Bei der Konferenz des European Milk Board (EMB), die vom 22. bis zum 24. Februar in Dublin stattfand, herrschte Einigkeit darüber, dass die stärkere Bündelung von Milcherzeugern in unabhängigen Organisationen unerlässlich ist. Auch eine Beobachtung und Regulierung des Marktes auf EU-Ebene ist notwendig, um die Preisgestaltung am Milchmarkt im Sinne der Erzeuger effektiv zu reformieren.
24/02/2011 Dublin: Die Vertreter des EMB waren sich bei ihrer Konferenz in Dublin einig, dass einige Vorschläge des von der EU-Kommission vorgestellten Milchpaketes durchaus fortschrittlich sind. Allerdings vernachlässigt es noch immer die notwendige Stärkung der Position der Erzeuger auf dem Milchmarkt.
Romuald Schaber, Präsident des EMB, kritisierte insbesondere die vorgeschlagene Begrenzung der Bündelung der Erzeuger auf 3,5% auf europäischer Ebene und 33% auf nationaler Ebene und wies darauf hin, dass eine solche Einschränkung den realen Gegebenheiten des Milchsektors nicht Rechnung trage. Er verwies darauf, dass der Marktanteil einiger Molkereien die genannten Bündelungsgrenzen bereits übersteigt und führte dazu das Beispiel von ARLA Foods mit 95% des dänischen Marktes und Friesland Campina mit 8,8% des gesamteuropäischen Marktes an.
„Uns wird immer wieder gesagt, dass die Genossenschaften fusionieren und auf europäischer Ebene stärker zusammenarbeiten wollen. Dieser Trend zeichnet sich bereits ab. Die Politiker in Europa und in den Mitgliedsstaaten müssen diese Tatsache berücksichtigen, wenn sie die Position der Bauern innerhalb der Nahrungskette effektiv stärken wollen, wie sie bereits so oft betont haben“, sagte Schaber. Jackie Cahill, Präsident der Irish Creamery and Milk Suppliers Association (ICMSA), des irischen Mitgliedsverbandes des EMB, unterstützt die Argumentation von Romuald Schaber.
“Wir beobachten eine zunehmende Konzentration der heute bereits großen verarbeitenden Unternehmen und Handelskonzerne ohne dass die EU-Kommission sich Sorgen zu machen scheint. Gleichzeitig erhalten Nahrungsmittelerzeuger und Bauern keine Unterstützung bei ihren Bemühungen, sich zu organisieren und koordiniert zu agieren. Die Kommission ist scheinbar zufrieden damit, zu beobachten, dass den Menschen, die Lebensmittel produzieren, immer mehr die Möglichkeit genommen wird, kostendeckende Preise zu erzielen, und dass die Macht zunehmend bei den großen und dominierenden Zwischenhändlern in der Nahrungsmittelkette liegt.
Die Einordnung der Genossenschaften war ebenfalls Thema: „Heute operieren viele Genossenschaften auf internationalen Märkten und lagern Geschäftsbereiche aus. Genossenschaftsmitglieder haben so oft keinen Einfluss mehr auf die Geschäftsstrategien. Aus diesem Grunde dürfen Genossenschaften nicht als Erzeugerorganisationen gelten und nicht den Sonderstatus erhalten, der im Papier der Kommission für sie vorgesehen ist“, sagt Sieta van Keimpema, Vizepräsidentin des EMB.
„Diese Genossenschaften sind keine Erzeugerorganisationen sondern verarbeitende Betriebe, die ein großes Interesse niedrigen Rohmilchpreisen haben. Erzeuger – unabhängig davon, ob sie Genossenschaftsmitglied sind oder eine Privatmolkerei beliefern - müssen das Recht und die Möglichkeit haben, einer realen und unabhängigen Erzeugerorganisation beizutreten“, ergänzt van Keimpema.
Die Milcherzeuger aus 14 europäischen Ländern waren sich einig, dass eine Monitoringstelle auf europäischer Ebene geschaffen werden muss, die Produktionskosten und Preise ebenso überwacht wie Angebot und Nachfrage. Diese Stelle würde ermitteln, ob die Erzeugerpreise die Produktionskosten decken und dies sicherstellen, indem sie Preiskorridore bestimmt, auf deren Basis entschieden wird, welche Mengen produziert werden. Angesichts der ungleichen Positionen der Akteure in der Milchkette (Erzeuger, Verarbeiter, Handel, Verbraucher) und der Bedeutung der Milchproduktion für die europäische Gesellschaft, ist eine solche Stelle unerlässlich. Um die Zukunft einer nachhaltigen Milchproduktion in Europa zu sichern, sollen auch Verbrauchervertreter in die Monitoringstelle integriert werden.
Das EMB führte das Beispiel der Schweiz an. Dort hat ein unkontrollierter Markt die Überproduktion befördert, was zu einer starken Senkung der Erzeugerpreise und einer zunehmenden Einlagerung von überschüssiger Butter geführt hat. Von Oktober 2008 bis Oktober 2010 ist der Erzeugerpreis um etwa 25% gesunken. Die gelagerte Buttermenge betrug Mitte Februar 2011 7311 Tonnen, das sind 75.5% mehr als im gleichen Zeitraum in 2008.
Ein weiteres Problem ist der ständig sinkende Anteil der Erzeugerpreise am Verbraucherpreis. Jackie Cahill dazu: „In Irland betrug der Erzeugeranteil am Verkaufspreis für Milch im Jahr 1995 43%. 2005 lag er noch bei 36% und 2009 ist er auf 26% gesunken. Dieser Trend ist unübersehbar und wenn das Problem nicht angegangen wird, indem die Bauern einen fairen Anteil des Verkaufspreises erhalten, ist es mehr als fraglich, ob bäuerliche Familienbetriebe in Europa langfristig eine Perspektive haben. Verbraucher wollen günstige Nahrungsmittel und unter dem Deckmäntelchen, ihnen billige Milch zu verkaufen, haben die großen Handelsketten die Margen für die Milchbauern schlicht und einfach gestrichen während sie ihre eigenen behalten oder Milch als „Lockvogelangebot“ benutzen. Dies ist ein europäisches Problem und wird eine europäische Lösung erfordern.“
Kontakt:
Silvia Däberitz, EMB 0049-176-38098500, daeberitz@europeanmilkboard.org
Cathal MacCarthy, ICMSA, 00353-87-6168758, cathalmaccarthy[at]icmsa.ie
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