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Presseerklärung:Milcherzeuger des European Milk Board löffeln in Kappel die Suppe selber aus

Vertreter aus 14 europäischen Ländern legen gemeinsame Strategie fest

9.7.2009, Kappel am Albis / Zürich:  Ganz bewusst fand die Mitgliederversammlung des European Milk Board in der Schweiz statt. Hier ist schon zwei Monate nach der Abschaffung der gesetzlichen Quotenregelung am 1. Mai 2009 die massive Verschlechterung der Position der Milcherzeuger gegenüber den Verarbeitern sichtbar. Martin Haab zur Vorgehensweise der EMB-Mitglieder BIG-M und Uniterre mit dieser Situation: „Die Kontrolle über den Milchmarkt ist vom Staat in die Hände der Verarbeiter gefallen und diese diktieren uns schamlose Preise und Mengen, die weit über dem Bedarf liegen. Die Politik muss die Allgemeinverbindlichkeit zur Umsetzung der Anpassung des Angebots an die Nachfrage sofort im Gesetz verankern.“
In Kanada besteht seit Jahrzehnten ein funktionierendes System der Mengenregulierung, das den Produzenten eine aktive Teilnahme am Markt ermöglicht. Vertreter der Dairy Farmers of Canada brachten bei der Tagung ihre Erfahrungen immer wieder fruchtbar in die Diskussion ein. „Wir passen über unser flexibles System die Menge an die Nachfrage an, um unsere Milch zu kostendeckenden Preisen für den kanadischen Markt zu produzieren.“
Die Lage der Milcherzeuger in Europa dagegen ist katastrophal; in nahezu allen Ländern sind die Preise auf 18-22 Cent gefallen, ein Preisniveau, das für viele Milchbetriebe akut existenzbedrohend ist. Die von der Politik vorgebrachten Maßnahmen wie die Vergabe verbilligter Kredite oder die frühere Auszahlung der Direktzahlungen sowie Exporterstattungen und Intervention sind nicht geeignet, eine Trendwende am Markt herbeizuführen. Dies ist jedoch notwendig, um kostendeckende Milcherzeugerpreise und damit eine nachhaltige Milcherzeugung wieder zu ermöglichen.
Am 30.6. ist das Ultimatum, dass das European Milk Board an EU-Agrarrat und EU-Kommission gestellt hat, abgelaufen. Zwar gibt es Signale, wie das Vorziehen der Marktanalyse, dass die Politik den Handlungsbedarf zur Sanierung des Milchmarktes erkannt hat. Doch die Geduld der Milcherzeuger ist am Ende. Kleine Schritte reichen jetzt nicht aus. Romuald Schaber, Präsident des European Milk Board dazu: „Der Systemwechsel, eine marktorientierte Milchproduktion, muss sofort umgesetzt werden.“ Das EMB fordert deshalb als Sofortmaßnahme das Aussetzen von 5% der Milchquote für das Milchwirtschaftsjahr 2009/2010. Das führt zu einer Entlastung des Marktes und ermöglicht in der Folge ein Ansteigen der Milchpreise.

Dies ist der Einstieg in eine flexible Mengenregulierung.  „Was wir als EMB anstreben ist ein Systemwechsel. Wir brauchen einen rechtlichen Rahmen für die Steuerung der Menge durch die Milcherzeuger. Für dieses Ziel werden wir als Milcherzeuger des EMB in den kommenden Wochen mit aller erdenklicher Kraft  und allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln  kämpfen. Sollte sich die Politik den notwendigen Reformen verweigern, ist ein neuerlicher, europaweiter Lieferstreik unausweichlich. Die Verantwortung dafür trägt alleine die Politik.“ Hierin waren sich alle Teilnehmer der Tagung, aus Nord-, Süd-, West- und Osteuropa einig.
Pascal Massol, Vorsitzender des neuen EMB-Mitglieds APLI aus Frankreich hierzu: „Wir haben in kürzester Zeit einige Tausend Milcherzeuger in unserem Verband versammelt. Nun arbeiten wir täglich mit unseren Kollegen im EMB zusammen, um europaweit gemeinsam und zeitgleich aufzutreten.“
Um ihre Entschlossenheit auch mit einem starken symbolischen Zeichen zu versehen, löffelten die Milcherzeugervertreter aus 14 verschiedenen Ländern am historischen Suppenstein in Kappel eine Milchsuppe. Wie ihre historischen Vorgänger widersetzen sie sich dem Befehl ihrer „Feldherren“, welche heute Supermärkte, Molkereien und Politik heißen. „Wenn die Politik auch versucht, uns auseinander zu dividieren und von der Notwendigkeit spricht, das der Milchpreis immer tiefer sinken muss, beschließen wir, uns nicht mehr in ungezügeltem Wettbewerb gegenseitig die Existenzen zu zerstören. Stattdessen stehen wir Seite an Seite und gehen gemeinsame Wege, auch wenn diese sehr steinig sind. Darauf sind wir vorbereitet.“

Kontakt:
Romuald Schaber (DE): 0049/1515503 7174
Martin Haab (DE, EN): 0041/792 368 411
Sonja Korspeter (FR, EN, ES): 0049/1786021685

Vertreter der Mitgliedsverbände des EMB in Kappel/ Zürich mehr Fotos

 

Filmclips auf der Internetseite des Schweizer Bauer (hier klicken)

Spannender Artikel auf Lid.ch (hier klicken)