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Jetzt handeln: Freiwillige Mengenreduzierung muss jetzt aktiviert werden

MilcherzeugerInnen fordern EU-weit die sofortige Schaltung des wichtigen Kriseninstruments

Brüssel, den 15. April 2020: Der Milchsektor rutscht immer weiter in eine Krise ab. Da die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten aufgrund der Corona-Krise massiv eingebrochen ist, können die produzierten Mengen nicht mehr absorbiert werden.

„Der reduzierten Nachfrage muss jetzt auch temporär eine Reduzierung des Angebotes folgen, um den Markt aus seiner gefährlichen Schieflage zu holen“, betont der Vorsitzende des European Milk Board, Erwin Schöpges. „Die MilcherzeugerInnen rufen daher den EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski dazu auf, jetzt einen freiwilligen Lieferverzicht zu aktivieren.“ Wie Schöpges weiter anführt, befinden sich die Preise für Milchprodukte sowie weitere wichtige Marktindikatoren seit einigen Wochen auf einer gefährlichen Talfahrt, deren Ende noch lange nicht abzusehen ist. Doch die Wirkungen auf die Milchbäuerinnen und -bauern sind bereits jetzt fatal. „Stark sinkende Preise, das Wegschütten von Milch – wenn wir diesen Entwicklungen jetzt nicht EU-weit mit einem koordinierten freiwilligen Lieferverzicht begegnen, wird der Absturz europaweit gewaltig“, unterstreicht Sieta van Keimpema, Vize-Vorsitzende des EMB, die Notwendigkeit einer sofortigen Krisen-Reaktion. „Es ist sehr gut, dass wir in der EU über ein Kriseninstrument verfügen, das sich auch schon in der Vergangenheit als sehr wirksam erwiesen hat. Jetzt ist der Moment es zu schalten“, so van Keimpema weiter.

 

Wie wird das Kriseninstrument eingesetzt?

Die MilcherzeugerInnen wollen Verantwortung für den Milchsektor übernehmen und über die EU koordiniert die Produktion von Milch reduzieren. Notwendig ist dafür ein von der EU-Kommission ausgeschriebenes Mengenreduktionsprogramm, das für einige Monate aktiviert wird. Hier erhalten die ErzeugerInnen, die ihre Anlieferung im Vergleich zur Vorjahresperiode verringern, einen Bonus je reduziertem Kilogramm Milch. Damit ist sichergestellt, dass sie die Reduktion auch wirtschaftlich stemmen können. Während der temporären Reduktionsphase sollten die anderen ErzeugerInnen ihre Produktion nicht steigern, was über eine sogenannte Deckelung gewährleistet wird. Denn das würde den Reduzierungen der Kollegen und Kolleginnen zuwiderlaufen.
Mit dieser Maßnahme würde der immense Druck, der jetzt auf den MilcherzeugerInnen, aber auch der verarbeitenden Industrie lastet, deutlich verringert.

 

Was funktioniert nicht zur Kriseneindämmung?

Falsch wäre es allerdings, in der jetzigen Situation auf die private Lagerhaltung oder die Intervention – also das Einlagern bzw. staatliche Aufkaufen von Butter und Milchpulver – zu setzen. Denn diese eingelagerten, nicht nachgefragten Produkte entlasten den Markt nicht, sondern bauen ihrerseits schädlichen Druck auf. Wichtig ist es, überschüssige Milchmengen gar nicht erst zu produzieren und dafür sorgt ein freiwilliger Lieferverzicht.
Wird dieser jedoch nicht sofort geschaltet, dann wird sehr bald eine verpflichtende Mengenreduzierung EU-weit notwendig werden. Hier müssten alle MilcherzeugerInnen ihre Produktion dann um einige Prozent verringern.

„Wir sehen, dass es immer wieder zu unvorhersehbaren Ereignissen kommen kann“, so Erwin Schöpges. „Als EU können wir aber auf einige dieser Entwicklungen tatsächlich gemeinsam, koordiniert und konstruktiv reagieren. Die sich jetzt schnell anbahnende Milchkrise ist eine Entwicklung, die wir EU-weit in den Griff bekommen können. Wir Erzeuger sind absolut bereit dafür und wir rufen die EU-Kommission dazu auf, mit uns zusammen hier Verantwortung zu übernehmen. Lassen Sie uns gemeinsam dieses Instrument der freiwilligen Mengenreduzierung anwenden und ein weiteres Abrutschen in die Krise verhindern!“

 

Kontakte:

EMB-Präsident Erwin Schöpges (DE, FR, NL): +32 (0)497 904 547
EMB-Vizepräsidentin Sieta van Keimpema (DE, NL, EN): +31 (0)612 16 80 00
EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1936
EMB-Pressestelle Vanessa Langer (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1935