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(Saint-Brice-en-Coglès, 21.11.2014) Die Situation am europäischen Milchmarkt verschärft sich dramatisch. Seit Monaten sinken die Preise in sämtlichen Ländern. Damit nicht genug: Wenn Ende März 2015 in Europa die Milchquoten abgeschafft werden, droht den Erzeugern der nächste Preisverfall. Inmitten dieser wirtschaftlich und politisch schwierigen Lage findet aktuell vom 20. bis 21. November die diesjährige Mitgliederversammlung des European Milk Board (EMB) statt. Im französischen Saint-Brice-en-Coglès treffen sich über 50 Milcherzeuger aus 15 europäischen Ländern, um über die aktuelle Marktsituation sowie künftige Strategien zu diskutieren.
„Die derzeitige Preissituation ist sehr dramatisch“, bestätigt der Vorsitzende des EMB, Romuald Schaber. „In sämtlichen europäischen Ländern befindet sich der Milchpreis im freien Fall.“ So hätten Molkereien in Belgien bereits angekündigt, ab Januar nur noch 25 Cent zu bezahlen. Und auch in Frankreich müssten sich die Milchbauern auf einen unerträglich niedrigen Preis einstellen. Am schlimmsten sieht es derzeit in den baltischen Staaten aus. Dort bekommen Erzeuger nur noch 16-17 Cent pro Kilogramm Milch. Der Grund dafür ist europaweit derselbe: „Es wird völlig am Markt vorbei produziert, deshalb haben wir zu viel Milch am Markt“, erklärt Romuald Schaber. Wenn dann nächstes Jahr auch noch das letzte Begrenzungssystem – die Milchquoten – wegfallen, seien viele Betriebe stark in ihrer Existenz bedroht.
Marktverantwortungsprogramm (MVP)
Die Milcherzeuger fordern deshalb mit Nachdruck, dass die Politik das vom EMB entwickelte Marktverantwortungsprogramm (MVP) umsetzt. Darin wird vorgeschlagen, dass die Produktionsmengen in Krisenzeiten temporär festgelegt und an den Markt angepasst werden. Wenn dann die Nachfrage wieder anzieht, kann die normale Produktion erneut aufgenommen werden. „Das MVP muss umgesetzt werden, sonst kommt es zur Katastrophe für Europas Milcherzeuger“, warnt Schaber.
Angesichts der angespannten Marktsituation in Frankreich fordert Paul de Montvalon, französisches EMB-Vorstandsmitglied, die Politik auch dazu auf, bessere Rahmenbedingungen für die Erzeugerbündelung zu schaffen. „Die aktuellen Vertragsaushandlungen zwischen Erzeugern und Industrie führen in die Sackgasse. Es müssen mehr Erzeuger gebündelt sein, damit sie genügend Marktmacht haben, um auf die Vertragsinhalte Einfluss nehmen zu können.“
Véronique Le Floc’h, Vorsitzende der französischen Milcherzeugerorganisation OPL weist ebenfalls auf die Notwendigkeit einer Regulierung hin, um den Produzenten ein würdiges Einkommen zu garantieren. Nur ein fairer Milchpreis erlaube es den Erzeugern, die Kosten für notwendige Investitionen zu schultern. „Wir beobachten eine zunehmende Verarmung der Milchbauern, die oftmals hart arbeiten und dennoch nichts verdienen.“
EMB-Aktion im Dezember
Die Mitglieder des European Milk Board sind sich einig, dass es auf dem europäischen Milchmarkt noch eine Menge zu tun gibt. Damit dies auch der Politik unmissverständlich klar wird, plant das EMB am 11. Dezember in Brüssel eine Medien-Aktion vor dem Gebäude der EU-Kommission. „Wir nähern uns gefährlich den Krisen-Zuständen von 2009 und 2012. Die aktuelle Marktsituation wird die Bauern erneut auf die Straßen treiben“, so Schaber abschließend.
Kontakte:
Romuald Schaber - Vorsitzender EMB (DE): +49 (0)160 352 4703
Hanna Vauchelle – EMB-Pressestelle (DE, EN, FR, IT): +32 (0) 2808 1934

