Die Empfehlungen, die die hochrangige Expertengruppe (High Level Expert Group - HLG) der 27 Mitgliedsstaaten der EU am 15. Juni veröffentlicht hat, führen zu keiner Lösung der derzeitigen Krise und werden die europäischen Milcherzeuger noch stärker in Bedrängnis bringen. Die HLG hat einmal mehr auf die Milchindustrie gehört, anstatt auf die Erzeuger und die Verbraucher.
Die Milcherzeuger brauchen stabile und gerechte Milchpreise, die ihre durchschnittlichen Produktionskosten decken.
Die Verbraucher brauchen stabile und gerechte Milchpreise, die transparent sind und die Kosten für Produktion, Verarbeitung und Handel widerspiegeln. Der Mehrpreis, der heute von verarbeitender Industrie und Handel aufgeschlagen wird, muss gerecht und transparent an alle Glieder der Milchkette verteilt werden.
Was ist das Problem an den HLG-Vorschlägen?
In dem Bericht der HLG heißt es, das existierende Sicherheitsnetz reiche aus. Wenn das der Fall wäre, dann hätten nicht zehntausende Milcherzeuger in Europa in den letzten Jahren ihre Höfe aufgeben müssen – dann würden nicht aktuell so viele Milchbäuerinnen und Milchbauern um ihre Existenz fürchten. Ohne Regulierung der Milchproduktion und des Milchmarktes wird es keine nachhaltige Lösung geben. Die Zukunft liegt weder in der von der HLG vorgeschlagenen Kontraktualisierung und den Terminbörsen, noch im Weltmarkt oder der Restrukturierung der Produktion und der Molkereien. Sie liegt in einer nachfrageorientierten Produktion zu kostendeckenden Preisen und einem Markt, an dem alle Teilnehmer handlungsfähig sind. Eine nachhaltige Milcherzeugung erfordert außerdem verstärkt den Anbau europäischer Futtermittel.
Die Kontraktualisierung auf freiwilliger Basis, die von der HLG vorgeschlagen wurde, wird die Produktion nicht regulieren, sie wird nicht für faire Erzeuger- und Verbraucherpreise sorgen. Verträge können auch jetzt schon geschlossen werden. Nur verhindert die schwache Marktmacht der Erzeuger, dass jene fair für sie ausfallen. Die Kontraktualisierung läutet das Ende der europäischen Milchpolitik ein und überlässt die Entscheidungen den Mitgliedsstaaten und den Molkereien. Die EU sollte die derzeitige Situation in der Schweiz genau auswerten; dort hat genau diese Politik zu Überproduktion, Konflikten und fallenden Preisen geführt.
Preisschwankungen sind keine unabänderliche Tatsache, sie sind das Ergebnis der politischen Entscheidung, Europa in den deregulierten Weltmarkt einzugliedern. Preisschwankungen sind für die Milcherzeugung, bei der langfristig investiert werden muss, extrem schädlich.
Europa muss aufhören, seine Milchprodukte zu Preisen, die die Produktionskosten nicht decken, zu exportieren. Dies ist sowohl für den europäischen Erzeuger als auch die Erzeuger in Drittländern von großer Bedeutung. Im Zentrum muss die zuverlässige Versorgung der Verbraucher mit qualitativ hochwertigen Milchprodukten zu transparenten Preisen stehen.
Auf nach Brüssel!
Der Rat der europäischen Agrarminister wird die Ergebnisse der HLG am 12. Juli diskutieren und das europäische Parlament am 13. Juli. EMB und ECVC fordern beide politischen Gremien auf, die Vorschläge der HLG abzulehnen.
ECVC und EMB rufen die Milcherzeuger, alle Landwirte der anderen Sektoren sowie die Verbraucher dazu auf, am 12. Juli in Brüssel für eine Reform der Milchpolitik zu demonstrieren.
NEIN ZUR KONTRAKTUALISIERUNG – JA ZUR REGULIERUNG DER PRODUKTION
WIR ALLE - FÜR FAIRE VERHÄLTNISSE IM MILCHSEKTOR
GEGEN EXPORTDUMPING – FÜR ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT
FAIRE PREISE VON DEN ERZEUGERN BIS ZU DEN VERBRAUCHERN
FÜR EINE NACHHALTIGE MILCHERZEUGUNG – MEHR GRÜNLAND, WENIGER SOJA
Kontakte :EMB :www.europeanmilkboard.org, Silvia Däberitz (DE, EN, ES)
Tel.: 0049 – 2381 – 4361200
ECVC : www.eurovia.org - Lidia Senra: (ES-PT-FR): +34609845861
Gérard Choplin (FR-EN-DE) : +32 473257378,

