
Pressemitteilung
Europäischer Milchlieferstopp: Barroso muss Lage entspannen
Bauern in acht Ländern führen gemeinsamen Aktionstag durch. Kraftvolle Entscheidungen von EU-Kommissionspräsident gefordert
Brüssel/Hamm 21.09.2009: Milchbauern in den Ländern Frankreich, Deutschland, Österreich, Italien, Luxemburg, Belgien, Schweiz und den Niederlanden haben für heute einen gemeinsamen Aktionstag ausgerufen. „Überall finden zahllose Protestaktivitäten und immer mehr Milchlieferboykotte statt. Als Reaktion auf die niedrigen Milchpreise fordern die Bauern die umgehende Reduzierung der überschüssigen Milchmenge. Bis die Politik handelt, nehmen die Milcherzeuger als Selbsthilfemaßnahme die Milch in eigener Regie vom Markt“, sagt Pascal Massol von der französischen Milcherzeugerorganisation APLI.
Anlässlich des europäischen Protesttags hat eine Delegation von Milchbauern des European Milk Boards (EMB) eine Aktion in Brüssel mit Feuer und Milch durchgeführt. Dabei wurden Jean-Claude Thibault, dem Stellvertreter von Kommissionspräsident José Manuel Barroso, die politischen Forderungen des EMB für den Ausweg aus der Milchkrise übergeben. “Barroso verfolgt die Milchbauernproteste intensiv. Er ist sich dem Ernst der Lage bewusst und wird auf die EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel Einfluss nehmen“, so Thibault. Romuald Schaber, Präsident des European Milk Boards, fügt bestimmt hinzu: „Es ist sehr wichtig, dass hier schnell etwas passiert, sonst wird es in einer Katastrophe enden. Täglich wächst der Aufstand der Milchbauern in Europa.” Neben Schaber waren noch Erwin Schöpges von der belgischen EMB-Organisation MIG, Anne Marc von der OPL und Joffrey Serey von APLI (beide aus Frankreich) und Xavier Delwarte von der belgischen Organisation La Fugea anwesend.
„Die europäische Agrarpolitik hat mit ihrer betriebenen Mengenausdehnung in einem übersättigten Markt versagt und die Milcherzeuger in diese verzweifelte Lage getrieben“, sagt Schöpges. „Zehntausende stehen kurz vor dem Ruin.“ EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel ist diesen Aufgaben nicht gewachsen und hat versagt. Darunter leiden nicht nur Milchbauern, sondern auch eine umweltverträgliche und qualitative Milchproduktion sowie Arbeitsplätze in vor- und nachgelagerten Bereichen. International werden mit dieser Art von Politik lokale Milchstrukturen in armen Ländern gefährdet und auch zerstört.
„Kurz um“, so Schaber, „ist doch mit diesem politischen Handeln und den bekannten Folgen kein sozialer Frieden sicher zu stellen. Wegen der Breite der Auswirkungen halten wir es für erforderlich, die oberste Spitze der Kommission zu beauftragen, umgehend zu handeln, damit sich die Situation schnell wieder entspannen kann.“
„Die europäischen Bauern haben Maßnahmen erarbeitet, die der katastrophalen Situation effektiv begegnen und Rahmenbedingungen für eine nachhaltige, zukunftsträchtige Milcherzeugung in Europa setzen können“, sagt Daniel Condat von der OPL. Im Kern gilt es, die zu produzierende Milchmenge an den Bedarf zu orientieren. Dadurch wird Angebot und Nachfrage ausgeglichen und die Milcherzeuger können am Markt kostendeckende Preise durchsetzen.
Kontakt: Romuald Schaber, Präsident (DE): 0049/1515503 7174
Pascal Massol, Präsident APLI, Frankreich (FR): 0033/670517303
Daniel Condat, Präsident OPL, Frankreich (FR): 0033/6 07 08 62 40
Erwin Schöpges, Vorsitzender MIG, Belgien (FR, DE): 0032/497904547
Silvia Däberitz, Pressesprecherin EMB (DE, ENG): 0040/1634497173

