Länderbericht – 25-09-2009
Die Milchbauern in den meisten Streikländern Europas haben gestern lediglich eine Komponente des Bauernaufstandes ausgesetzt – den Milchlieferstreik. Die Proteste und Aktionen laufen weiter und die Milchbauern haben den 5. Oktober, wenn sich die europäischen Agrarminister im informellen und außerordentlichen Treffen beraten, fest im Blick. „Wir sind uns im Klaren darüber, dass es eine zweite Etappe gibt, wenn unsere EMB-Forderungen nicht erfüllt werden“, sagt Wilem Smeenk von der OPL in Frankreich.
Frankreich: Gestern gab der Landwirtschaftsminister in einer Pressemitteilung bekannt, dass er sowohl die Forderungen des EMBs unterstützen will ABER auch die Vertragslandwirtschaft und Interventionen stärken will. In Nordwestfrankreich sind auf einem Parteitag der UMP (Sarkozy) 30.000 Liter Milch ausgebracht worden.
Belgien: Heute Aktion vor Verarbeiter für Butter, der Milchpulver aus Neuseeland importiert. Getreidebauern unterstützen Aktionen der Milchbauern und verbrennen u.a. Getreide
Italien: Gestern erfolgreiche Aktionen – siehe Länderbericht vom 24.09. Heute Aktionen in verschiedenen Städten.
Deutschland: Bauern sind sich bewusst, dass der Aufstand noch nicht beendet ist. Bundeskanzlerin Merkel hat nach der Wahl ein Treffen mit Romuald Schaber und Gerd Sonnleitner (Deutscher Bauernverband) angekündigt. Termin mit Aktionen begleiten.
Niederlande: Heute Aktion in Schulen. Milch an Kinder verschenken, Eltern sensibilisieren, wird im (Kinder)Fernsehen gesendet.
Luxemburg:Gestrige Aktion mit Bündnispartnern war erfolgreich. Es waren neben vielen Milchbauern auch 20 verschiedene Firmen aus dem Sektor Landwirtschaft vertreten.
Schweiz:Deutsch-Schweiz: Teilweise Streik unterbrochen. Bauern sind weiter mobilisiert. Anfang Oktober Vorschläge von Branchenorganisation erwartet. Ab heute einschließlich nächster Woche schicken die Bauern jeden Tag einen Liter Milch an das Bundesamt für Landwirtschaft in Bern – dort wurde Mengenerhöhung beschlossen. Französisch-Schweiz: Streiken teilweise weiter. Heute Blockade der Molkerei Cremo.
Österreich: Gestern erfolgreiche Aktionen – siehe Länderbericht vom 24.09. Heute Aktion Milch verschenken in Salzburg
Pressestimmen:
AFP, 25.09.09:Mixa mischt sich in Milchstreit ein
Augsburg — Angesichts der anhaltenden Proteste von Milchbauern gegen niedrige Preise hat der Augsburger Bischof Walter Mixa die Politik und Supermarkt-Ketten scharf kritisiert. "Der Preisverfall für Milch durch die politisch gesteuerte Anhebung der Produktionsquoten sowie das Preisdumping der Lebensmittelkonzerne ist unmoralisch und ausbeuterisch", sagte Mixa der "Augsburger Allgemeinen". Die Verantwortlichen der Bundes- und Europapolitik forderte er zu raschem und wirksamen Handeln auf. "Es besteht die Gefahr, dass bäuerliche Familienbetriebe mutwillig zerstört werden, um Agrarfabriken Platz zu machen", sagte Mixa.
Für das Überleben von bäuerlichen Familienbetrieben seien mindestens 40 Cent pro Liter erforderlich, um das Überleben der Milchbauern und ihrer Familien zu sichern. Derzeit erhalten die Landwirte um die 20 Cent. "Agrarpolitik darf nicht allein den Marktmechanismen überlassen werden", sagte Mixa. Es gehe dabei schließlich um die dauerhafte Versorgung der Bevölkerung mit guten Lebensmitteln und die Gesundheit der Menschen. Auch den Verbrauchern komme eine große Verantwortung zu: "Sie können mit ihrer Kaufentscheidung für Qualitätsmilch oder Billigprodukte im Supermarkt die Entwicklung beeinflussen."
http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5gE_whHrs3ZVP7KUacUuwDgOydX8g
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