2020 wurde im Frühjahr 2010 gegründet. Es handelt sich dabei um eine Plattform für engagierte Bürgerinnen und Bürger und ihre Organisationen, die sich für eine nachhaltige Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und der der Politik der ländlichen Räume der Europäischen Union einsetzen. Eine Vielzahl von Organisationen der Zivilgesellschaft auf europäischer, nationaler, regionaler und lokaler Ebene engagiert sich bei dieser Plattform. Sie vertreten eine große Bandbreite an Interessen, u.a. Menschenrechte, Interessen von Bauern, Verbrauchern, ländliche Gemeinschaften, Umweltschutz, Kulturerbe, Tierschutz, öffentliche Gesundheit, biologische Nahrungsmittel und viele andere.
Weitere Informationen zu ARC erhalten Sie auf unserer Website www.arc2020.eu/press.html. Darüber hinaus können Sie sich auch an Zoé de York wenden: zoe[at]arc2020.eu oder +32 2 549 55 37, Mobil: +32 473 22 44 84
Die Mitteilung von ARC, die alle politischen Vorschläge, die das Bündnis vertritt, enthält, finden Sie unter: http://www.arc2020.eu/.
Hier finden Sie die Presserklärung von ARC.

