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Presseerklärung: Weit über 1000 Milcherzeuger demonstrieren heute vor EU-Parlament in Straßburg

„Reißt das Ruder herum und macht Euch stark für eine faire Landwirtschaft“

Straßburg, 20.10.2010: Mit zweihundertfünfzig Schleppern bestärken weit über 1000 Milcherzeuger aus vielen europäischen Ländern heute das EU-Parlament darin, in der Landwirtschaftspolitik einen Kurswechsel einzuleiten. „Seit der Krise 2009 sind in der EU-Politik keine wirksamen Maßnahmen beschlossen worden, um den Milchmarkt zu retten. Es wurde im Gegenteil der schädliche Liberalisierungskurs weiter vorangetrieben“, so Romuald Schaber, Präsident des European Milk Board (EMB) in Straßburg.

„Das Parlament hat nun durch sein neues Mitbestimmungsrecht in der Agrarpolitik die Möglichkeit hier etwas zu ändern. Es kann der Liberalisierung eine faire Landwirtschaftspolitik mit intelligenten Marktregeln entgegensetzen. Diese Chance zu nutzen - dazu wollen wir es heute auffordern“, so Schaber weiter.

Mit der Demonstration danken die Bäuerinnen und Bauern zum einen den Parlamentariern, die sich aktuell schon für ein Mengenmanagement und kostendeckende Milchpreise einsetzen. „All jene EU-Abgeordnete, die mit ihrer Unterstützung noch zögern, bitten wir die Wünsche der Bevölkerung ernst zu nehmen und sich für eine faire Landwirtschaft stark zu machen“, erklärt Schaber das Anliegen der Demonstranten. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine EU-weite Debatte, in der die europäischen Bürger deutlich gemacht hatten, dass der ländliche Raum sowie die Versorgungssicherheit lebenswichtig für sie sind. Die EU-Bürger forderten dabei als eine wichtige Vorraussetzung faire Wettbewerbsbedingungen für die Landwirte.

„Ohne die fairen Wettbewerbsbedingungen haben Vielfalt, Regionalität und eine gesunde Milchproduktion absolut keine Chance“, so Anton Sidler, Vorstandsmitglied des EMB und des französischen Erzeugerverbandes APLI (Association Nationale des Producteurs de Lait Indépendants). „Arbeitsplätze werden massiv verlorengehen. Tierschutz sowie Landschaften, wie wir sie heute noch kennen, gehören bei einem zügellosen Markt endgültig der Vergangenheit an.“
Das EMB fordert daher Marktregeln, die eine intelligente Marktgestaltung und kostendeckende Preise ermöglichen. Zentral ist dafür das Schaffen einer Monitoringstelle, die die nachgefragte Menge am Markt erfasst und die Produktion entsprechend anpasst.

Zusammen mit dem EU-Abgeordneten der Grünen, Martin Häusling, wurde im Vorfeld der Demonstration eine Studie zu Regulierungssystemen verschiedener Länder vorgestellt, die eines deutlich zeige: „In allen Ländern ist eine staatliche Intervention notwendig, aber nicht alle  Formen der Intervention führen zu befriedigenden Erfolgen“, so Martin Häusling. „In der Schweiz ist die Branchenorganisation Milch (BOM), ein Zusammenschluss von Produzenten, Verarbeitern und Handel, inzwischen komplett gescheitert. Die BOM-Beschlüsse, wie die Anpassung der Mengen an den Markt, werden zwar verbindlich gefasst, anschließend aber vom Handel und den Molkereien nicht umgesetzt.
„Ein warnendes Beispiel, dem die EU nicht folgen darf“, betont Romuald Schaber. „Ein wirksames Mengenmanagementsystem auf dem Milchmarkt ist für die Verbraucher und die Erzeuger in der EU absolut notwendig. Das EU-Parlament kann dazu in einem großen Maße beitragen.“

Kontakt:
EMB-Pressestelle: Silvia Däberitz (DE, EN, ES): 0049 176 38098500
Pressestelle von Martin Häusling, Birgit Walter (DE, EN, FR): Tel: 0032 2284 5820 

Presseerklärung EMB

Presseerklärung Milchstudie Martin Häusling

Photos in der Galerie verfügbar - bitte hier klicken

http://www.youtube.com/watch?v=pt_7LlBekw8

http://www.youtube.com/watch?v=Toic_hdFyD0

http://www.youtube.com/watch?v=FZkllQhN6eQ