(Brüssel, 12.08.2014) Der Importstopp, der in der vergangenen Woche von Russland verhängt wurde, betrifft neben anderen Agrarerzeugnissen auch Milchprodukte. „Die Milcherzeuger in Europa sehen diesen Importstopp mit großer Sorge. Da die Milchwirtschaft in den vergangenen Jahren sich immer weiter auf Liberalisierung und den Export ausgerichtet hat und dabei auf Mengenanhebungen drängte, wird man bei solchen Situationen immer vor einem großem Problem stehen“, so der Vorsitzende des European Milk Board, Romuald Schaber. „Den Milcherzeugern fehlen Instrumente, um auf die veränderte Nachfrage am Markt angemessen reagieren zu können“, so Schaber weiter. Aktuell blockieren in der Europäischen Union viele Mitgliedsstaaten solche angemessene Instrumente noch.
Exporteinbruch versus steigende Produktion
Die aktuell durch Russland beschnittenen Exportmöglichkeiten bedeuten einen deutlichen Rückgang der Nachfrage. Sollte diese Situation länger anhalten und man hier keine Ausweichmöglichkeiten finden, kann dies weitreichende Folgen für die Milchproduktion haben. Der Plan der EU im Jahr 2015 die Milchquoten, die bis dato die Produktion limitierten, abzuschaffen, wird die Lage zusätzlich verschärfen. Die hier zu erwartenden Mehrmengen werden einer geschrumpften Nachfrage gegenüber stehen, was die Erzeugerpreise stark nach unten drücken wird. Die Produzenten können solch einer Situation nicht lange standhalten. Der Trend, dass viele Erzeuger entweder aus der Milchproduktion aussteigen oder sich weiter verschulden, wird dadurch noch einmal verstärkt.
Die aktuelle Situation des russischen Importstopps führt sehr deutlich vor Augen, dass die EU Marktinstrumente braucht, damit solche Marktirritationen nicht zu desaströsen Krisen führen. Das European Milk Board empfiehlt ein Mengenregulierungsinstrument, mit dem in kritischen Zeiten die Produktion eingedämmt werden kann, damit die Preise am Markt nicht ins Bodenlose stürzen. Sonst können die Produzenten, die wichtig für den Sektor sind, nicht in der Produktion gehalten werden. Die Forderung des EMB-Vorsitzenden Romuald Schaber dazu: „Das EMB hat ein Krisenkonzept entwickelt, mittels dessen man solche Situationen entschärfen kann. Die politischen Gespräche über dieses Instrument müssen sofort geführt werden“.
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