Milchbäuerinnen und -bauern aus ganz Europa kamen in dieser Woche zur Mitgliederversammlung des European Milk Board (EMB) in Brüssel zusammen. Die starke Präsenz zeigt: Die Lage auf dem Milchmarkt ist ernst – und der Austausch über Grenzen hinweg wichtiger denn je.
Milchkrise kündigt sich an – Preise brechen in vielen Ländern stark ein
Ein zentrales Thema der Versammlung war die sich zuspitzende Lage auf dem Milchmarkt. In zahlreichen europäischen Ländern sind deutlich sinkende Erzeugerpreise zu verzeichnen. Viele Betriebe geraten damit erneut in eine wirtschaftlich existenzbedrohende Situation.
Angesichts dieser Entwicklung haben die EMB-Vertreter die umgehende Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts auf EU-Ebene gefordert. Dieses Kriseninstrument wurde geschaffen, um frühzeitig auf Überproduktion und Preisverfall reagieren zu können. „Jetzt ist der Moment, an dem die EU handeln muss, um einen massiven Absturz des Milchpreises zu verhindern“, so das EMB.
Faire Milch Initiativen als Stabilitätsanker für Erzeuger
Die Versammlung hob zudem die große Bedeutung der Fairen Milch Projekte in Europa hervor. Diese von Landwirten selbst getragenen Initiativen zeigen, dass faire Preise, Transparenz und Wertschätzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette möglich sind. Sie schaffen nicht nur bessere Einkommen, sondern stärken auch die Eigenvermarktung und das Vertrauen der Verbraucher. Gerade angesichts der drohenden Krise dienen sie als wichtiger Beweis, dass funktionierende Alternativen zum derzeitigen Marktmodell existieren – und dass politisches Handeln zugunsten eines fairen Milchsektors unbedingt nötig ist.
Verträge müssen Bauern stärken – keine Alibi-Regelungen
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussionen: Die aktuelle Reform der Gemeinsamen Marktorganisation, zu der der Trilog zwischen den EU-Institutionen noch läuft und bei dem man auf positive Resultate durchaus hoffen kann. Die Bedeutung verpflichtender, wirksamer Milchverträge ist dabei sehr hoch. Der EMB-Vorstand betonte, dass nur echte, verpflichtende Verträge die Position der Erzeuger in der Lieferkette stärken können. Dazu gehören:
- Ein Verbot der Bezahlung unter Produktionskosten – auf Basis einer korrekten, transparenten Berechnung.
- Die verpflichtende Aufnahme der Liefermenge in die Verträge, um Planungssicherheit und faire Bedingungen zu schaffen.
- Das Einbeziehen von Genossenschaften bei dieser Regelung. Das EMB sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Die Genossenschaften müssen letztlich den gleichen Regeln unterliegen wie auch der restliche Sektor.
Spiegelklauseln sind unverzichtbar
Die EMB-Vertreter bekräftigten bei der aktuellen Versammlung auch ihre Forderung nach Spiegelklauseln im internationalen Agrarhandel. Wenn europäische Landwirte strenge Standards erfüllen, müssen importierte Produkte denselben Regeln unterliegen – und dies muss von der EU konsequent kontrolliert werden. Nur so bleibt fairer Wettbewerb gewährleistet.
Die Mitgliederversammlung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig ein starkes europäisches Netzwerk für die Landwirtschaft ist. Der Austausch unter den nationalen Organisationen, die gemeinsame Analyse und die abgestimmten Forderungen machen das EMB zu einem zentralen Akteur für eine zukunftsfähige europäische Agrarpolitik.

