Mit 14 Faironikas, den lebensgroßen Kühen in den Länderfarben der Mitglieder des European Milk Board (EMB), kamen die Milcherzeugerdelegationen auf die Place Luxembourg und erläuterten die Notwendigkeit, den Milcherzeugern eine ausreichende Bündelung in unabhängigen Erzeugerorganisationen zu ermöglichen und eine Monitoringstelle zur Beobachtung des Milchmarktes einzusetzen. Dies sei auch die Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Landwirtschaft im Sinne der Verbraucher.
04/05/2011 Brüssel: In drei Wochen, am 24. / 25. Mai 2011 wird der Agrarausschuss des EU-Parlaments über den Bericht von James Nicholson entscheiden, der die Gesetzesvorschläge der EU-Kommission zum Milchmarkt kommentiert. Der aktuelle Entwurf weist aus Sicht der Milcherzeuger des EMB deutlich Schwächen auf und wird die auch vom Parlament gewünschte Stärkung der Erzeugerposition am Milchmarkt nicht erreichen können.
Die Delegationen aus den verschiedenen Mitgliedsländern sehen jedoch noch gute Chancen, den Bericht durch konkrete Änderungen aufzuwerten.Sieta van Keimpema, Vize-Präsidentin des EMB: „Wir sind heute hier vor dem EU-Parlament in Brüssel, um den interessierten Abgeordneten unsere Forderungen noch einmal mit erhöhter Dringlichkeit zu überreichen. Die Luft brennt – das ist das Symbol für die neuerlich zu erwartenden Krisen auf dem Milchmarkt, wenn die Milcherzeuger nicht auch über gesetzliche Rahmenbedingungen die Möglichkeit erhalten, sich so zu bündeln, dass sie Einfluss am Milchmarkt und damit faire Preise erreichen können.“ Entscheidend sei in Bezug auf die Bündelung, dass diese national unbeschränkt erfolgen könne und EU-weit bis zu 30% betragen dürfe.
Willem Smeenk, EMB-Vorstandsmitglied aus Frankreich, ergänzte: „Bündelung meint immer den Zusammenschluss der Erzeuger in unabhängigen Erzeugerorganisationen, ganz egal, ob sie ihre Milch an eine private oder eine genossenschaftlich organisierte Molkerei liefern.“ Dies sieht der Gesetzesentwurf bisher nicht vor. Im Gegenteil, an vielen Stellen will er Genossenschaften Sonderregelungen gewähren und auch die so genannte Doppelmitgliedschaft in Genossenschaften und Erzeugergemeinschaften verbieten. EMB-Präsident Romuald Schaberkommentiert: „Große Genossenschaften und Erzeuger haben in der Frage der Erzeugerpreise nicht dieselben Interessen. Erzeuger müssen deshalb gegenüber allen Molkereien die Möglichkeit haben, Verkaufsregeln und Einstiegspreise über eigene Erzeugerorganisationen festzulegen.“
Schaber weiter: „Der Milchmarkt ist ein hochkomplexer und internationaler Markt, der die Versorgung der europäischen Bürger mit qualitativ hochwertigen und nachhaltig erzeugten Milchprodukten gewährleisten soll. Die EU muss einen Rahmen setzen, der den Milchmarkt und seine Akteure befähigt, diese gesellschaftliche Aufgabe zu erfüllen. (...)
Eine Monitoringstelle sollte durch Beobachtung und präzise Vorgaben auf Basis der Produktionskosten gewährleisten, dass die produzierte Milchmenge der Nachfrage entspricht. In Verbindung mit einer Stärkung der Position der Erzeuger über erweiterte Bündelungsmöglichkeiten sind zukünftig kostendeckende Erzeugerpreise möglich.“ Verbrauchervertreter sollten die Stelle durch ihre Mitarbeit unterstützen können, denn sie haben ein Interesse an einer zuverlässigen Versorgung mit frischen Produkten, an Milchhöfen in bäuerlicher Hand und fairen Preisen entlang der ganzen Lebensmittelkette, vom Erzeuger bis zum Verbraucher.
Ansonsten, das machten die Delegationen aus mehreren europäischen Ländern mit ihren bengalischen Feuern sehr deutlich, wird schon bald die nächste Krise am Milchmarkt die Luft erhitzen und Existenzen vernichten. Jetzt haben die EU-Parlamentarier die Chance, statt in teure „Löschfahrzeuge“ in Form von Exportsubventionen oder Intervention, in kluge Gesetze und einen kostengünstigen, verlässlichen Rahmen für die Milcherzeugung zu investieren.
Im Anschluss an die Kundgebung vor dem Europaparlament zogen die Milchbauern zur EU- Kommission, um dort gegen die ultraliberale Politik von EU-Handelskommissar Karl de Gucht zu demonstrieren. Erwin Schöpges, Mitglied des EMB-Vorstandes aus Belgien: „Herr De Gucht zerstört mit seiner Politik der „Weltmarktfähigkeit um jeden Preis“ bäuerliche Strukturen; der Profit bleibt allein den Industriellen und den Banken.“ Ferner zeigten die Milcherzeuger sich solidarisch mit ihren Kollegen in Kanada. Diese erzielen durch eine konsequente Anpassung der Produktion an die Nachfrage seit langem kostendeckende Milcherzeugerpreise. Geht es nach De Gucht, dann sollen billige, europäische Milchprodukte bald den kanadischen Markt überschwemmen.
Photos in hoher Auflösung werden Sie im Anschluss an die Aktion auf unserer Internetseite www.europeanmilkboard.org finden.
Kontakt:
Silvia Däberitz, EMB 0049-176-38098500, office[at]europeanmilkboard.org
Sieta van Keimpema (NL, EN, DE): 0031-612-168000
Willem Smeenk (FR, DE, NL): 0033-686-436156
Romuald Schaber (DE): 0049-160-3524703
Hier finden Sie eine pdf-Datei mit der Pressemitteilung.
Hier finden Sie Bilder von der Aktion.
Hier finden Sie die Forderungen des EMB, die überreicht wurden.
Hier finden Sie eine Auswahl von Pressebeiträgen über die Aktion in Brüssel:
http://brf.be/nachrichten/national/210860/
http://www.thedairysite.com/news/34410/protests-by-european-milk-prodcuers
http://www.vilt.be/Melkveehouders_EMB_eisen_sterker_Europees_zuivelpakket
http://www.lavenir.net/article/detail.aspx?articleid=DMF20110504_090
http://www.metrotime.be/nlnewsbelga.html?telexid=61587832

